Zahlen und Fakten: Europa

Ausgewählte Armutsgefährdungsquoten

30.10.2011
EU-weit war im Jahr 2008 die Armutsgefährdungsquote der Erwerbslosen mehr als fünfmal so hoch wie die der Erwerbstätigen. Und auch der Bildungsabschluss beeinflusst die Armutsgefährdung in erheblichem Maße.

Ausgewählte ArmutsgefährdungsquotenKlicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Im Jahr 2008 war in der Europäischen Union (EU) rund jede sechste Person armutsgefährdet, insgesamt gut 81 Millionen. Als armutsgefährdet gelten Personen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt (Armutsgefährdungsgrenze). Während die Armutsgefährdungsquote bezogen auf die gesamte EU-Bevölkerung bei 16,3 Prozent lag, ergeben sich zum Teil deutliche Abweichungen von diesem Durchschnittswert, wenn die Bevölkerung nach verschiedenen Merkmalen unterschieden wird.

Mit 15,4 Prozent lag im Jahr 2008 die Armutsgefährdungsquote der Männer 0,9 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der EU-Bevölkerung, bei den Frauen lag der Wert hingegen 0,8 Prozentpunkte höher (17,1 Prozent). In 26 von 27 EU-Staaten sowie in Island, Kroatien, Norwegen und der Schweiz lag die Armutsgefährdungsquote der Männer im Jahr 2008 unter der der Frauen. Lediglich in Ungarn war die Quote der Männer höher (12,8 gegenüber 12,1 Prozent). Auf der Basis der Armutsgefährdungsquote der Männer war unter den 31 Staaten, für die Eurostat Daten zur Verfügung stellt, der geschlechtsspezifische Unterschied in Norwegen (30,7 Prozent) und Slowenien (30,6 Prozent) am größten. Aber auch in der Tschechischen Republik, Zypern, der Schweiz, Estland, Österreich, Kroatien und Schweden war die Quote der Frauen mehr als 20 Prozent höher als die der Männer. In Deutschland lag die Armutsgefährdungsquote der Frauen 10,9 Prozent über der der Männer (16,3 gegenüber 14,7 Prozent).

Bei kaum einem Unterscheidungsmerkmal ist der Einfluss auf das Ausmaß der Armutsgefährdung größer als beim beruflichen Status. EU-weit war im Jahr 2008 die Armutsgefährdungsquote der Erwerbslosen mehr als fünfmal so hoch wie die der Erwerbstätigen (45,3 gegenüber 8,4 Prozent). In keinem EU-Mitgliedstaat war die Armutsgefährdungsquote der Erwerbslosen dabei höher als in Deutschland (62,0 Prozent). In den baltischen Staaten sowie in Bulgarien, Finnland und Großbritannien lag die Armutsgefährdungsquote der Erwerbslosen ebenfalls bei mehr als 50 Prozent. Bezogen auf die Erwerbstätigen lag die Armutsgefährdungsquote 2008 in zehn EU-Staaten bei 10 oder mehr Prozent – die Erwerbstätigen in Rumänien (17,6 Prozent) und Griechenland (13,8 Prozent) waren dabei am häufigsten armutsgefährdet.

Auch die verschiedenen Altersgruppen innerhalb der EU weisen unterschiedliche Armutsgefährdungsquoten auf. Während die Armutsgefährdungsquoten der unter 18-Jährigen (19,9 Prozent), der 18- bis unter 25-Jährigen (20,1 Prozent) sowie der 65-Jährigen und Älteren (17,8 Prozent) im Jahr 2008 überdurchschnittlich hoch waren, lag die Armutsgefährdungsquote der 25- bis unter 55-Jährigen sowie die der 55- bis unter 65-Jährigen (jeweils 14,0 Prozent) klar unter dem Durchschnittswert der Gesamtbevölkerung.

Die Armutsgefährdung wird in erheblichem Maße durch den Bildungsabschluss beeinflusst. So waren EU-weit im Jahr 2008 lediglich 6,7 Prozent der Personen mit einem hohen Bildungsstand armutsgefährdet (Bildungsstand nach der Klassifikation ISCED – International Standard Classification of Education). Bei Personen mit einem mittleren Bildungsstand waren es im selben Jahr 13,0 Prozent. Schließlich lag die Armutsgefährdungsquote der Personen mit niedrigem Bildungsstand bei 23,2 Prozent. Abgesehen davon, dass die Armutsgefährdungsquote der Personen mit niedrigem und mittlerem Bildungsstand in den Niederlanden 2008 in etwa gleich hoch war (10,8 und 11,0 Prozent), gilt für alle 27 EU-Staaten sowie für Island, Norwegen und die Schweiz, dass sich die Armutsgefährdung mit zunehmender Qualifikation verringert. Dies gilt sowohl für den Vergleich niedriger/mittlerer Bildungsstand als auch für den Vergleich mittlerer/hoher Bildungsstand.

In Rumänien war die Armutsgefährdungsquote der Personen mit niedrigem Bildungsstand sogar rund zweiundzwanzigmal höher als die der Personen mit hohem Bildungsstand (was auch daran liegt, dass die Armutsgefährdungsquote der Personen mit hohem Bildungsstand – 1,6 Prozent – 2008 die niedrigste in der EU war). Auch in Ungarn (Faktor 9,1), Slowenien (8,8), Polen (7,7), Bulgarien (7,3) und Zypern (7,0) war die Armutsgefährdung der Personen mit niedrigem Bildungsstand um ein Vielfaches höher. Hingegen wird die Armutsgefährdung in den Niederlanden nicht so stark vom Bildungsstand beeinflusst: Die Armutsgefährdungsquote der Personen mit niedrigem Bildungsstand war 2008 lediglich 1,6-mal höher als die der Personen mit hohem Bildungsstand. Ähnliches gilt auch für Dänemark und Island (2,0), Schweden (2,2), Spanien (2,8) sowie Deutschland und Großbritannien (2,9).

