Zahlen und Fakten: Globalisierung

Wasserverbrauch

14.9.2010
Mitte dieses Jahrhunderts werden im schlimmsten Fall sieben Milliarden Menschen in 60 Ländern und im günstigsten Fall zwei Milliarden Menschen in 48 Ländern von Wasserknappheit betroffen sein.

Wasserverbrauch.Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Von den etwa 1,4 Milliarden Kubikkilometern (km³) Wasser auf der Erde sind nur etwa 2,5 Prozent Süßwasser. Davon sind wiederum mehr als zwei Drittel in Gletschern und als ständige Schneedecke bzw. Eis gebunden. Weitere 30 Prozent befinden sich als Grundwasser unter der Erde, knapp ein Prozent bilden Bodenfeuchtigkeit, Grundeis, Dauerfrost und Sumpfwasser. Nur etwa 0,3 Prozent der Süßwasservorräte – rund 100.000 km³ bzw. 0,008 Prozent allen Wassers – sind relativ leicht, vor allem in Seen und Flüssen, für den Menschen zugänglich.

Hinzu kommen weitere 8.000 km³, die durch Dämme aufgestaut werden. Weltweit existieren mehr als 50.000 Großstaudämme (mit einer Höhe von mehr als 15 Metern oder einem Fassungsvermögen von mindestens 3 Mio. m³), rund 100.000 mittelgroße Dämme (Fassungsvermögen: 0,1 bis 3 Mio. m³) sowie eine Million kleinere Staudämme (Fassungsvermögen: < 0,1 Mio. m³). Die Staudämme sind zu einem unverzichtbaren, aber ökologisch vielfach problematischen Bestandteil der Wasserversorgung geworden.

Weltweit werden jährlich rund 4.000 km³ Frischwasser entnommen, wobei der größte Teil aus erneuerbaren Wasserressourcen (Flüsse, Seen, Grundwasser) stammt. Von den 4.000 km³ werden etwa 70 Prozent im Agrarsektor, 20 Prozent in der Industrie (inklusive Energieproduktion) und 10 Prozent im häuslichen Bereich verbraucht. Auf den Agrarsektor entfallen weitere 6.400 km³ Regenwasser, das direkt über den Feldern abregnet. Bei der Wasserentnahme bestehen große Unterschiede zwischen den Regionen: So liegt beispielsweise in Nordamerika sowie in Europa der Anteil der Industrie an der Wasserentnahme bei rund 50 Prozent.

Nach den Angaben, die der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) Anfang 2010 zur Verfügung standen, sind Indien, China, die USA, Pakistan, Iran, Japan, Thailand, Indonesien, Bangladesch und Mexiko die zehn Staaten, die am meisten Wasser entnehmen. Allein auf Indien und China entfällt etwa ein Drittel der weltweiten Wasserentnahme.

Bei der Wasserentnahme pro Kopf schwankt die jährliche Entnahmemenge zwischen 5.319 m³ im Baumwolle produzierenden Turkmenistan und 6 m³ in der Zentralafrikanischen Republik. Weltweit liegt die jährliche Entnahmemenge bei durchschnittlich rund 600 m³ pro Kopf. Verglichen mit anderen ökonomisch entwickelten Staaten lag Deutschland im Jahr 2007 mit einer Wasserentnahme von knapp 400 m³ pro Kopf im unteren Mittelfeld.

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn das Wasser, das für die Produktion von Waren und Dienstleistungen entnommen wird ('virtuelles Wasser'), den Staaten zugerechnet wird, in denen die Waren und Dienstleistungen verbraucht werden. Dazu ein Beispiel: Bei einem Apfel, der während der Zucht bewässert und nach der Ernte exportiert wird, wird der Wasserverbrauch dem Land zugerechnet, in dem der Apfel gegessen wird – und nicht dem Land, in dem er gezüchtet wurde.

Die Non-Profit-Organisation 'Water Footprint Network' berechnet den 'Wasser-Fußabdruck' indem das 'virtuelle Wasser' und das vor Ort verbrauchte Wasser addiert werden. Für die USA ergibt sich so ein jährlicher 'Wasser-Fußabdruck' von knapp 2.500 m³ pro Kopf. In China liegt der entsprechende Wert bei 700 m³ pro Kopf. Deutschland hat einen jährlichen 'Wasser-Fußabdruck' von 1.550 m³ pro Kopf – das entspricht mehr als 4.000 Litern pro Tag. Der allergrößte Teil dieser 4.000 Liter entfällt auf das 'virtuelle Wasser' der Importe, die Wassernutzung durch Wärmekraftwerke (vor allem Kühlung) sowie den Bergbau und das Verarbeitende Gewerbe. Der unmittelbare personenbezogene Wasserverbrauch in Deutschland lag 2008 bei lediglich 123 Litern pro Einwohner und Tag.

