Datenreport 2016

3.5.2016 | Von:
Claire Grobecker, Olga Pötzsch, Bettina Sommer


Demografischer Wandel


Deutschland befindet sich bereits mitten im demografischen Wandel. Seit der deutschen Vereinigung im Jahr 1990 hat die Zahl der Geborenen fast stetig abgenommen. Die stark besetzten Jahr­gänge der 1950er- und 1960er-Jahre sind in das höhere erwerbsfähige Alter gekommen. Die Zahl der ab 70-Jährigen ist von 8,1 Millionen im Jahr 1990 auf 12,9 Mil­lionen Personen im Jahr 2013 gestiegen. Das Medianalter, welches die Bevölker­ung in eine jüngere und eine ältere Hälfte teilt, ist infolgedessen um 8 Jahre von 37 auf 45 Jahre gestiegen. Gleichzeitig ist der Altersaufbau der Frauen und Männer ähnlicher geworden. Insbesondere zeigt die Zahl der Hoch­betagten, das heißt der Menschen, die 80 Jahre oder älter sind, dass mittlerweile nicht nur Frauen, sondern auch Männer ein höheres Lebensalter erreichen. Der aktuelle Altersaufbau wird für die künftige Bevölkerungsent­wicklung eine dominierende Rolle spielen und große Herausforderungen für Wirtschaft und soziale Sicherungssys­teme mit sich bringen. 


Seit etwa vier Jahrzehnten reicht die Zahl der Neugeborenen nicht aus, um die Elterngeneration zu ersetzen. Es sterben mehr Menschen als Kinder geboren werden. Ohne Wanderungsgewinne aus dem Ausland würde Deutschlands Bevölkerung bereits seit langem rapide schrumpfen und noch schneller altern. Langfristig wird die immer weiter aufgehende Schere zwischen der Zahl der Geborenen und der Zahl der Gestorbenen nicht durch Zuwanderung zu schließen sein; dazu wären langfristig weit höhere Wan­der­ungsüberschüsse nötig als in der Ver­gangenheit. 


Die jährliche Geburtenhäufigkeit nahm in den alten Bundesländern ab Mitte der 1960er-Jahre stark ab und stabilisierte sich seit Ende der 1970er-Jahre auf niedrigem Niveau. Die sogenannte zusammengefasste Geburtenziffer beträgt hier seit fast 40 Jahren rechnerisch 1,3 bis 1,4 Kinder je Frau. In der ehemaligen DDR war es in den 1970er-Jahren auch zu einem starken Rückgang der durchschnittlichen Kinderzahl gekommen, dem aber bald ein Anstieg folgte. Bis Mitte der 1980er-Jahre nahm die Geburtenhäufigkeit wieder ab. Anfang der 1990er-Jahre kam es nach der deutschen Vereinigung zu einem vorübergehenden starken Einbruch der Geburtenzahlen in den neuen Ländern. Inzwischen ist die Geburtenhäufigkeit im Osten Deutschlands angestiegen und ist seit 2008 höher als im früheren Bundesgebiet. Im Jahr 2013 betrug die zusammengefasste Geburtenziffer in den neuen Ländern 1,5 Kinder je Frau, während sie im früheren Bundesgebiet bei 1,4 Kindern je Frau lag (jeweils ohne Berlin).
Zusammengefasste Geburtenziffer 1950 bis 2013 — Kinder je FrauZusammengefasste Geburtenziffer 1950 bis 2013 — Kinder je Frau Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die Lebenserwartung ist in den letzten hundert Jahren beträchtlich gestiegen. Hierbei spielte die Verringerung der Säuglings- und Kindersterblichkeit lange eine entscheidende Rolle. Im Deutschen Reich betrug die durchschnittliche Lebenserwartung im Zeitraum 1871/1881 für neugeborene Jungen 35,6 Jahre und für neugeborene Mädchen 38,5 Jahre. Aber schon Zehnjährige hatten eine weitere Lebenserwartung von 46,5 Jahren (Jungen) beziehungsweise 48,2 Jahren (Mädchen). Gegenwärtig beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung – nach der Allgemeinen Sterbetafel 2010/2012 – für Jungen 77,7 Jahre beziehungsweise 82,8 Jahre für Mädchen. Somit hat sich die Lebenserwartung neugeborener Jungen und Mädchen in Deutschland innerhalb von etwa 130 Jahren mehr als verdoppelt. Aber auch für ältere Menschen ist die Lebenserwartung deutlich angestiegen, verstärkt in den letzten Jahrzehnten. Heute haben 60-jährige Männer im Durchschnitt noch weitere 21,3 Jahre und gleichaltrige Frauen 25,0 Jahre zu erwarten. Das sind 9,2 Jahre mehr bei den Männern und 12,3 Jahre mehr bei den Frauen als 1871/1881.
Durchschnittliche Lebenserwartung — in JahrenDurchschnittliche Lebenserwartung — in Jahren Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

