Herausforderung Salafismus

25.4.2018 | Von:
Redaktion Infodienst Radikalisierungsprävention

Radicalisation Awareness Network (RAN): Das EU-Netzwerk für die Präventionspraxis

Mit dem Radicalisation Awareness Network (RAN) will die EU-Kommission gegen Extremismus vorgehen. Das wichtigste Mittel ist dabei der fachliche Austausch von Praktikerinnen und Praktikern aus verschiedenen Staaten und Fachgebieten. Wie arbeitet das Netzwerk, und was bietet RAN für die Praxis?

Europafahnen flattern bei verregnetem Himmel am Berlaymont-Gebäude der Europäischen Kommission in Brüssel.Europafahnen flattern bei verregnetem Himmel am Berlaymont-Gebäude der Europäischen Kommission in Brüssel. (© picture-alliance)

Was ist RAN – und was sind die Ziele?

Das Radicalisation Awareness Network – kurz RAN – ist ein Netzwerk für Praktikerinnen und Praktiker der Präventionsarbeit aus der gesamten Europäischen Union, das 2011 durch die EU-Kommission ins Leben gerufen wurde. Es wird durch die EU-Kommission finanziert, die aktuelle Förderperiode läuft bis 2019. Die niederländische Beratungsagentur RadarAdvies koordiniert RAN im Auftrag der Kommission und bildet das sogenannte Centre of Excellence (CoE).

Ziele sind die Vernetzung und der Austausch zwischen Fachleuten aus verschiedenen Bereichen der Präventionspraxis und aus verschiedenen Staaten zur Prävention und Bekämpfung von gewaltbereitem Extremismus. Dies geschieht unabhängig vom Phänomenbereich und umfasst beispielsweise Rechtsextremismus genauso wie Islamismus oder Strukturen linker Militanz. So sollen Ansätze und Konzepte weitergetragen und verbessert werden.

Das RAN publiziert die Ergebnisse und informiert darüber hinaus über Neuigkeiten aus Forschung und Politik rund um die Themen Radikalisierung, Extremismus, Terrorismus und Prävention. So will das Netzwerk auch über den Kreis der Beteiligten hinaus Fachleuten helfen, Praxiserkenntnisse aus verschiedenen europäischen Ländern zu nutzen und die eigene Arbeit zu verbessern.

Wer wirkt bei RAN mit?

Bei RAN engagieren sich Fachleute, die als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zivilgesellschaftlicher Akteure oder staatlicher Stellen koordinierend, forschend oder in direkter Auseinandersetzung täglich direkt mit radikalisierungsgefährdeten, radikalisierten oder ausstiegswilligen Menschen arbeiten. Diese stellen eine heterogene Zielgruppe dar, vom Mitläufer über die Aussteigerin bis hin zur gewaltbereiten Extremistin oder gar verurteilten Terroristen, mit jeweils unterschiedlichen Bedingungen für die Präventionsarbeit. Daher sind bei RAN zum Beispiel Akteure aus den Bereichen Schule und Sozialarbeit genauso vertreten wie Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich Sicherheit. Sie engagieren sich teilweise ehrenamtlich, teilweise während ihrer Arbeitszeit. Hinzu kommen die Angestellten des RAN Centre of Excellence (CoE), die hauptamtlich die Arbeit des Netzwerks koordinieren.

Der Fokus des RAN liegt auf der Präventionsarbeit. Die Praktikerinnen und Praktiker engagieren sich in der Prävention und Bekämpfung der Radikalisierung bis hin zum gewaltbereiten Extremismus in all seinen Formen oder in der Reintegration gewaltbereiter Extremistinnen und Extremisten. Sie sind häufig der erste professionelle Kontakt für gefährdete Menschen und ihre Angehörigen.

Wie arbeitet RAN?

Die Praktikerinnen und Praktiker aus verschiedenen Arbeitsbereichen treffen sich in Arbeitsgruppen und Workshops, um lokale Herausforderungen oder spezifische Fragestellungen zu diskutieren. Sie lernen einander kennen, teilen Wissen und begutachten bewährte Praktiken aus allen Teilen der EU. Die Ergebnisse werden in Form von Handreichungen, Protokollen und Beispielen guter Praxis auf der Internetseite publiziert. Ein monatlich erscheinender Newsletter informiert über die Aktivitäten der Arbeitsgruppen, Nachrichten und Termine. (Ein Überblick über die Angebote des RAN im Internet findet sich im Abschnitt "Was bietet RAN für die Präventionspraxis?".)

Das RAN Centre of Excellence (CoE) in Amsterdam unterstützt und koordiniert das Netzwerk und sammelt und publiziert die Ergebnisse. Das CoE dient zudem als Ansprechpartner für die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten.

