Zahlen und Fakten: Globalisierung

Aktienbestand und Aktienhandel

In absoluten Zahlen, weltweit 1980 bis 2015

Aktienbestand und Aktienhandel

Quelle: World Federation of Exchanges (WFE): »www.world-exchanges.org«: Annual Statistics Reports, Monthly Reports
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

8.9.2016
Im Jahr 1980 hielten die Käufer von Aktien diese rund zehn Jahre in ihrem Besitz. Mit dem Kauf einer Aktie verband sich ein langfristiges Investitionsinteresse. 2015 wurden Aktien im Durchschnitt nach knapp sechs Monaten verkauft. Gerade beim computergestützten, automatisierten Handel stehen kurzfristige Kursveränderungen im Mittelpunkt. In Krisenzeiten verkürzt sich die Haltedauer nochmals – 2008 wurden Aktien im Durchschnitt nach gut drei Monaten Haltedauer wieder verkauft. Im Jahr 2015 wurde mit 146,5 Billionen US-Dollar ein neuer Höchststand beim Aktienhandel erreicht.

Fakten



Zwischen 1980 und dem Jahr 2015 sind der Aktienbestand und der Handel mit Aktien stark gestiegen. Seit dem Jahr 2000 verläuft die Entwicklung allerdings nicht mehr geradlinig. So entsprach der Wert des Aktienbestandes im Jahr 2008 in etwa dem der Jahre 2003/2000 und der Aktienhandel hatte 2005 etwa dasselbe Niveau wie im Jahr 2000 beziehungsweise 2014 dasselbe wie 2008. In den 1990er-Jahren wuchsen Aktienbestand und -handel hingegen noch nahezu in jedem Jahr.

Der Aktienhandel und -bestand entwickelten sich zudem mit unterschiedlicher Geschwindigkeit: Der Aktienhandel nahm zwischen 1980 und 2015 um den Faktor 488 zu; der Aktienbestand stieg lediglich um das 23-fache. Die voneinander abweichende Entwicklung beider Größen deutet darauf hin, dass Aktien zunehmend nicht nur der Investitionsfinanzierung und der langfristigen privaten Vermögensanlage dienen, sondern vielmehr auch zur Finanzspekulation genutzt werden.

Entsprechend kürzer ist auch die Haltedauer der Aktien. Die Wertpapiere werden immer schneller ge- und verkauft. Im Jahr 1980 lag die jährliche Umschlagshäufigkeit bei 0,1. Das heißt im Durchschnitt hielten die Käufer von Aktien diese knapp zehn Jahre in ihrem Besitz. Im Krisenjahr 2008 lag die Umschlagshäufigkeit 37-fach höher, Aktien wurden im Durchschnitt nach gut drei Monaten Haltedauer wieder verkauft. Im Vergleich zu diesem Höchstwert hat sich der Aktienhandel in den Folgejahren etwas beruhigt: 2009 bis 2015 wurden die Aktien zwischen knapp sechs und gut acht Monaten gehalten.

Die im Gesamttrend zunehmend kürzere Haltedauer hängt auch mit der verstärkten Technisierung des Aktienhandels zusammen. Der sogenannte automatisierte bzw. algorithmische Handel hat zu einer deutlichen Beschleunigung des Börsengeschehens geführt, da Computer innerhalb von Millisekunden auf Handelssignale reagieren können. Der automatisierte Handel ist ursprünglich für das Eigenhandelsgeschäft von Banken entwickelt worden, wird heute aber auch insbesondere von Hedge-Fonds und anderen institutionellen Investoren genutzt. Nach Angaben der Gruppe Deutsche Börse machte der Hochfrequenzhandel (High-Frequency Trading, HFT) im Jahr 2013 bereits 40 Prozent des Handelsvolumens an europäischen und 70 Prozent an US-amerikanischen Börsen aus.

