Zahlen und Fakten: Europa

Top 5 Nettozahler und Nettoempfänger der EU

29.1.2014
Mit durchschnittlich 203 bzw. 202 Euro pro Kopf zahlte 2012 niemand so viel an die EU wie die Bürgerinnen und Bürger Schwedens und Dänemarks. Auch in Luxemburg, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Österreich und Frankreich wurden mehr als 125 Euro pro Kopf an die EU abgeführt.

Top 5 Nettozahler und Nettoempfänger der EUKlicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Aus der Differenz zwischen den finanziellen Leistungen, die die einzelnen Mitgliedstaaten an die Europäische Union (EU) abführen und den Leistungen, die sie von der EU erhalten, ergibt sich aus der Sicht der Mitgliedstaaten entweder ein positiver Saldo (Nettoempfänger) oder ein negativer Saldo (Nettozahler). Allerdings gibt es zahlreiche Faktoren, die die Ausgaben und Einnahmen der Staaten ungleichmäßig beeinflussen. So führen beispielsweise Küstenländer mit internationalen Häfen – wie die Niederlande – erhebliche Zolleinnahmen für importierte Güter ab, die in andere Mitgliedstaaten weitergeliefert werden. Andere Staaten – wie zum Beispiel Belgien – erhalten Kostenerstattungen für den Sitz großer EU-Organe. Die von der Europäischen Kommission berechneten "operativen Haushaltssalden" ermöglichen einen Vergleich, bei dem diese Faktoren weitgehend herausgerechnet werden.

Nach Angaben der Europäischen Kommission und bezogen auf das jeweilige Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Staaten war im Jahr 2012 Schweden der größte Nettozahler der EU. Der negative Haushaltssaldo Schwedens entsprach 0,46 Prozent des BIP. Darauf folgten Dänemark (minus 0,45 Prozent des BIP), Deutschland (minus 0,44 Prozent) und Frankreich (minus 0,40 Prozent) sowie die Niederlande, Belgien und Großbritannien (jeweils minus 0,39 Prozent). Auf der anderen Seite waren die größten Nettoempfänger im Jahr 2012 die drei baltischen Staaten Estland, Litauen und Lettland (plus 4,84 / 4,82 / 4,29 Prozent des BIP) sowie Ungarn (plus 3,59 Prozent) und Bulgarien (plus 3,43 Prozent).

Eine leicht andere Reihenfolge ergibt sich, wenn die operativen Haushaltssalden auf die jeweilige Bevölkerung der Mitgliedstaaten bezogen werden. Mit durchschnittlich 203 bzw. 202 Euro pro Kopf zahlte 2012 niemand so viel an die EU wie die Bürgerinnen und Bürger Schwedens und Dänemarks. Auch in Luxemburg (152 Euro pro Kopf), Deutschland (146 Euro), den Niederlanden (141 Euro), Belgien (135 Euro), Österreich (128 Euro) und Frankreich (127 Euro) wurden mehr als 125 Euro pro Kopf an die EU abgeführt. Hingegen erhielten die Bürgerinnen und Bürger Estlands rein rechnerisch 589 Euro pro Kopf von der EU. Und auch in Litauen (504 Euro), Portugal (477 Euro), Lettland (468 Euro) und Griechenland (409 Euro) lag der positive Haushaltssaldo 2012 bei mehr als 400 Euro pro Kopf.

Bezogen auf die absoluten Zahlen lag Deutschland im Jahr 2012 erneut auf Platz eins aller EU-Mitgliedstaaten. Der negative Haushaltssaldo Deutschlands lag bei 11,95 Milliarden Euro. Darauf folgten Frankreich (minus 8,30 Mrd. Euro), Großbritannien (minus 7,37 Mrd. Euro), Italien (minus 5,06 Mrd. Euro) und mit etwas größerem Abstand die Niederlande (minus 2,36 Mrd. Euro). Auf der anderen Seite waren bezogen auf die absoluten Zahlen Polen (plus 12,00 Mrd. Euro), Portugal (plus 5,03 Mrd. Euro), Griechenland (plus 4,54 Mrd. Euro), Spanien (plus 4,00 Mrd. Euro) und Ungarn (plus 3,28 Mrd. Euro) die größten Nettoempfänger.

