Zahlen und Fakten: Globalisierung

Jährliche Änderung der Waldbestände

14.9.2010
Der Waldverlust von jährlich 2,64 Millionen Hektar in Brasilien entspricht einem durchschnittlichen Verlust von 5,0 ha pro Minute. Fünf Hektar entsprechen wiederum einer Fläche von rund sieben Fußballfeldern.

Jährliche Änderung der Waldbestände.Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Rund 31 Prozent der weltweiten Landoberfläche sind mit Wäldern bedeckt – das entspricht einer Fläche von insgesamt 4,03 Milliarden Hektar (ha). Allerdings ist der Waldbestand sehr unterschiedlich verteilt. Im Jahr 2010 entfielen auf die fünf Staaten mit dem größten Waldbestand 53 Prozent des weltweiten Waldbestandes. Allein Russland hatte mit einer Waldfläche von 809 Millionen Hektar einen Anteil von einem Fünftel (20,1 Prozent). Es folgten Brasilien (520 Mio. ha), Kanada (310 Mio. ha), die USA (304 Mio. ha), China (207 Mio. ha), die Demokratische Republik Kongo (154 Mio. ha), Australien (149 Mio. ha), Indonesien (94 Mio. ha), Sudan (70 Mio. ha) und Indien (68 Mio. ha).

In weltweit 50 Staaten war im Jahr 2010 mehr als die Hälfte der Gesamtfläche bewaldet, darunter 12 Staaten, bei denen mehr als 75 Prozent der Fläche mit Wald bedeckt waren. Demgegenüber hatten im selben Jahr zehn Staaten der Welt gar keinen Wald und in 54 Staaten bedeckte der Wald nur zehn Prozent der Gesamtfläche – die meisten davon liegen in Nordafrika, Westasien oder sind kleinere Inseln. 2010 lebten in diesen 64 waldarmen Staaten rund 2 Milliarden Menschen.

Die weltweiten Waldverluste schreiten seit Jahrzehnten voran. Allerdings hat sich das Tempo leicht verringert: Während zwischen 1990 und 2000 im Durchschnitt noch 0,20 Prozent (8,33 Mio. ha) des weltweiten Waldbestandes pro Jahr verloren gingen, waren es im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2010 jährlich 0,13 Prozent (5,21 Mio. ha). Die Fläche der jährlichen Waldverluste entspricht gegenwärtig in etwa der Größe von Costa Rica.

Hauptursache für die Waldverluste ist die Umwandlung von Wald- in Ackerfläche. Zusammen mit anderen Nutzungsformen und den Waldverlusten durch Naturkatastrophen gehen Jahr für Jahr etwa 13 Millionen Hektar Wald verloren. Auf der anderen Seite stehen Waldzuwächse durch Aufforstung, Wiederaufforstung und durch die natürliche Ausbreitung des Waldes.

In den Jahren 2000 bis 2010 nahm die Waldfläche in Ostasien um durchschnittlich 2,78 Millionen Hektar pro Jahr zu. Das war mehr als in jeder anderen Region. Auch in Europa (ohne Russland) hat sich im selben Zeitraum der Waldbestand erhöht – und zwar um jährlich 694.000 Hektar.

Allein in den 10 Staaten, auf die in den Jahren 2000 bis 2010 die höchsten Waldzuwächse entfielen, lag die Höhe der Zuwächse bei 4,41 Millionen Hektar pro Jahr. In den Jahren 1990 bis 2000 lag der entsprechende Wert noch bei 3,40 Millionen Hektar pro Jahr. Bezogen auf den Zeitraum 2000 bis 2010 hatten China (plus 2,99 Mio. ha), die USA (plus 0,38 Mio. ha), Indien (plus 0,30 Mio. ha) und Vietnam (plus 0,21 Mio. ha) die größten Anteile am Waldzuwachs. Ein großer Teil der weltweiten Waldzuwächse beruht auf der Zunahme von Waldplantagen. Die Fläche der Waldplantagen nahm im Zeitraum von 1990 bis 2010 um jährlich 4,29 Millionen Hektar zu. In China (plus 1,93 Mio. ha), den USA (plus 0,81 Mio. ha), Kanada (plus 0,39 Mio. ha) und Indien (plus 0,25 Mio. ha) war das durchschnittliche jährliche Wachstum dabei am höchsten.

Demgegenüber hatten Südamerika (minus 4,00 Mio. ha), Ost- und Südafrika (minus 1,84 Mio. ha), West- und Zentralafrika (minus 1,54 Mio. ha), Ozeanien (minus 0,70 Mio. ha) sowie Süd- und Süd-Ostasien (minus 0,68 Mio. ha) zwischen 2000 und 2010 die größten Waldverluste pro Jahr.

Allein die 10 Staaten, die in den Jahren 2000 bis 2010 die höchsten Waldverluste hatten, verloren jährlich 6,04 Millionen Hektar Wald. An der Spitze standen dabei Brasilien (minus 2,64 Mio. ha), Australien (minus 0,56 Mio. ha) und Indonesien (minus 0,50 Mio. ha). Im Zeitraum 1990 bis 2000 lag der Waldverlust der "Top 10" noch bei 7,93 Millionen Hektar. Während auf Brasilien auch in dieser Zeit die größten Verluste entfielen (minus 2,89 Mio. ha.), stand Indonesien noch an zweiter Stelle. Dabei waren die Waldverluste in Indonesien mit 1,91 Millionen Hektar pro Jahr fast viermal so hoch wie in der Zeit von 2000 bis 2010. Australien war im Zeitraum 1990 bis 2000 gar nicht unter den zehn Staaten mit den größten Verlusten zu finden – dies änderte sich seit dem Jahr 2000 durch zahlreiche Dürren und Waldbrände.

