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Baustein 5: Was tun bei Mobbing? - Gegenmaßnahmen


30.6.2010
Mobbing ist ein sensibles Thema. Wird ein Fall von Mobbing bekannt, sollte umgehend gehandelt werden. Doch was kann man tun? Dieser Baustein zeigt, welche Maßnahmen geeignet sind Mobbing zu beenden oder erst gar nicht entstehen zu lassen.

Was tun bei Mobbing? – Im akuten Fall



Trost und Unterstützung von Mitschülerinnen und Mitschülern sind wesentliche Punkte in einem "Klassenvertrag".Trost und Unterstützung von Mitschülerinnen und Mitschülern sind wesentliche Punkte in einem "Klassenvertrag". (© digitalstock)
Baustein 5 bildet den Abschluss der Befragung und zugleich den Beginn der aktiven Phase. Anknüpfend an die Ergebnisse der Befragung geht es hier entweder darum, einen akuten Mobbingfall zu bearbeiten und zu beenden oder aber darum, präventive Maßnahmen zu ergeifen, um Mobbing in der eigenen Klasse oder aber auch auf Stufen- oder Schulebene vorzubeugen. Im ersten Fall muss die Lehrkraft selbst aktiv werden und sensibel reagieren. Im zweiten Fall ist es möglich, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern präventiv aktiv zu werden.

Im akuten Fall

Stellt man z.B. aufgrund der Ergebnisse der Klassen-/Stufenbefragung oder aber durch Hinweise aus der Klasse, dem Kollegium oder von anderen beteiligten Personen fest, dass es in der Klasse einen oder mehrere Mobbingfälle gibt, stellt sich die wichtige Frage: Was kann ich als Lehrer/in tun, um dem Opfer zu helfen und um das Mobbing dauerhaft zu beenden? Aber auch im Hinblick auf die Prävention von Mobbing stellt sich die Frage nach geeigneten Gegenmaßnahmen.

Nicht immer jedoch sind gut gemeinte Aktionen auch hilfreich. Welche Maßnahmen zwar gut gemeint sind, sich aber eher negativ auswirken, finden Sie in einer Zusammenstellung in Info 05.02.

Doch es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die sich in der Praxis bewährt haben (vgl. die Linkliste der Maßnahmen sowie die Infomaterialien Info 05.03 bis 05.12). Egal, welche Gegenmaßnahmen ergriffen werden, wichtig ist, dass sie langfristig wirksam sind und die Gesamtsituation in der Klasse verbessern.

Klare Grenzen schaffen einen verbindlichen Rahmen für ein gutes Miteinander.Klare Grenzen schaffen einen verbindlichen Rahmen für ein gutes Miteinander. (© digitalstock)
Folgende Grundsätze sind hilfreich, um eben dies zu erreichen:
  • Wer klare Grenzen setzt und auf Grenzverletzungen angemessen reagiert, schafft einen verbindlichen Rahmen für ein gutes Miteinander. Dies kann zum Beispiel über verbindliche Verhaltensregeln für den Umgang miteinander erreicht werden (s. Info 05.11 sowie Info 05.12 zum Klassenvertrag).
  • Bei Konfliktlösungen sollte eine vorwiegend auf Macht beruhende Gewaltausübung unterlassen werden.
  • Auch wenn Grenzen im Notfall mit größerer Deutlichkeit verdeutlicht werden müssen, sind persönliche Verletzungen zu vermeiden (Kommunikationsregeln).
  • Je früher Sie als Lehrer/in intervenieren, desto besser kann verhindert werden, dass das Opfer in seiner Schullaufbahn in der Opferrolle verbleibt.

Maßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen



Die Gegenmaßnahmen können auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt sein. Bei einem akuten Mobbingfall sind direkte Maßnahmen in der Klasse unerlässlich. Darüber hinaus sind Maßnahmen auf Schulebene, auf persönlicher Ebene sowie Maßnahmen im Dialog mit den Eltern gerade auch im Hinblick auf die Prävention von Mobbing hilfreich.
  1. Maßnahmen in der Klasse
    Bei einem akuten Fall von Mobbing sind in erster Linie ernsthafte Gespräche sowohl mit den Mobbern als auch mit dem Opfer notwendig (s. Info 05.03 und Info 05.04). Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Maßnahmen für die Klasse, die auch schon präventiv eingesetzt werden können, hierzu zählen u.a. Klassenregeln, positive gemeinsame Aktivitäten im Klassenverbund, häufiges Loben und Motivieren der Schülerinnen und Schüler etc.
  2. Maßnahmen auf Schulebene
    Doch nicht allein in den Klassen ist Aktivität gefragt. Ebenfalls Maßnahmen auf Schulebene können sehr wirksam sein, wenn sie konsequent über längere Zeit durchgeführt werden und sich als feste Institutionen im Schulalltag implementieren. Dazu zählen z.B. die Einführung eines sozialen Kompetenz-Trainings, das Aufstellen von Regeln und Vereinbarungen gegen Mobbing/ Gewalt, Klassenleiterstunden, geschlechtsspezifische Maßnahmen, die sich auf die gesamte Schülerschaft beziehen und neben dem Aspekt des aktiven und akuten Eingreifens auch präventiven Charakter haben. Insgesamt zielen diese Maßnahmen darauf ab, dass die Schülerinnen und Schüler bestimmte Einstellungen zum sozialen Umgang entwickeln und dazu befähigt werden, Bedingungen zu schaffen, die deeskalierend wirken.
    Darüber hinaus ist es sinnvoll, das Kollegium für die Thematik Mobbing zu sensibilisieren und im Umgang mit dem Problem zu schulen. Dazu könnte ein pädagogischer Tag oder eine Fortbildung zur Thematik durchgeführt werden. Wichtig ist zudem ein Austausch und Dialog unter den Kolleg/innen.
    Für das Aufdecken von Mobbingfällen bietet sich eine diagnostische Befragung, bspw. zum Umgang miteinander und evtl. Vorhandensein von Mobbing (vgl. den Fragebogen M 01.03) an. Eingeführte Maßnahmen bei akutem Mobbing oder zur Prävention von Mobbing sollten zudem auf ihre Wirksamkeit hin überprüft und evaluiert werden.
  3. Maßnahmen auf persönlicher Ebene
    Damit Mobbing-Fälle lösungsorientiert bearbeitet werden können, ist ein vertrauensvolles Lehrer-Schüler-Verhältnis unerlässlich. Die Lehrerinnen und Lehrer sollten sich grundsätzlich zuverlässig und vertrauensvoll um die Probleme ihrer Schülerinnen und Schüler kümmern; indem sie z.B. zeigen, dass sie auf die Einhaltung der Regeln achten, Opfer ernst nehmen und zu schützen versuchen, ernstgemeinte Lösungsversuche mit Opfer, Täter(n) und Eltern starten. Vielfach überschneiden sich solche Maßnahmen mit denen auf Klassenebene, da in der Regel die Klassenlehrer/innen für konkrete Fälle ihrer Klasse zuständig sind. Darüber hinaus spricht sich ein positives Lehrerbild, z.B. als Vertrauensperson und wirklicher Helfer, in der Schule herum und zeigt auch den Opfern, die sich aus Distanz-Gründen z.B. nicht an ihre Klassenlehrerin / ihren Klassenlehrer wenden möchten, eine Alternative auf.
  4. Maßnahmen im Dialog mit den Eltern
    Die Schülerschaft stellt die Hauptzielgruppe von Präventionsmaßnahmen gegen Mobbing dar.Die Schülerschaft stellt die Hauptzielgruppe von Präventionsmaßnahmen gegen Mobbing dar. (© digitalstock)
    Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Arbeit mit den Eltern der Betroffenen bzw. mit allen Eltern, denn wenn die Eltern darüber informiert sind, welche Ursachen Mobbing und Gewalt begünstigen können und welche Maßnahmen konkret auf Schulebene ergriffen werden, können sie ihre Kinder diesbezüglich stärken und unterstützen. Denkbar sind Eltern-Informationsabende oder gezielte Gesprächsabende mit den Eltern von Opfern und Tätern, die auch als Gruppendiskussion möglich sind. Besonders der Austausch mit "Gleichgesinnten" kann betroffenen Eltern helfen, die Situation ihrer Kinder, sei es als Opfer oder als Täter, besser zu bewältigen. Ebenso geht es darum, den Eltern konkrete Handlungsoptionen aufzuzeigen, was sie selbst, aber auch ihre Kinder gegen gewalttätige Situationen tun können.
Insgesamt gilt, dass je früher die Schülerschaft als Hauptzielgruppe mit den Maßnahmen zur Gewalt- und Mobbingprävention konfrontiert wird, sich auch die Effizienz dieser Maßnahmen erhöht. Daher sollte der Fokus insbesondere auf die Schülerinnen und Schüler der unteren Klassen gelegt werden, damit sie frühzeitig sozialverträgliche Umgangsweisen erlernen, die den Grundstein für eine gewalt- und mobbingfreie Schulkultur legen.


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