Freie Demokratische Partei (FDP)

Die FDP (von 1969–2001: F.D.P.) ist eine wirtschaftsliberale Partei, die den Menschen- und Bürgerrechten hohe Bedeutung zumisst. Sie war Koalitionspartner in den CDU-geführten Regierungen von 1949 bis 1957, von 1961 bis 1966, von 1982 bis 1998 und von 2009 bis 2013 sowie Koalitionspartner der SPD geführten Regierungen von 1969 bis 1982 Teil der Bundesregierung. In der Legislaturperiode 2013 bis 2017 war sie nicht im Deutschen Bundestag vertreten.

Nach lokalen (z. B. Berlin) und regionalen Gründungen (z. B. Württemberg), die unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges einsetzten, schloss sich eine Vielzahl liberaler Parteien der Westzonen (z. B. Liberale Demokratische Partei, Partei Freier Demokraten, Demokratische Partei etc.) 1948 zur Bundespartei FDP zusammen; der erste Parteivorsitzende T. Heuss wurde später erster Dt. Bundespräsident. Die FDP ist einerseits deutlich durch Personen geprägt, die Regierungsämter innehaben/-hatten; sie verfügt andererseits aber über eine relativ autonome Parteibasis und unabhängige (z. T. eigenwillige) lokale und regionale Repräsentanten. Wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Partei als »Dritte Kraft« hatten T. Dehler und T. Heuss sowie E. Mende (1960–1968). Die programmatische Wende (1971) zum »Sozialen Liberalismus« der Freiburger Thesen (u. a. K.-H. Flach, W. Maihofer) erfolgte unter dem Vorsitzenden (und späteren Bundespräsidenten) W. Scheel; die Rückkehr ins Mitte-rechts-Spektrum und zum Wirtschaftsliberalismus (1982) wurde von H.-D. Genscher und O. Graf Lambsdorff vollzogen. 1990 vereinigten sich die FDP und die liberalen Parteien der ehemaligen DDR (FDP der DDR, Liberal-Demokratische Partei, Dt. Forumspartei). Weitere Vorsitzende: K. Kinkel (1993–1995), W. Gerhardt (1995–2001), G. Westerwelle (2001–2011), P. Rösler (2011–2013) und C. Lindner (ab 2013).

Programmatisch wendet sich die FDP an freiberuflich Tätige, das mittlere und gehobene Bildungsbürgertum, an Industrie und Wirtschaft; sie ist heute die Partei des Neoliberalismus. In den konservativen Regierungen hat die FDP außenpolitisch zunächst wesentlich zur Westintegration der BRD beigetragen. In den sozialliberalen Regierungen hat die FDP die Ostpolitik mitgetragen und später (in wiederum konservativen Regierungen) entschieden fortgeführt. Sie unterstützt heute den europäischen Integrationsprozess und den Ausbau internationaler Organisationen und Verhandlungssysteme.

Die FDP hat ca. 57.000 Mitglieder (2017). Die wichtigsten Organe sind der Bundesparteitag, der Bundeshauptausschuss und der Bundesvorstand. In der FDP können Fachausschüsse und Arbeitsgruppen zur Bearbeitung von Parteiaufgaben gebildet werden; die Jungen Liberalen, der Liberale Hochschulverband und die Bundesvereinigung Liberaler Frauen verfügen über eigene Satzungen.

Siehe auch:
Partei
Bürgerrechte
Regierung
Bundesregierung
Legislaturperiode
Bundestag
Ostpolitik
Junge Liberale (JuLis)
Satzung
Liberalismus

Quelle: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 7., aktual. u. erw. Aufl. Bonn: Dietz 2018. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.



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