Indien
I., Staat, der etwa 80% der Fläche des IndischenSubkontinents ausmacht. Auch nach der Teilung des Subkontinents in I. und Pakistan beherbergt das mehrheitlich hinduist. I. noch 110 Mio. Muslime, 12% der Bevölkerung und fast so viele wie die Einwohner Pakistans. Zentren des Islams in I. sind v. a. die westliche Gangesebene mit den Städten Delhi, Agra und Lucknow; letztere ist ein bedeutendes Zentrum der indischen Schiiten (etwa 20% der Muslime). In Südindien ist v. a. Hyderabad eine bedeutende islam. Stadt aus der Zeit der Dekkan-Sultanate, daneben die Hafenstadt Kozhikode (Calicut) an der Malabarküste. Darüber hinaus sind in allen Städten I. Muslime ansässig. Wie für die Hindus das Familienrecht ihrer Kaste im wesentlichen beibehalten wurde, so gilt für die Muslime I. das Familienrecht nach der hanafit. Rechtsschule, aber mit Erleichterungen bei der Scheidung der Frau. Seit etwa 1990 wurden indische Muslime zunehmend zur Zielscheibe hinduist. populist. Politiker. Dies führte 1992 zur Zerstörung der 400 Jahre alten Babri-Moschee in Ayodhya durch fanatisierte Hindus. Ansonsten sieht sich der Islam in I. eher als eine Religion im westlichen Sinn des Wortes und nicht als eine polit. Größe. In der indischen Filmindustrie, der größten der Welt, werden Quoten für Muslime und Sikhs bei der Rollenvergabe berücksichtigt.
Literatur:
Bose, S./Jalal, A.: Modern South Asia. History, Culture, Political Economy, 1998. - Schimmel, A.: Der Islam im indischen Subkontinent, 31995.
Autor/Autorinnen:
Stephan Popp, M. A., Universität Bamberg, Iranistik
Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: Beck 2001. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2002.
