Zahlen und Fakten: Europa

Wanderungssaldo

Personen in absoluten Zahlen, ausgewählte europäische Staaten, Durchschnitt 2000 bis 2010 und 2010 bis 2015

Wanderungssaldo

Quelle: UN – Department of Economic and Social Affairs, Population Division. World Population Prospects: The 2015 Revision
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

9.3.2016
In den 15 Jahren von Juli 2000 bis Juli 2015 sind durchschnittlich rund 1,4 Millionen Personen pro Jahr nach Europa eingewandert. Während Russland, das Vereinigte Königreich und Italien sowohl in den Jahren 2000 bis 2010 als auch 2010 bis 2015 zu den TOP 5-Zuwanderungsländern gehörten, wurde Spanien in diesen beiden Zeiträumen vom wichtigsten Zuwanderungsland (Rang 1 von 42) zum Land mit der höchsten Abwanderung (Rang 42 von 42). In den Jahren 2010 bis 2015 standen die Türkei und Deutschland mit positiven Wanderungssalden von 400.000 bzw. 250.000 Personen pro Jahr an der Spitze der europäischen Einwanderungsländer. Die Zuwanderung ist seit Anfang der 1990er-Jahre zur bedeutendsten Triebkraft des Bevölkerungswachstums in Europa geworden. Und auch in Zukunft werden einzelne Staaten Europas zu den wichtigsten Einwanderungsländern weltweit gehören.

Fakten



In keine Region der Welt sind im Zeitraum 2000 bis 2015 so viele Menschen eingewandert wie nach Europa – die Differenz zwischen Zu- und Abwanderung lag insgesamt bei 20,9 Millionen Personen. Allerdings war der Wanderungssaldo nach Angaben des Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA) in den Jahren 2000 bis 2010 mit 1,68 Millionen Personen pro Jahr mehr als doppelt so hoch wie in den in den Jahren 2010 bis 2015 mit jährlich rund 825.000 Personen. Werden ausschließlich die Jahre 2010 bis 2015 betrachtet, war Nordamerika mit einem positiven Wanderungssaldo von durchschnittlich 1,24 Millionen Personen pro Jahr die Region mit der höchsten Zuwanderung.

Auch für die Jahre 2015 bis 2060 nimmt das UN/DESA für Europa einen positiven Wanderungssaldo von etwa 870.000 Personen pro Jahr an (Nordamerika: 1,18 Mio. Personen). Der Wanderungssaldo bezieht sich dabei auf zu- und abwandernde Personen, die im Ausland geboren sind sowie auf einheimische Personen, die ihre Heimat verlassen oder in sie zurückkehren. Zu Letzteren gehören zum Beispiel Personen, die nach einem temporären Aufenthalt im Ausland – als Techniker, Manager, Kaufleute, Rentner, Studenten, Wissenschaftler oder Angehörige – in ihre Heimat zurückkehren.

Im Zeitraum 2000 bis 2010 waren Spanien und Russland die beiden Staaten mit dem höchsten positiven Wanderungssaldo in Europa (plus 508 bzw. 389 Tsd. Personen pro Jahr). Darauf folgten laut UN/DESA Italien (263 Tsd.), das Vereinigte Königreich (249 Tsd.) und Frankreich (122 Tsd.). Russland, das Vereinigte Königreich und Italien gehörten auch in den Jahren 2010 bis 2015 zu den TOP 5 unter den Zuwanderungsländern. Allerdings hinter Deutschland, wo der Wanderungssaldo im Zeitraum 2010 bis 2015 bei rund 250.000 Personen pro Jahr lag. Auf dem fünften Rang stand die Schweiz mit einem Saldo von 76.000 Personen. Wird – anders als beim UN/DESA – auch die Türkei zu Europa gezählt, dann ist nicht Deutschland, sondern die Türkei das Land mit der höchsten Zuwanderung in den Jahren 2010 bis 2015: Der Wanderungssaldo lag bei rund 400.000 Personen pro Jahr.

Nicht alle europäischen Staaten sind Einwanderungsländer. Von den 42 europäischen Staaten – inklusive der Türkei und Zypern –, für die dem UN/DESA für die Jahre 2000 bis 2010 Daten vorliegen, hatten zwölf einen negativen Wanderungssaldo. Mit einem Wanderungssaldo von minus 136.000 Personen pro Jahr war Rumänien mit Abstand am stärksten von Abwanderung im Zeitraum 2000 bis 2010 betroffen. Darauf folgten Albanien (minus 43 Tsd.), Serbien (minus 31 Tsd.), Litauen (minus 23 Tsd.) sowie Lettland und Bulgarien (minus 17 Tsd.).

