Zahlen und Fakten: Globalisierung

Armut trotz Arbeit

Arbeitende Personen mit weniger als 3,10 US-Dollar pro Tag, in absoluten Zahlen und in Prozent, 1991 bis 2020

Armut trotz Arbeit

Quelle: Copyright © 2016 International Labour Organization (ILO): World Employment and Social Outlook: Trends 2016

8.9.2016
Viele Menschen sind trotz Erwerbstätigkeit arm. Personen, die vom Problem 'Armut trotz Arbeit' betroffen sind, werden auch als 'working poor' bezeichnet. Im Jahr 2013 lebten in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten 794 Millionen arbeitende Personen in Haushalten mit einem Einkommen von unter 3,10 US-Dollar pro Tag und Kopf – im Jahr 2000 waren es noch mehr als 1,2 Milliarden. Bezogen auf die Beschäftigten insgesamt hat sich der Anteil der 'working poor' in allen Weltregionen reduziert. Dennoch ist in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten immer noch knapp jede dritte beschäftigte Person trotz Arbeit arm (30,0 Prozent). Dabei sind die Regionen subsaharisches Afrika und Südasien besonders betroffen: Der Anteil der 'working poor' an allen Beschäftigten lag 2013 bei 65,7 bzw. 50,0 Prozent.

Fakten



Nach Angaben der International Labour Organization (ILO) lag die Zahl der arbeitenden Personen, die in Haushalten mit einem Einkommen von unter 1,90 US-Dollar pro Tag und Kopf leben, im Jahr 2013 weltweit bei 346 Millionen – im Jahr 2000 lag die entsprechende Zahl noch bei 719 Millionen, 1991 noch bei 893 Millionen. Für den Zeitraum 2000 bis 2013 entspricht das einem Rückgang um 372 Millionen Personen bzw. 51,8 Prozent.

In Haushalten mit einem Einkommen von unter 3,10 US-Dollar pro Tag und Kopf lebten im Jahr 2013 weltweit 794 Millionen arbeitende Personen. Auch diese Zahl ist seit dem Jahr 2000 deutlich zurückgegangen – insgesamt um 445 Millionen (minus 35,9 Prozent). Werden ausschließlich die arbeitenden Personen betrachtet, die in Haushalten mit einem Einkommen zwischen 1,90 US-Dollar und unter 3,10 US-Dollar pro Tag und Kopf leben, lag der Rückgang zwischen dem Jahr 2000 und 2013 bei 72,5 Millionen Personen (minus 13,9 Prozent).

Das subsaharische Afrika und die arabischen Staaten (ohne Nordafrika) sind die einzigen beiden Regionen, in denen die absolute Zahl der 'working poor' zwischen 1991 und 2013 gestiegen ist (3,10 US-Dollar-Grenze: Plus 89,1 bzw. 2,9 Mio.). Relativ zu den insgesamt Beschäftigten ging der Anteil der 'working poor' jedoch auch hier zurück, da die Zahl der insgesamt Beschäftigten in allen Regionen schneller wuchs als die Zahl der 'working poor'.

Der Anteil der arbeitenden Personen, die in Haushalten mit einem Einkommen von unter 1,90 US-Dollar pro Tag und Kopf leben, an den Beschäftigten in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten verringerte sich kontinuierlich von 48,6 Prozent im Jahr 1991 auf 13,1 Prozent im Jahr 2013. Bei einem Einkommen von unter 3,10 US-Dollar sank der entsprechende Wert im selben Zeitraum von 67,3 auf 30,0 Prozent. Vor allem Ostasien (insbesondere China) hat einen großen Anteil an dieser Entwicklung: Hier reduzierte sich der Anteil der arbeitenden Personen, die in Haushalten mit einem Einkommen von unter 3,10 US-Dollar pro Tag und Kopf leben, zwischen 1991 und 2013 von 82,6 auf 13,5 Prozent.

