Zahlen und Fakten: Globalisierung

Primärenergie-Versorgung

Nach Energieträgern, Anteile in Prozent, Gesamtversorgung in Mio. t Öläquivalent, weltweit 1973 und 2013

Primärenergie-Versorgung

Quelle: International Energy Agency (IEA): Energy Statistics Division 09/2015, Key World Energy Statistics 2010, © OECD/IEA

31.12.2015
Die Produktion von immer mehr Gütern und die enorme Steigerung des weltweiten Güterhandels haben zu einem starken Anstieg des Energieverbrauchs geführt. Allein in den letzten vier Jahrzehnten hat sich dieser mehr als verdoppelt. Parallel veränderte sich auch der Energiemix, der absolute Verbrauch erhöhte sich jedoch bei allen Energieträgern. Die Bedeutung der erneuerbaren Energien ist nicht nur absolut, sondern auch im Vergleich zu anderen Energieträgern gestiegen. Je nach Erhebungsansatz wird dabei der Begriff "erneuerbar" jedoch sehr unterschiedlich definiert.

Fakten



Nach Angaben der Internationalen Energie Agentur (International Energy Agency, IEA) nahm die Versorgung mit Primärenergie zwischen 1973 und 2013 von 6.115 auf 13.555 Millionen Tonnen Öläquivalent zu. Das entspricht einer Steigerung von insgesamt 121,7 Prozent bzw. 2,0 Prozent pro Jahr. Allein von 2002 bis 2013 nahm die Primärenergie-Versorgung jährlich um überdurchschnittliche 2,6 Prozent zu.

Allerdings hatte die globale Finanz- und Wirtschaftskrise nicht nur einen realen Rückgang des Welt-Bruttoinlandsprodukts von 2008 auf 2009 zur Folge (minus 2,0 Prozent), sondern führte auch zu einer Verringerung des Energieverbrauchs. Die Versorgung mit Primärenergie sank zwischen 2008 und 2009 von 12.267 auf 12.150 Millionen Tonnen Öläquivalent (minus 1,0 Prozent). Von 2009 auf 2010 wurde dieser Rückgang jedoch nicht nur ausgeglichen – mit 12.717 Millionen Tonnen Öläquivalent lag die weltweite Primärenergie-Versorgung 2010 sogar deutlich über dem Vorkrisenniveau (plus 3,7 Prozent gegenüber 2008). In den drei Folgejahren nahm die Primärenergie-Versorgung nochmals um 3,1, 2,0 bzw. 1,4 Prozent zu und lag schließlich bei 13.555 Millionen Tonnen Öläquivalent im Jahr 2013.

Die weltweite Primärenergie-Versorgung basierte im Jahr 2013 zu 31,1 Prozent auf Öl (2009: 32,8 Prozent), zu 28,9 Prozent auf Kohle (27,2 Prozent), zu 21,4 Prozent auf Gas (20,9 Prozent), zu 10,2 Prozent auf Biomasse, Biogas und biologisch abbaubaren Abfällen (10,2 Prozent), zu 4,8 Prozent auf Kernenergie (5,8 Prozent), zu 2,4 Prozent auf Wasserkraft (2,3 Prozent) sowie zu 1,2 Prozent auf neuen erneuerbaren Energien (0,8 Prozent).

1973 lag der Anteil des Öls an der Primärenergie-Versorgung mit 46,1 Prozent noch 15,0 Prozentpunkte höher als 2013. Allerdings sagt der relative Rückgang nichts über die Entwicklung der absolut bereitgestellten Öl-Menge aus: Diese nahm zwischen 1973 und 2013 sogar um 49,5 Prozent zu. Die Anteile von Kohle und Gas an der weltweiten Primärenergie-Versorgung erhöhten sich im selben Zeitraum um 4,4 bzw. 5,4 Prozentpunkte. Die absolut bereitgestellte Menge stieg um rund 162 Prozent (Kohle) bzw. 197 Prozent (Gas).

Relativ am stärksten erhöhten sich zwischen 1973 und 2013 die Anteile der neuen erneuerbaren Energien und der Kernenergie an der weltweiten Primärenergie-Versorgung. Während sich der Anteil der neuen erneuerbaren Energien (Geothermie, Solar-, Wind- und Meeresenergie) von 0,1 auf 1,2 Prozent erhöhte, wuchs der Anteil der Kernenergie von 0,9 auf 4,8 Prozent. Die absolut bereitgestellte Menge stieg dabei um etwa 2.500 Prozent (neue erneuerbare Energien) bzw. 1.100 Prozent (Kernenergie). Allerdings ist der Anteil der Kernenergie an der weltweiten Primärenergie-Versorgung seit 2002 rückläufig, während der Anteil der neuen erneuerbaren Energien auch in dieser Zeit gestiegen ist.