In den kommenden Jahrzehnten werden der Rückgang der Bevölkerungszahl und die Alterung kennzeichnend für den demografischen Wandel sein. Dies lässt sich anhand von Bevölkerungsvorausberechnungen darstellen.

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Bevölkerungsvorausberechnung


Das Ziel von Bevölkerungsvorausberechnungen ist es, mit Fortschreibungsverfahren zu zeigen, wie sich Bevölkerungszahl und -struktur unter bestimmten Annahmen langfristig entwickeln werden. Da der Verlauf der maßgeblichen Einflussgrößen – wie das Geburtenverhalten, die Sterblichkeit und das Wanderungsgeschehen – mit zunehmendem Abstand vom Basiszeitpunkt immer schwerer vorhersehbar ist, haben solche langfristigen Rechnungen Modellcharakter.


Die 13. – zwischen den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder – koordinierte Bevölkerungs­vorausberechnung zeigt die Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2060. Der ihr zugrunde liegende Bevölkerungsbestand am 31. Dezember 2013 basiert auf der Bestandsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011. Die Vorausberechnung beruht auf Annahmen zur künftigen Geburtenhäufigkeit, zur Lebenserwartung und zum Saldo der Zuzüge nach und der Fortzüge aus Deutschland (Wanderungssaldo). Insgesamt ergeben sich aus jeweils zwei Annahmen zur Geburtenhäufigkeit, zur Lebenserwartung und zum Wanderungssaldo acht Varianten der künftigen Entwicklung. Außerdem liegen drei zusätzliche Modellrechnungen für analytische Zwecke vor.


Eine ausführliche Darstellung der Annahmen und Ergebnisse der 13. koordinierten Bevölkerungs­vorausberechnung ist abrufbar unter www.destatis.de Die Veränderungen im Altersaufbau der Bevölkerung werden anhand der ­animierten Bevölkerungspyramiden veranschaulicht. Die inter­aktive Anwendung bietet Ihnen auch die Möglichkeit, die Veränderung gleichzeitig in drei ver­­schie­denen Bundesländern miteinander zu verfolgen.


Im Folgenden werden Ergebnisse der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung anhand von zwei ausgewählten Varianten dargestellt. Diese Varianten beschreiben die Entwicklung unter den folgenden Annahmen:

  • einer Geburtenziffer von weiterhin 1,4 Kindern je Frau bei einem steigenden durchschnittlichen Alter der Frau bei der Geburt des Kindes,
  • eines Anstiegs der Lebenserwartung um sieben Jahre bei Männern beziehungsweise sechs Jahre bei Frauen und
  • unter zwei unterschiedlichen Wanderungsannahmen.
Die erste Wanderungsannahme geht von einem Abflachen der anfangs sehr hohen jährlichen Nettozuwanderung von 500.000 Per­sonen auf 100.000 Personen innerhalb von sechs Jahren bis zum Jahr 2021 aus. Anschließend bleibt der Wanderungssaldo bei 100.000 Personen pro Jahr. Im zweiten Szenario wird angenommen, dass der jährliche Wanderungssaldo von 500.000 Personen bis zum Jahr 2021 auf 200.000 Personen sinken und sich dann auf diesem Niveau verfestigen wird. Im gesamten Vorausberechnungszeitraum von 2014 bis 2060 würden damit durchschnittlich jeweils 130.000 beziehungsweise 230.000 Personen pro Jahr nach Deutschland zuwandern. Kumuliert ergibt sich daraus ein Nettozuzug von 6,3 Millionen beziehungsweise 10,8 Millionen Personen. 


