Der Zauberer von Oz

23.10.2014 | Von:
Philipp Bühler

Das Appartement

The Apartment

Indem er seine Wohnung für Affären seiner Vorgesetzten zur Verfügung stellt, hofft Jack Lemmon auf den beruflichen Aufstieg: Billy Wilders zynischer Blick auf eine kafkaeske Arbeitswelt.

Jack Lemmon im Film "Das Appartement"Das Appartement (© picture-alliance/akg)

USA 1960
Komödie

Kinostart: 1960 (BRD)
Verleih: /
Regie: Billy Wilder
Drehbuch: Billy Wilder, I.A.L. Diamond
Darsteller/innen: Jack Lemmon, Shirley MacLaine, Fred MacMurray, Ray Walston, Jack Kruschen, David Lewis u. a.
Kamera: Joseph LaShelle
Laufzeit: 125 Min.
Format: 35mm, Schwarzweiß, Breitwand
Preise: Auswahl: Academy Awards (Oscar®) 1961: Bester Film (Billy Wilder), Beste Regie (Billy Wilder), Bestes Drehbuch (Billy Wilder, I.A.L. Diamond), Bestes Szenenbild (Alexandre Trauner und Edward G. Boyle); Golden Globe Awards (1961): Bester Film Billy Wilder), Beste Hauptdarstellerin (Shirley MacLaine), Bester Hauptdarsteller (Jack Lemmon)
FSK: ab 16 J.
Altersempfehlung: ab 16 J.
Klassenstufen: ab 11. Klasse
Themen: Arbeit, Liebe, Werte, Kapitalismus, Filmgeschichte
Unterrichtsfächer: Englisch, Deutsch, Ethik, Kunst

Der kleine Versicherungsangestellte C.C. Baxter dient sich nach oben, indem er seine bescheidene New Yorker Wohnung seinen Vorgesetzten regelmäßig als Liebesnest überlässt. So steht er oft nächtelang vor der eigenen Tür und beseitigt danach die Partyreste. Dabei findet er eines Abends in seinem Appartement die junge Fran Kubelik, bewusstlos nach einem Selbstmordversuch. Die Situation des ewigen Junggesellen ist bemitleidenswert: Die attraktive Fahrstuhlführerin Fran ist nicht nur die Geliebte seines verheirateten Chefs, sondern auch Baxters heimliche Liebe. Vor die Wahl gestellt, seine Gefühle zu verbergen oder sein berufliches Fortkommen zu riskieren, wird sein Leiden bald unerträglich.

Das Appartement zählt zu den wenigen Komödien, die je in der Kategorie "Bester Film" mit einem Oscar® ausgezeichnet wurden. Dieselbe Ehrung erfuhr das berühmte Set-Design des Films: Die Büroräume der Versicherungsgesellschaft Consolidated Life mit ihren endlosen Reihen von Tischen und Angestellten gleichen einem kafkaesken Alptraum, in dem der einzelne Mensch verschwindet. Noch größere Wirkung entfaltet Billy Wilders brilliantes Drehbuch: Mit fein geschliffenen Dialogen bringt er das Chaos zwischenmenschlicher Beziehungen in einer feindlichen Umgebung auf den Punkt. Rührend hilflos kreisen die oft doppeldeutigen Worte um offensichtliche Tabus, die traurige Wahrheit steht allein in den Gesichtern der Protagonisten/innen. Wilders Mischung aus warmherzigem Witz und bitterer Analyse ist bis heute unerreicht.

Als Komödie über beruflichen Opportunismus und sexuelle Ausbeutung stellt der Film ethische Fragen, die auch Jugendliche interessieren dürften. Baxters unterwürfiges Verhalten kann im Unterricht ebenso diskutiert werden wie sein gleichzeitiges Ringen um menschliche Integrität, das ihn schließlich den Job kostet. Szenenanalysen sollten nicht nur die entsprechenden Dialoge, sondern auch die symbolreiche Inszenierung der verschiedenen Räumlichkeiten – die Büroräume von Chefs und Angestellten, Baxters Wohnung, den Gebrauch von Spiegeln – berücksichtigen. Darüber hinaus bietet die faszinierende Lebensgeschichte des gebürtigen Österreichers Billy Wilder (1906-2002) Gelegenheit, das glanzvolle Wirken von aus NS-Deutschland vertriebenen Künstlern/innen in Hollywood anzusprechen.

Informationen und Materialien:
bpb.de: Dossier Filmkanon: Das Appartement
http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/filmbildung/filmkanon/43581/das-appartement

mediaculture.online: das Appartement
http://www.mediaculture-online.de/Das-Appartment.69.0.html

Mehr zum Thema auf kinofenster.de:
Work Hard – Play Hard (Filmbesprechung vom 04.04.2012)
Eins, Zwei, Drei (Pädagogisches Begleitmaterial vom 16.01.2012)


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