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ʿAlī

(gest. 661), Vetter und Schwiegersohn Muḥammads, mit dessen Tochter Fāṭima er verheiratet war. A. war einer der ersten Anhänger Muḥammads und später der vierte der sog. «recht­geleiteten» Kalifen. Nach der Ermordung des dritten Kalifen ­ʿUthmān 656 wurde ʿA. zum Kalifen bestimmt, obwohl die Sippe ʿUthmāns (die Dynastie der Umayyaden) ihm die Unterstützung von dessen Mörder vorwarf und den Gegenkalifen Muʿāwiya etablierte. Zum Konflikt mit Muʿāwiya kam es 657 bei Siffīn (am Euphrat), aus dem zwar kein Sieger hervorging, ʿA.s Anhängerschaft sich aber entzweite und Muʿāwiyas Position gestärkt wurde. Die Auseinandersetzung zwischen beiden Kalifen fand durch die Ermordung ʿA.s in Kufa ihr Ende. ʿA.s Mausoleum in Nadschaf ist eines der wichtigsten islam. Heiligtümer, sowohl für die Schiiten – die «Parteigänger ʿA.s» (arab. shīʿat ʿA.) – als auch für die Sunniten. Für die Schiiten gilt ʿA. als Stammvater der Imame; als «Begleiter Gottes» (arab. walī allāh) wurde seine Erwähnung ins schiit. Glaubensbekenntnis aufgenommen. An der Person ʿA.s orientieren sich neben den Schiiten noch andere islam. Bewegungen, etwa die ʿAlawiten, die sich durch eine gott­ähnliche Verehrung ʿA.s und die Leugnung seines Todes auszeichnen.

Literatur:
Halm, H.: Die Schia, 1988. – Bernheimer, T.: The ʿAlids. The First Family of Islam, 2013.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Marco Schöller, Universität Münster, Orientalistik


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.



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