Der weltweite Wasserverbrauch hat sich zwischen 1930 und 2000 etwa versechsfacht. Hierfür sind die Verdreifachung der Weltbevölkerung und die Verdoppelung des durchschnittlichen Wasserverbrauchs pro Kopf verantwortlich. Seit dem Jahr 2000 erhöht sich die Bevölkerungszahl jedes Jahr um gut 79 Millionen Menschen. Verbunden mit ökonomischem Wachstum, zunehmender Verstädterung und der Verbreitung von verbrauchsintensiven Lebensstilen erhöht das Bevölkerungswachstum die Wassernachfrage um 50 bis 64 Milliarden Kubikmeter pro Jahr.

In Verbindung mit räumlichen und zeitlichen Schwankungen der Wasserverfügbarkeit hat die steigende Wasserentnahme zur Folge, dass Wasser in sehr vielen Nutzungsbereichen knapp wird. Offensichtlich wird diese Knappheit, wenn Flüsse weniger Wasser führen, Seen austrocknen und vielerorts der Grundwasserspiegel sinkt.

Parallel zur steigenden Entnahme werden die Süßwasservorkommen durch den Klimawandel und die Verschmutzung weiter verringert. Die UNESCO geht davon aus, dass täglich etwa zwei Millionen Tonnen Abfälle in Vorflutern abgelagert werden. Schätzungen gehen von einer globalen Abwasserproduktion von etwa 1.500 km³ aus. Unter der Annahme, dass 1 Liter Abwasser 8 Liter Süßwasser verunreinigen kann, könnte sich die aktuelle Abwasserbelastung auf bis zu 12.000 km³ weltweit belaufen. Gleichzeitig gelangen nach Angaben der UNESCO in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten mehr als 80 Prozent des Abwassers unbehandelt in Flüsse, Seen und Meere.

Mitte dieses Jahrhunderts werden im schlimmsten Fall sieben Milliarden Menschen in 60 Ländern und im günstigsten Fall zwei Milliarden Menschen in 48 Ländern von Wasserknappheit betroffen sein. Trotz der knappen Verfügbarkeit bleiben viele Einsparmöglichkeiten – bessere Bewässerungstechnik, Anbau angepasster Erzeugnisse, achtsames Konsumverhalten und Vermeidung der Trinkwassernutzung im Agrarsektor – ungenutzt.

Datenquelle



Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO): AQUASTAT; United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO): The United Nations World Water Development Report 1 (2003), The United Nations World Water Development Report 3 (2009); Water Footprint Network: »www.waterfootprint.org«; Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW): »www.bdew.de«

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Das Konzept des virtuellen Wassers wurde in den 1990er-Jahren von dem britischen Wissenschaftler John Anthony Allan entwickelt. Darunter ist die Wassermenge zu verstehen, die während der gesamten Produktionskette eines bestimmten Produktes verbraucht, verdunstet oder verschmutzt wird.

Der Wasser-Fußabdruck ist eine Weiterentwicklung des virtuellen Wasser-Konzepts und kann sowohl für Einzelpersonen wie auch für Unternehmen und ganze Nationen berechnet werden. Er beinhaltet die direkt verbrauchte Wassermenge sowie das in der Nahrung und anderen Waren verbrauchte virtuelle Wasser.

1 Kubikkilometer (km³) = 1.000.000.000 Kubikmeter (m³)

1 m³ = 1.000 Liter

Tabelle: Wasser



Jährliche Wasserentnahme pro Kopf (alle Sektoren), in Kubikmetern (m³), Stand: 2010*

  Wasserentnahme pro Kopf, in m³ Stand der Information
Turkmenistan 5.319,0 2002
Irak 2.525,0 2002
Kasachstan 2.345,0 2002
Usbekistan 2.295,0 2002
Guyana 2.161,0 2002
 
Kirgisistan 1.989,0 2002
Tadschikistan 1.895,0 2002
USA 1.611,0 2002
Kanada 1.468,0 2002
Aserbaidschan** 1.415,0 2007
Suriname 1.393,0 2002
Thailand 1.366,0 2002
Ecuador** 1.345,0 2002
Iran 1.288,0 2007
Australien 1.218,0 2002
Bulgarien 1.099,0 2002
Pakistan 1.092,0 2002
Portugal 1.088,0 2002
Afghanistan 1.061,0 2002
Sudan 1.025,0 2002
 
