Zahlen und Fakten: Globalisierung

Unternehmenssteuern

Steuersätze in Prozent, jeweils am 01. Januar, 1995 bis 2016

Unternehmenssteuern

Quelle: KPMG: Corporate and Indirect Tax Rate Survey 2007, 2009, 2016
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

15.9.2017
Seit mehr als zwei Jahrzehnten besteht international ein Trend zu sinkenden Unternehmenssteuersätzen. Durch niedrige Unternehmenssteuern sollen mobiler gewordene Unternehmen gehalten und angezogen werden bzw. soll sich die Attraktivität des eigenen Staates für Investitionen erhöhen und Steuerflucht vermieden werden. Entsprechend reduzierte sich der durchschnittliche Unternehmenssteuersatz weltweit zwischen 1999 und 2016 von 32,7 auf 23,6 Prozent. Allerdings hat die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 den Abwärtstrend bei den Unternehmenssteuersätzen verlangsamt, in den Jahren 2013 bis 2016 stagnierte die durchschnittliche Steuerbelastung sogar.

Fakten



Spätestens seit Mitte der 1990er-Jahre besteht international ein Trend zu sinkenden Unternehmenssteuersätzen. Den Auftakt machte Mitte der 1980er-Jahre das Vereinigte Königreich. Dort wurden die Unternehmenssteuersätze unter Margaret Thatcher zwischen 1982 und 1986 von 52 auf 35 Prozent gesenkt. Darauf folgten in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren radikale Steuersenkungen in den nordeuropäischen Ländern. Dänemark reduzierte seine Unternehmenssteuersätze 1987 von 50 auf 30 Prozent (2016: 22 Prozent), Schweden und Norwegen folgten 1992 mit einer Senkung von 51 auf 25 Prozent (2016: 22 Prozent) bzw. von 52 auf 28 Prozent (2016: 25 Prozent). Ein Jahr später folgte Finnland und reduzierte die Steuern von 43 auf 25 Prozent (2016: 20 Prozent). Auch in Irland setzte 1993 eine Steuerreduzierung ein, die sich allerdings über mehrere Jahre zog – bis 2003 sank der Steuersatz von 40 auf 12,5 Prozent (durchgehend bis 2016). Island senkte die Steuern zwar erst 2002, die Reduzierung von 30 auf 18 Prozent und weiter auf 15 Prozent in den Jahren 2008/2009 führte allerdings zu einem der niedrigsten Unternehmenssteuersätze in Nordeuropa. Allerdings stieg der Steuersatz in Island in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder und lag im Zeitraum 2011 bis 2016 bei 20 Prozent.

Weltweit reduzierte sich der durchschnittliche Unternehmenssteuersatz nach Analysen des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG zwischen 1999 und 2016 von 32,7 auf 23,6 Prozent – das entspricht einem Rückgang um 27,7 Prozent. Dabei sank der durchschnittliche Unternehmenssteuersatz in der Europäischen Union (minus 35,3 Prozent) schneller als in den Regionen Asien (minus 30,8 Prozent; vor 2006: Asien-Pazifik) und Lateinamerika (minus 5,3 Prozent; vor 2006: Lateinamerika und Karibik). Allerdings hat die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 den Abwärtstrend bei den Unternehmenssteuersätzen verlangsamt, in den Jahren 2013 bis 2016 stagnierte die durchschnittliche Steuerbelastung sogar.

In den Jahren 1999 bis 2011 fiel in Deutschland der Steuersatz von 52,3 auf 29,4 Prozent (minus 43,8 Prozent) und damit stärker als im Durchschnitt der EU (minus 33,5 Prozent). Seitdem ist der Steuersatz in Deutschland aber jedes Jahr minimal gestiegen und lag 2016 bei 29,7 Prozent. Die niedrigsten Unternehmenssteuersätze der EU hatten im Jahr 2016 Bulgarien (10 Prozent), Irland und Zypern (jeweils 12,5 Prozent), die baltischen Staaten Lettland und Litauen (jeweils 15 Prozent) sowie die osteuropäischen Staaten Rumänien (16 Prozent), Slowenien (17 Prozent), Polen, die Tschechische Republik und Ungarn (jeweils 19 Prozent).

Da sich der Trend sinkender Unternehmenssteuersätze in sehr vielen Staaten beobachten lässt, wird oft vor einem schädlichen Steuerwettbewerb gewarnt, bei dem sich die Staaten gegenseitig unterbieten. Wachstumssteigerungen und höhere Investitionen in Niedrigsteuerstaaten werden in diesem Zusammenhang als entgangene Einnahmen anderer Staaten interpretiert ('race to the bottom'). Gegen dieses Argument wird angeführt, dass der Wettbewerb um niedrigere Steuerbelastungen das ökonomische Wachstum so stark steigert, das letztlich alle davon profitieren ('win-win-situation').