Litauen (minus 34 Tsd.) und Rumänien (minus 87 Tsd.) gehörten auch im Zeitraum 2010 bis 2015 zu den Staaten, aus denen durchschnittlich mehr als 20.000 Personen pro Jahr abgewandert sind. Allerdings sind vier neue Staaten hinzugekommen: Spanien (minus 119 Tsd.), Irland und Portugal (minus 28 Tsd.) sowie Griechenland (minus 27 Tsd.). Allen vier Staaten ist gemeinsam, dass sie in den Jahren 2000 bis 2010 noch Einwanderungsländer waren – zu Abwanderungsländern sind sie parallel zur europäischen Schuldenkrise, die sich an die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 anschloss, geworden. Am extremsten verlief diese Entwicklung in Spanien, das vom Land mit der höchsten Zuwanderung in den Jahren 2000 bis 2010 (Rang 1) zum Land mit der höchsten Abwanderung in den Jahren 2010 bis 2015 (Rang 42) wurde. Irland fiel von Rang 8 auf 38, Portugal von Rang 11 auf Rang 39 und Griechenland von Rang 15 auf 37.

Auf der anderen Seite machte die Türkei einen Sprung von Rang 36 auf Rang 1 – während der Wanderungssaldo der Türkei in den Jahren 2000 bis 2010 noch bei minus 15.000 Personen pro Jahr lag, wanderten im Zeitraum 2010 bis 2015 jedes Jahr rund 400.000 Personen ein. Deutschland war in beiden Zeiträumen ein Einwanderungsland. Allerdings erhöhte sich der Wanderungssaldo von jährlich rund 3.000 auf 250.000 Personen (Rang 26 auf Rang 2).

Bezogen auf die EU sind die internationalen Wanderungsbewegungen von großer Bedeutung, da sie seit Anfang der 1990er-Jahre zur bedeutendsten Triebkraft des Bevölkerungswachstums geworden sind. Bis Ende der 1980er-Jahre war noch die natürliche Veränderung des Bevölkerungsstandes – also die Differenz zwischen der Zahl der Lebendgeburten und der Todesfälle – die mit Abstand wichtigste Komponente.

Zwischen 2000 und 2014 erhöhte sich der Bevölkerungsstand der EU laut Eurostat um 22,9 Millionen. Davon entfielen 4,8 Millionen auf das natürliche Bevölkerungswachstum und 18,1 Millionen auf den positiven Wanderungssaldo dieser Jahre. Damit hatte die Zuwanderung einen Anteil von 78,9 Prozent am gesamten Bevölkerungswachstum im Zeitraum 2000 bis 2014. Der Spitzenwert wurde dabei im Jahre 2013 mit 95,4 Prozent erreicht.

In der Hälfte der EU-Mitgliedstaaten ging laut Eurostat eine positive natürliche Veränderung des Bevölkerungsstandes in den Jahren 2000 bis 2014 mit einem positiven Wanderungssaldo einher. Der Anteil der Zuwanderung am gesamten Bevölkerungswachstum lag dabei zwischen 27,8 Prozent in Frankreich und 95,8 Prozent in Österreich. In fünf Staaten (Deutschland, Griechenland, Italien, Portugal, Tschechische Republik) stieg der Bevölkerungsstand, weil die Zuwanderung höher als der natürliche Bevölkerungsrückgang war. In Kroatien und Ungarn wurde der natürliche Bevölkerungsrückgang durch die Zuwanderung gedämpft aber nicht kompensiert. In weiteren fünf Staaten (Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien) haben sich beide Faktoren negativ entwickelt und damit zu einem anhaltenden Bevölkerungsrückgang geführt. Schließlich sind Polen und die Slowakei die einzigen EU-Mitgliedstaaten, die in den Jahren 2000 bis 2014 einen natürlichen Bevölkerungszuwachs und gleichzeitig einen negativen Wanderungssaldo hatten. In der Slowakei war dabei der natürliche Bevölkerungszuwachs höher als die Abwanderung, in Polen war hingegen die Abwanderung höher.

Auch in Zukunft werden einzelne Staaten Europas zu den wichtigsten Einwanderungsländern weltweit gehören. Nach Angaben des UN/DESA wird die Nettozuwanderung in die ökonomisch entwickelten Staaten in den Jahren 2015 bis 2060 bei insgesamt 102 Millionen Personen liegen – das sind durchschnittlich 2,3 Millionen Personen pro Jahr. Von diesen 2,3 Millionen Personen werden laut UN/DESA rund 870.000 auf Europa entfallen – insbesondere auf das Vereinigte Königreich (168 Tsd.), Deutschland (148 Tsd.), Russland (105 Tsd.) Italien (100 Tsd.), Spanien (83 Tsd.) und Frankreich (79 Tsd.). Der jährliche Wanderungssaldo der USA wird mit gut 980.000 Personen jedoch über dem Saldo aller 42 hier betrachteten europäischen Staaten liegen.

