Zahlen und Fakten: Europa

counter
23.7.2011

Lebenserwartung bei der Geburt

Gegenwärtig leben in allen 27 Mitgliedstaaten der EU, den Bewerber- und EFTA-Ländern sowie in Russland die Frauen länger als die Männer. In der EU liegt der geschlechtsspezifische Unterschied bei gut 6 Jahren.

Lebenserwartung bei der Geburt, 2005 - 2010Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten

Statistiken zur Lebenserwartung bei der Geburt beziehen sich auf die durchschnittliche Zahl der Lebensjahre, mit denen ein neugeborenes Kind rechnen kann, wenn es während seines gesamten Lebens den derzeitigen Sterblichkeitsbedingungen ausgesetzt ist. Infolge der Fortschritte in den Bereichen Gesundheitswesen, Hygiene, Ernährung, Wohnsituation und Arbeitsbedingungen sowie des gestiegenen materiellen Wohlstands nahm die Lebenserwartung in den vergangenen hundert Jahren deutlich zu. So erhöhte sich beispielsweise in Deutschland die Lebenserwartung der Männer zwischen 1901/1910 und 1932/43 von 44,8 auf 59,9 Jahre; bis zum Zeitraum 2005 bis 2010 stieg sie weiter auf 77,1 Jahre. Bei den Frauen erhöhte sich die Lebenserwartung in denselben Zeiträumen von 48,3 auf 62,8 Jahre und dann weiter auf 82,4 Jahre.

Damit belegte Deutschland innerhalb der Europäischen Union (EU) in den Jahren 2005 bis 2010 bei den Männern den elften und bei den Frauen den achten Rang. Bezogen auf die EU-27 hatten die Männer in Schweden und Italien mit 78,7 bzw. 78,1 Jahren die höchste Lebenserwartung. Bei den Frauen stand Frankreich mit 84,7 Jahren an erster Stelle, gefolgt von Italien und Spanien mit einer Lebenserwartung der Frauen von jeweils 84,1 Jahren. In der EU ist die Lebenserwartung in den osteuropäischen Staaten am niedrigsten – das gilt für beide Geschlechter. Bei den Männern ist die Lebenserwartung in keinem Land so niedrig wie in Litauen mit 65,8 Jahren. Die Lebenserwartung der Frauen ist in Rumänien am niedrigsten – 76,2 Jahre.

Regional fallen die Unterschiede bei der Lebenserwartung noch höher aus. Bei einer von Eurostat veröffentlichten Analyse von 317 Regionen lag im Jahr 2007 die Lebenserwartung von Männern bei der Geburt zwischen 66,3 Jahren in Litauen und 81,8 Jahren in der finnischen Region Åland. Die Lebenserwartung von Frauen reicht von 76,3 Jahren in der bulgarischen Region Severoiztochen bis zu 86,6 Jahren im schweizerischen Tessin. In den meisten Mitgliedstaaten ist die Lebenserwartung in der Region, in der die Hauptstadt liegt, höher als im nationalen Durchschnitt. Dies gilt für die Frauen noch häufiger als für die Männer.

Nach der Eurostat-Analyse betrug die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen in der EU-27 bei der Geburt 82,0 Jahre und die von Männern 75,8 Jahre – ein geschlechtsspezifischer Unterschied von 6,2 Jahren. Nach Angaben des Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA) leben gegenwärtig in allen 27 Mitgliedstaaten der EU, den Bewerber- und EFTA-Ländern sowie in Russland die Frauen länger als die Männer. Bezogen auf den Zeitraum 2005 bis 2010 war der geschlechtsspezifische Unterschied der Lebenserwartung dabei in Island, Malta, Griechenland, den Niederlanden und Schweden am niedrigsten (zwischen 3,1 und 4,3 Jahren). Mehr als zehn Jahre betrug der Abstand zwischen der Lebenserwartung der Frauen und der der Männer hingegen in Russland (12,8 Jahre), Litauen (11,9 Jahre) und Estland (10,9 Jahre).

