Aufbau Ost

Bezeichnung für alle wirtschaftspolitischen Maßnahmen und Anstrengungen, die das Ziel haben, die wirtschaftlichen Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern an den Westen der Bundesrepublik anzupassen. Der wirtschaftliche Aufbau in Ostdeutschland erfolgte durch eine Vielzahl von Maßnahmen sowohl auf gesamtwirtschaftlicher als auch auf einzelwirtschaftlicher Ebene. Besonders schwerwiegende Probleme nach der deutschen Wiedervereinigung 1989 wie unklare Eigentumsfragen, die Bereitstellung gewerblich nutzbarer Flächen oder Schwierigkeiten bei der Telekommunikation wurden bereits in den ersten Jahren gelöst. Die Privatisierung der ehemaligen DDR-Betriebe, die im Kollektiveigentum standen, übernahm dabei die Treuhandanstalt.

In den 1990er-Jahren wurden verschiedene Maßnahmen im Rahmen des Aufbaus Ost ergriffen, z.B. der Ausbau der überregionalen Straßen und Schienenwege, die Verbesserung der kommunalen Infrastruktur, der Aufbau wettbewerbsfähiger Strukturen, insbesondere die Ausweisung von Gewerbeflächen, der Bau von Büro- und Industriegebäuden sowie die Sanierung, Modernisierung oder der Neubau von Wohnungen. Das hat besonders in der Bauwirtschaft zu einem Aufschwung geführt. Finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern sind vor allem im 1. und 2. Solidarpakt (siehe dort) geregelt; Letzterer läuft noch bis 2019. Der 1991 eingeführte Solidaritätszuschlag zur Einkommensteuer besteht weiterhin.

Die jährlichen Berichte der Bundesregierung zum Stand der Einheit und des Aufbaus Ost zeigen viele Fortschritte. Insgesamt ist das Ziel, den Anschluss der ostdeutschen Bundesländer an die westdeutsche Wirtschaft zu erreichen und entsprechende Transferzahlungen zu verringern, auch heute noch nicht realisiert und bedarf auch in Zukunft weiterer Anstrengungen. Der Aufbau neuer industrieller Strukturen, v.a. im verarbeitenden Gewerbe, hat sich in der Vergangenheit zwar verbessert, insbesondere weiterhin höhere Arbeitslosenzahlen im Osten als im Westen zeigen jedoch, dass noch viele Probleme zu lösen sind.


Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013.




 

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