Zahlen und Fakten: Europa
2.8.2017

Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf

In Kaufkraftstandards (KKS), Index (EU-28 = 100), ausgewählte europäische Staaten, 2017

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in Kaufkraftstandards (KKS) (Stand: 06/2018)
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Der Lebensstandard in den einzelnen Staaten der Europäischen Union ist sehr unterschiedlich. Bezogen auf das reale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf reicht die Spanne von der Hälfte des EU-Durchschnitts in Bulgarien bis zum zweieinhalbfachen des EU-Durchschnitts in Luxemburg. Allerdings zeigt sich laut Eurostat eine allgemeine Annäherung zwischen den Staaten. Bei einem Vergleich der Jahre 1995 und 2017 haben sich lediglich sechs der 28 EU-Staaten vom durchschnittlichen Lebensstandard in der EU entfernt. Während beispielsweise die Indexwerte Griechenlands und Zyperns gegenüber 1995 und noch deutlicher gegenüber 2009 gesunken sind, lagen die Indexwerte von Irland und Luxemburg bereits 1995 über dem EU-Durchschnitt und haben sich seitdem weiter erhöht.

Fakten

Bei einem Vergleich des Lebensstandards in einzelnen europäischen Staaten ist es sinnvoll, einen Indikator zu nutzen, der nicht durch die absolute Einwohnerzahl der Staaten beeinflusst wird. Daher wird hier nicht das gesamte Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Staaten betrachtet, sondern das BIP pro Kopf. Zudem wird das BIP pro Kopf von Euro in Kaufkraftstandards (KKS) umgerechnet – somit werden die Unterschiede im Preisniveau bzw. die Kaufkraft der einzelnen Währungen berücksichtigt.

In keinem Staat Europas lag das BIP pro Kopf in KKS im Jahr 2017 annähernd so hoch wie in Luxemburg, wo der Indexwert mit 253 gut zweieinhalbmal so hoch war wie im Durchschnitt der Europäischen Union (EU-28 = 100). Laut Eurostat lässt sich dieser hohe Wert zum Teil durch die hohe Zahl an Grenzgängern aus Belgien, Deutschland und Frankreich erklären. Innerhalb der EU folgten auf Luxemburg Irland (184), die Niederlande und Österreich (128), Dänemark (125), Deutschland (123) und Schweden (122). Am niedrigsten war das BIP pro Kopf in KKS im Jahr 2017 in Bulgarien (49), Kroatien (61), Rumänien (63), Lettland und Griechenland (67), Ungarn (68) und Polen (70). Außerhalb der EU lag das BIP pro Kopf in der Schweiz (158), in Norwegen (150) und Island (130) klar über dem EU-Durchschnitt. In Albanien sowie in Bosnien und Herzegowina betrug das BIP pro Kopf in KKS weniger als ein Drittel des EU-Durchschnitts, in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien sowie in Serbien lag es bei gut einem Drittel. Das BIP pro Kopf in KKS in Montenegro (46) sowie in der Türkei (65) lag ebenfalls deutlich unter dem EU-Durchschnitt.

Bezogen auf das BIP pro Kopf in KKS zeigt sich laut Eurostat eine allgemeine Annäherung beim Lebensstandard in der EU. Bei einem Vergleich der Jahre 1995 und 2017 war von den Staaten, deren Indexwert 1995 unter dem EU-Durchschnitt lag, die Annäherung an den EU-Durchschnitt in den baltischen Staaten Litauen, Estland und Lettland relativ am stärksten. Darauf folgten Rumänien, Polen, die Slowakei, Bulgarien, Ungarn und Kroatien. Gleichzeitig näherten sich acht EU-Staaten dem EU-Indexwert von der anderen Seite der Skala an: In Italien, Frankreich und dem Vereinigten Königreich sind dabei die einzelnen Indexwerte relativ am stärksten gesunken – in Italien sogar so stark, dass der Indexwert Italiens 1995 über dem EU-Indexwert lag und 2017 darunter (123/96). Es gibt aber auch Staaten, die sich vom EU-Durchschnitt entfernt haben: In Griechenland fiel der Indexwert zwischen 1995 und 2017 von 85 auf 67, in Zypern von 95 auf 84 und in Portugal von 80 auf 77. Auch Irland und Luxemburg entfernten sich vom Indexwert der EU – allerdings lagen dort die Indexwerte bereits 1995 über dem EU-Durchschnitt und haben sich bis 2017 weiter erhöht (105/184 bzw. 219/253).

