Zahlen und Fakten: Europa

Eheschließungen und Scheidungen

23.7.2011
In den 27 Staaten der EU werden jährlich weit mehr als 2 Millionen Ehen geschlossen. Allerdings erweisen sich nicht alle Ehen als Bund fürs Leben: Jedes Jahr werden auch rund eine Million Ehen geschieden.

Eheschließungen und Scheidungen, 2000 - 2009Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Obwohl die Zahl der Eheschließungen in den 27 Staaten der Europäischen Union (EU) rückläufig ist, werden jährlich immer noch weit mehr als 2 Millionen Ehen geschlossen (2007: 2,42 Mio.). Relativ zur Bevölkerungszahl und im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2009 wurde dabei in Zypern am häufigsten geheiratet. Auf 1.000 Einwohner kamen dort 9,6 Hochzeiten. Es folgten Dänemark (6,7 Eheschließungen je 1.000 Personen), Rumänien (6,6), Malta (6,0) und Polen (5,7). Von den europäischen Staaten, zu denen Eurostat Daten vorliegen und die nicht zur EU gehören, fallen die Türkei (Ø 2003 bis 2009: 8,5) und Mazedonien (7,1) ebenfalls durch hohe Eheschließungsziffern auf.

Die niedrigsten Eheschließungsziffern wiesen bezogen auf den Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2009 Slowenien (3,3), Bulgarien (3,9), Belgien (4,2) sowie Luxemburg und Ungarn (jeweils 4,3) auf. Deutschland belegte mit einer durchschnittlichen Eheschließungsziffer von 4,7 den 18. Rang innerhalb der EU. Die Eheschließungsziffer aller EU-27-Staaten ist zwischen 2000 und 2007 von 5,18 auf 4,88 gesunken.

In Deutschland gaben sich 2009 rund 378.000 Paare das Jawort. Das entsprach 4,6 Eheschließungen je 1.000 Einwohner. Damit lag die Eheschließungsziffer 2009 nur knapp über dem niedrigsten Wert in der Geschichte der Bundesrepublik: 2007 lag die Eheschließungsziffer bei 4,5. Im Jahr 1967 wurden in Deutschland noch knapp 8 Eheschließungen je 1.000 Einwohner gezählt.

Unter den Staaten, für die Eurostat Daten vorliegen, hat Zypern zwar die höchste Eheschließungsziffer im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2009, aber auch den höchsten prozentualen Rückgang bei den Eheschließungen je 1.000 Einwohner. Zwischen 2000 und 2009 sank die Eheschließungsziffer von 13,4 auf 7,9 – das entspricht einem Rückgang von 40,8 Prozent. Auch in Liechtenstein (minus 40,4 Prozent), Portugal (minus 39,0 Prozent), Spanien (minus 30,1 Prozent), Luxemburg (minus 29,1 Prozent) und Island (minus 26,4 Prozent) lag der Rückgang bei mehr als 25 Prozent. Auf der anderen Seite ist die Eheschließungsziffer im selben Zeitraum in Litauen (plus 27,3 Prozent), der Türkei (2003 bis 2009: plus 25,4 Prozent), Polen (plus 19,7 Prozent) und Griechenland (plus 17,2 Prozent) um mehr als 15 Prozent gestiegen.

Nicht alle Ehen erweisen sich als Bund fürs Leben. Jedes Jahr werden in der EU-27 rund eine Million Ehen geschieden. 2007 entsprach das 2,1 Scheidungen je 1.000 Einwohner. Die Mitgliedstaaten mit den höchsten Scheidungsziffern sind bezogen auf den Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2009 Litauen (3,2 Scheidungen je 1.000 Einwohner), die Tschechische Republik (3,1), Estland und Belgien (jeweils 2,9) sowie Dänemark (2,7).

