Top 5 Nettozahler und Nettoempfänger der EU
18.10.2012
Mit durchschnittlich 150 Euro pro Kopf zahlte 2011 niemand so viel an die EU wie die Bürgerinnen und Bürger Dänemarks. Auch in Luxemburg, Schweden, den Niederlanden, Belgien, Finnland und Deutschland waren es mehr als 100 Euro pro Kopf.
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Aus der Differenz zwischen den finanziellen Leistungen, die die einzelnen Mitgliedstaaten an die Europäische Union (EU) abführen und den Leistungen, die sie von der EU erhalten, ergibt sich aus der Sicht der Mitgliedstaaten entweder ein positiver Saldo (Nettoempfänger) oder ein negativer Saldo (Nettozahler). Allerdings gibt es zahlreiche Faktoren, die die Ausgaben und Einnahmen der Staaten ungleichmäßig beeinflussen. So führen beispielsweise Küstenländer mit internationalen Häfen – wie die Niederlande – erhebliche Zolleinnahmen für importierte Güter ab, die in andere Mitgliedstaaten weitergeliefert werden. Andere Staaten – wie zum Beispiel Belgien – erhalten Kostenerstattungen für den Sitz großer EU-Organe. Die von der Europäischen Kommission berechneten "operativen Haushaltssalden" ermöglichen einen Vergleich, bei dem diese Faktoren weitgehend herausgerechnet werden.
Nach Angaben der Europäischen Kommission und bezogen auf das jeweilige Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Staaten war im Jahr 2011 Italien der größte Nettozahler der EU. Der negative Haushaltssaldo Italiens entsprach 0,38 Prozent des BIP. Darauf folgten Belgien und die Niederlande (jeweils minus 0,36 Prozent des BIP) sowie Dänemark und Deutschland (minus 0,34 Prozent). Auf der anderen Seite waren die größten Nettoempfänger im Jahr 2011 Ungarn (plus 4,67 Prozent des BIP), Litauen (plus 4,63 Prozent), Lettland (plus 3,62 Prozent), Polen (plus 3,10 Prozent) und Estland (plus 2,31 Prozent).
Eine andere Reihenfolge ergibt sich, wenn die operativen Haushaltssalden auf die jeweilige Bevölkerung der Mitgliedstaaten bezogen werden. Mit durchschnittlich 150 Euro pro Kopf zahlte 2011 niemand so viel an die EU wie die Bürgerinnen und Bürger Dänemarks. Auch in Luxemburg (147 Euro pro Kopf), Schweden (141 Euro), den Niederlanden (133 Euro), Belgien (125 Euro), Finnland (121 Euro) und Deutschland (110 Euro) wurden mehr als 100 Euro pro Kopf an die EU abgeführt. Hingegen erhielten die Bürgerinnen und Bürger Ungarns rein rechnerisch 442 Euro pro Kopf von der EU. Und auch in Litauen (422 Euro), Griechenland (409 Euro) und Lettland (328 Euro) lag der positive Haushaltssaldo 2011 bei mehr als 300 Euro pro Kopf.
Bezogen auf die absoluten Zahlen lag Deutschland im Jahr 2011 erneut auf Platz eins der 27 EU-Mitgliedstaaten. Der negative Haushaltssaldo Deutschlands lag bei 9,00 Milliarden Euro. Darauf folgten Frankreich (minus 6,41 Mrd. Euro), Italien (minus 5,93 Mrd. Euro), Großbritannien (minus 5,57 Mrd. Euro) und mit etwas größerem Abstand die Niederlande (minus 2,21 Mrd. Euro). Auf der anderen Seite waren bezogen auf die absoluten Zahlen Polen (plus 10,98 Mrd. Euro), Griechenland (plus 4,62 Mrd. Euro), Ungarn (plus 4,42 Mrd. Euro), Spanien (plus 3,00 Mrd. Euro) und Portugal (plus 2,98 Mrd. Euro) die größten Nettoempfänger.
