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25.1.2019 | Von:
Theo Länge

Wahl-O-Mat: Arbeit mit Gruppen von Seniorinnen und Senioren

Der Einsatz des Wahl-O-Mat für die Zielgruppe Seniorinnen und Senioren: Für diesen besonderen Fokus im Bereich der außerschulischen Erwachsenenbildung finden Sie hier eine kurze Einführung und eine Projektidee, wie Sie Ihre Veranstaltung gestalten können.

Silhouette eines Kopfes mit Brille vor Wahl-O-Mat im Netz (© dpa)

Vorbemerkung

Im Gegensatz zum Einsatz des Wahl-O-Mat in Schulen findet der Einsatz des Wahl-O-Mat mit der Zielgruppe Seniorinnen und Senioren im Bereich der außerschulischen Erwachsenenbildung statt. Auf Grund des Prinzips der Freiwilligkeit dort ist also vollkommen offen, wer an einem solchen Angebot, sich im Vorfeld von Wahlen internetgestützt mit den unterschiedlichen parteipolitischen Positionen auseinander zu setzen, Interesse findet oder ein solches Angebot nutzen wird. Von daher bietet es sich im Vorfeld einer solchen Veranstaltung an, unter Einbeziehung der jeweils für Seniorinnen und Senioren Verantwortlichen in Seniorenheimen, Kirchen, Verbänden, Organisationen oder selbstorganisierten Gruppen bei einem geeigneten hauseigenen Termin vor Ort, die potentiell Teilnehmenden über ein solch angestrebtes Vorhaben zu informieren, Sinn und Zweck, Möglichkeiten und Grenzen des Wahl-O-Mat zu verdeutlichen und so für eine Teilnahme an der in Aussicht stehenden Veranstaltung zu werben.

Ausgangslage der Zielgruppe Seniorinnen und Senioren

Im Zusammenhang der Vorbereitung einer solchen Veranstaltung sollten sich politische Bildner und Bildnerinnen folgendes vergegenwärtigen:
  • Seniorinnen und Senioren sind keine homogene Zielgruppe, weder hinsichtlich ihres gefühlten oder tatsächlichen Alters, ihrer sozialen Herkunft, noch ihrer finanziellen Möglichkeiten oder ihres Status.
  • Was ihre Erfahrung mit Bildungsprozessen betrifft sind diese äußerst unterschiedlich. Manche haben im Kontext ihrer beruflichen Aufgabe vielfältige Erfahrungen gemacht, andere sind mit Bildungsangeboten kaum oder gar nicht in Berührung gekommen.
  • Meist liegen über lange Jahre erworbene sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Politik, Kompetenzen und Kenntnisse vor. Haltungen und Voreinstellungen sind oft über viele Jahre geprägt, d.h. gefestigt und oft auch verfestigt.
  • Oftmals bestehen noch stärkere traditionelle Bindungen an Parteien, andererseits liegen oftmals unerschütterliche Enttäuschungen über Politik und Parteien vor, die zum Rückzug aus der Beschäftigung mit Politik geführt haben und oft auch populistischen Tendenzen Vorschub leisten.
  • Die Bereitschaft Gelerntes und Erfahrenes in Frage zu stellen, dürfte sehr unterschiedlich ausgeprägt sein; zudem ist zu erwarten, dass bei so manchen eine gewisse Scheu besteht, sich in gruppenbezogenen Prozessen zu öffnen und zu positionieren.
  • Möglicherweise besteht bei dem einen oder anderen eine geringe Affinität, sich mit online gestützten Lernangeboten zu befassen.
  • Bei der Teilnahme von Männern und Frauen dürfte zu berücksichtigen sein, dass gerade Frauen der älteren Generation oftmals gar nicht berufstätig waren oder lange berufliche Phasen der Teilzeitarbeit oder auch prekärer Beschäftigung hinter sich haben und auf Grund vielfach erlebter männlicher Dominanz im öffentlichen Raum eher Zurückhaltung üben.

Durchführung einer Lehr- und Lerneinheit Wahl-O-Mat

Übersicht

Thema Wahl-O-Mat Einsatz in Gruppen von Seniorinnen und Senioren zur politischen Orientierung und Meinungsfindung
Zeit ca. 90 Minuten (incl. einer etwa 10 minütigen Pause)
Päd.Pers. 1 politische/r Bildner/in (verantwortlich für den techn. Ablauf, die Moderation und den päd. Prozess)
Grob-Ziel Förderung der Wahlmotivation durch den Einsatz des Wahl-O-Mat und der Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit den politischen Vorstellungen zur Wahl stehender politischer Parteien.
Verlaufs-Ziele Zielgruppenrelevante Politikbereiche definieren. Unterscheidbare Positionen und Begründungen der Parteien wahr nehmen. In der Gruppe unterschiedliche Positionen kennen lernen, eine eigene Meinung bilden, vertreten und über den Wahl-O-Mat akzentuieren, in Frage stellen und überprüfen.
Zielgruppenspezifische Bewertung des Wahl-O-Mat's als Methode.
Bestimmung von Themenbereichen, die in weiteren Veranstaltungen (vertiefend oder erweiternd) aufgegriffen werden können.
Inhalte Welche Themenbereiche betreffen mich persönlich, wenn ich an Politik denke?
Welche Themen stehen bei der Wahl an?
Wie positionieren sich die Parteien?
Wie positioniere ich mich selbst?
Methode Einzelarbeit, Gruppenarbeit, Plenum, Diskussion
Material PC's, Wahl-O-Mat online
1 zentraler Monitor, 4 bis 6 Monitore für die Gruppen, Metaplanwand, Metaplankarten, Schreibzeug

Das Modul

Didaktisch-methodische Überlegungen
Es bietet sich an, nach einer Einführung in das Vorhaben Wahl-O-Mat im Plenum zunächst beispielhaft einen Durchlauf einiger weniger zentraler Fragen anzubieten, d.h. einige Fragen zu visualisieren und unter Berücksichtigung eventueller vorliegender Handycaps gleichsam laut vor zu lesen.

