Zahlen und Fakten: Globalisierung

Primärenergie-Versorgung

13.9.2011
Die weltweite Versorgung mit Primärenergie nahm zwischen 1973 und 2008 von 6.115 auf 12.267 Millionen Tonnen Öläquivalent zu. Die Finanz- und Wirtschaftskrise führte zu einer Verringerung auf 12.150 Mio. t im Jahr 2009.

Primärenergie-Versorgung.Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (© OECD/IEA / bpb)

Fakten



Parallel zur Erhöhung des Welthandels und der Warenproduktion stieg auch die weltweite Versorgung mit Primärenergie. Nach Angaben der International Energy Agency (IEA) nahm die Versorgung mit Primärenergie zwischen 1973 und 2008 von 6.115 auf 12.267 Millionen Tonnen Öläquivalent zu. Das entspricht einer Steigerung von insgesamt 100,6 Prozent bzw. 2,0 Prozent pro Jahr. Allein von 2002 bis 2008 nahm die Primärenergie-Versorgung jährlich um überdurchschnittliche 3,1 Prozent zu.

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hatte nicht nur einen realen Rückgang des Welt-Bruttoinlandsprodukts von 2008 auf 2009 zur Folge (minus 0,6 Prozent), sondern führte auch zu einer Verringerung des Energieverbrauchs. Die Versorgung mit Primärenergie sank zwischen 2008 und 2009 von 12.267 auf 12.150 Millionen Tonnen Öläquivalent (minus 0,96 Prozent).

Von der weltweiten Primärenergie-Versorgung basierten im Jahr 2009 32,8 Prozent auf Öl (2008: 33,2 Prozent), 27,2 Prozent auf Kohle (27,0 Prozent), 20,9 Prozent auf Gas (21,1 Prozent), 10,2 Prozent auf Biomasse, Biogas und biologisch abbaubaren Abfällen (10,0 Prozent), 5,8 Prozent auf Kernenergie (unverändert), 2,3 Prozent auf Wasserkraft (2,2 Prozent) sowie 0,8 Prozent auf neuen erneuerbaren Energien (0,7 Prozent).

1973 lag der Anteil des Öls an der Primärenergie-Versorgung mit 46,1 Prozent noch gut 13 Prozentpunkte höher als 2009. Allerdings sagt der relative Rückgang noch nichts über die Entwicklung der absolut bereitgestellten Öl-Menge aus: Diese nahm zwischen 1973 und 2009 sogar um 41,4 Prozent zu. Die Anteile von Kohle und Gas an der weltweiten Primärenergie-Versorgung erhöhten sich im selben Zeitraum um 2,7 bzw. 4,9 Prozentpunkte. Die absolut bereitgestellte Menge stieg um rund 120 Prozent (Kohle) bzw. 160 Prozent (Gas).

Relativ am stärksten erhöhten sich zwischen 1973 und 2009 die Anteile der neuen erneuerbaren Energien und der Kernenergie. Während sich der Anteil der neuen erneuerbaren Energien (Geothermie, Solar-, Wind- und Meeresenergie) von 0,1 auf 0,8 Prozent erhöhte (plus 725 Prozent), wuchs der Anteil der Kernenergie von 0,9 auf 5,8 Prozent (plus 550 Prozent). Die absolut bereitgestellte Menge stieg dabei um etwa 1.550 Prozent (neue erneuerbare Energien) bzw. 1.175 Prozent (Kernenergie). Allerdings ist der Anteil der Kernenergie an der weltweiten Primärenergie-Versorgung seit 2002 rückläufig und der Anteil der neuen erneuerbaren Energien auch in dieser Zeit gestiegen.