Bei einem Vergleich der Anteile von Kernenergie und erneuerbaren Energien an der Primärenergie-Versorgung bzw. am Primärenergie-Verbrauch ist zu beachten, dass es unterschiedliche Erhebungsmethoden gibt. Die IEA, auf deren Zahlen hier zurückgegriffen wird, verwendet die sogenannte Wirkungsgradmethode. Verglichen mit der tatsächlich zur Verfügung stehenden Energie (Endenergie/Sekundärenergie) führt diese Methode dazu, dass die erneuerbaren Energien insgesamt gegenüber der Kernenergie unterrepräsentiert sind. Alternativ kann auf die sogenannte Substitutionsmethode zurückgegriffen werden: Der absolute Wert der Primärenergie-Versorgung auf der Basis von zum Beispiel Wasser, Wind und Photovoltaik ist nach dieser Berechnungsmethode gut zweieinhalbmal so hoch wie bei der Wirkungsgradmethode.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Verbrauch fossiler Brennstoffe und die damit verbundenen negativen ökologischen Folgen zu reduzieren. Die wichtigsten sind die Veränderung des Konsumverhaltens, die Steigerung der Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien. Wird die Energie auf Basis von Wasserkraft, Biomasse, Biogas und biologisch abbaubaren Abfällen uneingeschränkt zu den erneuerbaren Energien hinzugezählt, lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der Primärenergie-Versorgung im Jahr 2013 bei 13,5 Prozent. Nach Angaben der IEA entfielen davon 73,4 Prozent auf Biomasse, Biogas und Abfälle (einschließlich Biokraftstoffe / ohne Industrieabfälle), 17,8 Prozent auf Wasserkraft und 8,8 Prozent auf neue erneuerbare Energien.

Bei den Angaben zum Anteil der erneuerbaren Energien an der Versorgung mit Primärenergie ist zu berücksichtigen, dass die traditionelle Nutzung von Biomasse überwiegend nicht nachhaltig ist. So weist das Bundesumweltministerium darauf hin, dass einfache Formen des Kochens und Heizens vielfach die irreversible Abholzung der Wälder zur Folge haben. Und auch die Nutzung der Wasserkraft ist laut BMU nicht immer nachhaltig. Vor allem große Staudammprojekte gehen häufig mit negativen sozialen und ökologischen Folgen einher. Dasselbe gilt für Teile der Produktion von Biokraftstoffen.

Ohne traditionell genutzte Biomasse, große Wasserkraftwerke und Biokraftstoffe beziffert das Politiknetzwerk REN21 den Anteil der erneuerbaren Energien am globalen Endenergieverbrauch (der nicht mit der Primärenergie-Versorgung bzw. dem Primärenergie-Verbrauch identisch ist) auf etwa 5,7 Prozent im Jahr 2013. Unter Einbeziehung der Biokraftstoffe steigt der Anteil auf 6,5 Prozent.

Datenquelle



International Energy Agency (IEA): Energy Statistics Division 09/2015, Key World Energy Statistics und Renewables Information, verschiedene Jahrgänge, © OECD/IEA; British Petroleum (BP): Statistical Review of World Energy, verschiedene Jahrgänge; Renewable Energy Policy Network for the 21st Century (REN21): Renewables Global Status Report, verschiedene Jahrgänge; Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU): Erneuerbare Energien in Zahlen, verschiedene Jahrgänge

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Primärenergie ist die von noch nicht weiterbearbeiteten Energieträgern stammende Energie. Primärenergieträger sind zum Beispiel Steinkohle, Braunkohle, Erdöl, Erdgas, Wasser, Wind, Kernbrennstoffe, Solarstrahlung und so weiter. Aus der Primärenergie wird durch Aufbereitung zum Beispiel in Kraftwerken oder Raffinerien die Endenergie (Sekundärenergie). Die Form der Energie, in der sie tatsächlich vom Anwender verwendet wird, wird Nutzenergie genannt. Ein Beispiel: Rohöl (Primärenergie) wird zu Heizöl (Endenergie/Sekundärenergie) wird zu Wärme (Nutzenergie).

Nach der IEA entspricht die Primärenergie-Versorgung der Primärenergie-Produktion zuzüglich der Importe und abzüglich der Exporte; zudem wird die Veränderung der Lagerbestände – bei Produzenten, Importeuren, großen Konsumenten etc. – eingerechnet.

Um die Energieträger vergleichbar zu machen, werden sie mithilfe einzelner Umrechnungsfaktoren auf das Öl bezogen (Öläquivalent). Nach Angaben des Energiekonzerns British Petroleum (BP) entspricht eine Tonne Öläquivalent beispielsweise in etwa 1,5 Tonnen Steinkohle, 1.111 Kubikmeter Erdgas oder auch 12 Megawattstunden (Primärenergie).

