Regionale Nutzung erneuerbarer Energien
8.10.2010
Der Anteil der erneuerbaren Energien an der weltweiten Versorgung mit Primärenergie lag 2008 bei 12,8 %. Davon entfielen 76,7 % auf Biomasse und Abfälle, 17,6 % auf Wasserkraft und 5,7 % auf neue erneuerbare Energien.
Fakten
Wird die Energie auf Basis von Wasserkraft, Biomasse und biologisch abbaubaren Abfällen uneingeschränkt zu den erneuerbaren Energien hinzugezählt, lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der weltweiten Versorgung mit Primärenergie im Jahr 2008 bei 12,8 Prozent. Nach Angaben der International Energy Agency (IEA) entfielen davon 76,7 Prozent auf Biomasse und Abfälle (inkl. Biokraftstoffe / ohne Industrieabfälle), 17,6 Prozent auf Wasserkraft und 5,7 Prozent auf neue erneuerbare Energien (Geothermie, Solar-, Wind- und Meeresenergie).
Da nach der Definition der IEA auch die traditionelle Nutzung von Biomasse zu den erneuerbaren Energien gehört, ist der Anteil der erneuerbaren Energien an der Primärenergie-Versorgung in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten überdurchschnittlich hoch. In diesen Staaten – insbesondere in ländlichen Gebieten – sind 2,5 Milliarden Menschen ausschließlich auf traditionelle Biomasse zum Kochen und Heizen angewiesen. Nach Angaben der IEA lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Primärenergie-Versorgung in Afrika bei 49,4 Prozent, in Lateinamerika bei 30,8 Prozent und in Asien (ohne China) bei 27,5 Prozent. Am niedrigsten war der entsprechende Anteil in den Staaten der ehemaligen UdSSR und den europäischen Staaten, die nicht Mitglied der OECD sind (3,5 Prozent) sowie im Mittleren Osten (0,5 Prozent). China (12,2 Prozent) und die Staaten der OECD (6,9 Prozent) lagen im Mittelfeld.
Die traditionelle Nutzung von Biomasse ist jedoch über weite Strecken nicht nachhaltig. So weist das Bundesumweltministerium darauf hin, dass einfache Formen des Kochens und Heizens vielfach die irreversible Abholzung der Wälder zur Folge haben. Und auch die Nutzung der Wasserkraft ist nicht immer nachhaltig. Vor allem die Nutzung der Wasserkraft durch große Staudämme geht häufig mit negativen sozialen und ökologischen Folgen einher. Das Gleiche gilt für Teile der Produktion von Biokraftstoffen.
Ohne traditionelle Biomasse, große Wasserkraftwerke und Biokraftstoffe beziffert das Politiknetzwerk REN21 den Anteil der erneuerbaren Energien am globalen Endenergieverbrauch (der nicht mit der Primärenergie-Versorgung bzw. dem Primärenergie-Verbrauch identisch ist) auf rund 2 Prozent im Jahr 2006. Unter Einbeziehung der Biokraftstoffe steigt der Anteil auf 2,3 Prozent.
In Bezug auf die Nachhaltigkeit werden die neuen erneuerbaren Energien – Geothermie, Solar-, Wind- und Meeresenergie – mit am besten bewertet. Laut IEA erhöhte sich der Anteil der neuen erneuerbaren Energien an der weltweiten Versorgung mit Primärenergie zwischen 1973 und 2008 von 0,1 auf 0,7 Prozent. Im Jahr 2008 war der Anteil der neuen erneuerbaren Energien in Asien (ohne China) mit 1,8 Prozent und den Staaten der OECD mit 1,0 Prozent am höchsten. Am niedrigsten war der Anteil der neuen erneuerbaren Energien an der jeweiligen Primärenergie-Versorgung in China (0,3 Prozent), im Mittleren Osten und in Afrika (jeweils 0,2 Prozent) sowie bei den Übergangsländern (0,05 Prozent).
