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Herausforderung Salafismus

3.12.2018

Strukturen der Präventionsarbeit auf Bundesebene

Bundesministerien und -behörden sind bereits seit langem in der Extremismusprävention aktiv. Das Bundesinnenministerium und das Bundesfamilienministerium zählen mit ihren Förderprogrammen bundesweit zu den wichtigsten Akteuren, denn sie finanzieren einen bedeutenden Teil der Präventionsarbeit auf den Ebenen der Länder und Kommunen. Im Jahr 2016 hat die Bundesregierung eine Strategie vorgelegt, die vorsieht, die Aktivitäten des Bundes zu bündeln und zu optimieren.

1. Gibt es eine bundesweite Präventionsstrategie?

1.1 Die Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung

Das damalige Bundeskabinett hat im Juli 2016 die "Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung" beschlossen. Sie ist die ressortübergreifende Strategie in diesem Bereich und wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie vom damaligen Bundesministerium des Innern gemeinsam vorgelegt.

Die Strategie verfolgt einen phänomenübergreifenden Ansatz und richtet sich gegen jegliche menschenfeindliche Ideologien. Als Schwerpunkte werden unterschiedliche Formen des Extremismus genannt, unter anderem Rechtsextremismus, Linksextremismus, islamistische Radikalisierung sowie Islamfeindlichkeit. [1]

Unter anderem soll die Strategie dazu beitragen, die Aktivitäten des Bundes zu bündeln und zu optimieren. [2] Sie sieht vor, die verschiedenen Ansätze und Programme zu verzahnen, Synergien zu schaffen sowie Lücken zu schließen. [3]

Extremismusprävention umfasst demnach alle Maßnahmen, die der Ablehnung der Werteordnung des Grundgesetzes und des demokratischen Verfassungsstaates vorbeugen und entgegenwirken sollen. [4]

Als Handlungsfelder nennt die Bundesregierung:

  • Politische Bildung, interkulturelles Lernen und Demokratiearbeit,
  • Zivilgesellschaftliches Engagement,
  • Beratung, Monitoring und Intervention,
  • Medien und Internet,
  • Forschung sowie
  • Internationale Zusammenarbeit. [5]
Die Bundesregierung war zuvor bereits seit langem in der Extremismusprävention aktiv. Seit 1992 werden Programme und Maßnahmen der Prävention gefördert, ab 2001 wurde auch die Demokratieförderung verstärkt. Auf EU-Ebene verabschiedeten die Mitgliedstaaten bereits 2005 eine Strategie der Terrorismusbekämpfung, die unter anderem Präventionsmaßnahmen vorsah. [6]

1.2 Nationales Präventionsprogramm nennt Schwerpunkte im Bereich Islamismus

Ergänzend zur Präventionsstrategie hat der Koalitionsausschuss der letzten Bundesregierung im Jahr 2017 das “Nationale Präventionsprogramm gegen islamistischen Extremismus" (NPP) beschlossen. Es soll auch in der aktuellen Legislaturperiode fortgesetzt werden, das sieht der Koalitionsvertrag vom März 2018 vor.

Es soll auf der Präventionsstrategie und den bereits bestehenden Präventionsmaßnahmen aufbauen und weitere Schwerpunkte entwickeln. Die Schwerpunkte des NPP sehen vor,

  • Jugendliche an den relevanten Orten der Prävention besser zu erreichen,
  • die Prävention im Netz zu verstärken,
  • mit Integrationsmaßnahmen der Radikalisierung den Nährboden zu entziehen,
  • die Prävention und Deradikalisierung im Strafvollzug und in der Bewährungshilfe zu fördern sowie
  • die Wirksamkeit zu erhöhen. [7]
1.3 Zivilgesellschaftliche Präventionsarbeit auf Bundesebene

Einzelne zivilgesellschaftliche Akteure sind bundesweit beziehungsweise überregional aktiv. Sie betreiben – überwiegend im Auftrag der Bundesländer beziehungsweise von Landesbehörden – jeweils mehrere Beratungsstellen in verschiedenen Ländern.

