Geschichte begreifen
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Lernen in Projekten


13.11.2008
Handlungsorientiertes Lernen und Projekte stehen für die Abkehr von der Buchschule. Eine Einführung in die Arbeit mit Projekten.

Der ehemalige Auschwitz-Häftling Werner Bab im Gespräch mit Schülern der Herschel Schule in Hannover. Bild: Christian Ender / Imdialog e.V.Der ehemalige Auschwitz-Häftling Werner Bab im Gespräch mit Schülern der Herschel Schule in Hannover. (© Christian Ender / Imdialog e.V.)

Die in diesem Dossier vorgestellten Projekte gehen von einem didaktischen Ansatz aus, der seit mehr als 100 Jahren für die Abkehr von der traditionellen Buchschule und die Hinwendung zu Formen handlungsorientierten Lernens steht. Zuerst in der amerikanischen Reformpädagogik entwickelt, gab es auch in der deutschen Reformpädagogik der Zwischenkriegszeit der 1920er und 30er Jahre Entwicklungen, die den Projektgedanken in Form der so genannten Vorhaben aufgriffen.

Das Projekt wird daher nicht zu Unrecht als eine für die internationale Reformpädagogik epochentypische Methode bezeichnet. Im Zuge der (west)deutschen Gesamtschul- entwicklung der 1970er Jahre wurde diese wieder belebt und gilt heute vielfach als Ausweis moderner Unterrichtsgestaltung.

In der amerikanischen Reformpädagogik verbindet sich der Begriff der Projektmethode insbesondere mit John Dewey und William H. Kilpatrick, wenngleich er erstmals um 1900 von Richards im Werkunterricht gebraucht worden sein dürfte. Er bezeichnete damit Arbeiten von Schülerinnen und Schülern, die sie selbstständig planten und ausführten.

Entsprechendes finden wir Anfang des vergangenen Jahrhunderts in Georg Kerschensteiners bildungsbürgerlichen Ideen von Produktorientiertheit (der Bau eines "Starenkastens") und in der Arbeitsschulbewegung der deutschen Reformpädagogik für den beruflichen Bereich. Für Kilpatrick bedeutete das Projekt "planvolles Handeln von ganzem Herzen, das in einer sozialen Umgebung stattfindet" (Dewey/Kilpatrick 1935). Eine Beschreibung, die bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat.

In dem gesellschaftlichen Bezug des Projektgedankens und seiner Aktualisierung in konkreten, selbst das Handwerkliche einbeziehenden Produkten hat die Projektmethode Beziehungen zu der Pädagogik der entschiedenen Schulreformer in der Weimarer Zeit. Hier sind es Fritz Karsen und Paul Oestreich gewesen, die nachdrücklich die Einbeziehung der materiellen Produktion in das Unterrichtsgeschehen forderten.

In den reformpädagogischen Ansätzen der so genannten Vorhabenpädagogik bei Johannes Kretschmann, Otto Haase und Adolf Reichwein finden wir besonders das Einwirken auf Nachbarschafts- und Sozialbeziehungen im Rahmen des Projektunterrichts.

Projektbegriff und Handlungsorientierung



Mit dem Projektbegriff wird immer wieder die Forderung nach Handlungsorientierung verbunden. Im Sinne eines Unterrichtsprinzips sollen sich die an einem Projekt beteiligten Kinder und Jugendliche selbstständig mit der Lösung eines Problems oder der Bearbeitung eines – selbst definierten – Auftrags unter Beteiligung möglichst vieler Sinne auseinandersetzen.

Betrachtet man die Literatur, die es zum Projektunterricht gibt, so kristallisieren sich sieben Merkmale heraus. Vor mehr als 30 Jahren sind diese von Wolfgang Schulz und Gunter Otto (Vgl. Otto 1974) – noch immer gültig – wie folgt zusammengefasst worden:
  • Situationsbezogenheit,
  • Bedürfnisbezogenheit,
  • gesellschaftliche Relevanz,
  • Selbstorganisation der Lernprozesse,
  • ganzheitliches soziales Lernen durch gemeinsame Realisierung,
  • Produktorientiertheit,
  • Interdisziplinarität.
Projekte sollten sich auf die konkrete gesellschaftliche Situation beziehen und an die Bedürfnisse, Interessen und Fragen der Jugendlichen ("Was hat der Holocaust mit mir zu tun?") anknüpfen. Damit können gesellschaftsbezogene, auch historisch-politisch komplexe Phänomene zum Gegenstand von Lernprozessen werden. Diese dienen der Bewältigung konkreter Lebenssituationen und der Beantwortung von Fragestellungen aus dem Alltag der Schülerinnen und Schüler.

Projekte sind nur begrenzt planbar. Ihr Verlauf hängt weitestgehend vom Frage- und Diskussionshorizont der Teilnehmenden ab. Wichtig sind auch die Zwischenergebnisse der Arbeit, welche die Lernenden selbst in die Hand nehmen. Planung ist nur in Form eines offenen Systems, unter Beteiligung der Lernenden möglich.

Die Projektmethode verlangt Kooperation auf Seiten der Lehrkräfte, der Teamer/innen beziehungsweise Moderatoren/innen. Der einzelne Fachlehrer/die Fachlehrerin bzw. der Experte/die Expertin im außerschulischen historisch-politischen Lernkontext treten zugunsten eines Teams zurück. Dieses trifft gemeinsam mit den Lernenden entsprechende inhaltliche und methodische Entscheidungen und gestaltet kooperativ die Lern- und Erfahrungsprozesse.


 


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