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Der Zauberer von Oz

23.10.2014 | Von:
Christian Heger

Der Zauberer von Oz

The Wizard of Oz

Zwischen Märchen und Momentaufnahme der amerikanischen Gesellschaft finden sich Spuren von "Der Zauberer von Oz" bis heute in Filmen wieder.

Der Zauberer von OzDer Zauberer von Oz (© picture alliance / United Archives )

USA 1939
Kinderfilm, Fantasyfilm

Kinostart: 1951 (BRD)
Verleih: /
Regie: Victor Fleming (nicht im Abspann: George Cukor, Mervyn LeRoy, Norman Taurog, King Vidor)
Drehbuch: Noel Langley, Florence Ryerson, Edgar Allan Woolf, nach dem gleichnamigen Roman von L. Frank Baum
Darsteller/innen: Judy Garland, Frank Morgan, Ray Bolger, Bert Lahr, Jack Haley, Billie Burke u. a.
Kamera: Harold Rosson
Laufzeit: 107 min
Sprachfassung: dt.F.
Format: 35mm, Schwarz-Weiß und Farbe
Preise: Academy Awards (Oscar®) 1940: Bester Filmsong: Over the Rainbow (Harold Arlen, E.Y. Harburg), Beste Originalmusik (Herbert Stothart); UNESCO-Weltdokumentenerbe (Memory of the World, 2007)
FSK: o. Al.
Altersempfehlung: ab 6 J.
Klassenstufen: ab 1. Kl.
Themen: Fantasie, Magie, Heimat, Wünsche, Literaturverfilmung
Unterrichtsfächer: Deutsch, Kunst, Musik, Geschichte

Die Waise Dorothy lebt bei Onkel und Tante auf einer ärmlichen Farm in Kansas. Sie fürchtet die Nachbarin Miss Gulch, die ihr Hündchen Toto quält, und träumt von einem anderen Leben. Als ein Wirbelsturm über das Land fegt, wird das Mädchen samt Hund in das ferne Wunderland Oz katapultiert. Dort erfährt Dorothy, dass nur der Zauberer in der Smaragdstadt sie zurück nach Hause bringen kann. Auf ihrem Weg dorthin findet sie rasch neue Freunde: eine Vogelscheuche, die sich Verstand wünscht, einen Blechmann, der etwas fühlen möchte, und einen Löwen, der gerne mutig wäre. Nach einer Reihe spannender Abenteuer, in deren Verlauf das Mädchen die böse Hexe des Westens besiegt, bekommen alle, was sie sich ersehnen. Doch am Ende erweist sich Dorothys fantastische Reise nur als ein bunter Traum.

Filmgeschichte hat Der Zauberer von Oz vor allem durch seine damals bahnbrechende Technicolor-Farbgestaltung geschrieben, die nicht nur die Protagonistin Dorothy, sondern auch das Publikum aus dem tristen, sepia-getönten Kansas in eine leuchtend-farbige Fantasiewelt versetzt. Die vor allem in punkto Ausstattung und Tricktechnik aufwändige Produktion, an deren Realisierung mehrere renommierte Regisseure beteiligt waren, basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuchklassiker von L. Frank Baum aus dem Jahr 1900. Dramaturgisch wird die fantastische Road-Movie-Struktur wiederholt durch Musical-Sequenzen unterbrochen, die durch ihre eingängigen Melodien und spielerischen Texte vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen. Das von Judy Garland gesungene und mit dem Oscar® ausgezeichnete Lied "Somewhere over the Rainbow" zählt zu den bekanntesten Filmliedern überhaupt.

Die antagonistische Farbdramaturgie von Der Zauberer von Oz eignet sich im Kunstunterricht ebenso für eine eingehende Analyse wie die Musical-Struktur im Musikunterricht. Im Fach Englisch können sowohl der Film als auch die Buchvorlage als Sinnbild einer ur-amerikanischen Utopie behandelt werden, in der Entschlossenheit, Pioniergeist und Heimatverbundenheit den Weg zum Happy End weisen. Für Grundschüler/innern lässt sich der zeitlose Klassiker als unterhaltendes Märchen rezipieren, für Oberstufenschüler/innen hingegen als trickreich verpackter Fantasy-Reflex auf gesellschaftliche Sorgen und Nöte: Das Land Oz wird als Wunschprojektion all jener US-amerikanischen Farmer deutbar, die durch die wirtschaftliche Krise der 1930er-Jahre in die Armut getrieben wurden.

Informationen und Materialien:
bpb.de: Dossier Filmkanon: Der Zauberer von Oz
http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/filmbildung/filmkanon/43550/der-zauberer-von-oz

Website des Films (englisch)
http://thewizardofoz.warnerbros.com/

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