Zahlen und Fakten: Europa
2.8.2018

Wanderungssaldo pro Jahr

Personen in absoluten Zahlen, ausgewählte europäische Staaten, Durchschnitt 2010 bis 2015

Quelle: United Nations – Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2017). World Population Prospects: The 2017 Revision
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Werden Zu- und Abwanderungen zusammen betrachtet, lag der Wanderungssaldo in Europa in den Jahren 2000 bis 2010 durchschnittlich bei plus 1,74 Millionen Personen pro Jahr. In den Jahren 2010 bis 2015 waren es jährlich rund 811.000 Personen – dabei waren Deutschland und die Türkei die beiden Staaten mit der höchsten Zuwanderung (+355 bzw. 325 Tsd. pro Jahr). Darauf folgten Russland (+204 Tsd.) und das Vereinigte Königreich (+198 Tsd.). Relativ zur Gesamtbevölkerung war die Zuwanderung in Luxemburg, der Schweiz, Norwegen und Österreich am höchsten. Auf der anderen Seite hatten 21 von 45 europäischen Staaten im Zeitraum 2010 bis 2015 einen negativen Wanderungssaldo. Insgesamt wird Europa auch in Zukunft eine Einwanderungsregion sein: Nach Berechnungen des UN/DESA wird die Nettozuwanderung im Zeitraum 2015 bis 2050 bei 32,4 Millionen liegen – also bei einem Plus von 925.000 zugewanderten Personen pro Jahr.

Fakten

In keine Region der Welt sind im Zeitraum Juli 2000 bis Juli 2015 so viele Menschen eingewandert wie nach Europa – die Differenz zwischen Zu- und Abwanderung lag insgesamt bei 21,4 Millionen Personen. Allerdings war der Wanderungssaldo nach Angaben des UN Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA) in den Jahren 2000 bis 2010 mit plus 1,74 Millionen Personen pro Jahr mehr als doppelt so hoch wie in den in den Jahren 2010 bis 2015 mit jährlich rund 811.000 Personen. Werden ausschließlich die Jahre 2010 bis 2015 betrachtet, war Nordamerika mit einem positiven Wanderungssaldo von durchschnittlich 1,13 Millionen Personen pro Jahr die Region mit der höchsten Zuwanderung.

Auch für die Jahre 2015 bis 2050 nimmt das UN/DESA für Europa einen positiven Wanderungssaldo von etwa 925.000 Personen pro Jahr an (Nordamerika: +1,20 Mio. Personen). Der Wanderungssaldo bezieht sich dabei auf zu- und abwandernde Personen, die im Ausland geboren sind sowie auf einheimische Personen, die ihre Heimat verlassen oder in sie zurückkehren. Zu Letzteren gehören Personen, die nach einem temporären Aufenthalt im Ausland in ihre Heimat zurückkehren – zum Beispiel Studenten, Rentner, Techniker, Manager, Kaufleute, Wissenschaftler oder deren Angehörige.

Ausgehend vom weiten Europa-Begriff der Europäischen Kommission liegen für 45 europäische Staaten Daten vor: Laut UN/DESA waren im Zeitraum 2010 bis 2015 Deutschland und die Türkei die beiden Staaten mit der höchsten Zuwanderung in Europa. Der Wanderungssaldo lag bei plus 355.000 bzw. 325.000 Personen pro Jahr. Darauf folgten Russland (+204 Tsd.), das Vereinigte Königreich (+198 Tsd.) und die Schweiz (+79 Tsd.). Dabei gehörten Russland und das Vereinigte Königreich bereits in den Jahren 2000 bis 2010 zu den TOP 5 unter den Zuwanderungsländern (plus 389 bzw. 300 Tsd. pro Jahr). Relativ zur Gesamtbevölkerung war die Zuwanderung im Zeitraum 2010 bis 2015 in Luxemburg, der Schweiz, Norwegen, Österreich, Schweden sowie in Belgien am höchsten. Deutschland stand an neunter Stelle der 45 Staaten.

