Info Islam: Was bedeutet halal/haram?

Version mit Untertiteln

von: Prof. Dr. Armina Omerika, Pudelskern

Im Rahmen der Webvideo-Reihe "Begriffswelten Islam" informiert der animierte Kurzfilm über die Begriffe "haram" und "halal".

Inhalt

Der animierte Kurzfilm informiert über die begriffsgeschichtliche Entwicklung und über die verschiedenen Bedeutungsebenen der Begriffe "haram" und "halal".

Volltextalternative

[Der Film wird eingeblendet, eine Hand richtet noch die Kamera aus, dann ist die Youtuberin Marie Meimberg zu sehen. Sie blickt direkt in die Kamera und winkt zur Begrüßung als sie zu sprechen beginnt. Sie befindet sich in einem groß wirkenden büroartigen Raum, der im Hintergrund nur unscharf zu erkennen ist. Von Marie ist nur der Kopf zu sehen. Sie trägt die dunklen langen Haare offen, einen schwarzen Schal und ein Piercing in der Unterlippe. Sie steht so nah vor der Kamera, dass teilweise bei Kopfbewegungen während des Sprechens ein Teil ihres Gesichtes nicht mehr im Bild ist.]

Marie: Hi! Ich bin ehrlich gesagt etwas unglücklich, und zwar wegen dem letzten Stammtisch. Also jetzt gar nicht so sehr, weil ich den Stammtisch als solchen nicht gut finde, oder die Gäste nicht gut fand, ganz im Gegenteil, sondern eher weil ich glaube, dass das Thema so vielschichtig ist und so groß, dass man ihm mit einem Stammtisch alleine einfach nicht gerecht wird. Das Einzige, was dann passiert, wenn man das versucht, ist, dass man scheitert. Und ich finde, (lacht) ich bin damit grandiosestens gescheitert. Aber ich glaube auch, dass wenn man so was tut, also sich so einer Aufgabe stellt und dann merkt: Shit, hat nicht so richtig funktioniert, weil einfach zu groß und zu viele Ansprüche und einfach so nicht darstellbar, dann hat man ungefähr zwei Möglichkeiten, wie man damit umgehen kann.

[Marie untermalt diesen Satz und hebt die Hand mit zwei Fingern ins Bild.]

Marie: Entweder man lässt sich davon abschrecken... ich zeig euch das mal, was ich damit meine.

[Marie nimmt während sie spricht die Kamera in die Hand, für kurze Zeit ist nur ihre Hand im Bild, dann sie selbst unscharf. Schließlich legt sie die Kamera auf einen Tisch, ein zusammengerolltes Kabel ist zu sehen, im Hintergrund eine weiße Wand.]

Marie: Hier ist übrigens das neue Büro! Ich glaub, das habt ihr noch gar nicht gesehen. So, das ist mein Whiteboard im Büro.

[Nun ist die Fläche eines Whiteboards und Maries Hand im Bild, die nun darauf zu malen beginnt. Sie zeichnet eine Strichfigur, schreibt rechts daneben das Wort "Islam" und zeichnet darunter und darüber eng beieinanderliegende waagerechte Striche.]

Marie: Was ich damit meine, ist, man hat dann entweder die Wahl zu sagen: Ok, es ist so vielschichtig, es ist so groß, ich lass es lieber komplett sein.

[Links neben die Figur malt Marie eine Sprechblase mit den Worten "Nö, dann lieber nicht!". Die Worte werden in der Folge weggewischt und stattdessen "Quatsch!" reingeschrieben.]

Marie: Oder man geht hin und sagt: Ok - so ähnlich, wie bei einem Riesenwald - ich kümmere mich jetzt erstmal um einen Baum, also quasi um eine Schicht und arbeite mich so nach und nach vor.

[Der Strichfigur wird ein Stricharm gemalt, der auf eine der waagerechten Linien zeigt, neben die dann die Worte "1 Schicht" und ein Baum gezeichnet werden. Auf den Baum weist ein Pfeil, mehr Bäume werden dazu gemalt.]

