Zahlen und Fakten: Europa

Binnenhandel der EU

23.7.2011
Bezogen auf die Ex- und Importe wickelte die EU im Jahr 2010 knapp zwei Drittel ihres Warenhandels innerhalb der eigenen Grenzen ab. Für einzelne Mitgliedstaaten ist die Bedeutung des Binnenmarktes sogar noch größer.

Binnenhandel der EU, 2010Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Im Jahr 2010 exportierten die einzelnen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) Waren im Wert von 3.887 Milliarden Euro. Dabei wurden Waren im Wert von 2.538 Milliarden Euro (65,3 Prozent) in andere EU-Mitgliedstaaten exportiert und ein Warenwert in Höhe von 1.349 Milliarden Euro (34,7 Prozent) entfiel auf den Export in die Staaten außerhalb der EU.

Auch bei den Einfuhren ist die Bedeutung des intraregionalen Handels – also des Handels innerhalb der Region – hoch: Vom Gesamtimport der 27 EU-Mitgliedstaaten in Höhe von 3.963 Milliarden Euro entfielen 2.461 Milliarden Euro (62,1 Prozent) auf den Handel innerhalb der EU. Waren im Wert von 1.502 Milliarden Euro (37,9 Prozent) stammten aus Staaten außerhalb der EU.

Bezogen auf die Ex- und Importe wickelte die EU im Jahr 2010 knapp zwei Drittel ihres Warenhandels innerhalb der eigenen Grenzen ab. Für einzelne Mitgliedstaaten ist die Bedeutung des Binnenmarktes sogar noch größer. Bei sieben Staaten lag der Anteil der innerhalb der EU exportierten Waren am Gesamtexport im Jahr 2010 bei 75 oder mehr Prozent. Dabei lag der entsprechende Wert in der Slowakei, der Tschechischen Republik und in Luxemburg sogar bei 84 oder mehr Prozent.

Nur in Malta haben die Waren, die in Staaten außerhalb der EU exportiert wurden, mit 58,2 Prozent einen höheren Anteil am Gesamtexport als die Waren, die auf den Intra-EU-Export entfielen (2010: 41,8 Prozent). Deutschland exportierte 2010 Waren im Wert von 578 Milliarden Euro in andere EU-Mitgliedstaaten und im Wert von 379 Milliarden Euro in Staaten außerhalb der EU-27. Entsprechend hatten die Intra-EU-Ausfuhren einen Anteil von 60,4 Prozent am Gesamtexport Deutschlands.

Die Staaten Luxemburg, Estland, Österreich, Lettland und Portugal bezogen 2010 mehr als 75 Prozent ihrer Gesamtimporte aus anderen EU-Mitgliedstaaten. Bei weiteren sechs Staaten lag der entsprechende Anteil zwischen 70 und 75 Prozent. Der Wert der Waren, die Deutschland 2010 aus anderen EU-Staaten importierte, lag bei 512 Milliarden Euro. Der Einfuhrwert der Waren aus Staaten außerhalb der EU lag im selben Jahr bei 292 Milliarden Euro. Der Intra-EU-Import hatte demnach einen Anteil von 63,7 Prozent am Gesamtimport Deutschlands.

Wird nur der EU-Binnenmarkt betrachtet, waren – bezogen auf den Warenwert – Deutschland (578 Mrd. Euro), die Niederlande (333 Mrd. Euro), Frankreich (239 Mrd. Euro), Belgien (227 Mrd. Euro) und Italien (193 Mrd. Euro) die größten Exporteure innerhalb der EU – 61,9 Prozent der Intra-EU-Ausfuhren entfielen allein auf diese fünf Staaten. Die größten Importeure waren Deutschland (512 Mrd. Euro), Frankreich (312 Mrd. Euro), Großbritannien (217 Mrd. Euro), Belgien (206 Mrd. Euro) und wiederum Italien (200 Mrd. Euro) – der Anteil dieser fünf Staaten an den Intra-EU-Einfuhren lag im Jahr 2010 bei 58,8 Prozent.

Bezogen auf den Intra-EU-Handel hatten im Jahr 2010 die Niederlande (plus 151,1 Mrd. Euro), Deutschland (plus 65,9 Mrd. Euro), Belgien (plus 21,2 Mrd. Euro), Irland (plus 20,8 Mrd. Euro) und die Tschechische Republik (plus 12,9 Mrd. Euro) die höchsten Handelsbilanzüberschüsse. Dabei beruht der hohe Handelsbilanzüberschuss der Niederlande zum Teil darauf, dass die Niederlande als Handelsumschlagsplatz zahlreiche Güter importieren, um sie verarbeitet oder unverarbeitet in andere EU-Mitgliedstaaten zu exportieren. Auf der anderen Seite hatten im selben Jahr Frankreich (minus 73,1 Mrd. Euro), Großbritannien (minus 52,4 Mrd. Euro), Portugal (minus 15,6 Mrd. Euro), Griechenland (minus 14,2 Mrd. Euro) und Spanien (minus 10,9 Mrd. Euro) die höchsten Handelsbilanzdefizite.

