Zahlen und Fakten: Europa

Nettozahler und Nettoempfänger in der EU

Haushaltssalden der Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU), verschiedene Bezugsgrößen, 2013

Nettozahler und Nettoempfänger

Quelle: Europäische Kommission: EU-Haushalt 2013 – Finanzbericht; Eurostat: Online-Datenbank
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

27.12.2015
Die Frage, ob sich mit der EU-Mitgliedschaft für einen Staat mehr Vor- oder Nachteile verbinden, lässt sich nicht mit einer buchhalterischen Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben bezogen auf den EU-Haushalt beantworten. Trotzdem wird dieses Thema gerade bei den "Nettozahlern" wiederkehrend diskutiert. Umso wichtiger ist es, nicht nur die absolute Höhe der geleisteten Zahlungen der Staaten zu betrachten, sondern diese auch in Bezug zu der jeweiligen Wirtschaftskraft und Bevölkerungszahl zu setzen – in den Jahren 2012/2013 war bei dieser Betrachtungsweise Schweden der größte Nettozahler.

Fakten



Aus der Differenz zwischen den finanziellen Leistungen, die die einzelnen Mitgliedstaaten an die Europäische Union (EU) abführen und den Leistungen, die sie von der EU erhalten, ergibt sich aus der Sicht der Mitgliedstaaten entweder ein positiver Saldo (Nettoempfänger) oder ein negativer Saldo (Nettozahler). Allerdings gibt es zahlreiche Faktoren, die die Ausgaben und Einnahmen der Staaten ungleichmäßig beeinflussen. So führen beispielsweise Küstenländer mit internationalen Häfen – wie die Niederlande – erhebliche Zolleinnahmen für importierte Güter ab, die in andere Mitgliedstaaten weitergeliefert werden. Andere Staaten – wie zum Beispiel Belgien – erhalten Kostenerstattungen für den Sitz großer EU-Organe. Die von der Europäischen Kommission berechneten "operativen Haushaltssalden" ermöglichen einen Vergleich, bei dem diese Faktoren weitgehend herausgerechnet werden.

Nach Angaben der Europäischen Kommission und bezogen auf das jeweilige Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Staaten war im Jahr 2013 Schweden der größte Nettozahler der EU. Der negative Haushaltssaldo Schwedens entsprach 0,51 Prozent des BIP. Darauf folgten Dänemark und Deutschland (jeweils minus 0,49 Prozent), das Vereinigte Königreich und die Niederlande (minus 0,46 bzw. 0,45 Prozent) sowie Österreich, Belgien und Frankreich (jeweils minus 0,40 Prozent). Auf der anderen Seite waren die größten Nettoempfänger im Jahr 2013 Ungarn und Bulgarien (plus 5,33 bzw. 3,91 Prozent des BIP) sowie die drei baltischen Staaten Litauen, Estland und Lettland (plus 4,54 / 4,33 / 3,44 Prozent).

Eine etwas andere Reihenfolge ergibt sich, wenn die operativen Haushaltssalden auf die jeweilige Bevölkerung der Mitgliedstaaten bezogen werden. Mit durchschnittlich 232 bzw. 228 Euro pro Kopf zahlte 2013 niemand so viel an die EU wie die Bürgerinnen und Bürger Schwedens und Dänemarks. Auch Deutschland (172 Euro), die Niederlande (159 Euro), Österreich (148 Euro), Belgien (138 Euro) und das Vereinigte Königreich (135 Euro) führten mehr als 130 Euro pro Kopf an die EU ab. Hingegen erhielt Estland rein rechnerisch 584 Euro pro Kopf von der EU. Und auch in Litauen (510 Euro), Ungarn (500 Euro), Griechenland (486 Euro) sowie in Portugal (421 Euro) lag der positive Haushaltssaldo 2013 bei mehr als 400 Euro pro Kopf.

Bezogen auf die absoluten Zahlen lag Deutschland im Jahr 2013 erneut auf Platz eins aller EU-Mitgliedstaaten: Der negative Haushaltssaldo Deutschlands lag bei 13,82 Milliarden Euro. Darauf folgten das Vereinigte Königreich (minus 8,64 Mrd. Euro), Frankreich (minus 8,45 Mrd. Euro), Italien (minus 3,79 Mrd. Euro), die Niederlande (minus 2,68 Mrd. Euro) und Schweden (minus 2,22 Mrd. Euro). Auf der anderen Seite waren bezogen auf die absoluten Zahlen Polen (plus 12,24 Mrd. Euro), Griechenland (plus 5,34 Mrd. Euro), Ungarn (plus 4,95 Mrd. Euro), Portugal (plus 4,42 Mrd. Euro) und Rumänien (plus 4,14 Mrd. Euro) die größten Nettoempfänger.