Hinzu kommen zwei zentrale Verbände, die jeweils mehrere zivilgesellschaftliche Akteure vertreten: die Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus (BAG RelEx) sowie das Präventionsnetzwerk gegen religiös begründeten Extremismus.

Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus

Die “Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus” wurde Ende 2016 gegründet, arbeitet phänomenübergreifend und engagiert sich gegen jede Form von religiös begründetem Extremismus. Sie will zivilgesellschaftliche Akteure bundesweit vernetzen und als Interessenvertretung gegenüber staatlichen Einrichtungen, Politik und Gesellschaft fungieren. [8] Sie vertritt damit knapp 30 zivilgesellschaftliche Träger aus dem Arbeitsfeld der Präventions- und Ausstiegsarbeit im Bereich des religiös begründeten Extremismus.

Präventionsnetzwerk gegen religiös begründeten Extremismus

Das “Präventionsnetzwerk gegen religiös begründeten Extremismus” engagiert sich sowohl gegen religiös begründeten Extremismus als auch gegen gesellschaftliche Polarisierung. Ziel ist es, islamische Dachverbände als Träger der Präventionsarbeit zu stärken. Im Netzwerk arbeiten religiöse und nicht-religiöse Organisationen zusammen. [9] Das Präventionsnetzwerk richtet sich insbesondere an die Verbände der deutschen Islamkonferenz. Regelmäßig finden Netzwerktreffen statt. Sie bieten Raum für die Erarbeitung verbandsübergreifender Positionierungen im Themenfeld und für den Austausch mit etablierten Trägern. Koordiniert wird das Netzwerk von der Türkischen Gemeinde in Deutschland in Kooperation mit dem Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V. [10]

Die meisten Initiativen der Islamismusprävention arbeiten dagegen auf der kommunalen oder regionalen Ebene beziehungsweise sind in bestimmten Bundesländern landesweit aktiv. Auch viele dieser regionalen Akteure sind in den Verbänden vertreten.

2. Wie ist die Präventionsarbeit organisiert?

2.1 Abstimmung zwischen den Ressorts auf Bundesebene

Die staatliche Präventionsarbeit auf Bundesebene wird nicht von einer zentralen Stelle gesteuert, sondern zwischen den beteiligten Akteuren in verschiedenen Gremien koordiniert. Dabei sind verschiedene Ressorts und verschiedene staatliche Ebenen beteiligt.

Interministerielle Arbeitsgruppe zur Demokratieförderung und Extremismusprävention

Zur Abstimmung innerhalb der Bundesregierung zwischen den beteiligten Bundesministerien und den jeweiligen nachgeordneten Behörden dient die Interministerielle Arbeitsgruppe zur Demokratieförderung und Extremismusprävention (IMA), die in der 18. Legislaturperiode (2013-2017) eingerichtet und 2018 fortgesetzt wurde. [11]

Arbeitsgruppe Deradikalisierung im GTAZ

Darüber hinaus existiert eine Arbeitsgruppe Deradikalisierung innerhalb des Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ). Neben Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern sind dort das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI), das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie die Bundeszentrale für politische Bildung vertreten. Die Arbeitsgruppe soll unter anderem Maßnahmen gegen die islamistische Szene sowie Deradikalisierungsmaßnahmen entwickeln. Sie dient darüber hinaus als Plattform zum Informations- und Erfahrungsaustausch. [12]

Beteiligte Ministerien

Die wichtigsten Akteure der Präventionsarbeit auf Bundesebene sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI). Sie sind für die Präventionsprogramme “Demokratie leben!” und “Zusammenhalt durch Teilhabe” zuständig, aus denen zahlreiche Projekte der Prävention im gesamten Bundesgebiet finanziert werden (siehe Abschnitt 2.2).