Ausgehend vom Warenwert war Frankreich im Jahr 2010 der größte Importeur von Waren aus Deutschland (9,5 Prozent des deutschen Gesamtexports). Darauf folgten die USA und dann wieder drei Staaten der EU: die Niederlande (6,6 Prozent), Großbritannien (6,2 Prozent) und Italien (6,1 Prozent). Bei den Einfuhren nach Deutschland stand mit China kein europäischer Staat an der Spitze, aber den zweiten und dritten Platz belegten die Niederlande (8,5 Prozent des Gesamtimports) und Frankreich (7,7 Prozent). Nach den USA stand Italien auf Platz 5 (5,4 Prozent).

Werden die Außenhandelsumsätze – also Einfuhren und Ausfuhren – zusammen betrachtet, war Frankreich mit einem Umsatz von 152,4 Milliarden Euro der wichtigste Handelspartner Deutschlands im Jahr 2010. 8,6 Prozent des gesamten Außenhandelsumsatzes von Deutschland entfielen auf den Handel mit Frankreich. Und auch der Handelsbilanzüberschuss gegenüber Frankreich war mit 28,9 Milliarden Euro größer als gegenüber jedem anderen Land im Jahr 2010. Bezogen auf die Mitgliedstaaten der EU folgten darauf Großbritannien (20,9 Mrd. Euro), Österreich (19,4 Mrd. Euro) und Italien (14,8 Mrd. Euro). Die größten Handelsbilanzdefizite hatte Deutschland innerhalb der EU gegenüber Irland (9,9 Mrd. Euro), den Niederlanden (5,5 Mrd. Euro) und der Tschechischen Republik (2,7 Mrd. Euro).

Datenquelle



Eurostat: Online-Datenbank: Intra-Handel der EU-27, Extra-Handel der EU-27, EU-Anteil am Welthandel (Stand: 06/2011)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die Handelsbilanz ist auf einen Zeitraum bezogen und gibt den Saldo der Warenausfuhren und -einfuhren eines Staates oder einer Staatengruppe an. Bei einem Handelsbilanzüberschuss bzw. -defizit erhöht sich die Gläubiger- bzw. Schuldnerposition gegenüber dem Ausland. Da die Handelsbilanz eine Teilbilanz der Leistungsbilanz ist, kann ein Ungleichgewicht der Handelsbilanz durch die Salden anderer Teilbilanzen ausgeglichen werden.

Informationen zum "Außenhandel der EU-27" erhalten Sie hier...

Informationen zum Thema "Haupthandelsströme – Erdöl und Erdgas – Europa" erhalten Sie hier...

Tabelle: Binnenhandel der EU



Anteil des Warenhandels innerhalb der EU-27 an den gesamten Ex- und Importen der Mitgliedstaaten in Prozent, Gesamtex- und importe in absoluten Zahlen, 2010

Exporte   Importe
insgesamt*,
in Mio. Euro
davon
innerhalb
der EU,
in Prozent
insgesamt*,
in Mio. Euro
davon
innerhalb
der EU,
in Prozent
3.887.171 65,3 Europäische Union (EU) 3.962.964 62,1
 
49.291 84,6 Slowakei 50.206 72,6
14.793 84,0 Luxemburg 18.091 81,5
100.213 84,0 Tschechische Republik 95.211 74,8
117.486 78,6 Polen 130.986 70,1
71.990 77,1 Ungarn 66.470 67,7
432.496 77,0 Niederlande 389.927 46,7
36.771 75,0 Portugal 57.062 75,7
310.947 73,1 Belgien 294.519 70,0
37.264 72,2 Rumänien 46.764 72,5
22.212 71,4 Slowenien 22.658 67,8
114.893 71,2 Österreich 119.750 77,4
8.753 68,6 Estland 9.242 79,7
185.289 67,8 Spanien 237.097 57,6
7.158 67,1 Lettland 8.745 75,9
1.065 66,2 Zypern 6.411 69,7
73.682 66,0 Dänemark 64.002 70,6
16.149 62,3 Griechenland 47.652 50,9
15.716 61,1 Litauen 17.650 56,6
15.589 60,9 Bulgarien 19.162 58,7
392.745 60,8 Frankreich 456.895 68,3
957.135 60,4 Deutschland 804.737 63,7
88.105 58,2 Irland 45.283 67,2
119.419 57,3 Schweden 112.174 67,1
337.584 57,2 Italien 364.950 54,9
52.523 55,3 Finnland 51.679 64,2
306.002 53,9 Großbritannien 422.491 51,4
1.902 41,8 Malta 3.150 64,0

* Extra- und Intra-Handel der EU

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Intra-Handel der EU-27, Extra-Handel der EU-27 (Stand: 06/2011)


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