Die EU-Mitgliedstaaten mit den niedrigsten Scheidungsziffern sind Irland (Ø 2000 bis 2007: 0,8), Italien (Ø 2000 bis 2008: 0,8) und Griechenland (Ø 2000 bis 2008: 1,1). Mit einer durchschnittlichen Scheidungsziffer von jeweils 0,7 lagen Mazedonien (2000 bis 2009) und Montenegro (2005 bis 2009) sogar noch unter diesen Werten (ausgehend von den europäischen Staaten zu denen Eurostat Daten vorliegen und die nicht zur EU gehören). Deutschland belegt mit einer durchschnittlichen Scheidungsziffer von 2,4 in den Jahren 2000 bis 2009 den 17. Rang in der EU. Dabei fällt Malta innerhalb der EU eine Sonderrolle zu: Malta ist der einzige Mitgliedstaat, in dem Scheidungen bisher nicht möglich waren. Nach einem entsprechenden Referendum im Mai 2011 wird es aber auch in Malta zukünftig das Recht auf Scheidung geben.

In Spanien stieg die Scheidungsziffer zwischen 2000 und 2007 von 0,9 auf 2,8. Im Jahr 2009 lag sie wiederum bei 2,1. Für den Zeitraum 2000 bis 2009 entspricht das einer Steigerung der Scheidungsziffer um 133,3 Prozent. In der Türkei (2003 bis 2009: plus 81,6 Prozent), der Schweiz (plus 66,7 Prozent) und Polen (54,5 Prozent) erhöhten sich die Scheidungsziffern ebenfalls um mehr als 50 Prozent. Auf der anderen Seite reduzierte sich die Ziffer im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2009 um mehr als 15 Prozent in Liechtenstein (minus 30,8), Estland (minus 22,6) und Großbritannien (minus 15,4).

Datenquelle



Eurostat: Online-Datenbank: Eheschließungen, Scheidungen

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Eine Eheschließung ist die Rechtshandlung, Amtshandlung oder der amtliche Vorgang, durch den die rechtliche Beziehung zwischen den Ehegatten förmlich hergestellt wird. Eine Ehescheidung ist definiert als die endgültige rechtliche Auflösung einer Ehe, das heißt eine Trennung der Ehegatten, durch die beide Ehegatten das Recht erhalten, nach zivilrechtlichen und/oder sonstigen Bestimmungen erneut eine Ehe einzugehen.

Tabelle: Eheschließungen und Scheidungen



Je 1.000 Personen, europäische Staaten, Mittelwert 2000 bis 2009

  Eheschließungen* Scheidungen**
je 1.000 Personen
Europäische Union (EU-27) 4,9 2,0
Zypern 9,6 2,0
Dänemark 6,7 2,7
Rumänien 6,6 1,5
Malta 6,0 x
Polen 5,7 1,5
Litauen 5,7 3,2
Finnland 5,4 2,6
Griechenland 5,1 1,1
Irland 5,1 0,8
Tschechische Republik 5,1 3,1
Lettland 5,0 2,6
Großbritannien 4,9 2,6
Slowakei 4,9 2,1
Portugal 4,9 2,2
Schweden 4,8 2,3
Spanien 4,8 1,6
Niederlande 4,7 2,0
Deutschland 4,7 2,4
Österreich 4,5 2,4
Frankreich 4,5 2,1
Estland 4,5 2,9
Italien 4,4 0,8
Ungarn 4,3 2,5
Luxemburg 4,3 2,3
Belgien 4,2 2,9
Bulgarien 3,9 1,7
Slowenien 3,3 1,2
 
Türkei 8,5 1,3
Mazedonien, ehem. j.R. 7,1 0,7
Montenegro 5,8 0,7
Schweiz 5,4 2,4
Island 5,4 1,8
Liechtenstein 5,2 2,8
Kroatien 5,1 1,1
Norwegen 4,8 2,3

* EU, Irland: 2000-2007 / Großbritannien: 2000-2008 / Montenegro: 2005-2009 / Türkei: 2003-2009
** EU, Irland: 2000-2007 / Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien: 2000-2008 / Montenegro: 2005-2009 / Türkei: 2003-2009


Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Eheschließungen, Scheidungen


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