Statistisches Bundesamt/Statistische Landesämter

6. Exkurs: Zensus 2011

Im Jahr 2011 wurde europaweit eine Volkszählung (Zensus) durchgeführt. Der letzte Zensus in D hatte nach lang anhaltenden Protesten von Bürgerinnen und Bürgern, die zum Bundesverfassungsgerichtsurteil zum Volkszählungsgesetz 1983 geführt haben, im Jahr 1987 stattgefunden. Seitdem behalf man sich bei der Ermittlung der aktuellen amtlichen Einwohnerzahl mit der so genannten Bevölkerungsfortschreibung, die umso ungenauer wird, je älter die grundlegenden Daten sind. Sowohl für die Ermittlung der aktuellen Einwohnerzahl Ds, die u. a. für den Länderfinanzausgleich oder die Einteilung der Bundestagswahlkreise wichtig ist, als auch für die Erstellung möglichst aktueller und genauer Strukturdaten ist es wichtig, in regelmäßigen Abständen eine Art Inventur durchzuführen. Die EU schreibt ab dem Jahr 2011 für alle Mitgliedstaaten eine Volks- und Wohnungszählung alle zehn Jahre vor.

Rechtliche Grundlage des Zensus sind das Zensusgesetz 2011 (ZensusG) und das Zensusvorbereitungsgesetz 2011. In diesen Gesetzen ist festgelegt, welche Fragen beim Zensus gestellt werden dürfen, wer auskunftspflichtig ist und welche Register genutzt werden dürfen.

Umgesetzt wurde der EU-weite Zensus mit dem Stichtag 9.5.2011 in Deutschland mit einer gemischten Methode, bei der sowohl mehrere Datenquellen als auch eine Verknüpfung von Vollerhebungen mit Stichproben zum Einsatz kamen: Zum einen wurden Registerdaten der Verwaltungen genutzt (z. B. Melderegister, Informationen zu allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Bundesagentur für Arbeit). Zum anderen wurden ergänzende Befragungen durchgeführt, da die Verwaltungsdaten keine verlässlichen Informationen zur Bildung oder zum Migrationshintergrund enthalten. Auch finden sich für bestimmte Gruppen (z. B. für Selbstständige) in Registern keine Angaben zur Erwerbstätigkeit. Für Gebäude und Wohnungen gibt es in D flächendeckend überhaupt keine Verwaltungsregister. Deshalb mussten ergänzend die Gebäude- und Wohnungszählung, die Haushaltebefragung und die Befragung in Wohnheimen und Gemeinschaftsunterkünften durchgeführt werden. Schließlich mussten die mit Hilfe der anderen Erhebungen generierten Informationen im Rahmen der so genannten Haushaltegenerierung so verknüpft werden, dass beispielsweise Aussagen darüber getroffen werden können, welche Wohnfläche Familien mit drei und mehr Kindern oder Alleinlebenden im Durchschnitt zur Verfügung steht.

Bei der Haushaltebefragung, bei der Auskunftspflicht bestand, wurde nach einem Zufallsprinzip etwa jeder zehnte Einwohner Deutschlands befragt (weitere Informationen finden sich unter www.zensus 2011.de).


Literatur

Europäische Kommission (Hrsg.) 2010: Der Rechtsrahmen für Europäische Statistiken – Die EU-Statistikverordnung. Luxemburg.

Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 1988: Das Arbeitsgebiet der Bundesstatistik 1988. Stuttgart/Mainz.

Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 1997: Das Arbeitsgebiet der Bundesstatistik. Ausgabe 1997. Stuttgart.

Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 2006: Wirtschaft und Statistik. Ausgabe 2/2006. Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 2006: Wirtschaft und Statistik. Ausgabe 5/2006. Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 2006: Wirtschaft und Statistik. Ausgabe 8/2006. Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 2007: Wirtschaft und Statistik. Ausgabe 11/2007. Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 2008: Wirtschaft und Statistik. Ausgabe 1/2008. Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 2011: Statistisches Jahrbuch 2011. Für die Bundesrepublik Deutschland. Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 2011: Strategie- und Programmplan. Für die Jahre 2011 bis 2015. Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 2011: Das registergestützte Verfahren beim Zensus 2011. Wiesbaden.

www.zensus.de

www.destatis.de


Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 7., aktual. Aufl. Heidelberg: Springer VS 2013. Autor des Artikels: Hermann Schmitz/Julia Schmidt



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