Allerdings sind nicht alle europäischen Staaten Einwanderungsländer. Von den 45 europäischen Staaten, für die dem UN/DESA Daten vorliegen, hatten sechzehn im Zeitraum 2000 bis 2015 einen negativen Wanderungssaldo. Mit einem Wanderungssaldo von jährlich minus 103.000 Personen wanderten aus Rumänien dabei mit Abstand die meisten Menschen aus. Darauf folgten Georgien (-59 Tsd. pro Jahr), Serbien und Albanien (-33 Tsd.), Polen (-29 Tsd.), Litauen (-26 Tsd.) sowie Armenien (-25 Tsd.). Relativ zur Gesamtbevölkerung war die Abwanderung im Zeitraum 2010 bis 2015 in Georgien, Litauen, Bosnien und Herzegowina, Lettland, Albanien sowie Irland am höchsten.

Spanien hat sich innerhalb weniger Jahre vom wichtigsten Zuwanderungsland zum wichtigsten Auswanderungsland gewandelt: Im Zeitraum 2000 bis 2010 lag der Wanderungssaldo noch bei plus 510.000 Personen pro Jahr. Im Zeitraum 2010 bis 2015 wanderten hingegen jährlich 114.000 Personen netto aus Spanien aus. Auch Irland (+40 Tsd./-28 Tsd.), Portugal (+27 Tsd./-28 Tsd.), Griechenland (+19 Tsd./-32 Tsd.) und die Ukraine (+10 Tsd./-40 Tsd.) sind in auffälliger Weise von Einwanderungs- zu Abwanderungsländern geworden. Während sich die ökonomische Lage der vier EU-Staaten durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 bzw. die sich anschließende europäische Schuldenkrise verschlechterte, dürfte bei der Ukraine der militärische Konflikt mit Russland ein wichtiger Grund für den Wandel vom Zu- zum Abwanderungsland sein.

Genau entgegengesetzt verlief die Entwicklung in der Türkei: Während im Zeitraum 2000 bis 2010 pro Jahr noch 9.000 Personen netto abwanderten, war die Türkei 2010 bis 2015 das zweitwichtigste Zuwanderungsland (+325 Tsd. pro Jahr). Deutschland war in beiden Zeiträumen ein Einwanderungsland. Allerdings erhöhte sich der durchschnittliche Wanderungssaldo von 85.000 auf 355.000 Personen pro Jahr (von Rang 6 auf Rang 1). Beide Staaten haben in den letzten Jahren viele Flüchtlinge und Asylsuchende aufgenommen.

Auch in Zukunft werden einzelne Staaten Europas zu den wichtigsten Einwanderungsländern weltweit gehören. Nach Angaben des UN/DESA wird die Nettozuwanderung in die ökonomisch entwickelten Staaten in den Jahren 2015 bis 2050 bei insgesamt 82 Millionen Personen liegen – das sind durchschnittlich 2,3 Millionen Personen pro Jahr. Von diesen 2,3 Millionen Personen werden laut UN/DESA rund 925.000 auf Europa entfallen – insbesondere auf Deutschland (224 Tsd.), das Vereinigte Königreich (171 Tsd.), Russland (109 Tsd.) Italien (93 Tsd.) und Frankreich (80 Tsd.).

Datenquelle

United Nations – Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2017). World Population Prospects: The 2017 Revision

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Der Wanderungssaldo ist die Differenz zwischen Zu- und Abwanderung. Der Saldo ist positiv, wenn mehr Personen zuwandern als abwandern und negativ, wenn die Abwanderung überwiegt. Aus dem Wanderungssaldo können jedoch keine abschließenden Aussagen über das Ausmaß der Zu- und Abwanderung abgeleitet werden, da beispielsweise ein niedriger Wanderungssaldo mit sehr hohen Zu- und Abwanderungsströmen, die sich rechnerisch ausgleichen, einhergehen kann.