Insbesondere bei den ost- und südosteuropäischen EU-Staaten erfolgte die Annäherung an den EU-Indexwert in den letzten 15 bis 20 Jahren kontinuierlich. Aber auch bei vielen anderen EU-Staaten verlief die Entwicklung stetig – jedoch nicht bei allen: So war der Indexwert Irlands 2017 deutlich höher als 1995 (184 gegenüber 105), in den Jahren 2007/2009 war er allerdings von 148 auf 129 gefallen. Weiter wird das Ausmaß der Krise in Griechenland und Zypern erst deutlich, wenn die Indexwerte des Jahres 2017 (67 bzw. 84) nicht mit denen des Jahres 1995 (85 bzw. 95), sondern mit denen des Jahres 2009 (94 bzw. 105) in Beziehung gesetzt werden. In Spanien und Finnland lag der jeweilige Indexwert sowohl 1995 (90 bzw. 108) als auch 2017 (92 bzw. 109) unter dem Wert von 2007 (103 bzw. 119). Generell ist dabei zu beachten, dass die Indexwerte der einzelnen Staaten Jahr für Jahr in Beziehung zum jeweiligen Durchschnittswert der EU gesetzt werden (siehe Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen).

Von den 32 europäischen Staaten, für die sowohl für das Jahr 1995 als auch für 2017 Daten von Eurostat vorliegen, machte Irland in Bezug auf das BIP pro Kopf in KKS und die Positionierung der Staaten untereinander den größten Sprung – und zwar von Rang 15 auf Rang 2. Litauen verbesserte seine Position von Rang 29 auf Rang 21, Estland von Rang 28 auf Rang 22 und Malta von Rang 20 auf Rang 15. Lettland lag 2017 vier Ränge höher, Slowenien und Tschechien lagen jeweils drei Ränge höher als 1995. Hingegen rutschte Griechenland von Rang 18 auf Rang 27, Kroatien von Rang 25 auf Rang 31 und Deutschland von Rang 4 auf Rang 9. Für Italien und Zypern verschlechterte sich die Position jeweils um vier Ränge, für Bulgarien, Portugal und Ungarn jeweils um drei.

Datenquelle

Eurostat: Online-Datenbank: Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in Kaufkraftstandards (KKS) (06/2018)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist ein Maß für die wirtschaftliche Tätigkeit in einer Volkswirtschaft. Es ist definiert als Wert aller neu geschaffenen Waren und Dienstleistungen, abzüglich des Wertes aller dabei als Vorleistungen verbrauchten Güter und Dienstleistungen.

Der Volumenindex des BIP in Kaufkraftstandards (KKS) pro Kopf wird relativ zum Durchschnitt der Europäischen Union (EU-28 = 100) ausgedrückt. Ist der Indexwert eines Landes größer als 100, so hat dieses Land ein BIP pro Kopf über dem EU-Durchschnitt (und umgekehrt). Die zugrunde liegenden Zahlen sind in KKS ausgedrückt, einer einheitlichen Währung, die Preisniveauunterschiede zwischen Ländern ausgleicht und damit aussagekräftige BIP-Volumenvergleiche erlaubt. Dabei ist zu beachten, dass der Index auf der Basis von KKS primär für Vergleiche zwischen Ländern beziehungsweise für den Vergleich mit der EU und nicht für Periodenvergleiche gedacht ist.

Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf

In Kaufkraftstandards (KKS), Index (EU-28 = 100), ausgewählte europäische Staaten, 2017

1

Europäische Union (28 Länder) 100
Euroraum (19 Länder) 106
Luxemburg 253
Irland 184
Schweiz 158
Norwegen 150
Island 130
Niederlande 128
Österreich 128
Dänemark 125
Deutschland 123
Schweden 122
Belgien 117
Finnland 109
Vereinigtes Königreich 105
Frankreich 104
Italien 96
Malta 96
Spanien 92
Tschechien 89
Slowenien 85
Zypern 84
Litauen 78
Estland 77
Portugal 77
Slowakei 77
Polen 70
Ungarn 68
Griechenland 67
Lettland 67
Türkei 65
Rumänien 63
Kroatien 61
Bulgarien 49
Montenegro 46
Mazedonien, ehem. jug.Rep. 37
Serbien 37
Bosnien und Herzegowina 32
Albanien 29

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in Kaufkraftstandards (KKS) (Stand: 06/2018)


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