Schließlich lassen sich auch bei einer Unterscheidung von Haushaltstypen Auswirkungen auf die Armutsgefährdung feststellen: Im Jahr 2008 lag die Armutsgefährdungsquote von Haushalten mit zwei Erwachsenen und einem abhängigen Kind EU-weit bei 11,4 Prozent. Bei zwei abhängigen Kindern steigt die Quote auf 14,5 Prozent und bei drei oder mehr abhängigen Kindern sind mehr als ein Viertel der Personen in diesen Haushalten armutsgefährdet (25,9 Prozent). Übertroffen wird dieser Wert nur noch von den "alleinstehenden Elternteilen mit abhängigen Kindern". Bei diesem Haushaltstyp lag die Armutsgefährdungsquote im Jahr 2008 bei 34,0 Prozent.

In allen Staaten der EU sowie in Island, Kroatien, Norwegen und der Schweiz gilt, dass die Armutsgefährdung der Haushalte mit zwei Erwachsenen und drei oder mehr abhängigen Kindern 2008 höher war als in Haushalten mit zwei Erwachsenen und zwei oder weniger abhängigen Kindern. 2008 waren dabei am stärksten die kinderreichen Familien in Bulgarien (67,9 Prozent) und Rumänien (56,3 Prozent) armutsgefährdet. Aber auch in Lettland (44,8 Prozent), Spanien (41,8 Prozent), Italien (39,4 Prozent), Polen (37,8 Prozent), Kroatien (36,9 Prozent) und Portugal (36,1 Prozent) waren mehr als ein Drittel aller Personen in Haushalten mit zwei Erwachsenen und drei oder mehr Kindern armutsgefährdet.

Datenquelle



Eurostat: Online-Datenbank: Armutsgefährdungsquote nach Sozialleistungen nach Altersgruppen, Armutsgefährdungsquote nach Aktivitätsstatus, Armutsgefährungsquote nach höchstem erreichten Bildungsstand, Armutsgefährdungsquote nach Geschlecht, Armutsgefährdungsquote nach Haushaltstyp, Armutsgefährdungsquote nach Wohnbesitzverhältnissen (Stand: 06/2011)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die Armutsgefährdungsquote gibt an, wie hoch der Anteil der armutsgefährdeten Personen an einer Gesamtgruppe ist. Als armutsgefährdet gelten Personen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Bei der Einkommensberechnung werden sowohl die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen als auch die Einspareffekte berücksichtigt, die durch das Zusammenleben entstehen. Die Einkommen werden also gewichtet.

Die Armutsgefährdungsquote wird zunächst bezogen auf die Situation im jeweiligen Land gemessen und nicht anhand eines einheitlichen Schwellenwertes für alle Länder. Bei dem Aggregatwert für die EU handelt es sich um einen nach der Bevölkerungszahl gewichteten Durchschnittswert der Zahlen der einzelnen Mitgliedstaaten.

Um das mittlere Einkommen zu berechnen, wird der Median (Zentralwert) verwendet. Dabei werden hier alle Personen ihrem gewichteten Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen. 60 Prozent dieses Medianwertes stellen die Armutsgefährdungsgrenze dar.

Weitere Informationen zur "Berechnung der Armutsgefährdungsquote" erhalten Sie hier...

Ausführliche Informationen zur ISCED-Klassifikation (International Standard Classification of Education) finden Sie in der Veröffentlichung der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD): Bildung auf einen Blick 2011. OECD-Indikatoren PDF-Icon (PDF-Version: 6.000 KB)

Tabelle: Ausgewählte Armutsgefährdungsquoten



In Prozent, Europäische Union, 2008

  Armutsgefährdungsquote*
Europäische Union (EU) 16,3
  nach Geschlecht
Männer 15,4
Frauen 17,1
  nach Alter
unter 18-Jährige 19,9
18- bis unter 25-Jährige 20,1
25- bis unter 55-Jährige 14,0
55- bis unter 65-Jährige 14,0
65-Jährige und Ältere 17,8
  nach Aktivitätsstatus
Erwerbslose 45,3
Erwerbstätige 8,4
Rentner 15,4
  nach höchstem erreichten Bildungsstand**
Vorschule, Primarbereich und Sekundarstufe I (Stufen 0-2) 23,2
Sekundarstufe II und
Post-Sekundarbereich (Stufen 3-4)
13,0
Tertiärbereich (Stufen 5-6) 6,7
  nach Haushaltstyp
Haushalte ohne abhängige Kinder 14,9
Haushalte mit abhängigen Kindern 17,6
alleinstehender Elternteil
mit abhängigen Kindern
34,0
2 Erwachsene
mit 1 abhängigen Kind
11,4
2 Erwachsene
mit 2 abhängigen Kindern
14,5
2 Erwachsene
mit 3 oder mehr abhängigen Kindern
25,9
  nach Wohnbesitzverhältnis
Eigentümer 13,4
Mieter 25,4

* nach Sozialleistungen; Berechnungsgrundlagen: 60%-Median, modifizierte OECD-Skala
** nach der Klassifikation ISCED 1997 (International Standard Classification of Education)


Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Armutsgefährdungsquote (nach Sozialleistungen) nach Altersgruppen, Aktivitätsstatus, höchstem erreichten Bildungsstand, Geschlecht, Haushaltstyp und Wohnbesitzverhältnissen (Stand: 06/2011)


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