Podiumsdiskussion: "6 gegen 60 Millionen"

Die RAF zwischen Mythos und Realität

Deutschland, 1977. Geiselnahme, Flugzeugentführung, Morde. Die Rote Armee Fraktion terrorisiert die Republik. Der Staat riskiert viel, um den Terror zu beenden. Dies gelingt am Ende. Doch um welchen Preis? Auch 40 Jahre nach dem "Deutschen Herbst" polarisiert und fesselt die Geschichte der RAF.

Inhalt

Herbst 1977: Der linke Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) hält die Republik in Atem. Mit der Geiselnahme von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer und der späteren Entführung des Passagierflugzeugs "Landshut" sollen die RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Irmgard Möller aus der JVA Stammheim freigepresst werden. Bundeskanzler Helmut Schmidt weigert sich jedoch, den Forderungen der RAF nachzukommen.

Während in Mogadischu die Geiselnahme der "Landshut" durch die GSG9 erfolgreich beendet wird, nehmen sich in Stuttgart Stammheim drei der vier RAF-Mitglieder das Leben. Nur Stunden später wird Hanns Martin Schleyer als Reaktion auf die Selbstmorde von der RAF erschossen.

Seit dem sogenannten Deutschen Herbst sind nunmehr 40 Jahre vergangen. Die Erinnerungen an den Terror der RAF sind seither fest im kollektiven Gedächtnis vieler Bürgerinnen und Bürger verankert. Doch auch vier Jahrzehnte später kann keineswegs von einer vollständigen Aufarbeitung dieser Zeit gesprochen werden: Details bezüglich der einzelnen Morde bleiben ungeklärt. Weiterhin wird gerätselt, wer für die tödlichen Schüsse auf den damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback verantwortlich ist und wer Hanns-Martin Schleyer letztlich ermordete.

Auch das Handeln der Regierung und der Justiz wird noch immer kritisch debattiert: Können wir von einem Triumph des deutschen Rechtsstaates sprechen? Kritiker verneinen: Nicht nur das Leben Schleyers, sondern auch die Legitimation des Staates wurde aufs Spiel gesetzt, indem durch die Exekutivmaßnahmen die Rechte vieler eingeschränkt wurden.

Noch immer wird intensiv über die RAF debattiert. Da viele Details offen bleiben, bewegt sich die Rezeption dieser Ereignisse der 1970er Jahre zwischen Mythos und Realität. Inwieweit sind die Umstände der Attentate geklärt? Wie gestaltet sich die internationale Perspektive des RAF-Terrors? Und vor allem: Wie wirkt sich der der Deutsche Herbst der siebziger Jahre auf das Deutschland des Jahres 2017 aus?

Darüber diskutierten:

  • Prof. Dr. Gisela Diewald-Kerkmann, Universität Bielefeld
  • Dr. Wolfgang Kraushaar, Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur
  • Julia Schumacher, Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg;
  • Dr. Tobias Wunschik, Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Berlin
  • Moderation: Moritz Küpper, Deutschlandradio

Weitere Informationen

  • Produktion: 25.10.2017

  • Spieldauer: 01:50:25

  • hrsg. von: Bundeszentrale für politische Bildung

 
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