Marie: Um ehrlich zu sein, weiß ich noch gar nicht so genau, wie ich mit allen Schichten umgehen kann, also ich hab noch keine Lösung für alle Schichten und keine Ideen. Ich glaube, es kann auf jeden Fall noch mal einen Stammtisch geben. Aber ich glaube, das Wichtigste ist, dass man irgendwann anfängt. Dann kannst du dich so Baum für Baum und Schicht für Schicht vorarbeiten.

[Marie nimmt die Kamera wieder in die Hand und richtet sie auf sich.]

Marie: So... und die Schicht des vielschichtigen Themas Islam, mit der ich mich heute beschäftigen will, ist Bildung. Ich hab das ja auch schon beim Stammtisch angesprochen, ich glaube, dass es viel leichter ist, vor einer Sache Angst zu haben, wenn man sie nicht kennt. Ich glaube auch, dass es viel schneller passiert, dass man sich eine Meinung von jemand anderem einfach so... ja, nicht aufschwatzen lässt, aber dass man sie einfach viel leichter ungefragt übernimmt, wenn man keine Basis hat, auf der man sich eine eigene Meinung bilden kann. Deswegen hab ich auch, das hab ich ja auch beim Stammtisch erzählt, dieses Projekt für die bpb hinter der Kamera als Beraterin betreut, weil ich das total wichtig fand. Und hab jetzt beschlossen, dass es auch voll schön wäre, nicht nur hinter der Kamera, sondern auch vor der Kamera mich für dieses Thema und dieses Projekt einzusetzen. Und das tue ich heute! Mit sehr, sehr schönen Wischillustrationen wird ein Thema behandelt, das auch im letzten Stammtisch eine Rolle gespielt hat. Witzigerweise eigentlich, weil es keine Rolle gespielt hat, (lacht) und zwar zum allerersten Mal.

[Marie nimmt wieder die Kamera, richtet sie in den Raum, das Bild wackelt. Dann ist wieder das Whiteboard im Bild. Marie zeichnet eine Flasche mit Korken, auf der "Pesto" steht und zwei Schnapsgläser. Daneben malt sie den Kopf einer Strichfigur mit den zwei Sprechblasen "Nein Danke!" und "Ich trinke keinen Alk".]

Marie: Denn, ihr wisst ja: Pestoschnaps ist eigentlich ein essentieller Teil des Stammtisches. Und im letzten Stammtisch haben wir keinen einzigen Pestoschnaps getrunken. Das liegt daran, dass Rayk gesagt hat, er möchte lieber nicht so viel Alkohol trinken dieses Mal, weil er da mal eine Erfahrung mit gemacht hat, auf einer Podiumsdiskussion, aber auch daran, dass Kübra keinen Alkohol trinkt.

[Maries Hand wischt das Bild weg. Ein neues Bild wird eingeblendet, das verschiedene Strichfigurenköpfe nebeneinander zeigt, über die Marie eine große gemeinsame Sprechblase mit den Worten "Wir auch nicht!" zeichnet.]

Marie: Damit ist sie ja überhaupt nicht alleine und die einzige Muslima, die ich kenne, die keinen Alkohol trinkt. Warum? Weil Alkohol als haram gilt.

[Das Bild wird wieder weggewischt und die Flasche mit der Aufschrift "Pesto" neu gezeichnet. Daneben schreibt Marie ein mathematisches Gleichheitszeichen und "haram". Dann richtet sie Kamera wieder auf sich.]

Marie: Das hat bestimmt jede und jeder von euch schon mal gehört, aber haram ist ja noch sehr, sehr viel mehr als nur nicht Alkohol trinken. Deswegen ist die Frage, was genau bedeutet das? Und was ist im Gegenzug erlaubt, also halal?

[Nun beginnt der Erklärfilm. Auf eine weiße Fläche werden von einer Hand die beiden Worte "halal" und "haram" in grünen gezeichneten Buchstaben von oben hineingezogen. Darunter legt die Hand dann die beiden Begriffe in unterschiedlichen Sprachen und Schriften. Diese werden dann wieder weggewischt und unter das Wort "halal" ein grüner Zustimmungshaken und unter das Wort "haram" ein schwarzes verneinendes Kreuz gelegt.]

