Maske

1.6.2011

Musik - Der Herzschlag des Films

Damit Kino ins Ohr geht

Musik durchdringt fast alle Bereiche unseres Lebens, und nicht selten ist von ihrer verbindenden Kraft die Rede. Für Filmmusik gilt dies sogar in besonderem Maße: Sie spinnt die Geschichte entlang eines unsichtbaren emotionalen Fadens.

Probe des hr-Sinfonieorchesters für die Premiere der restaurierten Fassung von Fritz Langs Stummfilmklassiker "Die Nibelungen" im April 2010 in Berlin.Probe des hr-Sinfonieorchesters für die Premiere der restaurierten Fassung von Fritz Langs Stummfilmklassiker "Die Nibelungen" im April 2010 in Berlin. (© AP)

1. Einführung: Musik im Ohr, im Kopf, im Bauch

Der Radiowecker holt uns morgens aus dem Bett, auf dem Weg zur Arbeit haben wir den MP3-Player dabei, beim Bankberater empfängt uns ein klassischer Klangteppich und abends läuft im Supermarkt Einkaufsmusik – Musik durchdringt fast alle Bereiche unseres Lebens, und nicht selten ist von ihrer verbindenden Kraft die Rede.

Für Filmmusik gilt dies sogar in besonderem Maße: Sie spinnt die Geschichte entlang eines unsichtbaren emotionalen Fadens. Dabei werden durch den Rhythmus unsere Atmung und der Herzschlag beeinflusst, Lautstärke oder extreme Tonfrequenzen regen das vegetative Nervensystem und vor allem unsere Gemütsbewegungen an. Filmmusik stimuliert unsere Gefühle derart, dass wir nur filmisch Miterlebtes dennoch selten missverstehen: Wir trauern oder freuen uns ohne realen Anlass und verspüren Angst ohne unmittelbare Bedrohung.

Filmmusiker wollen diese Emotionen gezielt freilegen. Das heißt nicht, dass sie uns unbegrenzt mit Musik überfrachten, aber es deutet bereits auf die umfassenden Möglichkeiten von Filmmusik hin: Sie kann leicht als Hintergrundrauschen verschlissen, ebenso sehr jedoch als filmisches Stilmittel eingesetzt werden: Film war in seinen Anfängen stumm, aber niemals ohne Musik!

2. Wissen: Hören und Fühlen

2.1 Historische Stationen der Filmmusik

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Filmmusik entstand parallel zur aufstrebenden Filmkunst im ausgehenden 19. Jahrhundert und entwickelte sich entlang der wechselvollen Geschichte von Kinopalästen und Tonfilm bis hin zum Fernsehen. Zunächst untermalten Klavierspieler die Stummfilme mit Hilfe von Stichwortlisten, den sog. 'Cue-Sheets'. Im Laufe der Jahre wurden aus den Einzelkünstlern vollwertige Orchester, deren Musik immer gezielter auf den jeweiligen Film ausgerichtet war und das Publikum noch emotionaler an den Film band. Erst seit der Einführung des Tonfilms werden Geräusche und Musik elektronisch aufgezeichnet, synchronisiert und auf die Filmhandlung abgestimmt wiedergegeben.

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2.2 Formen der Filmmusik

Auch wenn unter Filmkomponisten vorwiegend 'Source Music' und 'Score Music' unterschieden werden, ist die zusätzliche Differenzierung von On- und Off-Musik besonders für die filmmusikalische Analyse bedeutsam.

2.3 Kompositionstechniken in der Filmmusik

Gewöhnlich sind Vorspann und Nachspann eines Films besonders dominant musikalisch unterlegt. Im Verlauf der Filmhandlung variiert die Musik, sie tritt stellenweise in den Hintergrund und nimmt rein instrumentale Formen an, um das Geschehen auf diese Weise zu kommentieren. Grundsätzlich stellt sich deshalb die Frage, wie stark der Einsatz von Musik im Film sein soll.

Im Idealfall arbeitet der Filmmusiker schon vor Drehbeginn eng mit dem Regisseur zusammen, um frühzeitig atmosphärisch eingreifen und die Filmcrew inspirieren zu können. Häufiger beginnt die Arbeit des Filmkomponisten jedoch erst in der Postproduktion mit dem ersten Rohschnitt. Szenen, in denen Musik vorgesehen ist, werden in diesem Fall während des Drehs lediglich mit Layout-Musik unterlegt, um bestimmte Stimmungen anzudeuten.

