Unentdeckt in die deutsche Einheit

Die Stasi-Offiziere im "besonderen Einsatz"

von: Roland Jahn und Peter Wensierski

Sie arbeiten heimlich für die Stasi und sitzen immer noch unerkannt an den Schaltstellen von DDR-Betrieben und –Behörden. Das KONTRASTE-Team spürt die "OibE" auf und enttarnt sie live vor der Kamera.

Inhalt

Seit der Erstürmung der MfS-Zentrale in Ost-Berlin am 15. Januar 1990 kursierten viele neue Geschichten über die Machenschaften des MfS. Von Foltermethoden und gelenkter Prostitution war nun ebenso die Rede wie von Waffenverkäufen in Krisen- und Kriegsgebiete, geheimen Wirtschaftsunternehmen in der westlichen Welt, Antiquitäten- und Immobilienverschiebungen und auch von der Unterstützung terroristischer Gruppen. Die Öffentlichkeit war ein um das andere mal geschockt, zumal sich fast alle Berichte als im Kern zutreffend erwiesen.

Vielerorts munkelten die Menschen über noch aktive "Seilschaften", mit deren Hilfe sich einstige SED-Funktionäre, MfS-Offiziere und andere Funktionäre der DDR in die neue Zeit hinüberretteten. Tatsächlich kam es zu Veruntreuungen und Unterschlagungen von Geld in Milliardenhöhe. Auch viele neue Posten schoben sich die einstigen Genossen gegenseitig zu. Es schien zum Teil so, als entstammten die Szenarien den einfallsreichen Köpfen von Drehbuchautoren. Es war aber Realität, nur dass damals viele diese als solche nicht erkennen konnten. Oft wurden die wahren Hintergründe von Vorgängen aus der Revolutionszeit erst viele Jahre später bekannt.

Dazu trug nicht zuletzt auch der Umstand bei, dass einige einflussreiche bundesdeutsche Politiker ihren früheren ostdeutschen Handels- und Gesprächspartnern Rückendeckung verschafften. Das bekannteste Beispiel ist dafür Alexander Schalck-Golodkowski, der Leiter des Bereichs Kommerzielle Koordinierung (KoKo) in der DDR und im Wesentlichen damit beschäftigt, auf illegalen Wegen Devisen für die DDR zu besorgen. Nach dem Mauerfall erhielt er umfangreiche Hilfen von westlichen Politikern und Geheimdiensten. Das hörte auch dann nicht auf, als bekannt wurde, dass er dem MfS als "Offizier im besonderen Einsatz" (OibE) gedient hatte.

"Offiziere im besonderen Einsatz" waren hauptamtliche Mitarbeiter des MfS, die unter Verheimlichung ihres tatsächlichen Dienstverhältnisses in sicherheitspolitisch relevanten Positionen im Staatsapparat, in der Volkswirtschaft, in Wissenschaft und Hochschulen oder in anderen Bereichen der Gesellschaft eingesetzt wurden. OibE gab es seit Ende der 1950er Jahre, am Ende der DDR waren weit über 2.000 aktiv. Als ihre Existenz im Sommer 1990 bekannt wurde, nährte sich die Angst davor, dass das MfS mittels dieser weithin unentdeckten Mitarbeiter noch immer Einfluss auf die Gesellschaft ausüben würde. Im März 1991 veröffentlichte die Tageszeitung "taz" eine Liste mit OibE. Zwar waren nicht alle enthalten, aber die meisten hatten nun endgültig ihre Tarnung verloren. (Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk)

Quelle: Dieser Beitrag ist Teil der DVD-Edition "Kontraste - Auf den Spuren einer Diktatur".

Weitere Informationen

  • Kamera: Ralf Strese, Axel Reinhardt

  • Schnitt: Gisela Thiemann

  • Produktion: 11.09.1990

  • Spieldauer: 00:18:20

  • hrsg. von: Bundeszentrale für politische Bildung und RBB

 
© 2005 Bundeszentrale für politische Bildung und RBB

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