Frau in Videothek vor Regal mit DVDs

28.5.2002

Lissabon

Hafen der Hoffnung

Als die Nationalsozialisten erst das Deutsche Reich eroberten und später auf Europa ausschwärmten, mussten viele Menschen die Flucht ergreifen. Doch wohin? Portugal bot vielen dieser plötzlich Heimatlosen Asyl, um ihnen die Überfahrt in die Vereinigten Staaten zu ermöglichen. Manche von ihnen blieben jedoch und leben noch heute in Lissabon.

Regie u. Buch: Pavel Schnabel
Produktion: Pavel Schnabel Filmproduktion, Frankfurt a.M., Bundesrepublik Deutschland 1994
Format: 69 Min. - VHS-Video - farbig
Stichworte: Flucht - Geschichte - Judenverfolgung - Nationalsozialismus - Weltkrieg II - Widerstand
FSK: 6 Jahre
Kategorie: Dokumentarfilm



Inhalt: "Kein Land hat so vielen Flüchtlingen geholfen wie Portugal", sagen Fritz und Käthe Adelsberger. Lissabon bedeutete für sie die Rettung auf ihrer Flucht vor den Nationalsozialisten, die sie, wie hunderttausende von Juden, quer durch Europa nach Portugal trieben.

Das kleine Land, Transitstation für viele prominente Flüchtlinge wie Heinrich Mann, Franz Werfel, Lion Feuchtwanger, autoritär regiert von Premierminister Antonio Salazar, galt während des Zweiten Weltkriegs als neutral und gewährte den Gejagten, die durch das Land mußten, um sich nach Amerika durchzuschlagen, für dreißig Tage Zwischenstation.

Zeitzeugen, solche die in Portugal blieben und solche, die weiterreisten, lassen im Film ihre Erlebnisse von Flucht und Überleben lebendig werden. In ihren Erinnerungen an die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der portugiesischen Bevölkerung nimmt Aristides des Sousa Mendes, damals portugiesischer Generalkonsul in Bordeaux, einen besonderen Platz ein. Nach der Kapitulation Frankreichs, im Sommer 1940, stellte er in wenigen Tagen und Nächten tausende Visa für die Flüchtlinge ohne offizielle Erlaubnis aus und nahm dafür das Ende seiner beruflichen Karriere in Kauf. Lissabon, die "weiße Stadt auf sieben Hügeln" wurde so vom unbekannten Idyll am Rande Europas zum Hafen der Hoffnung für viele.

Die Dokumentation von Pavel Schnabel ist ein leiser, nachdenklicher Film über ein fast unbekanntes Kapitel der europäischen Geschichte und ein Zeugnis für Menschlichkeit und Zivilcourage in einer unmenschlichen Zeit. Sie gewährt interessante, auch für jüngere Menschen nachvollziehbare Einblicke in die Lebenssituation von Flüchtlingen während der Nazizeit.

Pavel Schnabel selbst verließ die CSSR 1968 nach dem Einmarsch der Warschauer Pakt-Armeen und lebt seitdem in der Bundesrepublik Deutschland. Er wurde für seine Filme mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bundesfilmpreis, dem Adolf-Grimme-Preis und mit dem Certificate of Special Merit des Oscar-Komitees.


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