Bei diesen Rankings ist allerdings zu beachten, dass es sich um eine rein buchhalterische Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben bezogen auf den EU-Haushalt handelt. Die Frage, ob sich mit der EU-Mitgliedschaft für einen Staat mehr Vorteile oder mehr Nachteile verbinden, lässt sich nicht mit einer ausschließlichen Betrachtung des jeweiligen Saldos beantworten, da dieser zahlreiche Faktoren ausblendet. So zum Beispiel die Vorteile, die durch die politische Stabilität und Sicherheit, den freien Personenverkehr, den Binnenmarkt oder den Euro als Leitwährung entstehen.

Zudem fördert die EU laut Artikel 3 des Vertrags über die Europäische Union (EUV) "den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt und die Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten". Und auch nach Artikel 174 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) setzt sich die Union "insbesondere zum Ziel, die Unterschiede im Entwicklungsstand der verschiedenen Regionen und den Rückstand der am stärksten benachteiligten Gebiete zu verringern". Abseits dieser vertraglichen Verankerung des Ausgleichs zwischen den EU-Mitgliedern ist auch dessen Wirkung nicht auf nationale Grenzen beschränkt: So fließt beispielsweise ein Teil der geschaffenen Nachfrage – direkt oder mittelfristig – zurück in die Nettozahlerländer oder die dortigen Verbraucher profitieren von Zahlungen im Agrarbereich.

Datenquelle



Europäische Kommission: EU-Haushalt 2012 – Finanzbericht; Amtsblatt der Europäischen Union: Konsolidierte Fassungen des Vertrags über die Europäische Union und des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (26. Oktober 2012)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die operativen Haushaltssalden der Mitgliedstaaten werden als Differenz ermittelt zwischen den operativen Ausgaben (ausgenommen Verwaltung), die jedem Mitgliedstaat zugerechnet werden, und dem angepassten "nationalen Beitrag" jedes Mitgliedstaats. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem Abschnitt "Methode und Berechnung" im Finanzbericht zum EU-Haushalt 2012 PDF-Icon (PDF-Version: 4.700 KB).

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.

Bei den operativen Haushaltssalden pro Kopf wurden noch nicht die Ergebnisse der Volkszählung in Deutschland (Zensus 2011) berücksichtigt. Die durchschnittliche Leistung pro Kopf läge danach rund drei Euro höher. Weitere Informationen zum "Zensus 2011" erhalten Sie hier...

Tabelle: Nettozahler und Nettoempfänger in der EU



Haushaltssalden der Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU), verschiedene Bezugsgrößen, 2012

Haushaltssalden*
in Mio. Euro Euro
pro Kopf
Anteil am BIP**, in Prozent
Schweden -1.925,1 -203,0 -0,46
Dänemark -1.126,0 -201,8 -0,45
Deutschland -11.953,8 -146,1 -0,44
Frankreich -8.297,5 -127,0 -0,40
Niederlande -2.364,5 -141,3 -0,39
Belgien -1.493,7 -134,6 -0,39
Großbritannien -7.366,1 -116,0 -0,39
Österreich -1.073,3 -127,7 -0,35
Finnland -658,8 -122,0 -0,34
Italien -5.058,1 -85,2 -0,33
Luxemburg -79,5 -151,5 -0,25
Zypern -25,2 -29,2 -0,15
Spanien 3.999,0 85,4 0,39
Irland 670,6 146,3 0,50
Malta 71,4 171,0 1,14
Rumänien 2.031,6 101,1 1,56
Slowenien 572,2 278,4 1,63
Tschechische Republik 3.045,2 289,9 2,14
Slowakei 1.597,0 295,5 2,28
Griechenland 4.544,9 408,6 2,33
Portugal 5.027,2 476,9 3,12
Polen 11.997,2 311,3 3,30
Bulgarien 1.329,7 181,5 3,43
Ungarn 3.280,4 330,3 3,59
Lettland 955,9 467,5 4,29
Litauen 1.514,0 504,1 4,82
Estland 785,3 588,8 4,84

* operative Haushaltssalden nach Angaben der Europäischen Kommission
** Bruttoinlandsprodukt


Quelle: Europäische Kommission: EU-Haushalt 2012 – Finanzbericht


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