Zahlen und Fakten: Europa

Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf

In Kaufkraftstandards (KKS), Index (EU-28 = 100), ausgewählte europ. Staaten, 2015

Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in Kaufkraftstandards (KKS) (Stand: 10/2016)
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

1.11.2016
Der Lebensstandard in den einzelnen Staaten der Europäischen Union ist sehr unterschiedlich. Bezogen auf das reale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf reicht die Spanne von der Hälfte des EU-Durchschnitts in Bulgarien bis zum zweieinhalbfachen des EU-Durchschnitts in Luxemburg. Allerdings zeigt sich laut Eurostat eine allgemeine Annäherung zwischen den Staaten. Zwischen 1995 und 2015 haben sich lediglich sechs der 28 EU-Staaten vom durchschnittlichen Lebensstandard in der EU entfernt: Während die Indexwerte Griechenlands und Zyperns gegenüber 1995 bzw. insbesondere gegenüber 2009 gesunken sind, lagen die Indexwerte von Irland, Luxemburg, Finnland und den Niederlanden bereits 1995 über dem EU-Durchschnitt und haben sich seitdem weiter erhöht.

Fakten



Bei einem Vergleich des Lebensstandards in einzelnen europäischen Staaten ist es sinnvoll, einen Indikator zu nutzen, der nicht durch die absolute Einwohnerzahl der Staaten beeinflusst wird. Daher wird hier nicht das gesamte Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Staaten betrachtet, sondern das BIP pro Kopf. Zudem wird das BIP pro Kopf von Euro in Kaufkraftstandards (KKS) umgerechnet – somit werden die Unterschiede im Preisniveau bzw. die Kaufkraft der einzelnen Währungen berücksichtigt.

In keinem Staat Europas lag das BIP pro Kopf in KKS im Jahr 2015 annähernd so hoch wie in Luxemburg, wo der Indexwert mit 271 deutlich mehr als zweieinhalbmal so hoch war wie im Durchschnitt der Europäischen Union (EU-28 = 100). Laut Eurostat lässt sich dieser hohe Wert zum Teil durch die hohe Zahl an Grenzgängern aus Belgien, Deutschland und Frankreich erklären. Innerhalb der EU folgten auf Luxemburg Irland (145), die Niederlande (129), Österreich (127), Deutschland (125) und Dänemark (124). Am niedrigsten war das BIP pro Kopf in KKS im Jahr 2015 in Bulgarien (46), Rumänien (57), Kroatien (58), Lettland (64), Ungarn und Polen (68/69). Außerhalb der EU lag das BIP pro Kopf in Norwegen (163), der Schweiz (162) und Island (124) klar über dem EU-Durchschnitt. In Albanien sowie in Bosnien und Herzegowina betrug das BIP pro Kopf in KKS weniger als ein Drittel des EU-Durchschnitts, in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien sowie in Serbien lag es bei gut einem Drittel. Das BIP pro Kopf in KKS in Montenegro (41) sowie in der Türkei (53) lag ebenfalls deutlich unter dem EU-Durchschnitt.

Bezogen auf das BIP pro Kopf in KKS zeigt sich laut Eurostat eine allgemeine Annäherung beim Lebensstandard in der EU. Bei einem Vergleich der Jahre 1995 und 2015 war von den Staaten, deren Indexwert 1995 unter dem EU-Durchschnitt lag, die Annäherung an den EU-Durchschnitt in den baltischen Staaten Litauen, Estland und Lettland relativ am stärksten. Darauf folgten Rumänien, Polen, die Slowakei, Bulgarien, Ungarn und Kroatien. Parallel näherten sich acht EU-Staaten dem EU-Indexwert von der anderen Seite der Skala an: In Italien, Belgien, Frankreich und dem Vereinigten Königreich sind dabei die einzelnen Indexwerte relativ am stärksten gesunken – in Italien sogar so stark, dass der Indexwert Italiens 1995 über dem EU-Indexwert lag und 2015 darunter (122/95). Es gibt aber auch Staaten, die sich vom EU-Durchschnitt entfernt haben: In Griechenland fiel der Indexwert zwischen 1995 und 2015 von 85 auf 71 und in Zypern von 92 auf 81. Auch Irland, Luxemburg, Finnland sowie die Niederlande entfernten sich vom Indexwert der EU – dort lagen die Indexwerte bereits 1995 über dem EU-Durchschnitt und haben sich bis 2015 weiter erhöht.

