Metin Kaplan - Dossierbild Islamismus
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Selbstmordattentäter


27.8.2007
Tel Aviv bis London, von Islamabad bis New York – Selbstmordattentate sind zu einem Synonym für islamistischen Terror geworden. Wo liegen die Wurzeln dieses Phänomens, wer sind die Attentäter? Wie ist das Verhältnis der islamischen Religion zu dieser Form von Gewalt?

Zwei palästinensische Jugendliche gehen zu Fuß an einer Wand vorbei, die eng beklebt ist mit islamistischen Plakaten, die verherrlichend palästinensische Tote als Märtyrer darstellen.Plakate von Selbstmordattentätern in Nablus. (© AP)

Was sind Selbstmordattentate?



Selbstmordattentate sind ein modernes Phänomen, schließlich wird zu ihrer Durchführung ein neuzeitliches Mittel – Sprengstoff –benötigt, mitunter auch ein Fahr-, Flugzeug oder anderes Vehikel. Die mediale Wirkung und Verwertung spielt eine sehr wichtige Rolle. Der israelische Terrorismusforscher Yoram Schweitzer hat im Kontext der Selbstmordattentate im arabisch-israelischen Konflikt folgende Definition aufgestellt: "Ein Selbstmordattentat ist ein politisch motivierter, gewaltsamer Akt, der durch ein oder mehrere sich selbst bewusster Individuen durchgeführt wird, die aktiv und absichtlich ihren eigenen Tod verursachen, indem sie sich mit ihrem ausgewählten Ziel in die Luft sprengen. Der Tod des Ausführenden ist die Voraussetzung für den Erfolg der Mission" (Yoram Schweitzer, 2001). Im Gegensatz zum "herkömmlichen" Attentat besitzt das Selbstmordmordattentat einen höheren Symbolwert.

Ein Blick in die Geschichte



Das Selbstmordattentat ist ein Phänomen des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Terrorismus-Forschung versucht, eine Genealogie von Märtyreraktionen zu entwickeln und so zu erklären, wie das heutige Phänomen der Selbstmordattentate zu verstehen ist. Dabei wird deutlich: Das Selbstmordattentat ist keineswegs eine rein islamische Erscheinung.

Die Assassinen



Die Assassinen waren eine schiitische Sekte des 12. und 13. Jahrhundert im heutigen Iran. Junge Männer dieser Sekte sollen Persönlichkeiten der sunnitischen und christlichen Elite im Nahen Osten mit vergifteten Dolchen ermordet haben, wobei die Attentäter den eigenen Tod nach der Tat bereitwillig in Kauf nahmen. Aus ihrem Namen rührt das englische Wort "assassin" = Attentäter her. Wie viel Wahrheit in den geschichtlichen Überlieferungen steckt, ist schwer auszumachen.

Südost-Asien



Im 18. und 19. Jahrhundert taucht das Phänomen von "selbstmörderischen" Attentaten unter Muslimen in Südost-Asien wieder auf. Es wird von jungen fanatisierten Männern berichtet, die sich mit Messern, Macheten oder Gewehren auf Truppen der spanischen und amerikanischen kolonialen Besatzungstruppen stürzten. Ihren eigenen Tod haben sie bei solchen Aktionen eingeplant. Der militärische Nutzen war gering – die Wirkung auf die Moral der Kolonialtruppen jedoch verheerend.

Japan



Im Jahr 1944, als sich die Niederlage des Japanischen Kaiserreiches im Zweiten Weltkrieg abzuzeichnen begann, setzte die japanische Armeeführung Geschwader von fliegenden Selbstmördern ein, die ihre Maschinen in amerikanische Kriegsschiffe stürzten. Die lebendige Rückkehr eines Piloten galt als unehrenhaft. Es kann von einer systematischen Institutionalisierung des Selbstmordes als Kriegswaffe gesprochen werden. Obwohl der Einsatz von "Kamikaze-Fliegern" den Vormarsch der amerikanischen Truppen nicht effektiv stoppen konnte, hatte er großen Einfluss auf deren Kampfmoral.


 


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