Bei diesen Angaben ist allerdings zu beachten, dass es unterschiedliche Erhebungsmethoden gibt, um den Anteil an der Primärenergie-Versorgung bzw. am Primärenergie-Verbrauch zu ermitteln. Die IEA verwendet die sogenannte Wirkungsgradmethode. Verglichen mit der tatsächlich zur Verfügung stehenden Energie (Endenergie/Sekundärenergie) führt diese Methode dazu, dass die erneuerbaren Energien insgesamt unterrepräsentiert sind. Aus diesem Grund kann alternativ auf die sogenannte Substitutionsmethode zurückgegriffen werden. Der absolute Wert der Primärenergie-Versorgung auf der Basis von zum Beispiel Wasser, Wind und Photovoltaik ist bei der Substitutionsmethode gut zweieinhalbmal so hoch wie bei der Wirkungsgradmethode. Anders formuliert fällt der Anteil der erneuerbaren Energien an der Primärenergie-Versorgung bei Anwendung der Substitutionsmethode sowohl global als auch regional höher aus als bei der von der IEA angewandten Wirkungsgradmethode.
Datenquelle
International Energy Agency (IEA): Key World Energy Statistics und Renewables Information, verschiedene Jahrgänge; British Petroleum (BP): Statistical Review of World Energy, verschiedene Jahrgänge; Renewable Energy Policy Network for the 21st Century (REN21): Renewables Global Status Report, verschiedene Jahrgänge; Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU): Erneuerbare Energien in Zahlen
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Primärenergie ist die von noch nicht weiterbearbeiteten Energieträgern stammende Energie. Primärenergieträger sind zum Beispiel Steinkohle, Braunkohle, Erdöl, Erdgas, Wasser, Wind, Kernbrennstoffe, Solarstrahlung und so weiter. Aus der Primärenergie wird durch Aufbereitung zum Beispiel in Kraftwerken oder Raffinerien die Endenergie (Sekundärenergie). Die Form der Energie, in der sie tatsächlich vom Anwender verwendet wird, wird Nutzenergie genannt. Ein Beispiel: Rohöl (Primärenergie) wird zu Heizöl (Endenergie/Sekundärenergie) wird zu Wärme (Nutzenergie).
Nach der IEA entspricht die Primärenergie-Versorgung der Primärenergie-Produktion zuzüglich der Importe und abzüglich der Exporte; zudem wird die Veränderung der Lagerbestände – bei Produzenten, Importeuren, großen Konsumenten etc. – eingerechnet.
Weitere Informationen zum absoluten Primärenergie-Verbrauch nach Regionen finden Sie »hier...«
Weitere Informationen zur Nutzung erneuerbarer Energien finden Sie »hier...«
Unter Meeresenergie wird beispielsweise die Stromerzeugung in Gezeiten-, Strömungs- und Wellenkraftwerken verstanden.
Übergangsländer: Staaten der ehemaligen UdSSR und europäische Staaten, die nicht Mitglied der OECD sind.
OECD – Organisation for Economic Co-operation and Development (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)
Die international angewandte Methode zur Bestimmung des Primärenergieäquivalents von Strom ist die Wirkungsgradmethode. Bei Strom aus zum Beispiel Wasserkraft, Windenergie und Photovoltaik wird von der Endenergie mit Hilfe eines Wirkungsgrades von 100 Prozent auf die Primärenergie geschlossen. Somit entspricht zum Beispiel 1 kWh Strom aus Wasserkraft einem Primärenergieäquivalent von 1 kWh. Bei Kernenergie wird für die Festlegung des Primärenergieäquivalents hingegen ein Wirkungsgrad von 33 Prozent unterstellt – 1 kWh Strom aus Kernkraft entspricht demnach einem Primärenergieäquivalent von 3,0303 kWh.