Sprecher: Heutzutage werden die Begriffe halal und haram oft verwendet, um allgemein darüber zu sprechen, was im Sinne des Islams erlaubt beziehungsweise verboten ist.

[Die Bildelemente werden weggewischt. Auf die linke Seite der Fläche wird dann die Zeichnung einer Gruppe von jungen Menschen und rechts oben ins Bild werden zwei Wortblasen mit den Begriffen "haram" und "halal" gelegt. Über der Gruppe wird ein Richtungsschild und ein Kompass platziert, unter die Begriffe eine Frau mit Kopftuch, die die Arme wie eine Waage ausbreitet, als würde sie die beiden Begriffe balancieren. Hinzu kommt unter "halal" ein Daumenhoch-, unter "haram" ein Daumenrunter-Symbol.]

Sprecher: Sie werden vor allem von jungen Musliminnen und Muslimen benutzt, haben sich aber auch allgemein in der Sprache von Jugendlichen etabliert. Die Begriffe sind so populär, weil sie klare Orientierungen für das eigene Verhalten - im Sinne von eindeutigen Normen – versprechen.

[Alle Bildelemente, außer das der Gruppe der Jugendlichen, werden weggewischt. Eine junge Frau mit Kopftuch aus der Gruppe bekommt ein Schild mit dem Wort "halal" in die Hand, einem jungen Mann wird ein Arm hinzugelegt, mit dem er auf die rechte Bildseite weist. Dorthin wird dann die Zeichnung einer zweiten Gruppe Jugendlicher gelegt, die ablehnend zur ersten Gruppe hinüberschauen. Zu dem auf sie weisenden jungen Mann kommt noch eine Sprechblase mit dem Wort "haram" hinzu.]

Sprecher: Sie können identitätsstiftend wirken, werden aber auch benutzt, um die eigene Position und das eigene Verhalten als zulässig und richtig, oder andere Meinungen als verboten oder falsch darzustellen.

[Alle Bildelemente werden mit der Hand weggewischt. Ins Bild gelegt wird die Zeichnung zweier diskutierender Personen – ein Mann mit Brille und Bart, vor ihm ein Stapel Bücher und eine Frau mit Kopftuch mit zwei Schriftrollen und einer Schreibfeder. Über ihre Köpfe wird eine große Sprechblase gelegt, in der "haram vs. halal" wie eine Überschrift steht unter der dann im Folgenden Bücherstapel mit den Titeln "Tafsir", "Ethik" und "Islamisches Recht" platziert werden. Der "Ethik"-Bücherstapel wird dann mit einem Bild eines Korans überdeckt und unter die Sprechblase rechts und links der beiden Diskutierenden die Worte "hurum" und "halala" gelegt.]

Sprecher: In den Auslegungen des Koran stehen sich Halal und Haram als Gegensätze gegenüber. Im Koran selbst haben sie und ihre verwandten Wortgruppen jedoch mehrere Bedeutungen.

[Die Fläche wird leergewischt und links ins Bild wird die Zeichnung der Ka'ba in Mekka und darüber die Worte "haram" und kleiner darunter "heilig/sakral" gelegt. Oben in einer Höhe mit "haram" werden dann die Worte "versus" und "halal" gelegt, und kleiner unter letzterem "weltlich/profan". Darunter kommt dann eine Weltkugel hinzu.]

Sprecher: Zum Beispiel wird der Bereich um die Ka'ba in Mekka als haram bezeichnet. Das bedeutet, dass man den Bereich der Ka’ba nur in einem bestimmten Zustand betreten darf und heißt soviel wie "heilig" oder "sakral" . Als Gegensatz dazu wird halal mit "weltlich" oder "profan" übersetzt.

[Neben die Ka'ba wird dann die Zeichnung einer Gruppe gelegt, bestehend aus Mann, Frau und Kind in Pilgergewändern und neben die Ka'ba das Wort "hurum". Die Zeichnung wird schließlich von der Hand umgedreht und neben die Weltkugel gelegt. Zu sehen sind nun ein Mann, eine Frau und ein Kind in alltäglicher Kleidung. Rechts unten neben die Ka'ba wird das Wort "Pilgerfahrt" gelegt und daneben ein grüner gebogener Pfeil, der Richtung Weltkugel weist und mit dem Wort "verlassen" überschrieben ist. Rechts neben die Weltkugel kommt dann noch das Wort "halala" hinzu.]

