Tujiko Noriko – Mugen Kyuukou (How To Believe In Jesus)

Musikvideo aus der Reihe "Zur Rettung der Popkultur"

von: Graw Böckler

Zu „Mugen Kyuukou“, einem gespenstischen Song der japanischen Experimental-Musikerin Tujiko Noriko, erscheint die weltbekannte Jesus-Statue auf dem Zuckerhut über Rio de Janeiro vom Sturm umtost.

Inhalt

„How To Believe In Jesus“ ist einer von insgesamt 13 Kurzfilmen aus dem „How To“-Zyklus des Kölner Künstlerpaars Graw Böckler. Zu „Mugen Kyuukou“, einem gespenstischen Song der japanischen Experimental- Musikerin Tujiko Noriko, erscheint die weltbekannte Jesus- Statue auf dem Zuckerhut über Rio de Janeiro vom Sturm umtost. Das brasilianische Wahrzeichen wirkt wie gepeitscht von den heftigen Winden und grell erleuchtet durch Blitze: Doch das vermeintliche Dokumentarmaterial ist ein Trugschluss. Das nahezu monochromatische Bild wurde im Zeitraffer verdichtet und reduziert auf wenige Farben: Die Touristenattraktion wird zu einem Piktogramm aus einfachen klaren Formen, eine Ikone. So wird die Statue zum standhaften, weiß strahlenden Kreuz in einer düsteren, von dunkel dräuendem Chaos regierten Welt. Mit Computerbearbeitungen verstärken Graw Böckler diesen Eindruck und verwandeln so das Abbild der Statue in immer neue Formen, beispielsweise zu einer Sonne oder einer Schwangeren. Ursula Böckler und Georg Graw, die an verschiedenen Orten der Welt regelmäßig ihren „Raum für Projektion“ eröffnen und dort Videokunst zeigen, setzen immer weiter technische Manipulationen ein, bis sich der Clip endgültig zur visuellen Assoziationsmaschine auswächst. Parallel werden die Bezeichnungen der Effekte eingeblendet: Wörter wie „colorama“, „wave warp“ oder „3D layer“ kommentieren nun bisweilen das bildliche Geschehen, konterkarieren es dann aber auch oder lassen allzu oft gar keinen sinnfälligen Zusammenhang erkennen. Auch zum Text des Songs von Noriko, deren elektronische Popmusik oft mit jener Björks verglichen wird, besteht kein direkter Zusammenhang. War der Film doch nie als herkömmliches Musikvideo gedacht, sondern als kunstvolles Spiel mit Sehgewohnheiten und Bedeutungszuschreibungen.

Weitere Informationen

  • Musik: Tujiko Noriko

  • Produktion: 2003

  • Spieldauer: 00:06:16

  • hrsg. von: Bundeszentrale für politische Bildung, Goethe-Institut, Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

 
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