Teilnehmer einer Demonstration verbrennen am 10.12.2017 eine selbst gemalte Fahne mit einem Davidstern in Berlin im Stadtteil Neukölln. Die geplante Verlegung der US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem sorgte auch in Berlin für Proteste. Bei den pro-palästinensischen Demonstrationen wurden Fahnen mit dem Davidstern angezündet.

Antisemitismus

Als im BerIin im Dezember 2017 wütende Teilnehmer einer Demonstration eine selbstgemalte Fahne mit einem Davidstern verbrannten, rückte der Antisemitismus erneut in den Blick der Öffentlichkeit. Denn so offen tritt die Judenfeindschaft mittlerweile eher selten in Erscheinung. Umso stärker blüht ein latenter Antisemitismus im Verborgenen, in Andeutungen, Codes, Vergleichen. So spricht manch ein Globalisierungskritiker von "einflussreichen Kreisen an der Ostküste" – und appelliert damit an alte, antijüdische Vorurteile über eine angeblich verschworene Gemeinschaft.

Im Alltag äußert sich ein neuer Antisemitismus, oft verpackt als "Antizionismus" oder als Wunsch, "mit der Vergangenheit abzuschließen". In der Einleitung zu seinem Buch "Der ewige Antisemit" stellte der Publizist Henryk M. Broder fest: "Der moderne Antisemit leugnet nicht den Holocaust, sondern benutzt ihn als Argument gegen die Juden."

Das Dossier gibt Einblicke in die Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus. Es untersucht seine Wandlungen und hilft, ihn zu entlarven.

Schmierereien auf einem Paketaufkleber zeigen die Worte "Nie wieder Israel". Dieser Aufkleber war am 19. April 2016 Teil einer Ausstellung zu antisemitischen und rassistischen Aufklebern im Deutschen Historischen Museum in Berlin.

Heiko Beyer

Zur Verbreitung des Antisemitismus in Deutschland: Empirische Forschungsbefunde und methodische Probleme

Zahlreiche sozialwissenschaftliche Studien der jüngeren Vergangenheit haben gezeigt, dass sich Antisemitismus nicht nur in der extremen Rechten, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft findet. Umstritten ist allerdings, inwieweit damit auch auf rechtsextreme Einstellungen in der Mehrheitsgesellschaft geschlossen werden kann.

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Ein Jugendlicher steht vor einer Ausstellungstafel mit antifaschistischen Aufklebern im NS-Dokumentationszentrum in München.

Wolfram Stender

Aspekte antisemitismuskritischer Bildungsarbeit

Antisemitismuskritische Bildungsarbeit hat in Deutschland eine lange Tradition – und doch scheint kaum etwas schwieriger zu sein, als über Antisemitismus aufzuklären, meint der Soziologe Wolfram Stender. Er erklärt, was eine aktuelle, antisemitismuskritische Bildungsarbeit für ihn ausmacht.

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Der Nazivergleich ist ein beliebtes Stilmittel im modernen Antisemitismus geworden, wie hier auf einer Demonstration in Madrid im Juli 2014.

Monika Schwarz-Friesel

Aktueller Antisemitismus

Empirische Langzeitstudien zur Sprache der aktuellen Judenfeindschaft zeigen: in den vergangenen zehn Jahren ist die Tabuisierungsschwelle für Verbal-Antisemitismen gesunken. Insbesondere im Internet wird kontinuierlich judenfeindliches Gedankengut verbreitet – und zwar in alltäglichen, nicht extremistischen Diskursräumen.

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Teilnehmer einer pro-palästinensischen Kundgebung halten am 21.07.2014 vor der Israelischen Botschaft in Berlin ein antisemitisches Plakat mit der Aufschrift "Can't get enough – Save Palestinian Kids" und dem Abbild des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu.

Mirjam Fischer

Antisemitismus bei Muslimen

Mit der Verbreitung von antisemitischen Vorurteilen und Judenhass unter muslimischen Migranten befasste sich bereits die Expertenkommission der Bundesregierung. In der Wahrnehmung vieler Juden in Deutschland nimmt neben dem rechtspopulistischen auch ein religiös motivierter muslimischer Antisemitismus zu. Die empirische Datenlage ist aber dünn.

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Supermarkt mit koscheren Lebensmitteln in Berlin.