Der Waldverlust von jährlich 2,64 Millionen Hektar in Brasilien entspricht einem durchschnittlichen Verlust von 5,0 ha pro Minute. Fünf Hektar entsprechen wiederum einer Fläche von rund sieben Fußballfeldern.

Etwa 36 Prozent des weltweiten Waldbestandes sind Urwälder, rund 57 Prozent sind natürliche Wälder, die deutlich durch menschliches Handeln beeinflusst sind, 6,5 Prozent sind Waldplantagen. Da Urwälder als Ökosysteme einzigartig sind, eine besondere Bedeutung für die Biodiversität haben und für viele natürliche Kreisläufe unverzichtbar sind, ist ihre Zerstörung ein besonderes Problem. Umso dramatischer ist es, dass im Zeitraum 2000 bis 2010 jährlich mehr als vier Millionen Hektar Urwald zerstört oder verändert worden sind. Die veränderte Nutzung hat unter anderem beträchtliche Treibhausgasemissionen zur Folge. Denn in den Böden und Wäldern sind große Mengen Kohlenstoff gespeichert, die bei der Abholzung als Kohlendioxid in die Atmosphäre abgegeben werden. Zudem fallen die alten Baumbestände, die für die Akkumulation von Kohlenstoff besonders wichtig sind, auch für die Zukunft aus.

Datenquelle



Food and Agriculture Organization (FAO): Global Forest Resources Assessment 2010

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Hektar (ha) ist eine Maßeinheit der Fläche, die vor allem in der Land- und Forstwirtschaft verbreitet ist.

1 ha = 100m x 100m = 10.000 m² = 0,01 km²

Waldplantagen – also angepflanzte Wälder – werden in erster Linie als "produktive Plantagen" für die Produktion von Holz, Papierfasern und Biokraftstoffen genutzt. "Protektive Plantagen" dienen dem Schutz von Böden und Wasservorkommnissen, schützen vor Erosion durch Wind und Wasser, stoppen die Ausbreitung von Wüsten, dienen dem Küstenschutz, mildern die Lawinengefahr und steigern die Luftqualität.

Tabelle: Jährliche Änderung der Waldbestände



In absoluten Zahlen und in Prozent des Gesamtbestandes, Durchschnitt der Jahre 1990 bis 2000 und 2000 bis 2010

  Ø 1990-2000 Ø 2000-2010
in 1.000 ha in % in 1.000 ha in %
Welt -8.327 -0,20 -5.211 -0,13
Südamerika -4.213 -0,45 -3.997 -0,45
Afrika -4.067 -0,56 -3.414 -0,49
davon:  
Ost- und Südafrika -1.841 -0,62 -1.839 -0,66
West- und Zentralafrika -1.637 -0,46 -1.535 -0,46
Nordafrika -590 -0,72 -41 -0,05
Ozeanien -41 -0,02 -700 -0,36
Nord- und Zentralamerika -289 -0,04 -10 0,00
davon:  
Zentralamerika -374 -1,56 -248 -1,19
Karibik 53 0,87 50 0,75
Nordamerika 32 188 0,03
Europa 877 0,09 676 0,07
davon:  
Russland 32 -18
Europa ohne Russland 845 0,46 694 0,36
Asien -595 -0,10 2.235 0,39
davon:  
Süd- und Süd-Ostasien -2.428 -0,77 -677 -0,23
West- und Zentralasien 72 0,17 131 0,31
Ostasien 1.762 0,81 2.781 1,16

Quelle: Food and Agriculture Organization (FAO): Global Forest Resources Assessment 2010


Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/de/

counter
 

Zahlen und Fakten 3D

CO2-Emissionen

Der steigende Ausstoß des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2) wird als ursächlich für einen großen Teil der globalen Erderwärmung angesehen. Die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle und Erdöl ist der Hauptgrund für den von den Menschen verursachten CO2-Ausstoß. Mit dem interaktiven Angebot "Zahlen und Fakten 3D" können Sie Regionen und Staaten der Welt miteinander vergleichen, Entwicklungen über mehrere Jahre oder Jahrzehnte hinweg verfolgen und so Infografiken nach Ihren eigenen Vorgaben erstellen. Weiter... 

zum Fragebogen >

Ihre Meinung ist uns wichtig


Vielen Dank für Ihren Besuch von bpb.de!

Wir wollen unseren Internetauftritt verbessern - und zwar mit Ihrer Hilfe. Dazu laden wir Sie herzlich zu einer kurzen Befragung ein. Sie dauert etwa 10 Minuten. Die Befragung führt das unabhängige Marktforschungsinstitut SKOPOS für uns durch.

Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Teilnahme. Ihre Meinung ist uns sehr wichtig!

Ihre Bundeszentrale für politische Bildung

Information zum Datenschutz und zur Datensicherheit


Als unabhängiges Marktforschungsinstitut führt SKOPOS Institut für Markt- und Kommunikationsforschung GmbH & Co. KG im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung diese Befragung durch.

Zur Durchführung der Befragung erhebt SKOPOS Ihre IP-Adresse. Diese wird umgehend anonymisiert und getrennt von den Befragungsdaten verarbeitet, deshalb ist eine Identifizierung von Personen nicht möglich. Weitere personenbeziehbare oder personenbezogene Daten werden nicht erhoben.

Die Befragung entspricht den gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz und den Richtlinien des Berufsverbandes Deutscher Markt- und Sozialforscher e.V. sowie der Europäischen Gesellschaft für Meinungs- und Marketingforschung. Es erfolgt keine Weitergabe an Dritte.

Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie hier.