Saudi-Arabien** 959,1 2007
Uruguay 946,5 2002
Swasiland 946,4 2002
Ägypten 937,0 2002
Madagaskar 924,0 2002
Armenien 920,2 2007
Vereinigte Arabische Emirate 916,1 2007
Vietnam 882,9 2002
Spanien** 863,6 2002
Syrien 814,0 2007
Chile 795,3 2002
Ukraine 781,4 2002
Libyen 776,8 2002
Argentinien 774,8 2002
Italien 770,5 2002
Mexiko 766,5 2002
Peru 752,1 2002
Kuba 736,2 2002
Bhutan** 711,9 2002
Griechenland 706,4 2002
Myanmar 701,6 2002
Japan 695,8 2002
Frankreich 667,9 2002
Sri Lanka 662,3 2002
Costa Rica 653,7 2002
Mauretanien 617,5 2002
Indien 599,1 2002
Mali 594,5 2002
Republik Moldau 583,2 2002
Mauritius 570,4 2007
Belize 568,2 2002
Albanien 555,9 2002
Türkei 549,3 2007
Bangladesch 544,6 2002
Südkorea 542,5 2002
Ungarn 536,2 2002
Laos 535,8 2002
Neuseeland 532,6 2002
Island** 525,2 2002
Simbabwe 513,6 2002
 
Niederlande 493,7 2002
China 487,5 2002
Oman 484,6 2007
Norwegen 482,6 2002
Finnland 476,2 2002
Bahrain** 470,3 2007
Russland** 455,5 2002
Rumänien 428,4 2007
Marokko 427,2 2002
Polen 422,6 2002
Nepal 398,2 2002
Deutschland 393,9 2007
Indonesien 392,6 2002
Katar 390,2 2007
Nordkorea 389,3 2002
Somalia 377,6 2007
Kuwait 374,4 2002
Dominikanische Republik 372,1 2002
Georgien 372,0 2007
Malaysia 372,0 2002
Barbados 358,6 2002
Philippinen 353,0 2002
Schweiz 353,0 2002
Schweden 331,7 2002
Brasilien 331,1 2002
Venezuela 330,4 2002
Libanon 314,8 2007
Kambodscha 308,7 2002
Zypern 305,0 2002
 
Tunesien** 296,2 2002
Irland 286,7 2002
Israel 281,9 2007
Belarus 280,2 2002
Südafrika 270,6 2002
Panama 267,7 2002
Österreich 261,0 2002
Kolumbien 260,7 2002
Tschechische Republik 253,2 2002
Dominica 247,8 2007
Nicaragua 247,7 2002
Trinidad und Tobago 237,5 2002
Dänemark 236,5 2002
Puerto Rico 222,0 2002
El Salvador 213,5 2002
Senegal 212,9 2002
Algerien 193,2 2002
Äquatorialguinea 192,9 2002
Niger 184,8 2002
Mongolei 179,5 2002
Jemen 176,4 2002
Guinea 173,4 2002
Guatemala 170,4 2002
Bolivien 166,1 2002
Großbritannien 160,0 2002
Sambia 158,6 2002
Jordanien 158,4 2007
Namibia 158,1 2002
Jamaica 157,1 2002
Seychellen 148,2 2007
Tansania 144,2 2002
Honduras 132,5 2002
Lettland 128,4 2002
Malta 128,2 2002
Guinea-Bissau 127,8 2002
Eritrea 121,7 2007
Estland 116,4 2002
Haiti 110,6 2002
Botsuana 109,5 2002
Palästinensische Gebiete 104,1 2007
 
St. Lucia 98,2 2007
Grenada 97,1 2007
Gabun 93,1 2002
Paraguay 88,0 2002
Fidschi 86,1 2002
Sierra Leone 83,7 2002
Äthiopien 80,5 2002
Malawi 80,5 2002
Litauen** 77,9 2002
Kenia 72,4 2007
Burkina Faso 64,3 2002
Nigeria 61,1 2002
Kamerun 59,6 2002
Côte d'Ivoire 51,5 2002
Kap Verde 48,4 2002
Ghana 48,0 2002
Burundi 42,6 2002
Liberia 36,0 2002
Mosambik 32,7 2002
Togo** 30,4 2002
Lesotho** 25,8 2002
Tschad** 25,5 2002
Dschibuti 24,9 2002
Angola 23,1 2002
Gambia 22,0 2002
Benin 18,3 2002
Ruanda 17,6 2002
Kongo 14,5 2002
Komoren 13,6 2002
Papua-Neuguinea 12,5 2002
Uganda 11,5 2002
Demokratische Republik Kongo 6,7 2002
Zentralafrikanische Republik** 6,4 2002

* Angaben beziehen sich jeweils auf die letzten zur Verfügung stehenden Daten (seit 2002).
** Schätzungen der FAO.


Quelle: Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO): AQUASTAT


Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/de/

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