Bei der Substitutionsmethode wird berechnet, welche Menge an fossilem Brennstoff durch die Nutzung von erneuerbaren Energien und Kernenergie eingespart wurde. Bei diesem Verfahren wird also davon ausgegangen, dass elektrische Energie aus nicht-fossilen Quellen eine entsprechende Erzeugung auf fossiler Basis in konventionellen Kraftwerken ersetzt. Dabei wird für die Umwandlung von fossilen Brennstoffen in Strom eine Umwandlungseffizienz von 38 Prozent angenommen (nach Angaben von BP entspricht dies dem Durchschnitt bei der Energieerzeugung aus Wärmekraft in den OECD-Ländern). Bei der Substitutionsmethode entspricht somit 1 kWh Strom einem Primärenergieäquivalent von 2,6316 kWh – unabhängig davon, ob der Strom beispielsweise in einem Wasserkraftwerk oder einem Atomkraftwerk produziert wurde.
Lesebeispiel: Nach Angaben des Energiekonzerns British Petroleum (BP) – der die Substitutionsmethode anwendet – lag im Jahr 2007 der Anteil der Energie aus Wasserkraft am Primärenergie-Verbrauch über dem Anteil der Kernenergie (6,4 gegenüber 5,6 Prozent). Bei der IEA, die die Wirkungsgradmethode verwendet, lag der Anteil der Wasserkraft an der Primärenergie-Versorgung hingegen deutlich unter dem Anteil der Kernenergie (2,2 gegenüber 5,9 Prozent).
Bei den Angaben von British Petroleum (BP) ist zu beachten, dass Brennstoffe wie Holz, Torf oder tierische Abfälle sowie Windenergie, Geothermie und Solarenergie auch für BP zur Primärenergie gehören, BP sie aber statistisch nicht erfasst. Die Angaben von BP zum Primärenergie-Verbrauch beziehen sich ausschließlich auf Öl, Kohle, Erdgas, Wasserkraft und Kernenergie.
Tabelle: Regionale Nutzung erneuerbarer Energien
In absoluten Zahlen und Anteile in Prozent, 2008
| Primärenergie- Versorgung*, in Mio. t Öläquivalent |
Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Primärenergie- Versorgung, in Prozent |
Anteil einzelner Energieträger am Gesamtanteil der erneuerbaren Energien, in Prozent |
||||
| insgesamt | darunter: erneuerbare Energien | Biomasse / biologisch abbaubare Abfälle** | Wasser- kraft |
neue erneuerbare Energien*** | ||
| Afrika | 655,4 | 323,6 | 49,4 | 97,1 | 2,5 | 0,4 |
| Latein- amerika |
570,1 | 175,6 | 30,8 | 65,3 | 33,0 | 1,7 |
| Asien**** | 1.414,2 | 388,7 | 27,5 | 88,1 | 5,5 | 6,4 |
| China | 2.130,6 | 260,3 | 12,2 | 78,1 | 19,3 | 2,5 |
| OECD | 5.422,4 | 375,3 | 6,9 | 56,1 | 30,1 | 13,8 |
| Übergangs- länder**** |
1.144,9 | 40,5 | 3,5 | 38,1 | 60,4 | 1,5 |
| Mittlerer Osten |
591,8 | 3,2 | 0,5 | 38,5 | 23,8 | 37,7 |
| Welt**** | 12.264,2 | 1.567,2 | 12,8 | 76,7 | 17,6 | 5,7 |
* Primärenergie ist die von noch nicht weiterbearbeiteten Energieträgern stammende Energie.
Primärenergie-Versorgung = Primärenergie-Produktion + Importe - Exporte +/- Veränderung der Lagerbestände.
** ohne Industrieabfälle
*** geothermische Energie, Solarenergie, Windenergie, Meeresenergie (z.B. Gezeiten- und Wellenkraftwerke)
**** Asien ohne China; Übergangsländer: Staaten der ehemaligen UdSSR und europäische Staaten, die nicht Mitglied der OECD sind; Welt einschließlich Energieverbrauch im Bereich internationaler See- und Luftverkehr.
Quelle: International Energy Agency (IEA): Renewables Information 2010, © OECD/IEA
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