Diese Varianten markieren die Gren­zen eines Korridors, in dem sich die Be­völkerungsgröße und der Altersaufbau entwickeln werden, wenn sich die aktuellen demografischen Trends fortsetzen. Sie werden als "Kontinuität bei schwächerer Zuwanderung" (Variante 1) und "Kontinuität bei stärkerer Zuwanderung" (Variante 2) bezeichnet.


Ein Bevölkerungsrückgang ist in Deutschland auf lange Sicht kaum vermeidbar. Zwar stieg die Bevölkerungszahl in den Jahren 2011 bis 2013 ­aufgrund einer besonders starken Netto­zuwanderung erneut an, die grundsätzlichen Ursachen des Bevölkerungsrückgangs – wenig Neugeborene und viele Sterbefälle – bestehen jedoch weiter fort und werden sich auf lange Sicht noch stärker als in der Vergangenheit auswirken. 


Die Zahl der Geborenen wird voraussichtlich bis zum Jahr 2020 relativ stabil bei etwa 700.000 Kindern bleiben. Dafür sorgt eine derzeit günstige Altersstruktur der potenziellen Mütter: Die relativ gut besetzten 1980er-Jahrgänge (Kinder der sogenannten Baby-Boom-Generation) sind noch einige Jahre im Alter von Mitte 20 bis Mitte 30, in dem die Geburtenhäufigkeit besonders hoch ist. Anschließend wird aber die Zahl der Geborenen zurückgehen und im Jahr 2060 zwischen 500.000 und 550.000 Kinder betragen. 


Die Zahl der Sterbefälle wird dagegen steigen, da die geburtenstarken Jahrgänge, die heute im mittleren Alter sind, im Vorausberechnungszeitraum in das hohe Alter aufrücken, in dem die Sterblichkeit natürlicherweise größer ist. Diesem ­Effekt der aktuellen Altersstruktur steht die zunehmende Lebenserwartung der Bevölkerung gegenüber. Sie verlangsamt den Anstieg der Sterbefälle. Die Zahl der Gestorbenen wird demnach von 894.000 im Jahr 2013 auf fast 1,1 Millionen Personen Anfang der 2050er-Jahre steigen und anschließend bis zum Jahr 2060 auf etwa 1,0 Millionen Personen sinken. 


Das Geburtendefizit wird sich infolge dieser Entwicklung der Geburten- und Sterbefälle erheblich vergrößern. Im Jahr 2013 betrug es 212 000 Personen. Im Jahr 2020 wird es auf 240.000 Personen steigen und sich bis 2060 auf etwa 500.000 Personen mehr als verdoppeln. Die Netto­zuwanderung wird diese immer stärker aufklaffende Lücke auf Dauer nicht schließen können.


Die Bevölkerungszahl von 80,8 Millionen Menschen im Jahr 2013 wird deshalb – je nach Ausmaß der Nettozuwanderung – voraussichtlich noch fünf bis sieben Jahre steigen und anschließend sinken. Unter den Stand von 2013 sinkt sie frühestens 2023. Im Jahr 2060 werden demnach in Deutschland zwischen 67,6 Millionen Menschen (Variante 1: kontinuierliche Entwicklung bei schwächerer Zuwan­derung) und 73,1 Millionen Menschen (Variante 2: kontinuierliche Entwicklung bei stärkerer Zuwanderung) leben.


