Werkstatt Einfache Sprache

Was ist einfache Sprache und wo liegen deren Vorteile?

9.5.2016
Einfache Sprache nutzt das Know-how vor Ort; Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten von Anfang an zusammen; erlaubt ist, was die Zielgruppe versteht und was ihr nützt – auch Bilder und Grafiken; der Zeit- und Kostenaufwand ist viel geringer.

Einfache Sprache ist für alle gedacht, die komplizierte Texte für sich zu schwierig finden. Daher sind die „Leitfäden INTERNET“ nicht für eine bestimmte Zielgruppe gemacht, sondern für alle, die mit dem Internet am gesellschaftlichen Leben aktiv teilhaben wollen.

Leichte Sprache und einfache Sprache im Vergleich

Leichte SpracheEinfache Sprache
Die UN-BRK verpflichtet Deutschland zu barrierefreier Information und Kommunikation für Menschen mit Behinderungen. Dazu gehört auch die Leichte Sprache. Internetauftritte und -angebote der Bundesbehörden müssen nach der BITV 2.0 eine Zusammenfassung des Inhalts und eine Hilfe zur Navigation in Leichter Sprache enthaltenTexte in einfacher Sprache sind für viele Menschen hilfreich, etwa für Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwäche, ältere Menschen, Menschen mit geringen Deutschkenntnissen, Lernende einer Fremdsprache, Touristinnen und Touristen
Übersetzung bestehender und Erstellung neuer Texte durch professionelle DienstleisterBedarfsgerechte Erarbeitung neuer Texte. Nutzung des Know-hows vor Ort – Wissen der Vielen
Beteiligung der Zielgruppe der Menschen mit Behinderung erst am EndeBeteiligung der Referenzgruppe immer möglich
Ergänzung durch kleine Zeichnungen, keine FotosEntwicklung einer diskriminierungsarmen Bildsprache
Strenges, aber wissenschaftlich nicht fundiertes Regelwerk Es existiert kein Regelwerk. Grundsätzlich kann jeder Medien in einfacher Sprache entwickeln
Nur anerkannt bei Evaluierung und Zertifizierung durch "Netzwerk Leichte Sprache"Anerkannt ist, was die Zielgruppe versteht und was ihr nützt - auch Bilder und Grafiken
Hoher Kosten- und ZeitaufwandGeringer Aufwand

Tabelle erstellt nach: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 9–11/2014) Leichte und einfache Sprache

Zusammenfassend kann man sagen:
Leichte Sprache ist organisiert von Oben mit strengen, aber wissenschaftlich nicht abgesicherten Regeln, aufwändig und teuer. Einfache Sprache nutzt das Know-how vor Ort; Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten von Anfang an zusammen; erlaubt ist, was die Zielgruppe versteht und was ihr nützt – auch Bilder und Grafiken; der Zeit- und Kostenaufwand ist viel geringer. Deshalb bietet die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb sowohl Medien an, die alle Regeln der Leichten Sprache im Sinne der Menschen mit Behinderungserfahrung erfüllen: mit Vorlesefunktion, mit Untertiteln und Video in Gebärdensprache. Gleichzeitig experimentieren wir aber auch wie in einer Werkstatt mit neuen Formen in einfacher Sprache und neuen Formaten: z.B. den Leitfäden Internet in einfacher Sprache, Erklärvideos, mit multimedialen Inhalten und open office Medien, die kostenlos weiter verbreiten werden dürfen. Zur Entwicklung dieser Medien hat sich die Bundeszentrale Partner gesucht, die darin Erfahrung haben und innovativ sind.



 
Nadine RüstowNadine Rüstow

Leichte Sprache – eine neue »Kultur« der Beteiligung

Leichte Sprache ist eine Form der schriftlichen und mündlichen Kommunikation, deren Regelwerk vor allem für und gemeinsam mit Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickelt wurde. Bevölkerungsgruppen wie zum Beispiel Migrantinnen und Migranten oder funktionale Analphabeten sind ebenfalls von Ausgrenzung betroffen, wenn es um komplizierte Schriftstücke geht. Nadine Rüstow legt in ihrem Beitrag dar, warum sie ein wesentlicher Schlüssel für mehr Teilhabe und Selbstbestimmung ist. Weiter... 

Bettina ZurstrassenBettina Zurstrassen

Inklusion durch Leichte Sprache? Eine kritische Einschätzung

Die Bereitstellung von Texten in verständlicher Sprache für die politische Bildung ist dringend notwendig. Ob es hierfür des Konzepts und des Regelwerks der Leichten Sprache bedarf, muss öffentlich intensiver diskutiert und sprachwissenschaftlich sowie soziolinguistisch erforscht werden. Die Autorin Bettina Zurstrassen sieht es kritisch. Weiter...