Der Fotograf Martin Blume über das Projekt "Auschwitz heute"

von: Uwe H. Martin

Der Künstler Martin Blume hat seit 2009 an der Stätte des KZ Auschwitz-Birkenau eine Fotografie-Serie erarbeitet, die kommenden Generationen Shoa, Porajmos und die weiteren organisierten Massenmorde der Nationalsozialisten im Bewusstsein halten kann. In diesem Film erzählt er über seinen Zugang zum Thema, seine Motivation sowie, wie ihn die Arbeit vor Ort als Künstler und Mensch beeinflusst.

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Inhalt

Martin Blume ist einer der letzten Meister schwarz-weißer Großformat-Fotografie. Arbeiten des 57-Jährigen finden sich in Sammlungen beiderseits des Atlantiks, sind in Bildbänden und Ausstellungen erschienen. Neben seiner fotografischen Entwicklung absolvierte Blume ein Psychologiestudium, das seine Arbeitsweise bis heute beeinflusst. Landschafts- und Architekturphotographien sind zwar Teil seines Werkes; er selbst sieht sich aber als "Archäologe", als jemand, der stets Spuren von Menschlichem nachspürt. Seine Photographien erzählen Geschichten, Novellen. Seit über 20 Jahren verfolgt Martin Blume diese Spuren auch in Gedenkstätten des Holocaust – die Arbeit an einem Band über das elsässische Konzentrationslager Struthof erstreckte sich über zehn Jahre hinweg. Die Schreckensbilder aus den Ruinen der ehemaligen Konzentrationslager raut der sonst mit absoluter Klarheit arbeitende Perfektionist mit Unschärfen auf, die im Moment der Aufnahme entstehen. So erwirkt Blume mit psychologischem Geschick neue Zugänge und entgeht der Gefahr einer Erstarrung der Szenerien zum Symbol. Blumes Bilder bleiben zugänglich, regen das Denken und Fühlen an, unterbinden den so gut eingeübten Reflex des Betrachters, sich abzuwenden. Martin Blume sagt über seine Motivation: „Das Unsägliche, das Unsagbare muss ausgedrückt werden. Bewahren und Verändern gehen darin Hand in Hand. Durch meine photographische, abstrahierende Umsetzung ist jeder frei, seine innere Sprache zu finden – und dadurch zu empfinden. Unschärfe bietet die Möglichkeit eigener Projektion, Abwendung und Verdrängung werden vermieden.“

Die Webdocumentary ist Teil eines crossmedialen Produkts, das aus einem dreisprachigem Bildband, aus einer Ausstellung, einer bundesweiten Freiluft-Projektion, und dieser Webdocumentary besteht.

Weitere Informationen

  • Kamera: Frauke Huber, Poul Madsen

  • Schnitt: Frauke Huber, Henrik Kastenskov, Poul Madsen, Uwe H. Martin

  • Redaktion: Hanna Huhtasaari

  • Sound: Frauke Huber, Poul Madsen

  • Musik und Tonmischung: Claus Haargaard

  • Produktion: 19.01.2015

  • Spieldauer: 00:06:59

  • hrsg. von: Bundeszentrale für politische Bildung

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