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2.4 Funktion und Wirkung von Filmmusik

Wie jedes andere Gewerk auch, ist Musik nicht um ihrer selbst Willen Bestandteil eines Films, sondern sie dient dem Zuschauer als emotionale Identifikationsfläche. Gerade Off-Musik unterstreicht nicht nur spezifische Aussagen einer Filmszene, sondern sie produziert sie vielfach überhaupt erst.





Syntaktische Funktion
Durch die akustische Verbindung bzw. Abgrenzung einzelner Sequenzen entwickelt der Zuschauer ein besseres strukturelles Verständnis für das Geschehen. Deshalb werden musikalisch...
    ... Zeitsprünge und Bildmontagen überbrückt, um inhaltliche Kontinuität zu gewährleisten.
    .. verschiedene Einstellungswechsel verdeutlicht.
    ... Handlungsstränge voneinander abgegrenzt.
    ... Geschehnisse ins Unwirkliche gedrängt (z.B. in Träumen).
Expressive Funktion
Musik wird uns wahrscheinlich am deutlichsten bewusst, wenn sie im Film gezeigte Gefühle unterstützt. Filmmusik ...
    ... bildet Emotionen ab: Wir empfinden Trauer umso tiefer oder Liebesszenen als noch romantischer.
    ... intensiviert unsere Wahrnehmung vorwiegend mit Hilfe der Stimmungstechnik oder dem 'Underscoring'.
Dramaturgische Funktion
Musik kommentiert den Film dramaturgisch und nimmt unterschwellig Einfluss auf die Interpretation des Zuschauers, indem sie...
    ... die Atmosphäre der Szene (z.B. Hektik oder Erotik) bzw. die Stimmung der Hauptfigur (z.B. Angst) verstärkt.
    ... Spannung erzeugt ('Suspense').
    ... Leitmotive schafft.
Narrative Funktion
Musik liefert Erzählinformationen zu fast allen Aspekten der Filmhandlung. Sie produziert...
    ... historische Kontexte (z.B. Menuette für die Barockzeit).
    ... gesellschaftliche Milieus (z.B. Gothic-Songs für die Gruftie-Szene).
    ... geographische Räume (z.B. Balalaika für Russland).
    ... ein relativiertes, subjektives Zeitempfinden, wenn sie – je nach Tempo und Melodiebogen – den Film beschleunigt bzw. verlangsamt.
Persuasive Funktion
Musik lädt Filmbilder affektiv auf und schreibt ihnen eine bestimmte Bedeutung zu, die die Einstellungen und Urteile des Zuschauers manipuliert. Besonders relevant ist dies für Propagandafilme, Serien und Werbung.

Gedächtnis-Funktion
Medizinische Tests haben ergeben, dass sich das menschliche Gehirn mit Hilfe von Musik leichter an bestimmte Bildinhalte erinnert.

Aufmerksamkeits-Funktion
Musik bindet Zuschauer – allerdings nur, solange sie nicht zur Dauerbeschallung verkommt. Sie hebt die Aufmerksamkeit des Rezipienten, indem sie einen Film mit Anfangs - und Endmelodie einrahmt oder populäre Songs und Melodien einsetzt.

3. Unterrichtsmaterialien

4. Weiterführende Literatur und Weblinks

vierundzwanzig.de: Filmclip zu "Der Hexer" und Interview mit dem Komponisten Peter Thomas

http://www.vierundzwanzig.de/musik (Link zum Gewerk auf 24 mit Interviewclips, Filmausschnitten und Hintergrundinformationen)

http://www.vierundzwanzig.de/glossar (Von A wie Abspann bis Z wie Zwischentitel - Erkärungen zu allen Fachbegriffen des Dossiers)

http://server4.medienkomm.uni-halle.de/filmsound (Umfassendes, an der musikalischen Fakultät der Universität Halle gut aufbereitetes Online-Dossier inkl. Glossar zum Thema Filmsound, Musik und Ton)

Lamberts-Piel, Christa: Filmmusik und ihre Bedeutung für die Musikpädagogik, Wißner- Verlag, Augsburg 2005. (Fachdidaktische Überlegungen, exemplarische Unterrichtssequenzen und Lernmodule für Musiklehrer)

Maas, Georg / Schudack, Achim: Musik und Film. Filmmusik. Schott Music, Nachdruck, Mainz 2008. (Pädagogische Informationen, Materialien und Unterrichtsmodelle für die Sekundarstufen I und II)


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