Sprecher: So wird zum Beispiel der Zustand von Muslimen während der Pilgerfahrt als hurum bezeichnet - und das Verlassen dieses Zustands mit dem Verb halala bezeichnet. Beides, hurum und halala, sind verwandte Wörter von haram und halal.

[Alle Elemente werden weggewischt. Hineingelegt wird der Begriff "haram" und darunter ein Daumenrunter-Symbol, ein Kreuz, und ein Stopschild. Dann wird die Fläche wieder leergewischt und die Worte "haram" und "verboten" oben links platziert. Darunter werden folgende Bilder gelegt: ein Hanfblatt und ein brennender Joint, eine Weinflasche mit einem Glas und ein junger Mann vor einem Spielautomaten.]

Sprecher: Die häufigste Bedeutung von "haram" im Sinne einer religiösen Vorschrift ist "unrechtmäßig" oder "verboten".

[Auf die rechte Seite des Bildes werden dann die Worte "halal" und "erlaubt" gelegt und darunter folgende Bilder: zwei fußballspielende Kinder, eine Saftflasche und ein älterer Mann, der Blumen gießt und pfeift.]

Sprecher: Im Gegensatz dazu steht das Wort "halal" für "rechtmäßig" oder "erlaubt, zulässig". Diese Unterscheidung kann sich auf Gegenstände, Handlungen oder auch Personen beziehen.

[Alles wird weggewischt, ein Bild des Korans in die Mitte gelegt und daneben die Wortblasen "Gebote" und "Verbote", sowie ein Fragezeichen.]

Sprecher: Der Koran enthält nicht viele Vorschriften und Regeln, die man als direkte rechtliche Normen bezeichnen kann.

[Wieder wird die Fläche leergewischt und folgende Bilder hineingelegt: Links unten das Bild zweier Gelehrter mit Papierrollen - einer mit Turban und beide in Gewändern – und rechts ein Bild zweier Frauen und eines Mannes - eine im Kostüm, die andere in Hosen und mit Kopftuch und er im Anzug. Links über die beiden ersten Gelehrten wird dann das Wort "Gebote" und ein Like-Daumen gelegt, rechts über die Gruppe das Wort "Verbote" und ein Dislike-Daumen. Schließlich kommt auf der Gebote-Seite noch ein Paragrafenzeichen hinzu und in die Mitte ein Bild einer Gruppe Menschen unterschiedlichen Alters.]

Sprecher: Deshalb haben islamische Juristen versucht, die im Koran genannten Gebote und Verbote durch Auslegung auf das Leben der Muslime zu übertragen. Dabei wurde diskutiert, ob diese wie Gesetze gelten oder eher als moralische Richtlinien zu sehen sind.

[Verschiedene Elemente werden aus dem Bild gewischt, es bleiben die beiden Gelehrtengruppen des Anfangsbildes. Zwischen sie wird eine große viereckige Sprechblase gelegt, die auf beide Gruppen als SprecherInnen weist. Darin ist eine senkrechte Skala gezeichnet, an deren oberen Ende "verboten" und an dem unteren "erlaubt" steht. Dazwischen sind folgende Worte in absteigender Reihenfolge geschrieben: "haram", "makruh", "mandub/mustahabb/sunna", "fard" und daneben "wadschib", sowie "mubah" und "halal".]

Sprecher: Aufgrund dieser Debatten entwickelten islamische Juristen im Laufe der Zeit eine Skala um menschliche Handlungen im Sinne der religiösen Vorschriften einzuordnen und sie zu beurteilen. Dies geschah im Einklang mit dem islamischen Glaubensgrundsatz, dass der Mensch sich für seine Taten vor Gott verantworten müsse.

