Projekt KlassenCheckUp

30.6.2010

M 02.09 Wenn die Gruppe Druck macht

Wichtige Begriffe zum Thema Gruppendruck werden hier verständlich gemacht. Die Schüler lernen den Unterschied zwischen informativem und normativem Einfluss kennen. Probleme und Lösungen werden angesprochen und durch Arbeitsaufträge ergänzt, beispielsweise wird Vorgeschlagen sich bei Problemen Verbündete zu suchen.

Das Ergebnis des Asch-Experimentes (M 02.07 und M 02.08) zeigt, dass der Einfluss der Gruppe auf das Individuum nicht zu unterschätzen ist. Das Asch-Experiment offenbart, dass eine Anpassung erfolgt, selbst wenn keine Bedrohung oder Schlechterstellung droht. Auch wenn nicht bewusst und willentlich Druck ausgeübt und Einfluss genommen wird, kann das Verhalten einer Mehrheit das Verhalten und Entscheiden einer Einzelperson beeinflussen. Macht die Mehrheit drei Personen aus, passen sich mehr Einzelpersonen an als bei einer Mehrheit von zwei Personen.

Der so genannte Konformitätsdruck oder auch Gruppenzwang wirkt meist unbewusst, d.h. die beeinflusste Person und auch die beinflussende Gruppe ist sich der Wirkung der Mehrheit auf den Einzelnen oft gar nicht bewusst und bemerkt dies gar nicht.

Unausgesprochene Erwartungen und Regeln

Als Mitglied einer Gruppe hat man oft das Gefühl,
  • dass die Gruppe etwas von Einem erwartet,
  • dass ein bestimmtes Verhalten zulässig oder unzulässig ist,
  • dass von der Gruppe Druck auf das eigene Verhalten ausgeübt wird.
Diese wahrgenommenen Erwartungen von der Gruppe an ihre Mitglieder sind oft unausgesprochen und können als ein teils bewusstes und teils unbewusstes Regelwerk bezeichnet werden. Jede Gruppe hat solche Spielregeln. Diese sind zu einem gewissen Maße notwendig und selbstverständlich, damit das Zusammenarbeiten und -leben in der Gruppe überhaupt funktioniert.

Ein Beispiel hierfür sind Kommunikationsregeln: Man beleidigt den Anderen nicht und lässt ihn ausreden. Sich gewissen Regeln einer Gruppe anzupassen, kann also auch sinnvoll sein, um bspw. eine Aufgabe effizient zu lösen. Problematisch kann es dann werden, wenn eine Person sich der Meinung und den Verhaltenserwartungen einer Gruppe anpasst, obwohl sie eigentlich anders handeln möchte.

Gründe zum Anpassen an die Gruppenmeinung



In der wissenschaftlichen Forschung hat man unterschiedliche Gründe ermittelt, warum Menschen sich dem Urteil einer Gruppe anpassen.
  • Ich vertraue dem Urteil der Gruppe, weil ich es selbst nicht besser weiß.
    Wenn eine Person unsicher ist und z.B. nicht über das nötige Hintergrundwissen, die relevanten Informationen zu einem Thema verfügt, passt sie sich dem Urteil der Gruppe an. Sie vertraut dem Urteil der Gruppe mehr als dem eigenen und möchte keinen Fehler machen.
    Dieser Einfluss der Gruppe auf das Urteilen einer Einzelperson wird daher informativer Einfluss genannt.
  • Ich möchte, dass die anderen mich anerkennen und sympathisch finden.
    Menschen haben das Bedürfnis, Anerkennung von ihren Mitmenschen zur erlangen. Sie möchten schlicht und einfach gemocht und sympathisch gefunden werden. Das Äußern einer abweichenden Meinung in einer Gruppe birgt die Gefahr, dass Gruppenmitglieder darauf mit Zurückweisung und Kritik reagieren. Die Person erwartet eine negative Sanktion. Das Äußern einer konformen Meinung hingegen führt zu einer positiven Bewertung durch die Mitglieder. Ziel der Einzelperson ist die Vermeidung von Ablehnung und die Aufrechterhaltung der Mitgliedschaft. Denkbar sind zudem positive Sanktionen von der Gruppe wie bspw. Lob, Anerkennung, ein beschleunigter sozialer oder beruflicher Aufstieg.
    Dieser Einfluss der Gruppe auf das Urteilen der Einzelperson wird normativer Einfluss genannt.

Verbündete suchen

Was also tun, wenn man sich nicht traut, in gewissen Gruppen seine Meinung zu äußern? Forscher haben herausgefunden, dass die Anwesenheit von Verbündeten hilft, dem Einfluss der Gruppe zu widerstehen. War beim Asch-Experiment eine zweite Person im Raum, die ebenfalls die korrekte Antwort gab, war die Anzahl derjenigen, die sich konform verhielten, sehr viel geringer. Wenn man also erwartet, in einer Situation von einer Gruppe Druck gemacht zu bekommen, sollte man sich, wenn möglich, einen Verbündeten zur Seite stellen. Oft ist es zudem so, dass selbst, wenn man eine kritische Meinung äußert, dies nicht automatisch bedeuten muss, von der Gruppe zurückgewiesen zu werden. Oft sind die erwarteten Konsequenzen und Befürchtungen im Kopf sehr viel drastischer als die tatsächlichen Folgen.


Arbeitsaufträge:

Einzelarbeit:
  1. Definiere den Begriff Konformitätsdruck.
  2. In jeder Gruppe gibt es unausgesprochene Spielregeln und Erwartungen. Nenne Beispiele für solche ungeschriebenen, aber dennoch geltenden Regeln in Gruppen.
  3. Aus welchen Gründen passen sich Personen dem Urteil einer Gruppe an? In welche Gruppe lassen sich die Konformisten des Asch-Experiments einordnen?
Partnergespräch:
  1. Warst du auch schon einmal in einer Situation, in der es dir schwer fiel, deine Meinung in einer Gruppe zu äußern? Wann passt du dich den Wünschen einer Gruppe an? Beschreibe ein Beispiel für den informativen Einfluss einer Gruppe und ein Beispiel für den normativen Einfluss einer Gruppe?
  2. In welchen Gruppen kannst du offen deine Meinung äußern? Welche Eigenschaften muss eine Gruppe haben, in der es keinen normativen Einfluss gibt bzw. dieser zumindest nicht so stark auf die Einzelmitglieder wirkt?

Literatur:

  • Stroebe, Wolfgang et al.: Sozialpsychologie. Eine Einführung, Heidelberg: Springer 2003, S. 458-461.
  • Sader, Manfred: Psychologie der Gruppe, München: Juventa 2008, S. XX


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