Zusammen mit der natürlichen Bevölkerungsentwicklung (Differenz Lebendgeburten/Sterbefälle) bestimmen die Wanderungsbewegungen den Bevölkerungsstand insgesamt. Der Anteil beider Faktoren hat sich im Zeitverlauf erheblich verändert und unterscheidet sich zudem von Land von zu Land. Informationen zu diesem Thema finden Sie hier...

Weiterführende Informationen zu den Wanderungen über die Grenzen Deutschlands finden Sie hier...

Informationen zu den weltweiten Migrationsbewegungen finden Sie hier...

Im Gegensatz zur Europäischen Kommission zählt das UN Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA) Armenien, Aserbaidschan, Georgien, die Türkei und Zypern nicht zu Europa. Eine Übersicht zu diesem Thema finden Sie hier...

Zum Teil weichen die Daten des UN/DESA von denen anderer Institutionen ab. Eine kurze Erläuterung hierzu finden Sie hier: https://esa.un.org/unpd/wpp/General/FAQs.aspx

Eine detaillierte Darstellung der wissenschaftlichen Methoden des UN/DESA finden Sie hier: https://esa.un.org/unpd/wpp/Publications/Files/WPP2017_Methodology.pdf

Wanderungssaldo pro Jahr

Personen in absoluten Zahlen, europäische Staaten, Durchschnitt 2000 bis 2010 und 2010 bis 2015

Jährlicher Wanderungs-
saldo 1, in Tsd.
Staaten nach Höhe der
Zu- bzw. Abwanderung
(Rang 1 bis 42) 2
2010-2015 2000-2010 2010-2015 2000-2010
Europa 3 811 1.735 x x
Deutschland 355 85 1 6
Türkei 325 -9 2 36
Russland 204 389 3 2
Vereinigtes Königreich 198 300 4 3
Schweiz 79 53 5 7
Frankreich 72 103 6 5
Österreich 53 33 7 11
Italien 53 263 8 4
Belgien 52 51 9 8
Schweden 51 40 10 9
Norwegen 44 23 11 14
Dänemark 21 13 12 17
Finnland 16 9 13 21
Belarus 15 6 14 23
Niederlande 13 21 15 15
Tschechien 12 30 16 12
Luxemburg 10 6 17 24
Ungarn 6 9 18 22
Zypern 5 12 19 18
Slowenien 3 5 20 25
Slowakei 2 -1 21 29
Malta 2 1 22 27
Kanalinseln 1 1 23 28
Aserbaidschan 0 9 24 20
Island 0 1 25 26
Montenegro -1 -1 26 30
Mazedonien, ehem. jug. Rep. -2 -2 27 32
Moldau, Republik -2 -6 28 34
Estland -2 -3 29 33
Bulgarien -5 -17 30 38
Armenien -6 -34 31 40
Kroatien -7 -1 32 31
Polen -15 -36 33 41
Lettland -17 -16 34 37
Albanien -19 -39 35 43
Serbien -20 -39 36 42
Irland -28 40 37 10
Portugal -28 27 38 13
Litauen -29 -25 39 39
Bosnien und Herzegowina -32 -7 40 35
Griechenland -32 19 41 16
Ukraine -40 10 42 19
Rumänien -60 -124 43 45
Georgien -61 -58 44 44
Spanien -114 510 45 1

1 Differenz zwischen Zu- und Abwanderung; jeweils ab/bis 01. Juli

2 Rang 1 = höchste Zuwanderung; Rang 45 = höchste Abwanderung

3 im Gegensatz zur Europäischen Kommission zählt das UN/DESA Armenien, Aserbaidschan, Georgien, die Türkei und Zypern nicht zu Europa. Eine Übersicht zu diesem Thema finden Sie unter: http://www.bpb.de/70675


Quelle: United Nations – Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2017). World Population Prospects: The 2017 Revision


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