[Alle Bilder werden weggewischt und links wird das Bild eines Gelehrten mir erhobenem Zeigefinger und Papierrollen unter dem Arm gelegt und zu ihm eine Sprechblase mit den Worten "fard/wadschib" und "Pflicht". Außerdem werden folgende Bilder platziert: ein junger Mann mit einem Basecap, der einen Gebetsteppich ausrollt, eine betende Frau mit Kopftuch und ein Mann und eine Frau an einem Tisch, die essen und über die eine Zeichnung von Mond und Sternen vor schwarzem Himmel, Nacht symbolisierend, gelegt wird.]

Sprecher: Im Sinne dieser Skala sind sogenannte vorgeschriebene Handlungen, die farh bzw. wahib genannt werden, religiöse Verpflichtungen, die Muslime einhalten müssen - wie z.B. das tägliche Gebet oder Fasten während des Ramadans.

[Auf die wieder leergewischte Bildfläche wird die Figur eines Mannes im Anzug gelegt. Er hat eine Hand beim Sprechen vor den Mund gehoben. Über ihm wird die Sprechblase mit den Worten "mandub/mustahabb/sunna" und "empfohlen" platziert. Außerdem werden noch folgende Bilder hineingelegt: eine Gruppe junger Menschen, die "Merhaba!", "Hallo!", "Hello!" und "Salam aalaikum!" sagen und das Bild einer jungen Frau, die einen alten Mann in einem Rollstuhl schiebt.]

Sprecher: Handlungen, die aus der Perspektive dieser religiösen Vorschriften als empfehlenswert gelten, werden als mandub, mustahabb oder manchmal auch als sunna bezeichnet. Als empfehlenswert gilt es zum Beispiel, freundlich zu grüßen oder Menschen zu helfen.

[Ein neues Bild beginnt: ein mit einem Gewand gekleideter Mann mit einer Papierrolle in der Hand wird links platziert und darüber die Sprechblase mit den Worten "makruh" und "unerwünscht". Hinzu kommt das Bild einer Frau an einer Spüle, die telefoniert, während das Wasser aus dem Becken überläuft, und das einer Frau, die in einer Denkblase Beschimpfungen ausstößt.]

Sprecher: Handlungen, die als unerwünscht gelten, oder von denen abgeraten wird, werden von islamischen Gelehrten makrūh genannt.

[Auf die wieder leergewischte Bildfläche wird das Bild einer Frau mit Kopftuch und Büchern unter dem Arm gelegt, die lächelt und hat den Arm im Sprechen gehoben. In ihrer Sprechblase steht "haram". Folgende Bilder werden rechts neben ihr auf der Bildfläche platziert: ein gebratenes Schwein auf einem Teller, eine Weinflasche mit Glas, ein Joint und ein Hanfblatt und ein junger Mann vor einem Spielautomaten.]

Sprecher: Handlungen, die aus Sicht der religiösen Vorschriften als verboten gelten, werden als haram bezeichnet.

[In einem neuen Bild wird das Bild einer Frau im Kostüm, die erklärend die Hände gehoben hat und die Sprechblase "halal" gelegt. Hinzu kommen die Bilder eines schreibenden Mädchens, eines pfeifenden Mannes, der Blumen gießt und zweier fußballspielender Kinder.]

Sprecher: Gemäß dieser Einteilung der islamischen Juristen gibt es Handlungen, die als erlaubt gelten. Sie werden mubah oder halal genannt.

[Alle Bildelemente werden weggewischt. Auf die weiße Fläche wird die Zeichnung eines Tablets gelegt. Die Hand drückt auf den gezeichneten Knopf und die Youtuberin Marie ist wieder in Großaufnahme zu sehen. Das Bild wird herangezoomt, bis es die ganze Fläche ausfüllt.]

Marie: Ich persönlich finde die Vorstellung ehrlich gesagt etwas seltsam, mich nach so ner Art Empfehlungs-Handlungs-Ding zu verhalten, was ich mir nicht selber ausgedacht habe. Manche von euch wissen das vielleicht, ich bin ja nicht getauft, und auch nicht gläubig und hab aber natürlich trotzdem so eine Art Bild für mich selber entworfen, davon, was ich für mich richtig finde, was für mich klargeht, was mich gar nicht klargeht.