Die Bundesregierung nennt in ihrer Strategie (siehe Abschnitt 1) weitere Bundesministerien, die mittelbar eine Rolle für die Prävention spielen, weil sie mit verschiedenen Maßnahmen präventiv wirken. Dazu gehören demnach das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) mit Qualifizierungsmaßnahmen, das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit einem Förderprogramm in der Ausbildung, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), indem es den gesellschaftlichen Zusammenhalt im ländlichen Raum fördert, sowie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit Fördermaßnahmen in Schule und Jugendarbeit. [13]

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert zudem im Programm „Forschung für die zivile Sicherheit” die Forschung im Bereich Extremismus. Dabei geht es um Projekte, die beispielsweise Extremismus im Internet analysieren und Präventionsstrategien und -methoden entwickeln. [14]

2.2 Die Bundesprogramme im Präventionsbereich

Zentrale “Bausteine” der Präventionsstrategie der Bundesregierung sind die Bundesprogramme “Demokratie leben!” und “Zusammenhalt durch Teilhabe”.

Demokratie leben! (BMFSFJ)

Das Bundesprogramm "Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit" des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) wurde 2015 initiiert. Es ist das Nachfolgeprogramm der früheren Programme “Toleranz fördern Kompetenz stärken” sowie "Initiative Demokratie stärken”. [15]

Das Programm ist phänomenübergreifend angelegt und richtet sich gegen “Angriffe auf Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit sowie Ideologien der Ungleichwertigkeit”. Neben gewaltorientiertem Islamismus geht es dabei unter anderem auch um Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. [16]

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend führt „Demokratie leben!“ auf der Grundlage seiner Zuständigkeit in der Kinder- und Jugendhilfe durch. Demnach ist es Aufgabe des Ministeriums, die Tätigkeit der Jugendhilfe in Bereichen zu fördern, die von überregionaler Bedeutung sind und nicht durch ein Bundesland allein wirksam gefördert werden können. [17]

Im Rahmen von “Demokratie leben!” werden zum einen Strukturen gefördert, zum anderen Modellprojekte (siehe Informationen und Grafik zur Programmstruktur auf der Website von “Demokratie leben!”.

Zur Strukturförderung gehören:

  • “Partnerschaften für Demokratie”: Förderung von deutschlandweit 265 Kommunen,
  • Landes-Demokratiezentren: Förderung von Angeboten in den 16 Bundesländern zur Demokratiestärkung sowie von Opfer-, Ausstiegs- und Mobiler Beratung,
  • Förderung der Strukturentwicklung zum bundeszentralen Träger: Förderung der Professionalisierung und Verstetigung der Arbeit von derzeit 35 deutschlandweit tätigen nichtstaatlichen Organisationen. [18]
Modellprojekte werden in folgenden Themenfeldern gefördert:

  • Ausgewählte Phänomene gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Demokratiestärkung im ländlichen Raum,
  • Radikalisierungsprävention – Verhinderung von Radikalisierungsprozessen,
  • Engagement und Vielfalt in der Arbeits- und Unternehmenswelt,
  • Demokratieförderung im Bildungsbereich,
  • Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft,
  • Stärkung des Engagements im Netz - gegen Hass im Netz,
  • Prävention und Deradikalisierung in Strafvollzug und Bewährungshilfe. [19]
Zusammenhalt durch Teilhabe (BMI)

Das Bundesprogramm "Zusammenhalt durch Teilhabe" wurde vom damaligen Bundesministerium des Innern (BMI) 2010 als Ergänzung zu den bestehenden Aktivitäten des BMFSFJ aufgelegt. [20] Grundlage ist die Zuständigkeit des BMI für die öffentliche Sicherheit, Zuwanderung und Integration sowie gesellschaftlichen Zusammenhalt. [21] Das Programm fördert Projekte demokratischer Teilhabe und gegen Extremismus. Gestartet ist es in den neuen Bundesländern, mittlerweile wurde die Förderung auf ländliche und strukturschwache Gegenden bundesweit ausgeweitet. [22] Im Mittelpunkt stehen Vereine und Verbände. [23]

2.3 Präventionsarbeit der Bundesbehörden

Im Ressort des Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat sind zwei Bundesbehörden angesiedelt, die in der Präventionsarbeit auf Bundesebene eine zentrale Rolle spielen: Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) sowie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Bundeszentrale für politische Bildung