Von allen Beschäftigten, deren haushaltsgewichtetes Einkommen im Jahr 2013 unter der 3,10 US-Dollar-Grenze lag, lebten 40,7 Prozent in Südasien, 27,3 Prozent im subsaharischen Afrika, 13,9 Prozent in Ostasien sowie 11,1 Prozent in der Region Süd-Ostasien und Pazifik. Sieben Prozent entfielen auf die verbleibenden Regionen. Relativ zur jeweiligen Gesamtzahl der Beschäftigten ist das subsaharische Afrika am stärksten vom 'Armut trotz Arbeit'-Problem betroffen: Bezogen auf die 3,10 US-Dollar-Grenze waren hier 2013 knapp zwei Drittel der Beschäftigten trotz Arbeit arm (65,7 Prozent). In Südasien war es jede zweite Person (50,0 Prozent). Auch bei der 1,90 US-Dollar-Grenze waren die Werte im subsaharischen Afrika (36,6 Prozent) und in Südasien (20,6 Prozent) mit Abstand am höchsten.

Viele 'working poor' arbeiten im informellen Sektor, also in einem meist schlecht bezahlten Beschäftigungsverhältnis ohne regulären Vertrag, ohne soziale Sicherung und ohne ausreichenden Arbeitsschutz. Ein besonderes Problem des informellen Sektors ist die Kinderarbeit. Die ILO geht davon aus, dass im Jahr 2012 weltweit 168 Millionen Kinder Kinderarbeit geleistet haben, darunter 73 Millionen Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren. In der Region Asien-Pazifik war die absolute Zahl arbeitender Kinder mit 78 Millionen am höchsten. In Subsahara-Afrika war der relative Anteil der Betroffenen am größten: Mehr als ein Fünftel der 5- bis 17-Jährigen haben Kinderarbeit geleistet (21,4 Prozent / 59 Millionen Menschen).

Das Problem 'Armut trotz Arbeit' ist nicht auf die ökonomisch sich entwickelnden Staaten begrenzt. In den ökonomisch entwickelten Staaten gelten diejenigen als 'working poor', deren Einkommen trotz Erwerbstätigkeit unter der jeweiligen Armutsschwelle liegt. So gehörten beispielsweise in den USA nach Angaben des U.S. Department of Labor bzw. des U.S. Bureau of Labor Statistics im Jahr 2014 9,5 Millionen Erwerbstätige zur Gruppe der 'working poor'. Weiter lebten 5,1 Millionen Familien unterhalb der offiziellen Armutsgrenze, obwohl mindestens ein Familienmitglied mindestens die Hälfte des Jahres Arbeit hatte. In Deutschland waren im Jahr 2013 9,9 Prozent aller Erwerbstätigen trotz Arbeit armutsgefährdet. 2005 lag dieser Wert noch bei 5 Prozent (Vollzeitbeschäftigte: 4 Prozent, Teilzeitbeschäftigte: 8 Prozent).

Datenquelle



Copyright © 2016 International Labour Organization (ILO): World Employment and Social Outlook: Trends 2016; U.S. Department of Labor, U.S. Bureau of Labor Statistics: A Profile of the Working Poor, 2014; Statistisches Bundesamt: Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Grundsätzlich wird zwischen absoluter und relativer Armut unterschieden: Verallgemeinert bezeichnet die absolute Armut einen Zustand, in dem die Grundversorgung nicht gegeben ist. Dies betrifft alle Haushalte, in denen das gewichtete Einkommen unter zwei US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag und Kopf liegt. Von extremer Armut wird gesprochen, wenn das gewichtete Haushaltseinkommen weniger als 1,25 US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag und Kopf beträgt.

Von relativer Armut sind Personen betroffen, deren Einkommen unter der jeweiligen Armutsschwelle liegt – beispielsweise liegt diese Schwelle in Deutschland bei 60 Prozent des mittleren Einkommens. Dabei berücksichtigt die Einkommensberechnung sowohl die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen als auch die Einspareffekte, die durch das Zusammenleben entstehen. Die Einkommen werden also gewichtet. Weitergehende Informationen zur Ermittlung des verfügbaren Einkommens bzw. des sogenannten Äquivalenzeinkommens finden Sie hier...

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO – International Labour Organization) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UN – United Nations). Sie wurde im Jahr 1919 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Genf. Die ILO verfügt über eine dreigliedrige Struktur: Die 187 Mitgliedstaaten sind durch Repräsentanten sowohl von den Regierungen als auch von Seiten der Arbeitnehmer und Arbeitgeber in den Organen der ILO vertreten.

Weitere Informationen zum Thema Kinderarbeit finden Sie hier...