[Die Kamera wird wieder Richtung Whiteboard ausgerichtet. Marie malt eine Strichfigur und daneben ein gerahmtes Bild, das diese Strichfigur darstellt. Dann bekommt die Strichfigur noch Arme gemalt, in denen sie Pinsel und Farbpalette hält.]

Marie: Das ist aber ein Bild, was ich selber entworfen oder gemalt habe, also ich bin eben selbst auch die Malerin dieses Bildes. Ich habe mir selber eine Art Ideal-Marie-Portrait gemalt und an die Wand gehängt.

[Das Bild zeigt wieder Marie.]

Marie: Ich verhalte mich quasi nach diesem Bild, zum Teil glaub ich, weil ich gar nicht anders könnte, weil das sozusagen... diese Vorstellung, dieses Bild ein ganz großer Teil auch einfach von mir selber ist. Zum Teil glaube ich aber auch, dass ich mich danach verhalte, weil ich es einfach für richtig empfinde.

[Die Kamera richtet sich wieder auf das Whiteboard. Marie zeichnet ein Bett und darüber ein gerahmtes Bild mit dem Gesicht einer Strichfigur. Neben dem Bett stehend und auf das Bild zeigend zeichnet sie dann eine unglücklich aussehende Figur mit einer Denkblase, in der steht: "Das/So bin ich nicht!". Im Weiteren wird der Figur der Strichfigurmund weggewischt und ein lächelnder Mund gemalt. Die Denkblase wird ebenfalls weggewischt und durch eine Sprechblase ersetzt, in der steht: "Egal! Dann halt neu!".]

Marie: Und dennoch gibt es manchmal Momente, wo man eines Morgens aufwacht und feststellt: Ich hatte ein Bild von mir und ich dachte ich sei so oder so, und man dann feststellen muss, dass man entweder gar nicht mehr so ist, oder dass man das nicht mehr so hinnehmen will.

[Ein neues Bild wird gemalt: Eine Strichfigur mit Pinsel und Farbpallette neben einem gerahmten Bild von sich selbst.]

Marie: Dann kann ich aber hingehen und einfach eine Art neues Bild von mir und meiner "Ach-es-wäre-schön-so-und-so-eine-Marie-zu-sein" malen.

[Das Bild wird wieder weggewischt und eine neue Strichfigur gemalt, neben der die Sprechblase steht: "Aber wie ist das im Islam?" Anschließend nimmt Marie die Kamera wieder in die Hand und richtet sie auf sich, so dass sie wieder in Großaufnahme zu sehen ist.]

Marie: Aber wie ist das im Islam? Muss man sich das so vorstellen, dass da alle ein einheitliches Bild von sich aufhängen müssen? Darf man das mitgestalten? Was passiert, wenn sich das Bild nicht mehr richtig anfühlt? Und wer entscheidet, was das für Konsequenzen hat, wenn man sich nicht an das Bild hält, was da hängt?

[Der Film mit Marie wird ausgezoomt, wir sehen ihn kurz im Rahmen des gezeichneten Tablets, dann wird er ausgeblendet und das Tablet aus der Bildfläche genommen. Nun werden zwei Bücherstapel ins Bild gelegt - auf dem linken steht "haram", auf dem rechten "makruh". Zwischen die beiden werden zwei auf die Mitte weisende grüne Pfeile gelegt und zwischen sie schließlich eine brennende Zigaretten platziert.]

Sprecher: Die Einordnung von Handlungen kann von Rechtsschule zu Rechtsschule unterschiedlich sein. Zum Beispiel wird das Rauchen von manchen als "haram", "verboten", und von anderen als "makruh", "unerwünscht", angesehen.

[Das Bild wird leergewischt und die Hand legt nacheinander folgende Bilder hinein: Ein Gelehrter mit mahnend erhobenem Zeigefinger und Papierrollen unter dem Arm mit der Sprechblase: "Kein Gebot in der Not", daneben eine Figur in einem Bett unter einer Decke schwitzend über deren Kopf ein Fieberthermometer gezeichnet ist. Neben dem Bett steht ein Tischchen mit Essen. Rechts oben kommt dann ein Bild einer schwangeren Frau, die in einen Apfel beißt hinzu und daneben das Bild eines Mannes, der nachdenklich aussieht und zu ihm eine Denkblase, in der er im Pilgergewand zu sehen ist.]

