Zahlen und Fakten: Europa

Religiöser und spiritueller Glaube

20.12.2011
52 Prozent der Befragten in den EU-25-Staaten glaubten Anfang 2005 an einen Gott. 27 Prozent glaubten an eine andere spirituelle Kraft, 18 Prozent glaubten weder an einen Gott noch an eine andere spirituelle Kraft.

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Fakten



Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, das sich auf die Encyclopædia Britannica stützt, gehörten im Jahr 2001 mindestens 85 Prozent der EU-Bevölkerung einer Religionsgemeinschaft an. Eine Umfrage im Rahmen des Eurobarometers verdeutlicht jedoch, dass diese Mitgliedschaft für die einzelnen Menschen eine sehr unterschiedliche Bedeutung haben kann: Lediglich 52 Prozent der Befragten in den EU-25-Staaten glaubten Anfang 2005 an einen Gott. 27 Prozent glaubten an eine andere spirituelle Kraft, 18 Prozent glaubten weder an einen Gott noch an eine andere spirituelle Kraft, 3 Prozent machten keine Angaben.

Weiter gab Ende 2006 knapp die Hälfte der Bürger der EU-25-Staaten an, dass Religion nicht wichtig für ihr eigenes Leben sei (47 Prozent). Und auch wenn die Wichtigkeit von Religion ins Verhältnis zu anderen Werten gesetzt werden soll, schneidet sie sehr schlecht ab: Laut einer Eurobarometer-Umfrage vom Herbst 2010 bei der die Befragten drei von zwölf Werten auswählen sollten, die für sie persönlich am wichtigsten sind bzw. die am besten die Europäische Union repräsentieren, entschieden sich im Durchschnitt der 27-EU-Staaten nur 6 bzw. 3 Prozent der Befragten für "Religion" (Frühjahr 2008: 7 bzw. 3 Prozent).

Bezüglich der Gottgläubigkeit bestehen große Unterschiede zwischen den europäischen Staaten. Auffällig ist, dass in sechs EU-Staaten, in denen 80 oder mehr Prozent an einen Gott glauben, der Anteil der Bevölkerung, der einer einzigen christlichen Konfession anhängt, besonders hoch ist. Die Länder sind also in Bezug auf die Religionszugehörigkeit der Bevölkerung sehr homogen. In Malta, Portugal und Polen sind mehr als 90 Prozent der Bevölkerung katholisch, in Griechenland, Zypern (ohne den türkisch-zyprischen Nordteil der Insel) und Rumänien liegt der Anteil der orthodoxen Christen jeweils bei mehr als 85 Prozent. Diesen Staaten ist gemeinsam, dass die Kirche als Institution historisch durchgehend großen Einfluss hatte. Außerhalb der EU gilt auch für die Türkei, dass der Hohe Bevölkerungsanteil, der an einen Gott glaubt (95 Prozent), mit einer homogenen religiösen Struktur einhergeht (99 Prozent der Bevölkerung sind Muslime).

Die fünf EU-Staaten, die 2005 den nächsthöheren "gottgläubigen" Bevölkerungsanteil hatten, sind Länder, in denen der Katholizismus die meisten Anhänger hat. Dabei ist die Religionszugehörigkeit der Bevölkerung auch in Italien, Irland, Spanien und Österreich relativ homogen: 2001 lag der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung zwischen 76 und 93 Prozent (Slowakei: 60 Prozent). Spanien und Österreich fallen in dieser Gruppe noch dadurch auf, dass der Anteil der katholischen Bevölkerung 2001 zwar bei 92 bzw. 76 Prozent lag, der Anteil der Bevölkerung, der 2005 angab, an einen Gott zu glauben, aber mit 59 bzw. 54 Prozent deutlich dahinter zurückfiel.

In Island, Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland lag der Anteil der protestantischen Bevölkerung im Jahr 2001 zwischen 85 und 93 Prozent und damit höher als in allen anderen europäischen Staaten. Gleichzeitig liegt der Anteil der Bevölkerung, der an eine andere spirituelle Kraft glaubt, in vier dieser fünf Staaten bei 47 oder mehr Prozent (Finnland: 41 Prozent). In Schweden lag der entsprechende Wert mit 53 Prozent am höchsten. Lediglich in den osteuropäischen Staaten Estland, Tschechische Republik, Lettland und Slowenien war der Anteil der Bevölkerung, der an eine andere spirituelle Kraft glaubt, vergleichbar hoch. Außer Slowenien fallen diese Staaten durch einen hohen Bevölkerungsanteil "ohne Bekenntnis" auf.

Der Anteil der Bevölkerung, der nicht glaubt, dass es einen Gott oder eine andere spirituelle Kraft gibt, war im Jahr 2005 in Frankreich, der Tschechischen Republik, Belgien, den Niederlanden, Estland und Deutschland am höchsten – er lag zwischen 25 Prozent in Deutschland und 33 Prozent in Frankreich. In Deutschland – wo der Anteil der Katholiken, Protestanten und der Personen "ohne Bekenntnis" etwa gleich groß ist – gaben 2005 47 Prozent der Bevölkerung an, an einen Gott zu glauben. Der Bevölkerungsanteil, der an eine andere spirituelle Kraft glaubt, lag bei 25 Prozent.