Da die Unternehmenssteuersätze nicht in allen Staaten gesunken sind, findet sich auch die Annahme, dass sich die Steuersätze lediglich in Staatengruppen annähern, die sich in Bezug auf ihre ökonomischen Voraussetzungen ähnlich sind. Nach dieser Annahme sind beispielsweise die Unternehmenssteuersätze in den USA oder Brasilien stabil, weil die unmittelbare Konkurrenz zu anderen Staaten aufgrund der Größe und regionalen Bedeutung dieser Ökonomien geringer ist bzw. die Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen auf diesen Märkten aktiv sein müssen.

Datenquelle



KPMG: Corporate and Indirect Tax Rate Survey 2007, 2009 und 2016, KPMG's Corporate Tax Rate Survey – An international analysis of corporate tax rates from 1993 to 2006

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die Unternehmenssteuersätze der einzelnen Staaten können nicht unmittelbar miteinander verglichen werden, da sich die Steuerbasis in den einzelnen Staaten unterscheidet.

Unternehmenssteuern

Steuersätze in Prozent, jeweils am 01. Januar, 1995 bis 2016

1

2011 2012 2013 2014 2015 2016
Welt 24,5 24,4 23,71 23,64 23,87 23,62
OECD 25,4 25,15 25,32 24,11 24,86 24,81
Afrika 28,55 29,02 28,29 27,85 27,92 27,46
Asien 23,1 22,89 22,05 21,91 22,59 21,92
Europa 20,81 20,42 20,6 19,68 20,12 20,48
EU 22,7 22,51 22,75 21,34 22,25 22,09
Lateinamerika 28,83 28,3 27,96 27,52 26,85 27,29
Nordamerika 34 33 33 33,25 33,25 33,25
Ozeanien 28,6 28,6 27 27 27 26
Australien 30 30 30 30 30 30
Brasilien 34 34 34 34 34 34
China 25 25 25 25 25 25
Deutschland 29,37 29,48 29,55 29,58 29,65 29,72
Frankreich 33,33 33,33 33,33 33,33 33,33 33,3
Indien 32,44 32,45 33,99 33,99 34,61 34,61
Italien 31,4 31,4 31,4 31,4 31,4 31,4
Japan 40,69 38,01 38,01 35,64 33,06 30,86
Kanada 28 26 26 26,5 26,5 26,5
Russland 20 20 20 20 20 20
Südkorea 22 24,2 24,2 24,2 24,2 24,2
USA 40 40 40 40 40 40
Vereinigtes Königreich 26 24 23 21 20 20

1

2006 2007 2008 2009 2010 2011
Welt 27,5 26,95 26,1 25,38 24,69 24,5
OECD 27,67 27 25,99 25,64 25,7 25,4
Afrika 30,82 30,56 28,65 28,75 28,38 28,55
Asien 28,99 28,46 27,99 25,73 23,96 23,1
Europa 23,7 22,99 21,95 21,64 21,46 20,81
EU 24,83 23,97 23,17 23,11 22,93 22,7
Lateinamerika 29,07 28,3 27,96 27,96 27,52 28,83
Nordamerika 38,05 38,05 36,75 36,5 35,5 34
Ozeanien 30,6 30,2 29,6 29,2 29 28,6
Australien 30 30 30 30 30 30
Brasilien 34 34 34 34 34 34
China 33 33 25 25 25 25
Deutschland 38,34 38,36 29,51 29,44 29,41 29,37
Frankreich 33,33 33,33 33,33 33,33 33,33 33,33
Indien 33,66 33,99 33,99 33,99 33,99 32,44
Italien 37,25 37,25 31,4 31,4 31,4 31,4
Japan 40,69 40,69 40,69 40,69 40,69 40,69
Kanada 36,1 36,1 33,5 33 31 28
Russland 24 24 24 20 20 20
Südkorea 27,5 27,5 27,5 24,2 24,2 22
USA 40 40 40 40 40 40
Vereinigtes Königreich 30 30 30 28 28 26
2000 2001 2002 2003 2004 2005
Welt 32,36 31,49 30,72 29,53 28,75 28,01
OECD 33,90 32,80 31,39 30,90 29,75 28,80
Asien-Pazifik 31,44 31,29 31,52 30,34 30,37 29,09
EU 32,83 31,05 30,00 28,81 27,47 25,34
Lateinamerika/
Karibik
30,09 29,82 29,91 30,05 29,82 28,64
Brasilien 37 34 34 34 34 34
China 33 33 33 33 33 33
Deutschland 51,6 38,36 38,36 39,58 38,29 38,31
USA 40 40 40 40 40 40

1

1995 1996 1997 1998 1999 2000
Welt 32,69 32,36
OECD 37,7 37,7 36,0 35,7 35,00 33,90
Asien-Pazifik 32,6 32,4 31,67 31,44
EU 37,9 38,0 35,5 35,1 34,12 32,83
Lateinamerika/
Karibik
34,0 34,0 29,8 30,1 28,82 30,09
Brasilien 25 25 33 37
China 33 33 33 33
Deutschland 59 59 57,5 56,6 52,3 51,6
USA 40 40 40 40 40 40

Quelle: KPMG: Corporate and Indirect Tax Rate Survey 2007, 2009, 2016



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