Insbesondere bei den ost- und südosteuropäischen EU-Staaten erfolgte die Annäherung an den EU-Indexwert in den letzten 15 bis 20 Jahren kontinuierlich. Aber auch bei vielen anderen EU-Staaten verlief die Entwicklung stetig – jedoch nicht bei allen: So war der Indexwert Irlands 2015 deutlich höher als 1995 (145 gegenüber 103), in den Jahren 2007/2009 war er allerdings von 146 auf 129 gefallen. Weiter wird das Ausmaß der gegenwärtigen Krise in Griechenland und Zypern erst deutlich, wenn die Indexwerte des Jahres 2015 (71 bzw. 81) nicht mit denen des Jahres 1995 (85 bzw. 92), sondern mit denen des Jahres 2009 (94 bzw. 105) in Beziehung gesetzt werden. Und auch in Spanien stieg der Indexwert zwischen 1995 und 2007 zunächst von 90 auf 103, hat sich aber bis 2014/2015 auf 91/92 verringert. Dabei ist zu beachten, dass die Indexwerte der einzelnen Staaten Jahr für Jahr in Beziehung zum jeweiligen Durchschnittswert der EU gesetzt werden (siehe Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen).

Von den 32 europäischen Staaten, für die sowohl für das Jahr 1995 als auch für 2015 Daten von Eurostat vorliegen, machte Irland in Bezug auf das BIP pro Kopf in KKS und die Positionierung der Staaten untereinander den größten Sprung – und zwar von Rang 15 auf Rang 4. Litauen verbesserte seine Position von Rang 29 auf Rang 24, Estland von Rang 27 auf Rang 23. Die Niederlande und Slowenien lagen 2015 jeweils drei Ränge höher als 1995. Hingegen rutschte Griechenland von Rang 19 auf Rang 25. Für Bulgarien, Italien, Kroatien, Ungarn sowie Zypern verschlechterte sich die Position jeweils um vier Ränge. Deutschland rangierte 2015 auf Rang 7 und damit einen Rang niedriger als 1995.

Neben dem Vergleich auf innereuropäischer Ebene vergleicht Eurostat das BIP pro Kopf der EU auch mit dem in Japan und in den USA. Das BIP pro Kopf in KKS in Japan hat sich dem EU-Durchschnitt – der auch hier in allen Jahren gleich 100 gesetzt wird – zwischen 1995 und 2009 kontinuierlich von 127 auf 98 angenähert (2015: 99). Das BIP pro Kopf der USA nähert sich dem EU-Durchschnitt allenfalls unstet an: Zwischen 1995 und 1999 bzw. zwischen 2002 und 2005 stieg der Indexwert von 160 auf 163 bzw. von 154 auf 159. Bis 2011 sank der Indexwert der USA auf 144, 2015 lag er bei 148.

Datenquelle



Eurostat: Online-Datenbank: Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in Kaufkraftstandards (KKS) (10/2016)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist ein Maß für die wirtschaftliche Tätigkeit in einer Volkswirtschaft. Es ist definiert als Wert aller neu geschaffenen Waren und Dienstleistungen, abzüglich des Wertes aller dabei als Vorleistungen verbrauchten Güter und Dienstleistungen.

Der Volumenindex des BIP in Kaufkraftstandards (KKS) pro Kopf wird relativ zum Durchschnitt der Europäischen Union (EU-28 = 100) ausgedrückt. Ist der Indexwert eines Landes größer als 100, so hat dieses Land ein BIP pro Kopf über dem EU-Durchschnitt (und umgekehrt). Die zugrunde liegenden Zahlen sind in KKS ausgedrückt, einer einheitlichen Währung, die Preisniveauunterschiede zwischen Ländern ausgleicht und damit aussagekräftige BIP-Volumenvergleiche erlaubt. Dabei ist zu beachten, dass der Index auf der Basis von KKS primär für Vergleiche zwischen Ländern beziehungsweise für den Vergleich mit der EU und nicht für Periodenvergleiche gedacht ist.

Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf

In Kaufkraftstandards (KKS), Index (EU-28 = 100), ausgewählte europäische Staaten, 2015

Europäische Union (28 Länder) 100
Euroraum (19 Länder) 106
Luxemburg 271
Norwegen 163
Schweiz 162
Irland 145
Niederlande 129
Österreich 127
Deutschland 125
Dänemark 124
Island 124
Schweden 123
Belgien 117
Vereinigtes Königreich 110
Finnland 108
Frankreich 106
Italien 95
Spanien 92
Malta 89
Tschechische Republik 85
Slowenien 83
Zypern 81
Portugal 77
Slowakei 77
Estland 74
Litauen 74
Griechenland 71
Polen 69
Ungarn 68
Lettland 64
Kroatien 58
Rumänien 57
Türkei 53
Bulgarien 46
Montenegro 41
Mazedonien, ehem. j.R. 37
Serbien 36
Albanien 30
Bosnien und Herzegowina 29

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in Kaufkraftstandards (KKS) (Stand: 10/2016)


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