Hinsichtlich der Gottgläubigkeit bestehen nicht nur große Unterschiede zwischen den Staaten, sondern auch zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen: Im Durchschnitt glaubten Anfang 2005 52 Prozent der befragten Bürger der EU-25-Staaten an einen Gott. Bei den Männern lag der entsprechende Anteil mit 45 Prozent deutlich niedriger als bei den Frauen mit 58 Prozent. Bei einer Differenzierung nach Alter fällt auf, dass der Bevölkerungsanteil, der an einen Gott glaubt, umso höher ist, je älter die Altersgruppe ist. So lag der entsprechende Anteil bei den 15- bis 24-Jährigen bei 44 Prozent und bei den 25- bis 39-Jährigen bei 46 Prozent. In der Altergruppe der 40- bis 54-Jährigen lag der Anteil mit 49 Prozent nochmals drei Prozentpunkte höher. Bei der Bevölkerung, die 55 Jahre oder älter ist, erreichte der Anteil der gottgläubigen Bevölkerung schließlich 63 Prozent.

Auch die Bildung hat Einfluss auf die Gottgläubigkeit: Während 65 Prozent der befragten Personen, die bereits mit 15 Jahren die Schule verlassen haben, 2005 angaben, an einen Gott zu glauben, lag der entsprechende Anteil bei den Personen, die die Schule zwischen dem 16 und 19 Lebensjahr verlassen haben, bei lediglich 49 Prozent. Und unter den Befragten, die sich politisch rechts einordnen, lag der Anteil der gottgläubigen Personen mit 57 Prozent deutlich über dem entsprechenden Anteil bei den Personen, die sich politisch links einordnen (41 Prozent).

Bei den Befragten, die an anderer Stelle der Eurobarometer-Umfrage angaben, dass sie reglementiert und streng erzogen wurden, lag der Anteil der Gottgläubigen bei 54 Prozent. Von den Befragten, die angaben, dass sie nicht reglementiert und streng erzogen wurden, glaubten hingegen lediglich 39 Prozent an einen Gott.

Datenquelle



Europäische Kommission: Special Eurobarometer: Social values, Science and Technology, June 2005, Special Eurobarometer: European Social Reality, February 2007, Eurobarometer 74: Die öffentliche Meinung in der Europäischen Union, Februar 2011, Eurobarometer 69: 1. Values of Europeans, November 2008; Britannica Book of the Year 2009, Encyclopædia Britannica; Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2010; Auswärtiges Amt: www.auswaertiges-amt.de; Eurostat: Online-Datenbank: Gesamtbevölkerung

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die Angaben für Belgien, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, die Tschechische Republik und Ungarn wurden teilweise mit aktuellen Angaben des Auswärtigen Amtes ergänzt, die dabei ins Verhältnis zum Bevölkerungsstand des Jahres 2001 gesetzt wurden. Zudem entspricht die Summe der nach Religionszugehörigkeit sortierten Bevölkerung nicht der bei Eurostat dargestellten Gesamtbevölkerung; für Italien liegen für mehr als 10 Prozent der Bevölkerung keine Angaben vor, für Frankreich sogar für mehr als 20 Prozent. Aus diesen Punkten ergeben sich Ungenauigkeiten bei den abgebildeten Daten.

Das Eurobarometer ist eine in regelmäßigen Abständen von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene, öffentliche Meinungsumfrage in den Ländern der Europäischen Union. Dabei wird in allen Ländern eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung befragt.

Tabelle: Religiöser und spiritueller Glaube



Eurobarometer-Umfrage, Angaben in Prozent der Bevölkerung, ausgewählte europäische Staaten, 2005

  Welche dieser Aussagen kommt ihren Überzeugungen am nächsten?
Ich glaube,
dass es einen
Gott gibt.
Ich glaube,
dass es eine
andere spirituelle
Kraft gibt.
Ich glaube nicht, dass es einen Gott oder eine andere spirituelle Kraft gibt. weiß nicht
Europäische Union (EU-25) 52 27 18 3
Malta 95 3 1
Türkei 95 2 1 1
Zypern 90 7 2 1
Rumänien 90 8 1 1
Griechenland 81 16 3
Portugal 81 12 6 1
Polen 80 15 1 3
Italien 74 16 6 3
Irland 73 22 4 1
Kroatien 67 25 7 1
Slowakei 61 26 11 2
Spanien 59 21 18 2
Österreich 54 34 8 4
Litauen 49 36 12 3
Schweiz 48 39 9 4
Deutschland 47 25 25 3
Ungarn 44 31 19 6
Luxemburg 44 28 22 6
Belgien 43 29 27 1
Finnland 41 41 16 1
Bulgarien 40 40 13 6
Großbritannien 38 40 20 2
Island 38 48 11 3
Lettland 37 49 10 3
Slowenien 37 46 16 1
Frankreich 34 27 33 5
Niederlande 34 37 27 2
Norwegen 32 47 17 4
Dänemark 31 49 19 1
Schweden 23 53 23 1
Tschechische Republik 19 50 30 1
Estland 16 54 26 4

Quelle: Europäische Kommission: Special Eurobarometer: Social values, Science and Technology, June 2005


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