In Krisenzeiten nimmt die durchschnittliche Umschlagshäufigkeit des Aktienhandels in der Regel deutlich zu: Von 2007 auf 2008 hat sie sich mehr als verdoppelt – der Aktienhandel wuchs dabei weiter an (von 104,1 auf 119,1 Billionen US-Dollar) und die Marktkapitalisierung reduzierte sich drastisch (von 60,7 auf 32,4 Billionen US-Dollar). Während die Folgen der Finanzkrise außerhalb des Finanzsektors 2009 vielfach größer waren als 2008, verlief die Entwicklung an den Finanzmärkten 2009 schon etwas ruhiger als im Vorjahr: Die Marktkapitalisierung stieg von 32,4 auf 47,0 Billionen US-Dollar (2015: 67,1 Billionen US-Dollar) und der Aktienhandel reduzierte sich von 119,1 auf 87,5 Billionen US-Dollar (2015: 146,5 Billionen US-Dollar).

Datenquelle



World Federation of Exchanges (WFE): www.world-exchanges.org: Annual Statistics Reports, Monthly Reports; Gruppe Deutsche Börse: »http://deutsche-boerse.com«

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die Darstellung und die Angaben im Text beziehen sich auf die Börsen, die Mitglieder des World Federation of Exchanges (WFE) sind, sowie die Börsen der London SE Group. Der WFE ist der weltweit größte Börsenverband. Der direkte Verkauf von Aktienpaketen ohne Zwischenschaltung einer Börse ist nicht erfasst. Der Aktienbestand wird durch die Marktkapitalisierung ausgedrückt. Sie gibt hier die mit den jeweiligen Kursen bewertete Zahl der Aktien am Jahresende an. Im Unterschied zu dieser Bestandsgröße ist der Aktienhandel eine Stromgröße, die den gesamten Aktienumsatz während des jeweiligen Jahres misst.

Die Umschlagshäufigkeit ist der Quotient aus Handel und Bestand und gibt an, wie oft der Aktienbestand im Durchschnitt des Jahres die Besitzer gewechselt hat.

Aktienbestand und Aktienhandel

In absoluten Zahlen, Umschlagshäufigkeit pro Jahr, Haltedauer in Jahren, weltweit1 1980 bis 2015

Aktienbestand2,
in Bill. US-Dollar
Aktienhandel,
in Bill. US-Dollar
Umschlags­häufigkeit,
pro Jahr3
Haltedauer,
in Jahren4
2015 67,1 146,5 2,2 0,5
2014 68,1 111,9 1,6 0,6
2013 65,0 93,0 1,4 0,7
2012 54,7 82,9 1,5 0,7
2011 48,4 102,5 2,1 0,5
2010 54,9 94,0 1,7 0,6
2009 47,0 87,5 1,9 0,5
2008 32,4 119,1 3,7 0,3
2007 60,7 104,1 1,7 0,6
2006 50,6 72,3 1,4 0,7
2005 40,9 52,6 1,3 0,8
2004 35,9 39,8 1,1 0,9
2003 30,4 31,6 1,0 1,0
2002 22,8 33,1 1,5 0,7
2001 26,6 38,1 1,4 0,7
2000 31,0 49,8 1,6 0,6
1999 35,0 33,1 0,9 1,1
1998 25,4 23,5 0,9 1,1
1997 21,7 19,6 0,9 1,1
1996 19,5 14,0 0,7 1,4
1995 17,1 10,8 0,6 1,6
1994 14,5 9,5 0,7 1,5
1993 12,9 8,1 0,6 1,6
1992 10,1 5,6 0,6 1,8
1991 10,6 5,7 0,5 1,9
1990 8,9 5,7 0,6 1,6
1980 2,9 0,3 0,1 9,7

1 Aktienbestand und Aktienhandel bezogen auf die Börsen, die Mitglieder des World Federation of Exchanges (WFE) sind, sowie die Börsen der London SE Group. Der WFE ist der weltweit größte Börsenverband.
2 Marktkapitalisierung am Jahresende
3 Quotient aus Aktienhandel/Aktienbestand
3 Quotient aus Aktienbestand/Aktienhandel


Quelle: World Federation of Exchanges (WFE): www.world-exchanges.org: Annual Statistics Reports, Monthly Reports



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