GrafStat Fußball

Baustein 1: Einstieg und Leitfragen – "Alle im gleichen Rhythmus"!?


23.5.2014
Im Einstiegsbaustein wird die Leitfrage nach der Beziehung von Fußball und nationaler Identität aufgeworfen. Über ein Abtimmungsspiel sowie Materialien zu Selbst- und Fremdbildern und Stereotypen setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit den eigenen Einstellungen auseinander und entwickeln Leitideen für eine eigene Jugendbefragung mit GrafStat.

Klischee des deutschen Fußballs als KriegsersatzKlischee des deutschen Fußballs als Kriegsersatz (© Zeichnung: Haitzinger)
Schon Wochen vor der Fußball-WM ist das Thema in den Medien und auch in den Gesprächen der Menschen präsent – alle können etwas zur Diskussion beitragen, die Jugend bildet da keine Ausnahme. Der Einstieg in die Reihe kann an vielfältige Erfahrungen zum Thema Fußball und Nationalbewusstsein aus der Lebenswelt der Jugendlichen anknüpfen.

Das gilt insbesondere für Klassen mit Mitschülerinnen und Mitschülern aus Familien mit Migrationshintergrund. Diese können mit ihrer Meinung gut in die Diskussion über Nationalbewusstsein und Deutschlandbild einbezogen werden, da sie ggf. eine ganz andere Perspektive haben als Schülerinnen und Schüler ohne Migrationshintergrund. Für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund stellt sich die Frage nach dem eigenen Nationalbewusstsein vielfältiger. Welcher Mannschaft drücken sie die Daumen? Welche Unterschiede gibt es zwischen den Nationen? Wird darüber in den Familien gesprochen?

Für den Einstieg in den Baustein 1 führt die Lehrperson in einer kurzen Skizze der Dimensionen des sportlichen Großereignisses "Fußball-WM 2014 in Brasilien" (Info 01.01) in das Thema ein und deutet auch schon positive wie negative Aspekte an, die ein solches Großereignis für das Verhältnis der Nationen und das Austragungsland - diesmal Brasilien – haben kann.

Vorschau M 01.01 EntscheidungsspielVorschau M 01.01 Entscheidungsspiel (© Team Forschen mit GrafStat)
Das darauf folgende Entscheidungsspiel (M 01.01) konfrontiert die Jugendlichen mit verschiedenen Aussagen, die direkten oder indirekten Bezug zum Thema Fußball und Nationalbewusstsein haben. Die Schülerinnen und Schüler sollen zu den Aussagen spontan Stellung beziehen. Die Abstimmung kann dabei über eine einfache Handabstimmung oder eine Abstimmung mit Positionierung in unterschiedlichen Ecken der Klasse (Zustimmer-Ecke und Ablehner-Ecke) erfolgen. Wenn es die Zeit und die Räumlichkeiten erlauben, sollte die Entscheidung durch eine räumliche Positionierung der Jugendlichen im Raum erfolgen, da dies eventuelle Unterschiede bei der jeweiligen Abstimmung visuell noch deutlicher werden lässt.

Zunächst wird zu den Aussagen jeweils ein Meinungsbild erstellt, indem die Zahl der den jeweiligen Aussagen Zustimmenden bzw. Ablehnenden an der Tafel, bzw. auf der Folie neben der Frage oder Aussage notiert wird. Über das Ergebnis folgt dann eine kurze Diskussion, in der die Lehrperson einzelne Schülerinnen und Schüler jeder Seite auffordert, ihre Entscheidung zu begründen.

Ziel dieser Übung ist es, dass die Schülerinnen und Schüler sich bereits zu Beginn der Reihe argumentativ mit anderen über ausgewählte Thesen zum Thema auseinandersetzen. Hier sollen keine gemeinsamen Positionen und Kompromisse erreicht werden, vielmehr geht es darum, die unterschiedlichen Positionen innerhalb der Lerngruppe sichtbar zu machen. Damit machen die Schülerinnen und Schüler bereits eine erste wichtige Erfahrung: Die Gruppe hat nicht etwa ausschließlich ähnliche oder gar gleiche Einstellungen zum Thema „Fußball und Nationalbewusstsein“, selbst innerhalb der Gruppe der Jugendlichen differieren die Ansichten stark.

Den Slogan der Fußball-WM 2014 "Alle im gleichen Rhythmus!" aufgreifend und infrage stellend - Sind bei der Fußball-WM wirklich alle im gleichen Rhythmus? - soll anschließend mithilfe einer Karikatur und zwei kurzen Texten (M 01.02 und M 01.03), die sich in unterschiedlicher Weise mit der Rolle des Sports im Rahmen der Begegnung von Nationen beschäftigen, die Problemstellung unter der Frage "Welche Rolle spielen sportliche Großereignisse im Verhältnis der Nationen?" angerissen und diskutiert werden.