Die Aufgabe der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ist es unter anderem, das demokratische Bewusstsein zu fördern. Sie zielt mit ihrer Arbeit darauf, der Entstehung und Verfestigung extremistischer Einstellungen durch Bildungsarbeit entgegenzuwirken. Sie bietet ein umfangreiches Informationsangebot sowie verschiedene Bildungsformate wie Print- und Online-Publikationen sowie Veranstaltungen bundesweit an. Die Angebote richten sich teilweise an die Allgemeinheit und sollen zum Beispiel über Extremismus informieren; teilweise richten sie sich speziell an Akteure aus der Radikalisierungsprävention und sollen diese mit Fachinformationen versorgen und qualifizieren. Außerdem arbeitet die bpb im Netzwerk gemeinsam mit den Landeszentralen für politische Bildung sowie zahlreichen weiteren Bildungseinrichtungen und -trägern zusammen. [24] Dazu gehört auch, dass die bpb Fördermittel vergibt. Zum einen für innovative Modellprojekte, zum anderen für anerkannte Bildungsträger. [25]

Beratungsstelle Radikalisierung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Die Beratungsstelle Radikalisierung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bietet Unterstützung für Angehörige und andere Personen aus dem sozialen Umfeld von Menschen, die sich radikalisieren. Die Beratungsstelle besteht bereits seit 2012. Sie bietet neben allgemeinen Informationen auch eine Einzelfallberatung vor Ort. Diese wird durch zivilgesellschaftliche Partner in den jeweiligen Bundesländern durchgeführt. [26]

Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Darüber hinaus nennt die Bundesregierung in ihrer Strategie auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. [27] Sie informiert unter anderem über Diskriminierung mit Bezug auf Religion und Weltanschauung [28] und führt in diesem Bereich Forschungsvorhaben durch. [29]

2.4 Die Rolle der Sicherheitsbehörden

Auch Sicherheitsbehörden auf Bundesebene sind über ihre Aufgaben im Sicherheitsbereich hinaus teilweise in der Präventionsarbeit aktiv – indem sie Analysen durchführen, Informationen für die breite Öffentlichkeit sowie für Fachleute bereitstellen und Sensibilisierungsmaßnahmen durchführen.

So hat die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes Lehr- und Lernmaterialien entwickelt, die Jugendliche für islamistische Propaganda sensibilisieren sollen. [30] Sie informiert zudem auf ihrer Website über das Thema.

Im Bundeskriminalamt (BKA) existiert seit 2003 die “Forschungsstelle Terrorismus/Extremismus” (FTE). Zu ihren Aufgaben gehört, die Präventionsarbeit mit wissenschaftlicher Expertise zu fördern. Teilweise veröffentlicht sie Studien zum Themenfeld Islamismus und Prävention. [31]

3. Wie arbeiten Bund, Ländern und Kommunen zusammen?

Die Abstimmung zwischen Bundesregierung und den Bundesländern findet unter anderem bei Fachministerkonferenzen statt. [32] Die Aufgabenteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen ist für die Präventionsstrategie der Bundesebene von Bedeutung, weil die Länder zuständig sind für polizeiliche Prävention, Strafvollzug, Jugend- und Sozialarbeit sowie Bildung. Im Bereich der politischen Bildung sind Länder und Bund gemeinsam aktiv. [33]

Die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern stimmen sich bereits seit 2009 in der Arbeitsgruppe “Deradikalisierung” des gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) über islamistischen Extremismus ab. [34]

Außerdem existieren verschiedene Bund-Länder-Arbeitsgruppen im Rahmen der Ständigen Konferenz der Innenministerinnen und Innenminister sowie Innensenatorinnen und Innensenatoren der Länder (IMK). [35]

Auch das Beratungsnetzwerk des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) dient als Plattform für den Austausch. Das Bundesamt und die angebundenen Akteure in den Bundesländern stimmen sich regelmäßig ab.

Über die Bundesprogramme “Zusammenhalt durch Teilhabe” und “Demokratie leben!” finanziert der Bund zudem einen bedeutenden Teil der Präventionsarbeit auf den Ebenen der Länder und Kommunen (s. Abschnitt 2.2).