Die international angewandte Methode zur Bestimmung des Primärenergieäquivalents von Strom ist die Wirkungsgradmethode. Bei Strom aus zum Beispiel Wasserkraft, Windenergie und Photovoltaik wird von der Endenergie mit Hilfe eines Wirkungsgrades von 100 Prozent auf die Primärenergie geschlossen. Somit entspricht zum Beispiel 1 kWh Strom aus Wasserkraft einem Primärenergieäquivalent von 1 kWh. Bei Kernenergie wird für die Festlegung des Primärenergieäquivalents hingegen ein Wirkungsgrad von 33 Prozent angenommen – 1 kWh Strom aus Kernkraft entspricht demnach einem Primärenergieäquivalent von 3,0303 kWh.

Bei der Substitutionsmethode wird berechnet, welche Menge an fossilem Brennstoff durch die Nutzung von erneuerbaren Energien und Kernenergie eingespart wurde. Bei diesem Verfahren wird also davon ausgegangen, dass elektrische Energie aus nicht-fossilen Quellen eine entsprechende Erzeugung auf fossiler Basis in konventionellen Kraftwerken ersetzt. Dabei wird für die Umwandlung von fossilen Brennstoffen in Strom eine Umwandlungseffizienz von 38 Prozent angenommen (nach Angaben von BP entspricht dies dem Durchschnitt bei der Energieerzeugung aus Wärmekraft in den OECD-Ländern). Bei der Substitutionsmethode entspricht somit 1 kWh Strom einem Primärenergieäquivalent von 2,6316 kWh – unabhängig davon, ob der Strom beispielsweise in einem Wasser- oder Atomkraftwerk produziert wurde.

Lesebeispiel: Nach Angaben des Energiekonzerns British Petroleum (BP) – der die Substitutionsmethode anwendet – lag im Jahr 2012 der Anteil der Energie aus Wasserkraft am Primärenergie-Verbrauch über dem Anteil der Kernenergie (6,7 gegenüber 4,5 Prozent). Bei der IEA, die die Wirkungsgradmethode verwendet, lag der Anteil der Wasserkraft an der Primärenergie-Versorgung hingegen deutlich unter dem Anteil der Kernenergie (2,4 gegenüber 4,8 Prozent).

Bei den Angaben von British Petroleum (BP) ist zu beachten, dass traditionelle Biomasse auch für BP zur Primärenergie gehört, BP sie aber statistisch nicht erfasst.

Bei den Angaben zum globalen Endenergieverbrauch ist zu beachten, dass in dem aktuellen Renewables Global Status Report des Politiknetzwerkes REN21 die Daten für große und kleine Wasserkraftwerke auf globaler Ebene nicht mehr einzeln aufgeführt werden. Aus diesem Grund wurde hier die prozentuale Verteilung zwischen den beiden Kraftwerkstypen aus der Publikation "Renewables 2007 – Global Status Report" (power generation: large hydropower: 91,3%, small hydropower: 8,7%) auf das Jahr 2013 übertragen.

Unter Meeresenergie wird beispielsweise die Stromerzeugung in Gezeiten-, Strömungs- und Wellenkraftwerken verstanden.

Weitere Informationen zur Nutzung erneuerbarer Energien erhalten Sie hier...

Primärenergie-Versorgung 1

Nach Energieträgern, Anteile in Prozent, Gesamtversorgung in Mio. t Öläquivalent, weltweit 1973 und 2013

1973 2013
Anteile, in Prozent
Öl2 46,1 31,1
Kohle3 24,5 28,9
Gas 16,0 21,4
Biomasse, Biogas, biologisch abbaubare Abfälle4 10,6 10,2
Kernenergie 0,9 4,8
Wasserkraft 1,8 2,4
neue erneuerbare Energien5 0,1 1,2
insgesamt 100,0 100,0
Mio. t Öläquivalent
insgesamt 6.115 13.555

1 Primärenergie ist die von noch nicht weiterbearbeiteten Energieträgern stammende Energie.
Primärenergie-Versorgung = Primärenergie-Produktion + Importe - Exporte +/- Veränderung der Lagerbestände.
2 einschließlich Ölschiefer und Ölsand
3 einschließlich Torf und Torfprodukte
4 größtenteils "erneuerbar"; Biomasse einschließlich Biokraftstoffe; Abfälle ohne Industrieabfälle
5 geothermische Energie, Solarenergie, Windenergie, Meeresenergie (z.B. Gezeiten- und Wellenkraftwerke)


Quelle: International Energy Agency (IEA): Energy Statistics Division 09/2015, Key World Energy Statistics 2010, © OECD/IEA




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