Aktienbestand und Aktienhandel
14.6.2011
Seit Beginn der 1980er-Jahre sind der Aktienbestand und der Handel mit Aktien stark gestiegen. Aktienhandel und -bestand entwickelten sich allerdings mit unterschiedlicher Geschwindigkeit.
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Seit Beginn der 1980er-Jahre sind der Aktienbestand und der Handel mit Aktien stark gestiegen. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts ist allerdings ein deutliches Schwanken insbesondere bei der Marktkapitalisierung zu beobachten. So entsprach der Wert des Aktienbestandes im Jahr 2008 in etwa dem der Jahre 2003 und 2000. In den 1990er-Jahren wuchs die Marktkapitalisierung hingegen noch nahezu in jedem Jahr.
Der Aktienhandel und -bestand entwickelten sich zudem mit unterschiedlicher Geschwindigkeit: Der Aktienhandel nahm zwischen 1980 und 2008 um den Faktor 380 zu; der Aktienbestand stieg lediglich um das 11-Fache. Die voneinander abweichende Entwicklung beider Größen deutet darauf hin, dass Aktien zunehmend nicht nur der Investitionsfinanzierung und der langfristigen privaten Vermögensanlage dienen, sondern vielmehr auch zur Finanzspekulation genutzt werden.
Entsprechend kürzer ist auch die Haltedauer der Aktien. Die Wertpapiere werden immer schneller ge- und verkauft. Im Jahr 1980 lag die Umschlagshäufigkeit bei 0,1. Das heißt im Durchschnitt hielten die Käufer von Aktien diese zehn Jahre in ihrem Besitz. Im Jahr 2008 lag die Umschlagshäufigkeit 35-fach höher, Aktien wurden im Durchschnitt nach gut drei Monaten Haltedauer wieder verkauft. Im Vergleich zu diesem Höchstwert hat sich der Aktienhandel im Folgejahr etwas beruhigt: 2009 wurden die Aktien im Durchschnitt ein gutes halbes Jahr gehalten.
Die im Gesamttrend zunehmend kürzere Haltedauer hängt auch mit der verstärkten Technisierung des Aktienhandels zusammen. Der sogenannte automatisierte bzw. algorithmische Handel hat zu einer deutlichen Beschleunigung des Börsengeschehens geführt, da Computer innerhalb von Millisekunden auf Handelssignale reagieren können. Der automatisierte Handel ist ursprünglich für das Eigenhandelsgeschäft von Banken entwickelt worden, wird heute aber auch insbesondere von Hedge-Fonds und anderen institutionellen Investoren genutzt. Börsen berichten von einem deutlichen Anstieg des automatisierten Handels in den letzten Jahren. Zum Beispiel hat sich der Anteil des algorithmischen Handels am Gesamthandel der Deutschen Börse innerhalb von fünf Jahren verdreifacht. 2008 erreichte er 43 Prozent des Handelsvolumens.
In Krisenzeiten nimmt die durchschnittliche Umschlagshäufigkeit des Aktienhandels in der Regel deutlich zu: Im Jahr 2008 hat sich die Umschlagshäufigkeit binnen eines Jahres nahezu verdoppelt – der Aktienhandel ist in der Finanzkrise weiter angewachsen, bei einer gleichzeitig drastisch reduzierten Marktkapitalisierung. Während die Folgen der Finanzkrise außerhalb des Finanzsektors 2009 vielfach größer waren als 2008, verlief die Entwicklung an den Finanzmärkten 2009 schon etwas ruhiger als im Vorjahr: Die Marktkapitalisierung stieg von 32,9 auf 47,7 Billionen US-Dollar und parallel reduzierte sich der Aktienhandel von 114,1 auf 80,8 Billionen US-Dollar.
Datenquelle
World Federation of Exchanges (WFE): »www.world-exchanges.org«, Annual Report, verschiedene Jahrgänge
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Dargestellt werden die an den Börsen gehandelten Aktien. Der direkte Verkauf von Aktienpaketen ohne Zwischenschaltung einer Börse ist nicht erfasst. Der Aktienbestand wird durch die Marktkapitalisierung ausgedrückt. Sie gibt hier die mit den jeweiligen Kursen bewertete Zahl der Aktien am Jahresende an. Im Unterschied zu dieser Bestandsgröße ist der Aktienhandel eine Stromgröße, die den gesamten Aktienumsatz während des jeweiligen Jahres misst.
Die Umschlagshäufigkeit ist der Quotient aus Handel und Bestand und gibt an, wie oft der Aktienbestand im Durchschnitt des Jahres die Besitzer gewechselt hat.
Tabelle: Aktienbestand und Aktienhandel
In absoluten Zahlen, Umschlaghäufigkeit pro Jahr, Haltedauer in Jahren, weltweit 1980 bis 2009
| Aktien- bestand*, in Bill. US$ |
Aktienhandel, in Bill. US$ | Umschlag-häufigkeit, pro Jahr** | Haltedauer, in Jahren*** |
|
| 1980 | 2,9 | 0,3 | 0,1 | 9,7 |
| 1990 | 8,9 | 5,7 | 0,6 | 1,6 |
| 1991 | 10,6 | 5,7 | 0,5 | 1,9 |
| 1992 | 10,1 | 5,6 | 0,6 | 1,8 |
| 1993 | 12,9 | 8,1 | 0,6 | 1,6 |
| 1994 | 14,5 | 9,5 | 0,7 | 1,5 |
| 1995 | 17,1 | 10,8 | 0,6 | 1,6 |
| 1996 | 19,5 | 14,0 | 0,7 | 1,4 |
| 1997 | 21,7 | 19,6 | 0,9 | 1,1 |
| 1998 | 25,4 | 23,5 | 0,9 | 1,1 |
| 1999 | 35,0 | 33,1 | 0,9 | 1,1 |
| 2000 | 31,0 | 49,8 | 1,6 | 0,6 |
| 2001 | 26,6 | 38,1 | 1,4 | 0,7 |
| 2002 | 22,8 | 33,1 | 1,5 | 0,7 |
| 2003 | 31,3 | 33,0 | 1,1 | 1,0 |
| 2004 | 36,9 | 42,3 | 1,1 | 0,9 |
| 2005 | 41,4 | 54,8 | 1,3 | 0,8 |
| 2006 | 50,8 | 70,0 | 1,4 | 0,7 |
| 2007 | 60,9 | 113,0 | 1,9 | 0,5 |
| 2008 | 32,9 | 114,1 | 3,5 | 0,3 |
| 2009 | 47,7 | 80,8 | 1,7 | 0,6 |
* Marktkapitalisierung am Jahresende
** Quotient aus Aktienhandel/Aktienbestand
*** Quotient aus Aktienbestand/Aktienhandel
Quelle: World Federation of Exchanges (WFE): www.world-exchanges.org, Annual Report, verschiedene Jahrgänge
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