Sprecher: Es gibt auch besondere Regelungen für Ausnahmesituationen. Zum Beispiel ist das Fasten nicht verpflichtend, wenn man krank ist oder sich aus gesundheitlichen Gründen schaden würde. Auch das Durchführen einer Pilgerfahrt wird nicht als verpflichtend angesehen, wenn dadurch die Versorgung der Familie bedroht wäre.

[Alle Bildelemente werden weggewischt und auf die weiße Fläche nun nebeneinander in eine Zeile folgende Wortblasen gelegt: "verboten", "erlaubt", "empfohlen" und "unerwünscht". Darunter werden zwei Bücherstapel mit den Titeln "makruh" und "halal" platziert und links kommt der Gelehrte mit dem erhobenen Zeigefinger hinzu und rechts ein anderer Gelehrter mit einer Papierrolle unter dem Arm.]

Sprecher: Ob etwas eindeutig verboten, erlaubt, empfohlen oder unerwünscht ist, wird also nicht nur in den verschiedenen islamischen Rechtsschulen und unter islamischen Juristinnen und Juristen und Theologinnen und Theologen unterschiedlich diskutiert.

[Die Bildfläche wird leergewischt und in die Mitte wird eine arabische Kalligrafie des Wortes "Allah" in einem grünen Kreis gelegt.]

Sprecher: Den Gelehrten zufolge entscheidet Gott als letzte Instanz darüber, welche Konsequenzen sich aus dem menschlichen Handeln ergeben.

[Die Kalligrafie wird herausgenommen und nun rechts unten die Zeichnung zweier diskutierender Gelehrter (ein Mann und eine Frau) ins Bild gelegt. Zu ihnen wird die Figur der Kopftuch tragenden Frau gelegt, die die Arme wie eine Waage ausgebreitet hat. Links wird zu ihr ein Daumenrunter-Symbol und später das Wort "haram", rechts ein Daumenhoch-Symbol und "halal" gelegt.]

Sprecher: Die Mehrheit der islamischen Gelehrten vertritt die Ansicht, dass die Gläubigen selbst für die Entscheidung verantwortlich sind, ob sie den religiösen Vorschriften folgen oder nicht. Es gibt aber auch Länder, die nicht vollständig zwischen religiösen Vorschriften und weltlichen Gesetzen trennen, und in denen religiöse Vorschriften als Teil der staatlichen Gesetzgebung gelten.

[Nun kommen auf der linken Seite des Bildes folgende Elemente hinzu: Die Figur eines Richters in Talar und Perücke vor einem Tisch und mit dem Richterhammer in der Hand und eine graue Sprechblase in der durchgekreuzte Bilder einer Pistole, eines zerschlagenen Fensters und eines brennenden Joints mit Hanfblatt zu sehen sind.]

Sprecher: Das hat z.B. zur Folge, dass in diesen Ländern auch religiös verbotene Handlungen von Richterinnen und Richtern beurteilt werden.

[Alle Elemente des Bildes werden weggewischt und eine Weltkugel von unten ins Bild geschoben. Drum herum werden schließlich folgende Bilder platziert: eine Gruppe von Männer und Kindern, die teilweise Turban tragen, eine punkig aussehende Frau mit einem Tablet, eine Frau mit Kopftuch mit einem Buch, die den Arm zu einer erklärenden Geste gehoben hat, ein Mädchen mit Kopftuch, das Fußball spielt, ein junger Mann mit Basecap, der einen Gebetsteppich ausrollt, eine größere Gruppe unterschiedlicher Menschen, eine junge Frau, die einen alten Mann im Rollstuhl schiebt, eine Lehrerin mit Kopftuch an einer Tafel, der alte Mann beim Blumengießen und die beiden fußballspielenden Kinder, eine junge Frau im Sprung auf einem Skateboard und eine alte Frau mit Rollator.]