Bei diesen Rankings ist allerdings zu beachten, dass es sich um eine rein buchhalterische Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben bezogen auf den EU-Haushalt handelt. Die Frage, ob sich mit der EU-Mitgliedschaft für einen Staat mehr Vorteile oder mehr Nachteile verbinden, lässt sich nicht mit einer ausschließlichen Betrachtung des jeweiligen Saldos beantworten, da dieser zahlreiche Faktoren ausblendet. So zum Beispiel die Vorteile, die durch die politische Stabilität und Sicherheit, den freien Personenverkehr, den Binnenmarkt oder den Euro als Leitwährung entstehen.
Zudem fördert die EU laut Artikel 3 des Vertrags über die Europäische Union (EUV) "den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt und die Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten." Und auch nach Artikel 174 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) setzt sich die Union "insbesondere zum Ziel, die Unterschiede im Entwicklungsstand der verschiedenen Regionen und den Rückstand der am stärksten benachteiligten Gebiete zu verringern". Abseits dieser vertraglichen Verankerung des Ausgleichs zwischen den EU-Mitgliedern ist auch dessen Wirkung nicht auf nationale Grenzen beschränkt: So fließt beispielsweise ein Teil der geschaffenen Nachfrage – direkt oder mittelfristig – zurück in die Nettozahlerländer oder die dortigen Verbraucher profitieren von Zahlungen im Agrarbereich.
Datenquelle
Europäische Kommission: EU-Haushalt 2011 – Finanzbericht; Amtsblatt der Europäischen Union: Konsolidierte Fassungen des Vertrags über die Europäische Union und des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (30. März 2010)
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Die operativen Haushaltssalden der Mitgliedstaaten werden als Differenz ermittelt zwischen den operativen Ausgaben (ausgenommen Verwaltung), die jedem Mitgliedstaat zugerechnet werden, und dem angepassten "nationalen Beitrag" jedes Mitgliedstaates. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem Abschnitt "Methode und Berechnung" im Finanzbericht zum EU-Haushalt 2010
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.
Tabelle: Nettozahler und Nettoempfänger in der EU
Haushaltssalden der Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU), verschiedene Bezugsgrößen, 2011
| Haushaltssalden* | |||
| in Mio. Euro | Euro pro Kopf |
Anteil am BIP**, in Prozent |
|
| Italien | -5.933,0 | -97,9 | -0,38 |
| Belgien | -1.369,6 | -125,1 | -0,36 |
| Niederlande | -2.214,0 | -132,9 | -0,36 |
| Dänemark | -836,6 | -150,5 | -0,34 |
| Deutschland | -9.002,5 | -110,1 | -0,34 |
| Finnland | -652,1 | -121,3 | -0,34 |
| Schweden | -1.325,4 | -140,8 | -0,33 |
| Großbritannien | -5.565,6 | -89,1 | -0,32 |
| Frankreich | -6.405,8 | -98,5 | -0,31 |
| Österreich | -805,1 | -95,8 | -0,27 |
| Luxemburg | -75,0 | -146,5 | -0,24 |
| Zypern | 6,9 | 8,2 | 0,04 |
| Spanien | 2.995,0 | 64,9 | 0,29 |
| Irland | 383,8 | 85,7 | 0,31 |
| Tschechische Republik | 1.455,2 | 138,2 | 1,01 |
| Rumänien | 1.451,5 | 67,8 | 1,08 |
| Malta | 67,0 | 160,4 | 1,15 |
| Slowenien | 490,1 | 239,1 | 1,40 |
| Slowakei | 1.160,6 | 213,5 | 1,71 |
| Portugal | 2.983,7 | 280,5 | 1,81 |
| Bulgarien | 725,4 | 96,7 | 1,94 |
| Griechenland | 4.622,6 | 408,7 | 2,22 |
| Estland | 350,4 | 261,5 | 2,31 |
| Polen | 10.975,1 | 287,3 | 3,10 |
| Lettland | 731,3 | 328,0 | 3,62 |
| Litauen | 1.368,0 | 421,6 | 4,63 |
| Ungarn | 4.418,3 | 442,5 | 4,67 |
* operative Haushaltssalden nach Angaben der Europäischen Kommission
** Bruttoinlandsprodukt
Quelle: Europäische Kommission: EU-Haushalt 2011 – Finanzbericht
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