4. Wie arbeitet der Bund mit zivilgesellschaftlichen Akteuren zusammen?

Die Bundesregierung arbeit im Bereich der Prävention und Demokratieförderung mit zahlreichen zivilgesellschaftlichen Trägern zusammen. [36] Über die von BMI und BMFSFJ gesteuerten Bundesprogramme “Demokratie leben!” und “Zusammenhalt durch Teilhabe” finanziert sie hunderte von Projekten der Extremismusprävention. Im Rahmen der Programme finden jährliche Trägerkonferenzen statt, die dem Dialog zwischen Regierung und Zivilgesellschaft dienen sollen. [37]

5. Welche Besonderheiten gibt es auf der Bundesebene/in Deutschland hinsichtlich der Präventionsarbeit im Vergleich zu anderen Ländern?

Die Präventionsarbeit ist durch die föderale Aufgabenteilung geprägt. Dadurch unterscheiden sich die Strukturen in Deutschland zum Beispiel stark von denen in Frankreich, wo die Präventionsarbeit zentral gesteuert und organisiert wird.

Die Bundesländer sind für Sicherheit und Bildung zuständig und somit für zentrale Bereiche der Prävention. Sie organisieren weite Bereiche der Präventionsarbeit eigenständig. Die Maßnahmen der Länder sind durch die jeweils unterschiedlichen Herausforderungen geprägt. Dementsprechend unterscheiden sich die Maßnahmen und Programme der Länder in Art und Umfang.

Zivilgesellschaftliche Akteure haben für die Präventionsarbeit eine große Bedeutung. Sie sind nicht nur Träger der meisten Maßnahmen, sondern fungieren auch als Ideengeber. So geben zum Beispiel die Bundesprogramme Ziele vor; zivilgesellschaftliche Träger bewerben sich mit eigenen Vorschlägen um entsprechende Fördermittel.

Sowohl das Bundesprogramm “Demokratie leben!” als auch die Bundeszentrale für politische Bildung fördern sogenannte Modellprojekte. Sie dienen dazu, innovative Ansätze zu entwickeln und zu erproben. Bewährte Methoden sollen dann von den Ländern auch in anderen Projekten angewendet und in andere Bereiche übertragen werden. [38]

6. Findet eine Evaluation der Präventionsarbeit auf Bundesebene statt?

Im November 2013 hatten sich die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag verständigt, die Bemühungen des Bundes bei der Extremismusprävention und der Demokratieförderung zu bündeln und ihre Wirksamkeit zu verbessern. [39] Hintergrund waren unter anderem die Empfehlungen des NSU-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages. [40]

Bericht über die Wirkung der Bundesprogramme zur "Extremismusbekämpfung"

Eine entsprechende Aufforderung an die Bundesregierung, einen Bericht über die Wirkung der Bundesprogramme zur "Extremismusbekämpfung" vorzulegen, wurde 2013 vom Bundestag beschlossen. Im Juni 2017 hat die Bundesregierung den Bericht dem Parlament vorgelegt. [41] Für den Bericht hatte eine Interministerielle Arbeitsgruppe (IMA) die verschiedenen Aktivitäten der Ressorts erfasst. [42]

Als Handlungsempfehlungen nennt der Bericht unter anderem eine umfassende wissenschaftliche Bestandsaufnahme der Präventionsarbeit in Deutschland, den Ausbau der Forschung und die Bündelung von Maßnahmen. Die Bundesregierung will zudem alle vom Bund geförderten Maßnahmen wissenschaftlich begleiten und evaluieren lassen. [43]

Evaluation der Bundesprogramme

Die Bundesprogramme “Demokratie leben!” und “Zusammenhalt durch Teilhabe” werden wissenschaftlich begleitet. Verschiedene Evaluationsberichte liegen auf den Internetseiten von Zusammenhalt durch Teilhabe sowie Demokratie leben! vor.

Evaluation der Beratungsstelle Radikalisierung des BAMF

Auch die Beratungsstelle Radikalisierung im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lässt ihre Arbeit evaluieren. Die Ergebnisse werden im Internet veröffentlicht.

