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10.3.2014 | Von:
Georg Weißeno

Inklusiver Politikunterricht

  1. 'Bildung für alle‘ schreibt allen Bildsamkeit zu, will Exklusion verhindern. Ein weiter Inklusionsbegriff enthält die Vorstellung, dass Inklusion darauf zielen müsste, ein Maximum an sozialer Teilhabe und ein Minimum an Diskriminierung innerhalb pädagogischer Praxis zu verwirklichen.

  2. Ob alle alles können sollen, was bei Inklusion sein soll, ist fraglich. So oder so werden die Aufgaben der Politiklehrer/-innen schwieriger als sie schon sind.

  3. Pädagogen zeichnen das Bild einer Lehrkraft als democratic authority (Shor), die dem Bild eines consultant, mediator, empathetic listener, advocate mit mentoring und coaching Aufgaben für eine cooperative culture entspricht (Janney & Snell). Aber: Soziales Engagement und Toleranz bilden sich nicht eins zu eins in den politischen Einstellungen ab. Für die Herrschaftsausübung in politischen Systemen sind andere Faktoren zentral.

  4. Die persönlichen Beziehungsebenen in einer Schule oder Schulklasse sind nicht mit Macht auf der politisch-institutionellen Ebene gleichzusetzen. Macht ist in einer personenzentrierten Betrachtung häufig negativ konnotiert. Eine politische Ordnungs- oder Durchsetzungsmacht wirkt in Demokratien indessen positiv. Die Beziehungsebene L ↔ S ist aber pädagogisch wichtig, weil lernförderlich.

  5. Es gibt nur sehr wenige belastbare Forschungsergebnisse: Inklusive Beschulung führt eher zu ungünstigen Beliebtheitswerten. Die Studien zur Leistungsentwicklung zeigen aber recht kleine Effekte für Schüler/-innen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die inklusiv beschult werden. Es scheint so, dass sich inklusiver Unterricht nicht negativ auf die Leistungen der Schüler/-innen ohne Förderbedarf auswirkt. Wegen der insgesamt geringen Effekte ist die Inklusion nicht entscheidend für die Entwicklung der schulischen Leistungen (Möller, 2013).

  6. In Inklusionsklassen ist eine abgestimmte bereichsspezifische Zusammenarbeit der Lehrkräfte unerlässliche Voraussetzung für effektiven Unterricht.

  7. Inklusiver Politikunterricht hat eine Modifizierung des Lernstoffs, der Materialien, der Klassenführung, der Unterrichtstechniken zur Folge. Es gilt, die vier Dimensionen der Politikkompetenz (Fachwissen, politische Einstellungen/Motivationen, Urteils- und Handlungsfähigkeiten) (Detjen et al, 2012) zu fördern (innere Differenzierung). Trotz unterschiedlicher Fähigkeitsniveaus kann sich der Unterricht mit und ohne Inklusion in seinen fachspezifischen Aspekten nicht wesentlich unterscheiden.

  8. Fachkonzepte (Weißeno, et al, 2010) stellen gleichsam das zu erwerbende Fachvokabular dar (Fachsprache). Wenn der Fachsprachenumsatz kumulativ angelegt ist, entstehen weniger Benachteiligungen. Die Fachsprache erleichtert allen Schülergruppen das Lernen und den Kompetenzaufbau.

  9. Die Lehrkräfte können kognitiv aktivierende Lernangebote machen und dabei mit den Schüler/-innen anregend interagieren. Nach Hattie (2009) sind in inklusiven Klassen die kooperativen Lernmethoden, das Concept Mapping leistungsförderlich. Sie stärken zugleich das fachspezifische Selbstkonzept, weil die Schüler/-innen gelegentlich die Lehrerrolle einnehmen müssen.

Literatur:
Georg Weißeno (2014). Inklusiver Politikunterricht – Konzepte, Befunde, Kompetenzen. In F. Sahrai & U. Bittlingmayer (Hrsg.), Inklusive politische Bildung (im Erscheinen).


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