Bei einem Vergleich der Anteile von Kernenergie und erneuerbaren Energien an der Primärenergie-Versorgung bzw. am Primärenergie-Verbrauch ist zu beachten, dass es unterschiedliche Erhebungsmethoden gibt. Die IEA verwendet die sogenannte Wirkungsgradmethode. Verglichen mit der tatsächlich zur Verfügung stehenden Energie (Endenergie/Sekundärenergie) führt diese Methode dazu, dass die erneuerbaren Energien insgesamt gegenüber der Kernenergie unterrepräsentiert sind. Aus diesem Grund kann alternativ auf die sogenannte Substitutionsmethode zurückgegriffen werden. Der absolute Wert der Primärenergie-Versorgung auf der Basis von zum Beispiel Wasser, Wind und Photovoltaik ist bei der Substitutionsmethode gut zweieinhalbmal so hoch wie bei der Wirkungsgradmethode.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Verbrauch fossiler Brennstoffe und die damit verbundenen negativen ökologischen Folgen zu reduzieren. Die wichtigsten sind die Veränderung des Konsumstils, die Steigerung der Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien. Wird die Energie auf Basis von Wasserkraft, Biomasse, Biogas und biologisch abbaubaren Abfällen uneingeschränkt zu den erneuerbaren Energien hinzugezählt, lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der Primärenergie-Versorgung im Jahr 2009 bei 13,3 Prozent. Nach Angaben der IEA entfielen davon 76,5 Prozent auf Biomasse, Biogas und Abfälle (einschließlich Biokraftstoffe / ohne Industrieabfälle), 17,3 Prozent auf Wasserkraft und 6,2 Prozent auf neue erneuerbare Energien.

Bei den Angaben zum Anteil der erneuerbaren Energien an der Versorgung mit Primärenergie ist zu berücksichtigen, dass die traditionelle Nutzung von Biomasse über weite Strecken nicht nachhaltig ist. So weist das Bundesumweltministerium darauf hin, dass einfache Formen des Kochens und Heizens vielfach die irreversible Abholzung der Wälder zur Folge haben. Und auch die Nutzung der Wasserkraft ist nicht immer nachhaltig. Vor allem große Staudammprojekte gehen häufig mit negativen sozialen und ökologischen Folgen einher. Das Gleiche gilt für Teile der Produktion von Biokraftstoffen.

Ohne traditionelle Biomasse, große Wasserkraftwerke und Biokraftstoffe beziffert das Politiknetzwerk REN21 den Anteil der erneuerbaren Energien am globalen Endenergieverbrauch (der nicht mit der Primärenergie-Versorgung bzw. dem Primärenergie-Verbrauch identisch ist) auf etwa 2,5 Prozent im Jahr 2009. Unter Einbeziehung der Biokraftstoffe steigt der Anteil auf 3,1 Prozent.

Datenquelle



International Energy Agency (IEA): Energy Statistics Division 08/2011, Key World Energy Statistics und Renewables Information, verschiedene Jahrgänge; British Petroleum (BP): Statistical Review of World Energy, verschiedene Jahrgänge; Renewable Energy Policy Network for the 21st Century (REN21): Renewables Global Status Report, verschiedene Jahrgänge; Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU): Erneuerbare Energien in Zahlen, verschiedene Jahrgänge

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Primärenergie ist die von noch nicht weiterbearbeiteten Energieträgern stammende Energie. Primärenergieträger sind zum Beispiel Steinkohle, Braunkohle, Erdöl, Erdgas, Wasser, Wind, Kernbrennstoffe, Solarstrahlung und so weiter. Aus der Primärenergie wird durch Aufbereitung zum Beispiel in Kraftwerken oder Raffinerien die Endenergie (Sekundärenergie). Die Form der Energie, in der sie tatsächlich vom Anwender verwendet wird, wird Nutzenergie genannt. Ein Beispiel: Rohöl (Primärenergie) wird zu Heizöl (Endenergie/Sekundärenergie) wird zu Wärme (Nutzenergie).

Nach der IEA entspricht die Primärenergie-Versorgung der Primärenergie-Produktion zuzüglich der Importe und abzüglich der Exporte; zudem wird die Veränderung der Lagerbestände – bei Produzenten, Importeuren, großen Konsumenten etc. – eingerechnet.

Die international angewandte Methode zur Bestimmung des Primärenergieäquivalents von Strom ist die Wirkungsgradmethode. Bei Strom aus zum Beispiel Wasserkraft, Windenergie und Photovoltaik wird von der Endenergie mit Hilfe eines Wirkungsgrades von 100 Prozent auf die Primärenergie geschlossen. Somit entspricht zum Beispiel 1 kWh Strom aus Wasserkraft einem Primärenergieäquivalent von 1 kWh. Bei Kernenergie wird für die Festlegung des Primärenergieäquivalents hingegen ein Wirkungsgrad von 33 Prozent unterstellt – 1 kWh Strom aus Kernkraft entspricht demnach einem Primärenergieäquivalent von 3,0303 kWh.

