Ahmadinedschad auf der Konferenz "The World without Zionism".
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Iran und Israel


21.4.2008
Die iranische Führung, Hisbollah, Hamas und andere betrachten die Existenz Israels per se als "Besatzungsregime" – und Israel als Fremdkörper in der Region. Peter Philipp mit einer Analyse.

12. Dezember 2006: Mahmud Ahmadinejad begrüßt Rabbi Yisroel Dovid Weiss bei der pseudowissenschaftlichen Konferenz über den Holcoacaust in Teheran.12. Dezember 2006: Mahmud Ahmadinejad begrüßt Rabbi Yisroel Dovid Weiss bei der pseudowissenschaftlichen Konferenz über den Holcoacaust in Teheran. (© AP)

Der iranische Staatspräsident, Mahmoud Ahmadinejad, war erst drei Monate zuvor ins Amt gewählt worden und der Überraschungssieger der Wahl schien das dringende Bedürfnis zu verspüren, sich schnell als "starker Mann" zu profilieren. Ihm kam dabei gelegen, dass der internationale Druck auf den Iran gerade mal wieder anstieg, um Teheran zur Aufgabe seiner Bemühungen zur Anreicherung von Uran zu zwingen. Ahmadinejad wies solche Versuche nicht nur entschlossen zurück, er ging zur Gegenoffensive über: Einem Angriff, der sich gegen die USA und – mehr noch – gegen Israel richtete und den der iranische Präsident seitdem unbeirrt fortsetzt, weil beide die Hauptbetreiber der Kampagne gegen den Iran sind.

Selbst im Iran meinen Skeptiker, dass der Präsident dabei ein "Eigentor geschossen" hat, weil er den Iran nun systematisch als Israels Gegner Nummer Eins hochzustilisieren begann und damit auch Regierungen und Menschen gegen den Iran aufbrachte, die bisher eher eine neutrale Rolle eingenommen hatten. So verschärfte er die öffentliche Kritik an Israel, stellte den Holocaust in Zweifel, kündigte eines Konferenz über den "angeblichen" Judenmord an und er rief – im Oktober 2005 – eine Konferenz in Teheran ein unter dem Titel "Eine Welt ohne Zionismus".

Hier führte er den großen Paukenschlag durch, der seitdem die Stellung des Iran international belastet, Israel und den USA Munition gegen Teheran liefert, Misstrauen und Angst gegenüber dem Iran international wieder verstärkt hat und nun – zumindest in Deutschland – zu einer Diskussion geführt hat, ob Ahmadinejad denn überhaupt gesagt (oder ob er gemeint hat), was ihm von Nachrichtenagenturen in den Mund gelegt und seitdem von Politikern – etwa der Bundeskanzlerin – wiederholt wird: Der iranische Präsident habe dazu aufgerufen, "Israel von der Landkarte zu tilgen". Also: Es zu zerstören.

Mitnichten, meint die prominente – und durchaus regimekritische – deutsch-iranische Orientalistin Katajun Amirpur: Die Übersetzung sei falsch, Ahmadinejad habe vielmehr gesagt - auf Deutsch: "Dieses Besatzungsregime muss von den Seiten der Geschichte verschwinden." Und sie kommt zu dem Schluss, Ahmadinejad habe zwar schon viel Verwerfliches gesagt, im vorliegenden Fall sei die Aussage aber doch eher harmlos: Es gehe hier nicht um eine Vernichtungs-Drohung, sondern um die Forderung, die Besatzung von Jerusalem zu beenden. So, wie der Revolutionsführer, Ayatollah Khomeini, es immer wieder gefordert hatte. Und diesen habe Ahmadinejad schließlich nur zitiert.

Alles also nur ein "gefundenes Fressen" für die Gegner Teherans? So möchte Amirpur es sehen und sie versucht sogar zu erläutern, der iranische Präsident habe nicht die "Zerstörung Israels" gemeint, sondern den "Wechsel des Regimes" in Israel. Eine Retourkutsche also für die Forderung Jerusalems und Washingtons nach Regimewechsel in Teheran? Das wäre denn doch wohl etwas zu leicht und oberflächlich argumentiert. Denn die "Islamische Republik" lehnt Israel prinzipiell ab - egal, welche Regierung oder welches Regime es dort gibt.

Die USA und Israel hingegen versichern, dass sie "natürlich" nichts gegen den Iran und das iranische Volk haben, sondern dass sie nur die Herrschaft der Mullahs und ihrer Verbündeten ablehnen. In der Vergangenheit haben beide Staaten dies durchaus auch demonstriert, wenn auch natürlich aus Gründen des eigenen Vorteils. So war Israel daran interessiert, im Rücken der Araber befreundete Staaten zu pflegen und der Iran war hierbei doppelt willkommen: Der westlich-orientierte Schah unterhielt zwar keine diplomatischen Beziehungen mit Israel, auf diversen Bereichen hätten die bilateralen Verbindungen aber kaum besser sein können. Ein zusätzlicher Bonus für Israel: Der Iran lieferte dem jüdischen Staat das erforderliche Öl – eine Tatsache, die in Israel jahrelang ein "offenes Geheimnis" war.



 

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