Spätestens seit Mitte der 1990er-Jahre besteht international ein Trend zu sinkenden Unternehmenssteuersätzen. Den Auftakt machten mehrere nordeuropäische Länder mit radikalen Steuersenkungen seit Mitte der 1980er-Jahre.
Weltweit reduzierte sich der durchschnittliche Unternehmenssteuersatz zwischen 1990 und 2010 von 37,4 auf 24,2 Prozent (2024: 23,5 Prozent).
Die einen sehen in dieser Entwicklung einen schädlichen Steuerwettbewerb, bei dem sich die Staaten gegenseitig unterbieten ('race to the bottom'), für andere führen die niedrigeren Steuern zu ökonomischem Wachstum von dem alle profitieren ('win-win-situation').
Fakten
Spätestens seit Mitte der 1990er-Jahre besteht international ein Trend zu sinkenden Unternehmenssteuersätzen. Durch niedrige Unternehmenssteuern sollen mobiler gewordene Unternehmen gehalten und angezogen werden bzw. soll sich die Attraktivität des eigenen Staates für Investitionen erhöhen und Steuerflucht vermieden werden.
Den Auftakt machte Mitte der 1980er-Jahre das Vereinigte Königreich. Dort wurde der Unternehmenssteuersatz unter der Premierministerin Margaret Thatcher zwischen 1982 und 1986 von 52 auf 35 Prozent gesenkt. Darauf folgten in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren radikale Steuersenkungen in anderen nordeuropäischen Ländern: Dänemark reduzierte seinen Unternehmenssteuersatz von 50 Prozent im Jahr 1989 auf 34 Prozent 1992 (seit 2016: 22 Prozent), Schweden folgte 1990/1991 mit einer Senkung von 53 auf 30 Prozent (seit 2021: 20,6 Prozent) und Norwegen 1991/1992 mit einer Senkung von 50,8 auf 28 Prozent (seit 2019: 22 Prozent). In Irland fiel der Unternehmenssteuersatz zwischen 1987 und 1997 von 50 auf 36 Prozent und dann innerhalb von nur sechs Jahren auf 12,5 Prozent (durchgehend seit 2003). Auch in Finnland und Island kam es zu deutlichen Steuersenkungen, allerdings wurden sie in späteren Jahren wieder leicht angehoben. In Finnland gab es den stärksten Rückgang zwischen 1989 und 1993 von 52,5 auf 25 Prozent und in Island von 2001 auf 2002 von 30 auf 18 Prozent.
Nach Angaben der Tax Foundation – einem Thinktank, der sich auch über Lobbyarbeit für die Senkung von Steuern einsetzt – reduzierte sich der durchschnittliche Unternehmenssteuersatz weltweit zwischen 1990 und 2010 von 37,4 auf 24,2 Prozent – also um 13,2 Prozentpunkte. Überdurchschnittlich stark war der Rückgang in Europa (-19,9 %-Punkte), Afrika (-16,2 %-Punkte) und Asien (-15,0 %-Punkte). Unterhalb des weltweiten Durchschnitts lag der Rückgang der Steuersätze in Südamerika (-3,4 %-Punkte), Ozeanien (-5,5 %-Punkte) und Nordamerika (-7,2 %-Punkte). Allerdings hat sich seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 die Geschwindigkeit bei der Senkung der Steuern deutlich verlangsamt: Weltweit sank der – ungewichtete – durchschnittliche Unternehmenssteuersatz zwischen 2010 und 2024 lediglich von 24,2 auf 23,5 Prozent.
In Deutschland reduzierte sich der Unternehmenssteuersatz grob in drei Schritten: Von 1989 auf 1990 sank der Satz von 60 auf 54,5 Prozent, in den Jahren 2000 und 2001 ging er von 52,0 auf 38,9 Prozent zurück und schließlich fiel der Unternehmenssteuersatz von 2007 auf 2008 von 38,9 auf 30,2 Prozent (2024: 29,9 Prozent).