Sprecher: Weltweit leben Musliminnen und Muslime allerdings in unterschiedlichen Gesellschaften und deswegen verstehen, interpretieren und leben sie religiöse Vorschriften auf unterschiedliche Art und Weise.

[Alle Bilder werden von der Hand weggewischt und der Film mit Marie wieder eingeblendet.]

Marie: Ich versteh das so, wie für uns alle: Wir haben im Prinzip die Möglichkeit uns selbst zu gestalten, unser eigenes Bild von uns zu malen und haben dafür eine ziemlich breite Palette an Farben aber auch Graubereichen zur Verfügung.

[Nun ist wieder das Whiteboard im Bild, auf dem eine Reihe von unterschiedlichen Strichfiguren zu sehen ist, über denen geschrieben steht: "Wir gestalten uns selbst!". Darunter wird dann "Wir", was doppelt unterstrichen wird, "tragen die Verantwortung!" geschrieben.]

Marie: D.h. wir können ab jetzt entscheiden, nie wieder zu rauchen, nie wieder Alkohol zu trinken, kein Fett mehr zu essen, nicht mehr fremdzugehen, whatever... ab jetzt nur noch gut zu sein und für Menschen da zu sein, die uns brauchen. Aber wir haben die Möglichkeit das selber zu gestalten.

[Wieder ist Marie in Großaufnahme im Bild.]

Marie: D.h. wir dürfen selber entscheiden, wie wir uns verhalten. Und wir dürfen uns durch unser Verhalten und Handeln auch selber definieren. Das ist total toll, das ist eine totale Möglichkeitsspielraumwiese. Gleichzeitig ist es für mich aber auch so, dass ganz klar ist, dass wir, und deswegen auch nur wir, für unser Verhalten die Verantwortung übernehmen müssen. Sprich, wenn man sich verhält wie ein Arschloch, dann muss man für sein Arschlochverhalten auch die Verantwortung übernehmen und kann sein Arschlochverhalten nicht irgendjemand anderem in die Schuhe schieben, sondern man ist selbst dafür verantwortlich. Gleichzeitig heißt das aber auch, und das ist ja eigentlich ganz schön, dass wenn man sich total awesome verhält und total supertoll ist, dass man auch dafür die Verantwortung sozusagen übernehmen kann und sich selbst ein bisschen dafür feiern kann, dass man awesome ist! Also bleibt awesome und feiert euch ordentlich selbst, während ich mir überlege, wie ich den restlichen Schichten gerecht werde.

[Im Bild ist das Whiteboard. Marie schreibt darauf: "Danke an die Bundeszentrale für politische Bildung und an die ExpertInnen" und weiteres was sie auch im Folgenden sagt. Unten drunter malt sie noch eine Strichfigur mit einer Sprechblase "Danke".]

Marie: Danke an die bpb für die Zusammenarbeit bei diesem Video und danke an die ExpertInnen, die Fragen zu dem Thema - falls ihr welche habt - in den Kommentaren beantworten. Also nicht erschrecken, wenn da auf einmal Menschen auf eure Fragen eingehen, die nicht Marie Meimberg heißen. Außerdem gibt's weitere Infos zum Thema und auch die Netiquette von der Bundeszentrale in der Videobeschreibung und weitere Videos, gibt es hier. Ich danke euch für's Zuschauen. Bis bald! Tschüss!

[Hinzu kommt noch eine Sprechblase, in der "Tschöz" zu lesen ist, dann ist der Film zuende.]

Weitere Informationen

  • Redaktion: Pudelskern, Meimberg GmbH

  • Kamera: Pudelskern, Meimberg GmbH

  • Schnitt: Pudelskern, Meimberg GmbH

  • Drehbuch: Pudelskern

  • Musik: Pudelskern

  • Ton: Pudelskern

  • Sprecher: Marie Meimberg

  • Wissenschaftliche Beratung: Saliha Kubilay, Marie Meimberg, Prof. Dr. Armina Omerika

  • Produktion: 10.01.2016

  • Spieldauer: 00:13:16

  • hrsg. von: Bundeszentrale für politische Bildung

 
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Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/
Autor: Pudelskern Prof. Dr. Armina Omerika für bpb.de