Bei diesen Rankings ist allerdings zu beachten, dass es sich um eine rein buchhalterische Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben bezogen auf den EU-Haushalt handelt. Die Frage, ob sich mit der EU-Mitgliedschaft für einen Staat mehr Vorteile oder mehr Nachteile verbinden, lässt sich nicht mit einer ausschließlichen Betrachtung des jeweiligen Saldos beantworten, da dieser zahlreiche Faktoren ausblendet. So zum Beispiel die Vorteile, die durch die politische Stabilität und Sicherheit, den freien Personenverkehr, den Binnenmarkt oder den Euro als Leitwährung entstehen.

Zudem fördert die EU laut Artikel 3 des Vertrags über die Europäische Union (EUV) "den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt und die Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten". Und auch nach Artikel 174 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) setzt sich die Union "insbesondere zum Ziel, die Unterschiede im Entwicklungsstand der verschiedenen Regionen und den Rückstand der am stärksten benachteiligten Gebiete zu verringern". Abseits dieser vertraglichen Verankerung des Ausgleichs zwischen den EU-Mitgliedern ist auch dessen Wirkung nicht auf nationale Grenzen beschränkt: So fließt beispielsweise ein Teil der geschaffenen Nachfrage – direkt oder mittelfristig – zurück in die Nettozahlerländer oder die dortigen Verbraucher profitieren von Zahlungen im Agrarbereich.

Datenquelle



Europäische Kommission: EU-Haushalt 2013 – Finanzbericht; Eurostat: Online-Datenbank; Amtsblatt der Europäischen Union: Konsolidierte Fassungen des Vertrags über die Europäische Union und des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (26. Oktober 2012)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die operativen Haushaltssalden der Mitgliedstaaten werden als Differenz ermittelt zwischen den operativen Ausgaben (ausgenommen Verwaltung), die jedem Mitgliedstaat zugerechnet werden, und dem angepassten "nationalen Beitrag" jedes Mitgliedstaats. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem Abschnitt "Methode und Berechnung" im PDF-Icon Finanzbericht zum EU-Haushalt 2013 (PDF-Version: 8.800 KB).

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.

Nettozahler und Nettoempfänger in der EU

Haushaltssalden der Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU), verschiedene Bezugsgrößen, 2013

Staaten Haushaltssalden 1
Anteil am BIP 2,
in Prozent
Euro pro Kopf in Mio. Euro
Schweden -0,51 -232,4 -2.220,7
Dänemark -0,49 -227,9 -1.277,1
Deutschland -0,49 -171,7 -13.824,8
Vereinigtes Königreich -0,46 -135,2 -8.641,7
Niederlande -0,45 -159,4 -2.675,1
Österreich -0,40 -148,1 -1.251,7
Belgien -0,40 -138,1 -1.541,1
Frankreich -0,40 -128,8 -8.445,7
Finnland -0,31 -111,3 -604,0
Italien -0,24 -63,5 -3.789,9
Luxemburg -0,22 -129,2 -69,4
Kroatien 0,12 11,6 49,6
Irland 0,20 60,8 279,1
Zypern 0,25 46,7 40,4
Spanien 0,30 65,4 3.058,3
Slowenien 1,22 208,5 429,2
Malta 1,31 208,8 88,0
Slowakei 1,83 237,9 1.287,4
Tschechische Republik 2,44 323,4 3.401,1
Portugal 2,72 421,1 4.416,7
Griechenland 2,94 485,9 5.340,7
Rumänien 2,99 206,9 4.142,8
Polen 3,29 321,5 12.237,1
Lettland 3,44 395,9 801,2
Bulgarien 3,91 209,9 1.529,0
Estland 4,33 584,3 771,4
Litauen 4,54 509,6 1.514,5
Ungarn 5,33 500,0 4.954,5

1 operative Haushaltssalden nach Angaben der Europäischen Kommission
2 Bruttoinlandsprodukt


Quelle: Europäische Kommission: EU-Haushalt 2013 - Finanzbericht; Eurostat: Online-Datenbank



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