Bei der Besprechung der Arbeitsergebnisse wird deutlich werden, dass das Bild, das wir von den einzelnen (Fußball-)Nationen haben, ein ganz bestimmtes ist. In den folgenden zwei Erarbeitungsphasen sollen die Schülerinnen und Schüler sich daher mit dem Selbst- und Fremdbild von Nationen – insbesondere in Bezug auf Fußball-Länderspiele – und mit nationalen Stereotypen beschäftigen. Zunächst werden generelle nationale Stereotype untersucht.

Vorschau eines Ausschnitts der Bilderreihe nationale Stereotype (Auswahl) von und mit Mareike HölterVorschau eines Ausschnitts der Bilderreihe nationale Stereotype (Auswahl) von und mit Mareike Hölter (© Mareike Hölter )
Eine Fotoserie (M 01.04) und eine Tabelle mit gängigen Selbst- und Fremdbildern (M 01.05) leiten den Themenaspekt ein. Mithilfe eines Sachtexts (M 01.06) wird erarbeitet, was Stereotype sind und wie sie entstehen.

In einer vertiefenden Phase wird anschließend exemplarisch für Deutschland erarbeitet, wie sich trotz bestehender Stereotype und Klischees das Image von Nationen durch Sportereignisse ändern kann. Dies geschieht auf der Basis von Ergebnissen verschiedener Studien, die das Image von Deutschland im Ausland untersucht haben (M 01.07), sowie einem erläuternden Text zum Imagewandel der Deutschen nach den Weltmeisterschaften 2006 im eigenen Land sowie 2010 in Südafrika (M 01.08).

Als mögliche Ergebnisse aus der Beschäftigung mit den vorgeschlagenen Materialien können festgehalten werden:
  • Das Verhältnis der Nationen untereinander sowie das eigene Nationalbewusstsein ist im Sport insbesondere bei Fußballgroßereignissen ein besonderes.
  • Beim Fußball zeigen auch diejenigen öffentlich Stolz auf die eigene Nation, die sonst in dieser Beziehung eher zurückhaltend sind.
  • Stereotype und Klischees spielen - insbesondere bei Fußball-Länderspielen - eine große Rolle, sowohl bei der Wahrnehmung anderer Nationen als auch bei der Identifikation mit der eigenen Nation.
  • Deutschland und die Deutschen genießen seit der Fußball-WM 2006 im eigenen Land ein erheblich positiveres Image im Ausland als zuvor.
  • Von großen Fußball-Turnieren verspricht man sich auch Chancen zur Verbesserung des eigenen Bildes im Ausland und Fortschritte in der politischen Zusammenarbeit der Nationen.
Wie sieht die Einstellung Jugendlicher zu diesen wie auch anderen Fragen im Hinblick auf die Fußball-WM 2014 in Brasilien aus? Mit dieser Frage leitet die Lehrperson über zum Vorhaben, eine Befragung der Schülerinnen und Schüler in der eigenen Schule, Jahrgangsstufe oder Klasse durchzuführen. Zur Strukturierung des Planungsgesprächs steht ein Beispielfragebogen in GrafStat zur Verfügung (M 01.09), der als Grundlage für eine Befragung der eigenen Mitschülerinnen und Mitschüler dienen kann. Der Beispielfragebogen kann um eigene Fragen ergänzt oder auch gekürzt werden. Dabei sollten bereits in dieser Phase bedacht werden, welche Aspekte und Hypothesen man mit der eigenen Befragung überprüfen möchte, damit man die dafür notwendigen Fragestellungen und Antwortmöglichkeiten in den Fragebogen integrieren kann. (Mehr zur Bearbeitung des Fragebogens und zur Durchführung der Befragung siehe Baustein 5.)

Die Befragung kann im Klassenverband schon in Baustein 1 durchgeführt und für einzelne ausgewählte Fragen, die Relevanz für die Folgebausteine haben, durch die Lehrperson ausgewertet und mit der Klasse gemeinsam besprochen werden. Sofern eine Befragung der gesamten Jahrgangsstufe oder kompletten Schule geplant ist, können die Daten später zusammengeführt und dann im Vergleich oder gesamt analysiert werden. (Baustein 5)

Ein tabellarischer Verlaufsplan zu Baustein 1 liegt als PDF-Icon PDF-Datei zum Ausdrucken vor.



 
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