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Didaktische Konzeption


23.5.2014
Mit diesen Materialien können Lehrerinnen und Lehrer anlässlich internationaler Fussball-Turniere die Frage der nationalen Identität und der Rolle des Fußballs in unserer Gesellschaft in den Unterricht einbringen und hinterfragen. Wie entsteht dieses "Wir"-Gefühl anlässlich internationaler Fußball-Turniere? Was denken die Menschen über sich und ihre Nation? Und was hat Fußball damit zu tun? Der bereitgestellte Muster-Fragebogen bezieht auch Schülerinnen und Schüler aus anderen Kulturen gezielt mit in die Diskussion ein.

Einführung


Street Art in Rio de Janeiro"O Futuro", Street Art in Rio de Janeiro (© Foto: Sabine Kühmichel)
Wie schon zu den vorangegangenen Fußballländerspielen bietet auch das WM-Jahr 2014 einen geeigneten Rahmen dafür, dass Jugendliche Befragungsprojekte in Schule und Jugendbildung durchführen. Dabei wird das Nationalbewusstsein in der Zielgruppe junger Menschen thematisiert, selbst erforscht sowie kritisch bewertet und analysiert, wie Identifikation mit der eigenen Herkunft und Interesse an anderen "zusammenpassen". Dazu werden neben dem Meinungsbild der jugendlichen Bevölkerung deutscher und ausländischer Herkunft auch die Berichterstattung nationaler und internationaler Medien zur Weltmeisterschaft untersucht.





Zielgruppe Durchführung ab Klasse 8
Ziel Ziel ist es, die Jugendlichen durch die Beschäftigung mit den Themen der Unterrichtsreihe in die Lage zu versetzen, die tagesaktuellen Ereignisse rund um die Fußball-Weltmeisterschaft bewusster wahrzunehmen und aufgrund ihrer Hintergrundinformationen reflektierter zu beobachten.
Unterrichtsfächer Politik/Sowi, Geschichte, Deutsch, Religion, außerschulische Bildung
Themenbezug Nationalbewusstsein, Selbst- und Fremdwahrnehmung, Soziologie der Gruppe, internationale Verständigung, Befragungsmethoden
Dauer 2 - 4 Wochen, je nach Baustein-Auswahl
Aufwand gering bis hoch, je nach Baustein-Auswahl
Materialien Alle benötigten Materialien stehen im Online-Angebot der bpb unter www.bpb.de/grafstat zur Verfügung.
Autor/innen Wolfgang Sander und Team Forschen mit GrafStat auf Basis der Unterrichtsreihe Fußball und Nationalbewusstsein von Wolfgang Sander, Andrea Meschede und Julia Behr zur WM 2006

Auch wenn sich nach der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land einiges geändert hat, so ist das Nationalbewusstsein der Deutschen nach wie vor ein schwieriges Thema in der Gesellschaft und im Politikunterricht. Wer sich dazu bekennt, "stolz auf Deutschland" zu sein, gerät schnell in den Verdacht, Nationalist zu sein – mehr, als dies bei anderen Nationen der Fall ist. Aber Identifikation mit einer Nationalmannschaft und Interesse an anderen Nationen schließen sich angesichts eines medial vermittelten "Spiels der Nationen" nicht aus.

Selbst- und Fremdwahrnehmung werden durch internationale Wettkämpfe zum Thema der öffentlichen Diskussion. Gerade der Sport und insbesondere der Fußball hat es – vor allem während der großen internationalen Turniere – immer wieder geschafft, ein Nationalgefühl bei Fans und Zuschauern zu wecken bzw. zu stärken. Überdeutlich wurde dies bei der Begeisterung, die die deutsche Nationalmannschaft 2006 bei der WM im eigenen Land ausgelöst hat - obwohl es "nur" zum dritten Platz gereicht hat. In der neueren Geschichte Deutschlands können das "Wunder von Bern" 1954, der Sieg bei der WM im eigenen Land 1974 oder der Gewinn der Weltmeisterschaft in Rom 1990 nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten, aber auch die Vize-Weltmeisterschaft 2002 in Japan als Beispiele nationaler Euphorie genannt werden. Doch es gibt auch die negativen Seiten eines übersteigerten Nationalstolzes: Ausschreitungen von Hooligans sowie ausländerfeindliche bzw. rassistische Übergriffe und Äußerungen unter den Fans.

Jugendliche, besonders diejenigen, die sich auch jenseits internationaler Turniere für Fußball interessieren, werden interessiert die Möglichkeit nutzen, hinter die Kulissen der Fußball-WM zu schauen.

Ziel des Unterrichts-Projektes



Plakat zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014, CuritibaPlakat zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014, Curitiba (© Sabine Kühmichel)
Die Jugendlichen werden durch die Beschäftigung mit den Themen der Unterrichtsreihe in die Lage versetzt, die tagesaktuellen Ereignisse rund um die Fußball-WM bewusster wahrzunehmen und aufgrund ihrer Hintergrundinformationen reflektierter zu beobachten. Die nationale Begeisterung der Fans, die mediale Berichterstattung, die Werbung mit Fußball-Motiven, die Begegnung von Menschen aus aller Welt u.a. kann in Bezug zu den Unterrichtsinhalten gebracht werden. Durch die gezielte Auswahl der Materialien ergeben sich darüberhinaus immer wieder Möglichkeiten, die verschiedenen Nationalitäten bzw. unterschiedliche Herkunftsländer der Schülerinnen und Schüler in der Klasse in das Unterrichtsgeschehen mit einzubeziehen.

Die Unterrichtskonzeption unterstützt in hohem Maße die Eigenständigkeit und Eigentätigkeit der Schülerinnen und Schüler. Mit der Durchführung einer Jugendbefragung an der eigenen Schule wird das Thema "vor Ort" forschend erkundet und die Anbindung an die unmittelbare Lebens- und Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler gewährleistet. Gleichzeitig wird der Computer als ein wichtiges Werkzeug in den Politikunterricht eingebunden. Technik-distanzierte Jugendliche können so wichtige Erfahrungen sammeln, indem sie die Bestätigung finden, dass sie in kurzer Zeit in der Lage sind, einen Computer als nützliches Werkzeug zu benutzen, um beispielsweise Daten einzugeben und diese kompetent auszuwerten.

Ferner orientiert sich die Unterrichtsreihe am Konzept der "Öffnung von Schule" und bemüht sich um eine verstärkte Integration handlungs- und produktorientierter Elemente in den gewohnten Schulalltag. Dabei kommt es wesentlich darauf an, die Schülerinnen und Schüler an der Planung und der prozesshaften Gestaltung des Unterrichts zu beteiligen sowie ihnen die konkrete Erfahrung zu vermitteln, dass ihre Vorstellungen und Erwartungen ernst genommen und im Unterricht berücksichtigt werden.

Diese Wirkung wird dadurch verstärkt, dass die im Unterricht oder in der außerschulischen Bildungsarbeit erstellten Produkte (z.B. die Ergebnisse der Jugendbefragung zum Thema "Nationalbewusstsein und Fußball") einer interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden. Die dadurch ausgelöste positive Resonanz dürfte erfahrungsgemäß das Interesse der Jugendlichen an politischen Sach- und Streitfragen nachhaltig stärken.


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