Spontan geäußerte Irritationen und Verständnisprobleme sollten ad hoc und ohne größere zeitliche Verzögerung ausgeräumt bzw. beantwortet werden.

Eine erste Orientierung, um was es letztendlich gehen soll, ist somit gegeben und erleichtert die sich anschließende Einzelarbeit zum Spannungsfeld von Lebenswirklichkeit und Politik. Hierbei sollen die Teilnehmenden die Themen auflisten, die sie in ihrer Lebenswirklichkeit herausfordern, wenn sie an Politik denken. Das Aufnotieren der jeweiligen Themen auf Metaplankarten und das Vorlesen der Karten durch die Seniorinnen und Senioren und deren Beteiligung bei der Zuordnung der Antworten zu übergeordneten Themen durch den Moderator ist ein erster zumutbarer Schritt aktiver Teilhabe aller Beteiligter.

Nachdem die Themen an der Metaplanwand sortiert sind, werden 4 bis 6 Gruppen nach themenspezifischem Interesse gebildet, was aber dennoch bei der Gruppenzuordnung erlauben sollte, auch Sympathien für bestimmte Personen zu berücksichtigen. Aus o.g. Überlegungen bietet sich an, mindestens eine geschlossene Frauengruppe(!) zu bilden.

Im nun sich anschließenden Gruppendurchlauf, soll nach einer jeweils kurzen Diskussion die Mehrheitsabstimmung zur jeweiligen eingeblendeten und von einem Gruppenmitglied vorgelesenen Frage (was ist gemeint? Wie sind die Fragen zu beantworten?) erfolgen. Die Gruppenergebnisse und somit auch die Parteienaffinität werden dann öffentlich und diskutierbar. (Sollten sich Teilnehmende, die überstimmt werden zurückgesetzt oder überwältigt fühlen und sich deshalb dem Gruppenprozess entziehen wollen, könnte auch auf das Meinungsspektrum ohne Mehrheitsausweis gesetzt werden).

Die Diskussion führt möglicherweise zu kritischen Anfragen an den Wahl-O-Mat mit dem Hinweis auf Verbesserungsvorschläge aber möglicherweise auch zu dem Wunsch nach weiteren Veranstaltungen, die erwünschten Themen geschuldet sind.

Am Ende sollte quasi als Hausaufgabe dazu motiviert werden, am eigenen PC, Tablet oder Smart Phone in einem individuellen Durchlauf die Fragen zu beantworten, um die eigene Parteienpräferenz zu erkunden.

Verlaufsbeschreibung

  • Einführung zum Wahl-O-Mat im Kontext anstehender Landtagswahlen, EU-Wahlen, Bundestagswahlen
  • Erläuterung von Sinn und Zweck des Wahl-O-Mat Einsatzes
  • Beispielhafter Durchlauf einiger weniger Fragen des Wahl-O-Mat (Projizierung per Beamer an die Wand) und Erläuterung des Verfahrens
  • Einzelarbeit zur Frage: Welche Themen betreffen mich in meiner Lebenswirklichkeit, wenn ich an Politik denke
  • Auflistung der Antworten auf Metaplankarten und thematische Zuordnung der genannten Antworten an der Metaplanwand
  • Bildung themenspezifischer Gruppen evtl. auch einer oder ggf. zweier Frauengruppen
  • Gruppenspezifischer Durchlauf aller Wahl-O-Mat Fragen und jeweilige Feststellung der Gruppenergebnisse (alternativ: Feststellung eines Meinungsbildes)
  • Vergleich und Diskussion der Gruppenergebnisse im Plenum
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem Wahl-O-Mat, Stärken- und Schwächeanalyse aus Sicht der teilnehmenden Zielgruppe
  • Klärung der Motivation für eine themenorientierte Weiterarbeit
  • Gemeinsame Auswahl vorgeschlagener Themen und Festlegung einer Reihenfolge
  • Vereinbarung geeigneter Veranstaltungstermine

Alternativer Verlauf

(ca. 60 Minuten)
Bei relativ homogenen Seniorengruppen, die intrinsisch motiviert sind und etwa auf Grund ihrer früheren beruflichen Tätigkeit Erfahrungen mit Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen gemacht haben, kann die Veranstaltung auf eine Verlaufszeit von ca. 60 Minuten geplant werden.

Es kann dabei überlegt werden, die im Rahmen der Verlaufsbeschreibung definierten Punkte 1 bis 5 kürzer zu fassen oder in Teilen ganz weg zu lassen.

Creative Commons License

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Autor: Theo Länge für bpb.de
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