Bei der Substitutionsmethode wird berechnet, welche Menge an fossilem Brennstoff durch die Nutzung von erneuerbaren Energien und Kernenergie eingespart wurde. Bei diesem Verfahren wird also davon ausgegangen, dass elektrische Energie aus nicht-fossilen Quellen eine entsprechende Erzeugung auf fossiler Basis in konventionellen Kraftwerken ersetzt. Dabei wird für die Umwandlung von fossilen Brennstoffen in Strom eine Umwandlungseffizienz von 38 Prozent angenommen (nach Angaben von BP entspricht dies dem Durchschnitt bei der Energieerzeugung aus Wärmekraft in den OECD-Ländern). Bei der Substitutionsmethode entspricht somit 1 kWh Strom einem Primärenergieäquivalent von 2,6316 kWh – unabhängig davon, ob der Strom beispielsweise in einem Wasserkraftwerk oder einem Atomkraftwerk produziert wurde.

Lesebeispiel: Nach Angaben des Energiekonzerns British Petroleum (BP) – der die Substitutionsmethode anwendet – lag im Jahr 2007 der Anteil der Energie aus Wasserkraft am Primärenergie-Verbrauch über dem Anteil der Kernenergie (6,4 gegenüber 5,6 Prozent). Bei der IEA, die die Wirkungsgradmethode verwendet, lag der Anteil der Wasserkraft an der Primärenergie-Versorgung hingegen deutlich unter dem Anteil der Kernenergie (2,2 gegenüber 5,9 Prozent).

Bei den Angaben von British Petroleum (BP) ist zu beachten, dass Brennstoffe wie Holz, Torf oder tierische Abfälle sowie Windenergie, Geothermie und Solarenergie auch für BP zur Primärenergie gehören, BP sie aber statistisch nicht erfasst. Die Angaben von BP zum Primärenergie-Verbrauch beziehen sich ausschließlich auf Öl, Kohle, Erdgas, Wasserkraft und Kernenergie.

Bei den Angaben zum globalen Endenergieverbrauch ist zu beachten, dass in den aktuellen Publikationen des Politiknetzwerkes REN21 die Daten für große und kleine Wasserkraftwerke auf globaler Ebene nicht mehr einzeln aufgeführt werden. Aus diesem Grund wurde hier die prozentuale Verteilung zwischen den beiden Kraftwerkstypen aus der Publikation "Renewables 2007 – Global Status Report" (power generation: large hydropower: 91,3%, small hydropower: 8,7%) auf das Jahr 2009 übertragen.

Unter Meeresenergie wird beispielsweise die Stromerzeugung in Gezeiten-, Strömungs- und Wellenkraftwerken verstanden.

Weitere Informationen zur Nutzung erneuerbarer Energien finden Sie »hier...«

Tabelle: Primärenergie-Versorgung1



Nach Energieträgern, Anteile in Prozent, Gesamtversorgung in Mio. t Öläquivalent, weltweit 1973 und 2009

  1973 2009
Anteile, in Prozent
Öl 46,1 32,8
Kohle2 24,5 27,2
Gas 16,0 20,9
Biomasse, Biogas,
biologisch abbaubare Abfälle
3
10,6 10,2
Kernenergie 0,9 5,8
Wasserkraft 1,8 2,3
neue erneuerbare Energien4 0,1 0,8
insgesamt 100,0 100,0
  Mio. t Öläquivalent
insgesamt 6.115 12.150

1 Primärenergie ist die von noch nicht weiterbearbeiteten Energieträgern stammende Energie.
Primärenergie-Versorgung = Primärenergie-Produktion + Importe - Exporte +/- Veränderung der Lagerbestände.
2 einschließlich Torf
3 Biomasse einschließlich Biokraftstoffe; Abfälle ohne Industrieabfälle
4 geothermische Energie, Solarenergie, Windenergie, Meeresenergie (z.B. Gezeiten- und Wellenkraftwerke)


Quelle: International Energy Agency (IEA): Energy Statistics Division 08/2011, Key World Energy Statistics 2010, © OECD/IEA


 
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