Für die Menschen ist nicht nur von Bedeutung, wie alt sie werden, sondern vor allem auch in welchem gesundheitlichen Zustand sie ihr Alter erleben. Der Indikator für gesunde Lebensjahre (auch behinderungsfreie Lebenserwartung genannt) misst die Zahl der Jahre, die einer Person in einem bestimmten Alter voraussichtlich noch verbleiben, ohne dass sie durch schwere oder mittelschwere Gesundheitsprobleme oder erworbene Behinderungen beeinträchtigt wird.

Auch wenn grundsätzlich gilt, dass sich die Zahl an gesunden Jahren parallel zur Lebenserwartung entwickelt, gibt es bedeutende Ausnahmen – wie etwa Dänemark: Obwohl es bei der Lebenserwartung im unteren Mittelfeld der EU liegt, nimmt es bei beiden Geschlechtern den ersten Platz bei den zu erwartenden gesunden Lebensjahren für Personen im Alter von 65 Jahren ein. Laut Eurostat hatten 65-jährige dänische Männer im Jahr 2007 eine fernere Lebenserwartung von 16,5 Jahren und 65-jährige dänische Frauen von 19,2 Jahren. Die Männer konnten dabei durchschnittlich 13,1 und die Frauen 14,3 gesunde Lebensjahre erwarten. Das ist in beiden Fällen nicht nur der höchste Wert an zu erwartenden gesunden Lebensjahren, sondern – innerhalb der EU – auch die niedrigste Differenz zwischen fernerer Lebenserwartung und gesunden Lebensjahren von Personen im Alter von 65 Jahren.

Datenquelle

United Nations – Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA): World Population Prospects: The 2008 Revision, United Nations, New York 2009; Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2010; Eurostat: Schlüsseldaten über Europa 2010

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Bei der Lebenserwartung ist zwischen der durchschnittlichen Lebenserwartung bei der Geburt und der ferneren Lebenserwartung zu unterscheiden. Die fernere Lebenserwartung beschreibt, wie viele Lebensjahre beispielsweise eine 65-jährige Person im Durchschnitt noch vor sich hat. Die Summe aus erreichtem Alter und fernerer Lebenserwartung liegt immer höher als die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt, da bei Letzterer auch die Personen eingerechnet werden, die die jeweilige Altersgrenze der ferneren Lebenserwartung nicht erreicht haben.

Die Angaben zur Lebenserwartung in Deutschland beziehen sich in den Jahren 1901/10 und 1932/34 auf den jeweiligen Gebietsstand des Reichsgebiets. Die Angaben beziehen sich dabei 1901/10 auf einen Zehnjahres- und 1932/34 auf einen Dreijahresdurchschnitt.

EFTA – The European Free Trade Association (Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz)

Tabelle: Lebenserwartung bei der Geburt

In Jahren, europäische Staaten, Durchschnitt 2005 bis 2010*

  Lebenserwartung bei Geburt,
in Jahren
Männer Frauen
Island 80,2 83,3
Schweiz 79,3 84,1
Schweden 78,7 83,0
Norwegen** 78,3 82,8
Italien 78,1 84,1
Malta 77,8 81,4
Niederlande 77,8 82,0
Frankreich 77,6 84,7
Spanien 77,6 84,1
Irland 77,5 82,3
Zypern 77,3 82,0
Großbritannien 77,2 81,6
Österreich 77,2 82,6
Deutschland 77,1 82,4
Griechenland 77,1 81,3
Belgien 76,7 82,6
Luxemburg 76,7 82,1
Finnland*** 76,2 83,0
Dänemark 76,0 80,6
Portugal 75,4 81,9
Slowenien 74,6 81,9
Tschechische Republik 73,4 79,5
Polen 71,3 79,8
Slowakei 70,7 78,5
Bulgarien 69,7 76,8
Türkei 69,4 74,3
Ungarn 69,2 77,4
Rumänien 69,1 76,2
Estland 67,6 78,5
Lettland 67,3 77,2
Litauen 65,8 77,7
Russland 60,3 73,1

* Angaben zur Bevölkerung auf Basis der im Jahr 2008 zur Verfügung stehenden Daten
** einschließlich Svålbard und Jan Mayen Inseln
*** einschließlich Åland Inseln


Quelle: United Nations – Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA): World Population Prospects: The 2008 Revision, United Nations, New York 2009; Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2010

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.