Die Relation zwischen Alt und Jung wird sich stark verändern. Ende 2013 waren noch 18 % der Bevölkerung jünger als 20 Jahre und auf die 65-Jährigen und Älteren entfielen 21 %. Die Personen im sogenannten Erwerbsalter (hier von 20 bis 64 Jahre, siehe Info 2) stellten 61 % der ­Bevölkerung. Im Jahr 2060 werden dagegen 16 % unter 20 Jahre alt sein und etwa ein Drittel (33 % oder 32 %) 65 Jahre oder älter. Im Erwerbsalter befindet sich dann nur etwa die Hälfte der Bevölkerung (51 % oder 52 %).
Altersaufbau der Bevölkerung in den Jahren 2013 und 2060 — in Millionen (in Prozent)Altersaufbau der Bevölkerung in den Jahren 2013 und 2060 — in Millionen (in Prozent) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die Gesamtzahl der unter 20-Jährigen war im Ausgangsjahr 2013 mit 14,7 Millionen Personen bereits rund 3 Millionen geringer als noch vor 20 Jahren (1993: 17,5 Millionen Personen). Sie wird bis zum Jahr 2060 bei einer kontinu­ierlichen demografischen Entwicklung weiter ­sinken. Je nach Stärke der Netto­zu­wanderung wird sie auf 11 Millionen ­Personen (Variante 1) beziehungsweise 12 Millionen Personen (Variante 2) fallen. Die Anzahl der Kinder im Vorschulalter wird von der Geburtenentwicklung bestimmt. Sie bleibt noch bis Anfang der 2020er-Jahre voraussichtlich bei etwa 4 Millionen Kindern stabil und sinkt dann allmählich bis 2060 um etwa 1 Million Kinder. Die Anzahl der 6- bis 17-Jährigen geht dagegen von derzeit 9 Millionen bis Anfang der 2020er-Jahre um etwa 400.000 bis 500.000 junger Menschen zurück, bleibt dann für etwa zehn Jahre auf diesem Niveau und sinkt anschließend bis 2060 auf rund 7 Millionen Heran­wachsende dieses Alters.


Die Bevölkerungszahl im erwerbs­fähigen Alter (hier: von 20 bis 64 Jahre) wird in den nächsten Jahrzehnten be­sonders stark sinken. Denn die stark be­setzten Jahrgänge der Baby-Boomer, die ­derzeit die ältere Hälfte der Bevölkerung im Erwerbsalter stellen, werden in den kommenden zwei Jahrzehnten aus dem ­Erwerbsalter weitgehend ausscheiden. ­Ihnen folgen dann die deutlich geringer besetzten Geburtsjahrgänge, auch Geburtskohorten genannt, der 1970er- und 1980er-Jahre. Im Jahr 2013 waren 49,2 Millionen Menschen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren. Ihre Zahl wird demnach ab 2020 deutlich zurückgehen und 2035 etwa 41 Millionen beziehungsweise 43 Millionen Personen betragen. Im Jahr 2060 werden dann etwa 38 Millionen Menschen im Erwerbsalter sein (– 23 %), falls sich der Wanderungssaldo langfristig bei 200.000 Personen einpendelt (Variante 2 Kontinuität bei stärkerer Zuwanderung). Geht die Zuwanderung langfristig auf 100.000 Personen zurück (Variante 1 Kontinuität bei schwächerer Zuwanderung), gibt es 2060 ein noch kleineres Erwerbspersonenpotenzial: 34 Millionen Menschen, das sind 30 % weniger als 2013. Wird das Erwerbsalter mit 67 statt mit 65 Jahren abgegrenzt, so werden 2035 noch etwa 43 Millionen bis 45 Millionen Personen und 2060 noch etwa 36 Millionen bis 40 Millionen Personen dazugehören (jeweils bei schwächerer beziehungsweise bei stärkerer Zuwanderung). Das wären 2060 dann rund 2 Millionen Personen mehr als bei der Altersgrenze 65 Jahre.


Die Anzahl der ab 65-Jährigen wird besonders deutlich in den kommenden Jahrzehnten bis zum Jahr 2037 wachsen. Bei einer kontinuierlichen demografischen Entwicklung und einem schwächeren Wanderungssaldo wird sie 2037 gut 23 Millionen Personen betragen und damit um etwa 40 % höher sein als im Jahr 2013 (16,9 Millionen Personen). Zwischen 2037 und 2060 wird diese Altersgruppe – trotz einer voraussichtlich sinkenden Zahl der Gesamtbevölkerung – fast unverändert bleiben.


