Flucht auf der Elbe

von: Uwe Rada, Holger Rada

Im April 1948 ist die Elbe Schauplatz einer ungewöhnlichen Flucht. Der tschechische Binnenschiffer Josef Novák bringt den nach dem kommunistischen Februarputsch in Ungnade gefallenen Politiker Ladislav Feierabend auf seinem Elbkahn in den Westen. Eine bisher unbekannte Geschichte aus dem Europa des Kalten Krieges. Und eine tschechisch-deutsche Heimatgeschichte: Der Fluchthelfer ist der Großonkel der Filmemacher.

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Inhalt

Eine Geschichte, die nicht in den Geschichtsbüchern steht: Im April 1948 kreuzen sich in Děčín an der Elbe die Lebenswege zweier Menschen: Josef Novák und Ladislav Feierabend. Feierabend droht nach dem kommunistischen Februarputsch in Prag ein Schauprozess. Die Flucht auf der Elbe ist für den ehemaligen tschechoslowakischen Finanzminister die einzige Möglichkeit, in den Westen zu entkommen. Für den Elbschiffer Josef Novák und seine Frau Štěpánka ist es die Chance, etwas Geld beiseite zu legen. Ihr großes Ziel: Amerika.

Der Film erzählt die Flucht auf der Elbe als eine Familiengeschichte aus dem Europa des Kalten Kriegs. Feierabend musste bereits 1941 vor den Deutschen fliehen, in London wurde er Finanzminister in der Exilregierung von Edvard Beneš. Doch seine konservative Agrarierpartei war nach 1945 nicht mehr an der Regierung beteiligt. Feierabend wurde zur persona non grata. Josef Novák wiederum wurde vom tschechoslowakischen Geheimdienst STB eine zu große Nähe zu den Deutschen vorgeworfen. Er stammte aus einer deutsch-tschechischen Familie, in der die nationale Zugehörigkeit nie eine Rolle spielte.

Flucht auf der Elbe ist eine Heimatgeschichte ohne Heimattümelei. Das Land, in das die Nováks nach der Wende zurückkehren, ist ein anderes geworden. Josef Novak kann nun endlich seine Geschichte von den Deutschen und Tschechen, von Flucht und Rückkehr in die Sudeten erzählen. Auch das Leben von Ivo Feierabend, dem Sohn des 1969 verstorbenen Ladislav Feierabend, ist ein anderes. Er pendelt zwischen den USA und Prag, um die Erinnerung an seinen Vater wach zu halten.

Der Filmemacher Holger Rada und der Autor Uwe Rada betrachten die Geschichte ihres Großonkels Josef Novák aus einer europäischen Perspektive. Deutsche, Tschechen und Amerikaner sind Teil einer gemeinsamen Erzählung – und der Fluss, der 1948 die spektakuläre Flucht auf dem Elbkahn ČSPL 346 ermöglicht hat, fließt durch ein fast grenzenloses Europa.

Weitere Informationen

  • Kamera: Holger Rada

  • Schnitt: Holger Rada

  • Drehbuch: Uwe Rada, Holger Rada

  • Sprecher: Alke Wierth, Eva Beisiegel, Martin Kemner, Andreas Otto, Sebastian Songin

  • Redaktion: Uwe Rada, Holger Rada

  • Musik: Galdson

  • Sound: Holger Rada, Uwe Rada

  • Produktion: 01.01.2011

  • Spieldauer: 00:55:19

  • hrsg. von: Bundeszentrale für politische Bildung

 
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