Evaluationen durch das Nationale Zentrum für Kriminalprävention

Darüber hinaus führt auch das Nationale Zentrum für Kriminalprävention (NZK) Evaluationsprojekte im Bereich Islamistische Radikalisierung durch.

7. Weiterführende Informationen

Akteure und Anlaufstellen

Wichtige Quellen

Quellen (intern)



Die Grafik stellt die zentralen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure der Präventionsarbeit auf Bundesebene und ihre Beziehungen zueinander dar.Die Grafik stellt die zentralen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure der Präventionsarbeit auf Bundesebene und ihre Beziehungen zueinander dar. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Infodienst Radikalisierungsprävention, www.bpb.de/radikalisierungsprävention)

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Fußnoten

1.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 11-12.
2.
Die Bundesregierung: Gegen Extremismus und für Demokratie, Abruf am 3.12.2018.
3.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 9.
4.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 11.
5.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 10.
6.
Stiftung Wissenschaft und Politik: Die Terrorismusbekämpfung der EU, S. 11 ff. sowie Deutscher Bundestag: Maßnahmen der EU zur Terrorismusbekämpfung, S. 8.
7.
Die Bundesregierung: Nationales Präventionsprogramm gegen islamistischen Extremismus
8.
Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus, Abruf am 3.12.2018.
9.
Präventionsnetzwerk gegen religiös begründeten Extremismus, Abruf am 3.12.2018.
10.
Türkische Gemeinde in Deutschland, Abruf am 3.12.2018.
11.
Deutscher Bundestag: Bericht zur Extremismusprävention, Abruf am 3.12.2018.
12.
Deutscher Bundestag: "Arbeitsgruppe Deradikalisierung", Abruf am 3.12.2018.
13.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 18.
14.
Bundesministerium für Bildung und Forschung: Extremismusforschung: Ursachen für Radikalisierung früh erkennen, Abruf am 3.12.2018.
15.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 6-7.
16.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Broschüre Demokratie leben!
17.
Deutscher Bundestag: Bericht der Bundesregierung über Arbeit und Wirksamkeit der Bundesprogramme zur Extremismusprävention, S. 31.
18.
Demokratie leben: Über Demokratie leben, Abruf am 3.12.2018.
19.
Demokratie leben: Über Demokratie leben, Abruf am 3.12.2018.
20.
Deutscher Bundestag: Bericht der Bundesregierung über Arbeit und Wirksamkeit der Bundesprogramme zur Extremismusprävention, S. 26.
21.
Bundesministerium des Innern: Im Profil
22.
Zusammenhalt durch Teilhabe: Über uns, Abruf am 3.12.2018
23.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 6-7.
24.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 16.
25.
Bundeszentrale für politische Bildung: Förderung
26.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 23.
27.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 16.
28.
Antidiskriminierungsstelle: Religion und Weltanschauung, Abruf am 3.12.2018.
29.
Antidiskriminierungsstelle: Themen und Forschung, Abruf am 3.12.2018.
30.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 16.
31.
Bundeskriminalamt: For­schungs- und Beratungs­stelle Terrorismus/Extremismus, Abruf am 3.12.2018.
32.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 17.
33.
Deutscher Bundestag: Bericht der Bundesregierung über Arbeit und Wirksamkeit der Bundesprogramme zur Extremismusprävention, S. 4.
34.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 17.
35.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 17.
36.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 8.
37.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 18.
38.
Demokratie leben: Modellprojekte zu ausgewählten Phänomenen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und zur Demokratiestärkung im ländlichen Raum, Abruf am 3.12.2018.
39.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 9.
40.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Kabinett beschließt Strategie zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, Abruf am 3.12.2018.
41.
Deutscher Bundestag: Bericht zur Extremismusprävention, Abruf am 3.12.2018.
42.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 9.
43.
Deutscher Bundestag: Bericht der Bundesregierung über Arbeit und Wirksamkeit der Bundesprogramme zur Extremismusprävention, S. 31 ff.

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