Metin Kaplan - Dossierbild Islamismus

5.9.2011 | Von:
Peter Philipp

Die Rolle Irans als Unterstützer islamistischer Gruppen

Eine Fehleinschätzung, wie der Verlauf der Unruhen verdeutlichen sollte. Nicht nur, dass sich in Nordafrika keine Machtübernahme durch die Islamisten abzeichnete: Von einigen pro-iranischen Erklärungen abgesehen war dort wenig Interesse an einer Intensivierung der Beziehungen zu Teheran zu spüren.

Und in Syrien geriet die bisherige iranische Strategie ganz besonders ins Wanken: Syrien ist das einzige arabische Land, das seit Jahren mit dem Iran liiert ist. Der Grund hierfür ist die Isolation der alawitischen Führungsminorität in Damaskus und das Interesse des Iran, Syrien als Durchgangsland zur libanesischen Hisbollah zu nutzen. Mit dem Ausbruch der Unruhen, vor allem aber der heftigen Reaktion der Regierung in Syrien geriet genau dies in Gefahr: Syrische Oppositionelle – wie der ehemalige Außenminister und Vizepräsident Abdul Halim Khaddam – behaupten aus dem Exil, dass der Iran und Hisbollah Damaskus offen bei der Niederschlagung der Proteste helfen. Selbst wenn es dafür keine Beweise gibt, so steht doch fest, dass beide nur zu gut wissen, dass ein Sturz des Regimes in Damaskus zu ihrem Nachteil wäre. Sollte es einen Machtwechsel in Damaskus geben, dann nur zu einem sunnitisch beherrschten Regime, das die engen Beziehungen zu Teheran sicher nicht fortsetzen würde. Schon allein deswegen nicht, weil es enger verbunden wäre mit Saudi-Arabien und anderen arabischen Staaten am Persischen Golf – die sich bereits verärgert von Assad abgewandt haben und deren Beziehungen zum Iran sich in den Monate des "Arabischen Frühling" rapide verschlechtert haben.

Ein Grund für diese Verschlechterung sind die Entwicklungen in Bahrain: Der Iran unterstützt die dort lebende schiitische Bevölkerungsmehrheit zwar in ihrer Forderung nach mehr Freiheit und Bürgerrechten. Für ihren Vorwurf, der Iran betreibe die gezielte Übernahme des (einst zu Persien gehörenden) Königreiches, sind Saudis und Emiratis aber jeden Beweis schuldig geblieben. Und Teheran unterließ es vernünftigerweise, mit Kriegsschiffen vor die Küste Bahrains zu fahren, um die Demonstranten dort wenigstens symbolisch zu unterstützen.

Der "Arabische Frühling" hat dem Iran deswegen nicht die zunächst erhofften Vorteile erbracht. Nicht nur, weil die islamischen Gruppen dort - zunächst zumindest - nicht willens oder in der Lage waren, nun die lange reklamierte Führungsrolle zu übernehmen. Sondern auch, weil der in den letzten Jahren weithin überwunden geglaubte Zwist zwischen Sunniten und Schiiten über Konfliktpunkte wie Bahrain und Syrien wieder ausgebrochen ist und dem Iran beim Versuch schadet, Einfluss auf den Gang der Dinge zu nehmen.

Wenn es darum ging, Amerikanern und Israelis die Stirn zu bieten, dann konnte Teheran sich mit den markigen Sprüchen seiner Führung durchaus die Anerkennung der arabischen Massen erwerben, sobald aber der alte religiöse Streit zwischen Sunniten und Schiiten ins Spiel kommt, dann bricht das alte Misstrauen und die alte Ablehnung der Araber gegenüber dem Iran wieder aus, die Mubaraks Außenminister, Ahmad Abu El Gheit, einst zusammenfasste: Die Iran sei nun einmal kein arabisches Land und er verfolge andere Ziele in der Region als die Araber.

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