Datenquelle



United Nations – Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2015). World Population Prospects: The 2015 Revision; Eurostat: Online-Datenbank: Population change – Demographic balance and crude rates at national level (Stand: 10/2015)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Der Wanderungssaldo ist die Differenz zwischen Zu- und Abwanderung. Der Saldo ist positiv, wenn mehr Personen zuwandern als abwandern und negativ, wenn die Abwanderung überwiegt. Aus dem Wanderungssaldo können jedoch keine abschließenden Aussagen über das Ausmaß der Zu- und Abwanderung abgeleitet werden, da beispielsweise ein niedriger Wanderungssaldo mit sehr hohen Zu- und Abwanderungsströmen, die sich rechnerisch ausgleichen, einhergehen kann.

Eine Übersicht der 48 Staaten/Gebiete, die das Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA) zu Europa zählt, finden Sie »hier...«

Das Statistische Bundesamt erweitert Europa noch um die Türkei und Zypern. Eine entsprechende Länderliste finden Sie »hier…«

Bei den gemachten Angaben ist zu berücksichtigen, dass die Daten von Eurostat und/oder des Statistischen Bundesamtes bei wenigen Staaten erheblich von denen des UN/DESA abweichen. Eine kurze Erläuterung zu diesem Thema finden Sie »hier…«

Eine detaillierte Darstellung der wissenschaftlichen Methoden des UN/DESA finden Sie »hier…«

Wanderungssaldo

Personen in absoluten Zahlen, europäische Staaten, Durchschnitt 2000 bis 2010 und 2010 bis 2015

Staaten Jährlicher Wanderungs-
saldo1, in Tsd.
Staaten nach Höhe der
Zu- bzw. Abwanderung
(Rang 1 bis 42)2
2000-20103 2010-20153 2000-20103 2010-20153
Europa4 1.676 825 x x
Spanien 508 -119 1 42
Russland 389 224 2 3
Italien 263 106 3 5
Vereinigtes Königreich 249 180 4 4
Frankreich 122 66 5 7
Schweiz 53 76 6 6
Belgien 51 54 7 9
Irland 40 -28 8 38
Schweden 40 55 9 8
Österreich 33 29 10 12
Portugal 31 -28 11 39
Tschechische Republik 30 6 12 19
Norwegen 24 47 13 10
Niederlande 20 22 14 14
Griechenland 19 -27 15 37
Ungarn 16 6 16 20
Dänemark 13 19 17 16
Zypern5 11 7 18 18
Finnland 10 21 19 15
Ukraine 7 39 20 11
Belarus 6 24 21 13
Luxemburg 6 10 22 17
Slowenien 6 1 23 21
Bosnien und Herzegowina 4 -1 24 27
Polen 4 -15 25 33
Deutschland 3 250 26 2
Malta 2 1 27 22
Island 1 0 28 24
Kanalinseln 1 1 29 23
Slowakei 1 0 30 25
Montenegro -1 0 31 26
Mazedonien, ehem. j.R. -2 -1 32 28
Estland -3 -2 33 29
Kroatien -3 -4 34 31
Moldau, Republik -6 -2 35 30
Türkei5 -15 400 36 1
Bulgarien -17 -10 37 32
Lettland -17 -15 38 34
Litauen -23 -34 39 40
Serbien -31 -20 40 36
Albanien -43 -18 41 35
Rumänien -136 -87 42 41

1 Differenz zwischen Zu- und Abwanderung
2 Rang 1 = Staat mit der höchsten Zuwanderung; Rang 42 = Staat mit der höchsten Abwanderung
3 jeweils ab/bis 01. Juli
4 Europa ohne Türkei und Zypern; einschließlich Andorra, Färöer, Gibraltar, Insel Man, Liechtenstein, Monaco, San Marino, Vatikanstadt / Spanien einschl. Kanarische Inseln, Ceuta und Melilla / Norwegen einschl. Svålbard und Jan Mayen Inseln / Finnland einschl. Åland Inseln / Ukraine einschl. Krim / Kanalinseln: Guernsey und Jersey / Republik Moldau einschl. Transnistrien / Serbien einschl. Kosovo
5 das UN/DESA ordnet die Türkei und Zypern der Region Westasien zu (Zypern einschl. türkisch-zyprischer Nordteil der Insel); beide Staaten sind nicht im Gesamtwert "Europa" enthalten.


Quelle: United Nations – Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2015). World Population Prospects: The 2015 Revision



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