
 |
Nationalbewusstsein und Fußball
 |
 |

Baustein 3: Nur Gewinner? Medien, Kommerz und Fußball-Turniere |  |
| Andrea Meschede / Wolfgang Sander / Julia Behr |
Baustein 3 untersucht die Rolle der weltweit bekanntesten Sportart Fußball in Medien, Wirtschaft und Gesellschaft. Dabei wird die (gemeinsame) Fußball-Kultur der Fans und Zuschauer ebenso beleuchtet wie das symbiotische Verhältnis von Massenmedien bei großen Fußball-Turnieren und die Einflüsse von Wirtschaft und Politik auf das Sportereignis.
Zur Vorbereitung des Bausteins werden die Schülerinnen und Schüler in einer Hausaufgabe aufgefordert, Gegenstände und Geschichten zum Frage "Welche Rolle spielt Fußball in eurer Familie?" oder "Was war dein bestes Fußball-Erlebnis?" mitzubringen. Die Geschichten der Schülerinnen und Schüler zur Rolle des Fußballs in der Familie bzw. im Freundeskreis bilden den Einstieg in den Baustein. Mit Hilfe der Schülerbeiträge nähert sich die Lerngruppe den Leitfragen des Bausteins nach der Bedeutung des Fußballs in der Gesellschaft und nach den Nutznießern der Welt- oder Europameisterschaften. Alternativ oder ergänzend zu den Schülerberichten machen eine Karikatur (M 03.01) und zwei Texte (M 03.02, M 03.03) die Fußballbegeisterung in Deutschland zum Thema.
Unter der Fragestellung "Wer gewinnt durch die WM bzw. EM?" werden nun nach einem sorgfältigen Planungsgespräch in Gruppenarbeit drei Bereiche näher betrachtet: Medien, Wirtschaft und Verbände sowie Staat und Politik. Bei der Beschäftigung mit dem Thema Massenmedien und Fußball wird insbesondere das symbiotische Verhältnis zwischen Medien und den Fußball-Turnieren herausgearbeitet – frei nach dem Motto "Fußball wird durch Fernsehen erst schön – Fernsehen wird durch Fußball erst schön!". Hierzu sollen die Schülerinnen und Schüler durch die Analyse von Grafiken und Texten die Zuschauerstruktur und den umkämpften Werbemarkt untersuchen (M 03.04 bis M 03.09).
Eine zweite Gruppe beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Welt- bzw. Europameisterschaft auf die wirtschaftliche Entwicklung in den Gastgeberländern, hier am Beispiel Deutschlands während der WM 2006. Dabei werden insbesondere der durch die WM ausgelöste Wirtschaftsboom, die Bedeutung von Sport-Sponsoring und die Vermarktung der WM zum Thema gemacht. Bei den finanziellen Gewinnen durch die Weltmeisterschaft darf natürlich auch die zentrale Rolle der FIFA nicht unberücksichtigt bleiben (M 03.10
bis M 03.14).
Die "Gewinner" Staat und Politik werden von einer dritten Gruppe behandelt. Mit Hilfe der Karikatur "König Fußball zu Gast bei Freunden" (M 03.15) werden die Hoffnungen verdeutlicht, die Staat und Politik mit der Fußball-WM in Deutschland verbunden haben. Die Instrumentalisierung von großen Fußball-Turnieren in Wahlkampfzeiten (M 03.16) und die Nutzung für Imagekampagnen (M 03.17, M 03.18) können mit weiteren Materialien untersucht werden.
In kurzen Vorträgen stellen die Arbeitsgruppen der Klasse ihre Ergebnisse vor, die an der Tafel oder auf einer Folie gesichert werden. Weiter führend erfolgt nun die Reflexion über die Ergebnisse unter der Fragestellung "Wer verliert?". Im Unterrichtsgespräch wird auch die Frage behandelt, welche Auswirkungen es auf die Hoffnungen von Medien, Wirtschaft und Politik hätte, wenn die (deutsche) Nationalmannschaft bereits in der Vorrunde ausscheiden würde. Dazu kann die Karikatur M 03.19 herangezogen werden. Ergänzend können die Schülerinnen und Schüler in einer Internetrecherche das Thema der Billigproduktion von Trikots und Fußbällen in Ländern der Dritten Welt behandeln (M 03.20
).
Exkurs: Medienanalyse
In einem Exkurs wird zu diesem Baustein noch ein weiterer Aspekt zur Bearbeitung angeboten: eine Medienanalyse der Fußball-Berichterstattung. Unter der Fragestellung "Wie machen Fernsehen und Zeitung Stimmung?" beurteilen die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe von Analyseschemata die Berichterstattung von Zeitungen und Zeitschriften (M 03.26) oder Live-Kommentaren (M 03.29) zu den Länderspielen. Dabei wird untersucht, mit welchen Mitteln und Worten Fernsehen und auch Zeitungen während der Fußball-Turniere Stimmung machen – evtl. auch für eine bestimmte Nation oder Mannschaft. Dazu werden sowohl die journalistischen Beiträge als auch die Platzierung und Art von Werbung und Sponsoring analysiert. (Für den Vergleich zwischen Zeitungsberichten stehen zwei Beispiele aus "Bild" und "Kicker" zum Länderspiel Deutschland – USA zur Verfügung (M 03.27, M 03.28).)
Wenn diese Arbeitsphase im Unterricht durchgeführt wird, zeichnet die Lehrperson für diesen Zweck die entsprechenden Sendungen auf Video oder DVD auf bzw. besorgt die jeweiligen Zeitungen und Zeitschriften. Der Arbeitsauftrag der Medienanalyse kann aber auch nach einem entsprechenden Planungsgespräch von den Schülerinnen und Schülern mit Hilfe der Analyseschemata selbständig "live" zu Hause durchgeführt werden. Die Ergebnisse werden dann in der Unterrichtsstunde nach dem jeweiligen Spiel kurz ausgetauscht und besprochen.
Auf diese Weise wird ein kritisches Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler gegenüber der Medienberichterstattung aufgebaut, die passive Konsumentenhaltung aufgegeben. Diese Analyse kann begleitend zu allen Spielen der Welt- oder Europameisterschaft – auch nach dem Abschluss des Befragungsprojektes – durchgeführt werden.
Ergänzend zur Medienanalyse stehen Materialien zur Verfügung, um in einem Unterrichtsgespräch die Bedeutung der Medienberichterstattung und die Auswirkungen der verschiedenen Übertragungsformen auf die Zuschauer zu entwickeln (M 03.21 bis M 03.24).
23. Mai 2008 |  |
|

|

|