Da sich der Trend sinkender Unternehmenssteuersätze in sehr vielen Staaten beobachten lässt, wird oft vor einem schädlichen Steuerwettbewerb gewarnt, bei dem sich die Staaten gegenseitig unterbieten. Wachstumssteigerungen und höhere Investitionen in Niedrigsteuerstaaten werden in diesem Zusammenhang als entgangene Einnahmen anderer Staaten interpretiert ('race to the bottom'). Gegen dieses Argument wird angeführt, dass der Wettbewerb um niedrigere Steuerbelastungen das ökonomische Wachstum so stark steigert, dass letztlich alle davon profitieren ('win-win-situation').
Da die Unternehmenssteuersätze nicht in allen Staaten gesunken sind, findet sich auch die Annahme, dass sich die Steuersätze lediglich in Staatengruppen annähern, die sich in Bezug auf ihre ökonomischen Voraussetzungen ähnlich sind. Entsprechend sind nach dieser Annahme die Unternehmenssteuersätze in den Staaten stabil, bei denen die Konkurrenz – beispielsweise aufgrund der Größe und regionalen Bedeutung dieser Ökonomien – geringer ist. Anders formuliert können in diesen Staaten die Steuern höher sein, da es sich die Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen nicht leisten können, nicht auf diesen Märkten aktiv zu sein. Als Beispiel hierfür gilt Brasilen, wo der Unternehmenssteuersatz seit 2001 durchgehend bei 34 Prozent liegt und damit im Jahr 2024 mehr als zehn Prozentpunkte über dem weltweiten Durchschnitt lag (23,5 Prozent). Lange galten in diesem Zusammenhang auch die USA als Beispiel, da hier der Unternehmenssteuersatz in allen Jahren von 1988 bis 2017 bei 39 oder sogar 40 Prozent lag. Unter dem US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump sank der Unternehmenssteuersatz jedoch von 2017 auf 2018 von 38,9 auf 25,8 Prozent – weltweit lag der Satz in beiden Jahren bei 24,2 Prozent.
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Die Unternehmenssteuersätze der einzelnen Staaten können nicht unmittelbar miteinander verglichen werden, da sich die Steuerbasis in den einzelnen Staaten unterscheidet.
Bei den Daten werden keine Sondersteuerregelungen berücksichtigt (wie zum Beispiel Sondersteuersätze für bestimmte Branchen, niedrigere Steuersätze für Unternehmen bis zu einer bestimmten Umsatzhöhe oder abweichende Steuersätze für nicht ansässige Unternehmen).
Unternehmenssteuern nach Regionen und Staatengruppen
Steuersätze in Prozent, jeweils am 01. Januar, 1980 bis 2024
| 1980 | 1990 | 2000 | 2010 | 2024 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Welt | 40,2 | 37,4 | 30,7 | 24,2 | 23,5 |
| Afrika | 44,3 | 44,5 | 33,2 | 28,3 | 27,3 |
| Asien | 38,6 | 35,7 | 28,6 | 20,7 | 19,7 |
| Europa | 44,6 | 40,9 | 31,2 | 21,1 | 20,2 |
| Nordamerika | 39,3 | 34,7 | 29,6 | 27,5 | 25,6 |
| Südamerika | 36,7 | 30,9 | 31,6 | 27,6 | 28,4 |
| Ozeanien | 34,6 | 30,5 | 27,7 | 25,0 | 24,4 |