Armut trotz Arbeit

Arbeitende Personen mit weniger als 1,90 bzw. 3,10 US-Dollar pro Tag, in absoluten Zahlen und in Prozent, 1991 bis 2016

Arbeitende Personen in Haushalten mit einem
Einkommen von unter 1,90 US-Dollar (Kaufkraft)
pro Tag und Kopf
1991 2000 2005 2010 2013 20161
Anzahl, in Mio.
ökonomisch sich entwickelnde Staaten 893,1 718,7 529,4 434,6 346,3 318,3
davon:
Südasien 233,4 220,6 219,9 186,3 133,3 116,4
subsaharisches Afrika 96,3 121,8 120,3 122,6 120,5 119,8
Ostasien 433,5 254,4 102,9 67,4 45,9 38,4
Süd-Ostasien und Pazifik 103,5 91,6 59,0 38,4 28,7 25,6
Lateinamerika und Karibik 15,0 17,0 15,6 11,0 10,1 10,1
Nordafrika 5,9 4,3 4,5 3,8 3,2 3,5
arabische Staaten (ohne Nordafrika) 1,4 1,4 1,6 1,7 1,7 2,0
Zentral- und Westasien 2,4 6,2 4,2 2,2 1,6 1,3
Osteuropa 1,6 1,5 1,3 1,1 1,2 1,1
Anteil an allen Beschäftigten, in Prozent
ökon. sich entwickelnde Staaten 48,6 33,2 22,2 17,1 13,1 11,5
davon:
Südasien 54,3 42,2 36,7 30,0 20,6 17,0
subsaharisches Afrika 55,2 53,9 46,2 40,7 36,6 33,1
Ostasien 64,4 33,8 13,1 8,4 5,6 4,6
Süd-Ostasien und Pazifik 53,2 37,8 22,5 13,2 9,3 8,0
Lateinamerika und Karibik 9,1 8,3 6,6 4,2 3,6 3,5
Nordafrika 16,9 9,6 8,8 6,5 5,2 5,3
arabische Staaten (ohne Nordafrika) 7,8 5,6 5,0 4,2 3,8 4,2
Zentral- und Westasien 5,6 13,3 8,4 3,8 2,7 2,1
Osteuropa 1,6 1,6 1,3 1,2 1,2 1,1

Arbeitende Personen in Haushalten mit einem
Einkommen von unter 3,10 US-Dollar (Kaufkraft)
pro Tag und Kopf
1991 2000 2005 2010 2013 20161
Anzahl, in Mio.
ökonomisch sich entwickelnde Staaten 1.236,6 1.238,6 1.065,2 914,8 793,7 745,2
davon:
Südasien 346,4 388,7 414,0 386,3 322,9 296,4
subsaharisches Afrika 127,4 169,7 187,0 204,9 216,5 228,3
Ostasien 555,7 448,7 263,3 164,7 110,7 85,9
Süd-Ostasien und Pazifik 137,5 152,2 127,7 99,3 88,4 77,6
Lateinamerika und Karibik 33,8 36,6 34,7 25,9 23,3 23,6
Nordafrika 17,4 17,3 17,7 16,3 14,9 15,6
arabische Staaten (ohne Nordafrika) 5,6 5,9 6,9 7,8 8,5 10,2
Zentral- und Westasien 7,8 13,8 9,8 6,4 5,2 4,4
Osteuropa 4,7 5,7 3,9 3,2 3,3 3,0
Anteil an allen Beschäftigten, in Prozent
ökon. sich entwickelnde Staaten 67,3 57,2 44,7 36,0 30,0 26,9
davon:
Südasien 80,6 74,3 69,1 62,2 50,0 43,3
subsaharisches Afrika 73,0 75,1 71,8 68,0 65,7 63,1
Ostasien 82,6 59,6 33,5 20,5 13,5 10,3
Süd-Ostasien und Pazifik 70,6 62,8 48,7 34,0 28,8 24,2
Lateinamerika und Karibik 20,5 17,9 14,6 9,9 8,3 8,1
Nordafrika 49,3 39,0 34,2 27,5 24,2 23,9
arabische Staaten (ohne Nordafrika) 31,1 23,0 22,2 19,1 18,8 21,1
Zentral- und Westasien 18,2 29,6 19,7 11,4 8,5 7,0
Osteuropa 4,8 6,2 4,0 3,3 3,3 3,1

1 Vorausberechnungen


Quelle: Copyright © 2016 International Labour Organization (ILO): World Employment and Social Outlook: trends 2016




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