Der größte Teil der Arbeit des RAN findet in englischer Sprache statt. Einzelne Publikationen (Handreichungen, der monatliche Newsletter) werden auch auf Deutsch und in anderen Sprachen veröffentlicht.

Arbeitsgruppen

Im Rahmen des RAN gibt es derzeit neun Arbeitsgruppen (Stand April 2018) zu Schlüsselthemen aus dem Arbeitsbereich. Die Arbeitsgruppen bestehen je nach Thema entweder aus kontinuierlichen "Stamm"-Mitgliedern oder es werden immer wieder andere Teilnehmende zu den Arbeitsgruppentreffen eingeladen. Interessierte können sich dafür bewerben, an Treffen und Arbeitsgruppen teilzunehmen. Bei der Auswahl sind vor allem Sachverständnis, Praxisbezug – der berufliche Kontakt zu Betroffenen – und Herkunftsland relevant.

Die Arbeitsgruppen treffen sich meist vier Mal jährlich. Die Treffen sind interaktiv sowie beispiel- und praxisorientiert. Nach jedem Treffen werden sogenannte Ex-Post Paper mit den zentralen Ergebnissen veröffentlicht.

Die inhaltliche Ausrichtung der Arbeitsgruppen wird in der Steuerungsgruppe (Steering Committee) geplant. Die Europäische Kommission steht dieser Steuerungsgruppe vor. Außerdem gehören ihr die Vorsitzenden der einzelnen Arbeitsgruppen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kompetenzzentrums an.

Die Namen und inhaltlichen Schwerpunkte der Arbeitsgruppen sind:
  • Communication and Narratives (RAN C&N) – Erstellung und Bereitstellung von On- und Offline- Kommunikationswerkzeugen, die extremistische Propaganda in Frage stellen und Alternativen zu extremistischem Gedankengut bieten
  • Education (RAN EDU) – legt den Fokus auf die Stärkung von Lehrkräften und dem Bildungssektor im Umgang mit Radikalisierung
  • EXIT (RAN EXIT) – konzentriert sich auf Deradikalisierungs- und Ausstiegsprogramme
  • Youth, Families and Communities (RAN YF&C) – bearbeitet, wie man Jugendliche, Familien sowie ethnische oder religiöse Gruppierungen am besten unterstützen kann, die mit Radikalisierung konfrontiert sind oder in besonderem Maße vulnerabel sein können
  • Local Authorities (RAN LOCAL) – Austausch über Ansätze und Strategien, an denen mehrere lokale Akteure beteiligt sind, die sozialräumliche Ansätze verfolgen
  • Prison and Probation (RAN P&P) – Analyse der Auswirkungen von Gefängnissystemen, Reintegrationsprogrammen und auf verurteilte Terroristen zugeschnittene Interventionen
  • Police and Law Enforcement (RAN POL) – identifiziert wirksame polizeiliche Ansätze, einschließlich Ausbildung, Einsatz sozialer Medien und Aufbau von vertrauens- und beziehungsbasierten Ansätzen der Arbeit mit Familien, Vereinen, Milieus und Quartieren
  • Remembrance of Victims of Terrorism (RAN RVT) – Pflege eines Netzwerks von Opfern des Terrorismus und Organisation des Europäischen Tags zum Gedenken und in Erinnerung an die Opfer des Terrorismus am 11. März
  • Health and Social Care (RAN H&SC) – Sensibilisierung von Mitarbeitern des Gesundheits- und Sozialwesens im Hinblick auf ihre Rolle bei der Identifizierung und Unterstützung von radikalisierungsgefährdeten Personen
Centre of Excellence

Das RAN Centre of Excellence (CoE) bezeichnet sich als "Drehscheibe (Hub) für die Verbindung, den Ausbau und die Verbreitung von Expertise". Es wird im Auftrag der Europäischen Kommission von der Agentur RadarAdvies in Amsterdam betrieben. Das CoE unterstützt und koordiniert RAN und fördert den Dialog zwischen Praxis, Politik und Wissenschaft. Das Kompetenzzentrum organisiert sämtliche Veranstaltungen und Fortbildungen des RAN. Es sammelt Erfahrungswissen, entwickelt aktuelle Zusammenstellungen von Handlungsansätzen, sowie neue Fragestellungen und Thesen, die zur Verbesserung der Arbeit im Arbeitsfeld beitragen sollen. Das CoE unterstützt und berät die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten. Es hilft auch bei der Ausgestaltung der Forschungsagenda der Kommission und arbeitet mit Präventionsinitiativen in und außerhalb der EU zusammen.

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