Ahmad Mansour

Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen

Die Auseinandersetzung mit Antisemitismus findet in der muslimischen Community kaum Beachtung, sagt Ahmad Mansour. Weder auf religiöser, noch auf traditioneller und schon gar nicht auf politischer Ebene. Es sei ein pädagogisches Umdenken notwendig, um diese antisemitischen Tendenzen wirkungsvoll zu bekämpfen.

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Am 11.02.2006 marschieren in Dresden Neonazis auf.

Philipp Gessler

Sekundärer Antisemitismus

Sekundärer Antisemitismus ist jede Art von Holocaust-Leugnung und -Relativierung. So bezeichnete die rechtsextreme NPD die Luftangriffe auf deutsche Städte im Zweiten Weltkrieg als "Bombenholocaust".

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Henryk M. Broder

Debatte um Position Irans

Polemik: Israel muss weg!

Heißt es Baader-Meinhof-Gruppe oder -Bande? Ist ein Schießbefehl gleichzeitig auch ein Tötungsbefehl? Und ist Ahmadinedschad falsch verstanden worden, da er ja nur meinte, Israel solle von den Seiten der Geschichte verschwinden - nicht aber von der Landkarte? Henryk M. Broder mit einer Polemik.

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Demonstration in London gegen die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen.

Jochen Müller

Die Islamophobie und was sie vom Antisemitismus unterscheidet

Kann man "Islamophobie" und Antisemitismus vergleichen? Darum kreiste 2010 eine teilweise hitzig geführte Debatte. Jochen Müller erklärt einführend die Hintergründe und zeigt, wie sich Islamfeindschaft und Antisemitismus unterscheiden.

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Al-Quds-Tag am 21.10.2006 in Berlin.

Juliane Wetzel

Wie erkennt man Antisemitismus?

Von rechts nach links, von christlich nach islamistisch: Der Antisemitismus ist gewandert. Das breite Spektrum antisemitischer Vorurteile wird jedoch oft nicht erkannt.

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Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad spricht während einer Konferenz in Teheran mit dem Titel "Die Welt ohne Zionismus".

Debatte um Position Irans

Die umstrittene Rede Ahmadinedschads

Die umstrittene Rede Ahmadinedschads vom 26. Oktober 2005 in Teheran, Iran auf der Konferenz "Eine Welt ohne Zionismus", übersetzt von Eckart Schiewek/Sprachendienst des Deutschen Bundestages.

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Anti-israelische Kundgebung am "Al-Quds-Tag" (Jerusalem-Tag) in Teheran, Iran.

Debatte um Position Irans

Standpunkt: Ahmadinejads Mission

Erstmals seit dem "Dritten Reich" haben im Iran die Machthaber eines großen Landes den Antisemitismus, die Holocaust-Leugnung und die Absicht, ein UN-Mitgliedsland zu liquidieren, ins Zentrum ihrer Außenpolitik gerückt, meint Matthias Küntzel.

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Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Als er 1945 endete, lag Europa in Trümmern. Über 60 Millionen Menschen waren tot. Wie konnte es soweit kommen? Und wie sollte es weitergehen mit einem Land, das den größten Zivilisationsbruch der Geschichte begangen hatte?

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Rassismus, Antisemitismus, Homophobie… Aspekte der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit begegnen uns in vielen Bereichen der Gesellschaft. Die "Begegnen-Reihe" soll in unterschiedlichen Formaten auf Aussagen und Handlungen vorbereiten, in denen Menschen ausgegrenzt und diskriminiert werden.

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Mediathek

Antisemitismus, was ist das? Kurz erklärt auf bpb.de

Antisemitismus, was ist das? Kurz und leicht verständlich erklärt im Glossar des Dossiers Rechtsextremismus auf www.bpb.de. Getextet von Toralf Staud, Johannes Radke, Heike Kleffner und FLMH. Eingesprochen von Jungschauspielern/-innen.

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Jerusalem mit Klagemauer und Tempelberg, vom dem aus die goldene Kuppel der Al-Aqsa-Moschee in den Himmel ragt.
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Die Entwicklung Israels ist eine Erfolgsgeschichte: Seit seiner Gründung hat es Menschen aus über 120 Ländern in einen jüdisch-demokratischen Staat integriert. Aus einem landwirtschaftlich geprägten Land ist eine Hightech-Nation geworden.

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