Die Entwicklungen bei den 65- bis 79-Jährigen und bei den ab 80-Jährigen unterscheiden sich indessen deutlich. Die jüngere Seniorengruppe wird vor allem zwischen 2025 und 2035 deutlich wachsen, bis die stark besetzten Jahr­gänge allmählich ins höhere Alter wechseln. Die Zahl der Hochbetagten nimmt dagegen fast kontinuierlich zu. Um 2050 wird sie ihr Höchstniveau mit knapp 10 Millionen Personen erreichen. Dann wird sie doppelt so groß sein, wie im Jahr 2013 (4,4 Millionen Menschen). Der Anteil der ab 80-Jährigen an der gesamten Seniorengruppe wird dabei von heute 26 % auf 43 % beziehungsweise 45 % steigen. Zwischen 2050 und 2060 wird ihre Zahl um rund 1 Million Personen sinken.


Der Bevölkerung im Erwerbsalter werden künftig immer mehr Senioren gegenüberstehen. Im Jahr 2013 entfielen auf 100 Personen im Erwerbsalter (20 bis 64 Jahre) 34 Ältere (65 oder mehr Jahre). Im Jahr 2060 werden es bei einer kontinuierlichen demografischen Entwicklung und schwächerer Zuwanderung 65 ältere Menschen sein. Beträgt der jährliche Zuzugsüberschuss langfristig 200.000 Personen, fällt der sogenannte Altenquotient mit 61 Personen nur wenig niedriger aus.
Entwicklung des Alten- und JugendquotientenEntwicklung des Alten- und Jugendquotienten Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Eine Heraufsetzung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre bedeutet weniger Menschen im Renten- und mehr im Erwerbsalter, das dann von 20 bis 66 Jahre reicht. Die Anhebung führt damit zu einem niedrigeren Altenquotienten, der im Jahr 2060 zwischen 57 (Kontinuität bei schwächerer Zuwanderung) und 54 (Kontinuität bei stärkerer Zuwanderung) liegen würde.


Wird der Bevölkerung im erwerbs­fähigen Alter die jüngere Bevölkerung, für deren Aufwachsen, Erziehung und Ausbildung gesorgt werden muss, gegenübergestellt, so ergibt sich der Jugend­quotient. Dieser wird im Vorausberechnungszeitraum zwischen 29 und 32 schwanken.


Der Gesamtquotient – als Summe des Jugend- und Altenquotienten – zeigt, in welchem Ausmaß die mittlere Altersgruppe sowohl für die jüngere als auch für die ältere Bevölkerung, die nicht im Erwerbsleben stehen, im weitesten Sinne zu sorgen hat. Der Gesamtquotient wird künftig von der Entwicklung des Altenquotienten bestimmt. Bei kontinuier­licher Entwicklung und schwächerer Zuwanderung wird er von aktuell 64 bis zum Jahr 2037 auf 90 steigen, sich danach bis Mitte der 2040er-Jahre stabilisieren und anschließend bis zum Jahr 2060 auf 97 klettern. Bei einer stärkeren Nettozuwanderung würde der Gesamtquotient dann 93 betragen. 


Die 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung zeigt, dass die Alterung der Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten unabwendbar ist. Die aktuelle Altersstruktur führt dazu, dass ab Mitte der 2020er-Jahre immer mehr Menschen im Rentenalter verhältnismäßig schwach besetzten Jahrgängen im Erwerbsalter ­gegenüberstehen. Im Jahr 2030 werden die Angehörigen des Jahrgangs 1964, des geburtenstärksten Jahrgangs der Nachkriegszeit, 66 Jahre alt. Von diesen Veränderungen werden viele Lebensbereiche betroffen sein. Sie werden nicht erst in 50 Jahren spürbar, sondern auch schon in den nächsten zwei Jahrzehnten eine große Herausforderung darstellen.