Autonomer am 1. Mai 2009 in Berlin, bewaffnet mit Flasche und Stein.
1 | 2 Pfeil rechts

Linksextremistische Medien


16.4.2008
Linksextreme Medien wollen nicht möglichst objektiv über allgemeine Belange berichten. Sie sind auch keine Wirtschaftsunternehmen, die kundenorientiert Leistungen verkaufen wollen. Sie verfolgen politische Ziele - und bekämpfen die politischen Gegner.

Der Titel der Tageszeitung "junge welt" am 50. Jahrestag des Mauerbaus. Screenshot, 2. Novemer 2011, http://www.jungewelt.de/2011/08-13/069.php.Der Titel der Tageszeitung "junge welt" am 50. Jahrestag des Mauerbaus. Screenshot, 2. Novemer 2011, http://www.jungewelt.de/2011/08-13/069.php.

Politischer Extremismus will das bestehende politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche System nach Vorstellungen und mit Methoden ändern, die sich außerhalb des Verfassungskonsenses befinden und deshalb von der Mehrheit der Bürger abgelehnt werden. Extremisten haben daher stets besonders ausgeprägte Bedürfnisse, ihre Weltsicht bekannt zu machen und für sie zu werben. Dies gilt ganz besonders für Linksextremisten, die ihre Ziele aus einer angeblich "wissenschaftlichen Weltanschauung" ableiten, von deren Plausibilität man nur die Masse der bisher uneinsichtigen Bevölkerung überzeugen müsse.

Von den beiden Hauptspielarten des Linksextremismus, revolutionärer Marxismus und Anarchismus, ist der revolutionäre Marxismus das intellektuell und ideologisch anspruchsvollere Phänomen. Dem entsprechend umfangreich ist das Mitteilungsbedürfnis seiner Träger. Es ist also kein Zufall, dass revolutionäre Marxisten in ihrer Agenda dem Aufbau eigener Medien einen hohen Stellenwert einräumen. Instrumente ihrer "Agitation und Propaganda" waren unter den Verhältnissen des frühen 20.Jahrhunderts neben der Rede auf Kundgebungen das Buch, die Zeitung und die Flugschrift. Lenin sah im Aufbau einer zentralen Zeitung, eines "Zentralorgans" sogar eine der wichtigsten Aufgaben seiner Partei überhaupt.

Linksextreme Medien weisen Spezifika auf, die sie von der übrigen Medienlandschaft deutlich abheben. Sie dienen nicht dem Zweck, über allgemein interessierende Belange möglichst objektiv zu berichten. Sie verstehen sich auch nicht in als Wirtschaftsunternehmen, die kundenorientierte Dienstleistungen mit Gewinn verkaufen wollen. Linksextremistische Medien sind politische Projekte; sie verfolgen politisch bestimmte Ziele und bekämpfen zugleich gegenläufige. Sie folgen bei der Gewichtung und Deutung von Ereignissen nicht den Fakten, sondern der politischen Intention.

So stellte das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" am 22.August 1968 die Militärintervention zur Zerschlagung des Prager Frühlings als "Hilfe für das tschechoslowakische Brudervolk" auf Ersuchen "von Partei- und Staatsfunktionären" der CSSR dar, obwohl es weder diese Personen noch ein solches "Ersuchen" gab. Umgekehrt werden politisch unerwünschte Themen in linksextremistischen Medien einfach ausgeblendet. Hingegen erscheinen Aktivitäten revolutionärer Kräfte selbst dann als Aufmacher, wenn diese völlig marginalisiert und isoliert sind: Leser der SED-Presse mussten vor 1989 beispielsweise den Eindruck gewinnen, als sei die "Communist Party of the USA" (weniger als 1000 Mitglieder) ein herausragend wichtiger Faktor amerikanischer Inlandspolitik.

Linksextremistische Medien wollen nicht objektiv, sondern parteiisch und parteilich berichten. Ihre Beiträge sollen kommunistische bzw. anarchistische Weltdeutungen unterstützen und befestigen, zugleich gegenläufige Nachrichten als "bürgerlichen Manipulationszusammenhang" diskreditieren. Zudem haben sie zumeist die Aufgabe, die Leser zu politischer Aktivität zu ermuntern; sie sind auch Instrumente extremistischer Mobilisierung und Organisierung.

Linksextremistische Printmedien



Zentralorgane" kommunistischer Organisationen

Die beschriebenen Besonderheiten treten besonders deutlich bei "Zentralorganen" kommunistischer Organisationen hervor. Nach Lenins 1901 entworfenem Pressekonzept sollen sie nicht nur "kollektiver Propagandist und Agitator, sondern auch kollektiver Organisator" sein. In diesem Konzept sind Journalisten keine der Wahrheit verpflichteten Berichterstatter: "Der sozialistische Journalist ist Funktionär der Partei der Arbeiterklasse (...) und der sozialistischen Staatsmacht, der mit journalistischen Mitteln an der Leitung ideologischer Prozesse teilnimmt. Er hilft, das Vertrauensverhältnis des Volkes zu Staat und Partei zu festigen", heißt es in dem 1981 in der DDR erschienenen "Wörterbuch der sozialistischen Journalistik". Die bekannte Eintönigkeit kommunistischer Zentralorgane ist das Ergebnis solchen Selbstverständnisses. Die gleichgeschalteten Staats- und Parteiblätter sozialistischer Regime lassen dabei zugleich Rückschlüsse auf das Verständnis revolutionär-marxistischer Linksextremisten von Informations- und Meinungsfreiheit zu.

Da der parteikommunistische Linksextremismus an Attraktivität eingebüsst hat, existieren in Deutschland nur noch wenige "Zentralorgane". Dazu zählen vor allem die Blätter aller trotzkistischen Organisationen, die Zentralorgane der orthodoxen "Deutschen Kommunistischen Partei" (DKP) "Unsere Zeit" (UZ, wöchentlich ca.7000 Ex.) und der maoistischen "Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands" (MLPD) "Rote Fahne" (wöchentlich, Auflage unbekannt). Für den gehobenen Agitator unterhalten DKP und MLPD zusätzliche Periodika, die sich mit ideologischen Fragen beschäftigen: "Marxistische Blätter" (DKP, vierteljährlich) und "Lernen und Kämpfen" (MLPD, mehrmals jährlich). Das frühere SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" gehört zwar zur Partei "Die Linke", ist aber inhaltlich eher eine parteinahe Tageszeitung denn ein Zentralorgan im früheren Sinne.


 


Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/2.0/de/