30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren


ijtihād

(arab. «Anstrengung») bezeichnet in der Jurisprudenz eine weitgehend selbständige Auslegung von Koran und Hadith zum Zweck der Rechtsfindung – im Gegensatz zur Übernahme bereits bestehender Auslegungen aus autoritativen Rechtstexten (arab. taqlīd). Seit dem 10. Jh. plädierten viele muslim. Gelehrte für eine Schließung des «Tores des I.», da die Grundtexte ausgeschöpft seien. Das hinderte aber spätere Reformisten wie die Wahhabiten nicht daran, weiter I. zu betreiben, und im Rahmen des späteren Reformislams wird häufig auf I. zurückgegriffen, um das islam. Recht an die Erfordernisse der neuen Zeit anzupassen.

Literatur:
Poya, A.: Anerkennung des iǧtihād. Legitimation der Toleranz. Möglichkeiten innerer und äußerer Toleranz im Islam am Beispiel der iǧtihād-­Diskussion, 2003.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Ralf Elger, Universität Halle, Orientalistik


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.



Lexika-Suche

Dossier

Islamismus

Seit 9/11 hat ein Wort Hochkonjunktur: Islamismus. Wer sind seine Wortführer? Welche Ziele verfolgen sie? Das Dossier führt ein in Vergangenheit und Gegenwart der extremistischen Herrschaftstheorie, die die Welt des 21. Jahrhunderts vor große Herausforderungen stellt.

Mehr lesen