| | |||||
| OECD | 45,8 | 39,9 | 32,4 | 25,5 | 23,9 |
| Europäische Union | 43,8 | 41,8 | 32,6 | 22,9 | 21,3 |
| G20 | 46,2 | 40,4 | 37,3 | 29,7 | 27,1 |
| BRICS | 48,1 | 41,0 | 36,3 | 29,5 | 27,2 |
Quelle: The Tax Foundation: Corporate Tax Rates Around the World, 2024
Unternehmenssteuern nach Staaten
25 Staaten mit dem höchsten BIP im Jahr 2024, Steuersätze in Prozent, jeweils am 01. Januar, 1980 bis 2024
| 1980 | 1985 | 1990 | 1995 | 2000 | 2005 | 2010 | 2015 | 2020 | 2024 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Welt | 40,2 | 40,2 | 37,4 | 34,3 | 30,7 | 26,7 | 24,2 | 24,4 | 23,8 | 23,5 |
| USA | 49,7 | 49,8 | 38,7 | 39,6 | 39,3 | 39,3 | 39,2 | 39,0 | 25,8 | 25,6 |
| China 1 | 55,2 | 40,0 | 40,0 | 33,0 | 33,0 | 33,0 | 25,0 | 25,0 | 25,0 | 25,0 |
| Deutschland | – | 60,0 | 54,5 | 55,1 | 52,0 | 38,9 | 30,2 | 30,2 | 29,9 | 29,9 |
| Japan | – | – | 50,0 | 50,0 | 40,9 | 39,5 | 39,5 | 32,1 | 29,7 | 29,7 |
| Indien | 60,0 | 55,0 | 50,0 | 40,0 | 38,5 | 36,6 | 34,0 | 34,6 | 30,0 | 30,0 |
| Ver. Königreich | 52,0 | 40,0 | 34,0 | 33,0 | 30,0 | 30,0 | 28,0 | 20,0 | 19,0 | 25,0 |
| Frankreich | 50,0 | 50,0 | 42,0 | 36,7 | 37,8 | 35,0 | 34,4 | 38,0 | 32,0 | 25,8 |
| Italien | – | 46,4 | 46,4 | 53,2 | 41,3 | 37,3 | 31,4 | 31,3 | 27,8 | 27,8 |
| Kanada | – | 49,4 | 41,5 | 44,6 | 42,4 | 34,2 | 29,4 | 26,7 | 26,3 | 26,1 |
| Brasilien | 35,0 | 35,0 | 30,0 | 25,0 | 37,0 | 34,0 | 34,0 | 34,0 | 34,0 | 34,0 |
| Russland | – | – | 35,0 | 35,0 | 35,0 | 24,0 | 20,0 | 20,0 | 20,0 | 20,0 |
| Südkorea | – | – | – | – | 30,8 | 27,5 | 24,2 | 24,2 | 27,5 | 26,4 |
| Mexiko | 42,0 | 42,0 | 36,0 | 34,0 | 35,0 | 30,0 | 30,0 | 30,0 | 30,0 | 30,0 |
| Australien | 46,0 | 46,0 | 39,0 | 36,0 | 34,0 | 30,0 | 30,0 | 30,0 | 30,0 | 30,0 |
| Spanien | 33,0 | 35,0 | 35,0 | 35,0 | 35,0 | 35,0 | 30,0 | 28,0 | 25,0 | 25,0 |
| Indonesien | 45,0 | 35,0 | 35,0 | 30,0 | 30,0 | 30,0 | 25,0 | 25,0 | 25,0 | 22,0 |
| Türkei | – | – | – | 44,0 | 33,0 | 30,0 | 20,0 | 20,0 | 22,0 | 25,0 |
| Niederlande | 48,0 | 43,0 | 35,0 | 35,0 | 35,0 | 31,5 | 25,5 | 25,0 | 25,0 | 25,8 |
| Saudi-Arabien | 45,0 | 45,0 | 45,0 | 45,0 | 45,0 | 30,0 | 20,0 | 20,0 | 20,0 | 20,0 |
| Schweiz | – | 31,9 | 30,6 | 28,5 | 24,9 | 21,3 | 21,2 | 21,1 | 21,1 | 19,6 |
| Polen | – | – | – | 40,0 | 30,0 | 19,0 | 19,0 | 19,0 | 19,0 | 19,0 |
| Taiwan | 35,0 | 30,0 | 25,0 | 25,0 | 25,0 | 25,0 | 17,0 | 17,0 | 20,0 | 20,0 |
| Belgien | 48,0 | 45,0 | 41,0 | 40,2 | 40,2 | 34,0 | 34,0 | 34,0 | 25,0 | 25,0 |
| Argentinien | 33,0 | 33,0 | 20,0 | 30,0 | 35,0 | 35,0 | 35,0 | 35,0 | 30,0 | 35,0 |
| Schweden | – | 56,6 | 53,0 | 28,0 | 28,0 | 28,0 | 26,3 | 22,0 | 21,4 | 20,6 |
Fußnote: 1 Ohne Hongkong und Macao.
Quelle: The Tax Foundation: Corporate Tax Rates Around the World, 2024; UNCTAD: Online-Datenbank: UNCTADstat (09/2025)