Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

Glossar

Burschenschaften



Burschenschaften sind national-konservative Studentenverbindungen, die sich auf die Grundsätze "Ehre, Freiheit, Vaterland" der 1815 bei Jena gegründeten Urburschenschaft beziehen. Fast alle Burschenschaften nehmen ausschließlich Männer und nur Personen auf, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Burschenschafter, die das Studium beendet haben, bleiben ihrer Verbindung oft als "Alter Herr" treu.

In Deutschland sind mehr als 1000 Studentenverbindungen aktiv, nur ein Viertel davon sind Burschenschaften. Der Großteil der Burschenschaften ist farbentragend. Das heißt, ihre Mitglieder tragen als Erkennungszeichen ein farbiges Band um den Oberkörper und eine Kappe. Als "schlagende Verbindung" werden Burschenschaften bezeichnet, bei denen es zum Brauch gehört, sich mit Säbeln zu duellieren. Bei den Kämpfen kommt es häufig zu schweren Verletzungen. Eventuelle Narben werden als Auszeichnung für Tapferkeit und Zeichen für die enge Verbundenheit zu den Burschenschaften angesehen.

Allein im größten und ältesten Dachverband "Deutsche Burschenschaft" (DB) sind 1300 Studenten und mehr als 10.000 "Alte Herren" aus 120 Mitgliedsbünden aktiv. Im Sommer 2011 sorgte der DB mit dem Streit um den sogenannten "Ariernachweis" für Schlagzeilen: Auf einem Verbandstreffen war gefordert worden, eine Burschenschaft wegen eines Mitglieds, dessen Eltern aus China stammen, aus dem Dachverband auszuschließen. Es sei "besonders in Zeiten fortschreitender Überfremdung nicht hinnehmbar, dass Menschen, welche nicht vom deutschen Stamm sind, in die Deutsche Burschenschaft aufgenommen werden", lautete die Begründung. Erst nach starkem öffentlichen Druck wurde der Antrag zurückgezogen. Andere Burschenschafter forderten, die Aufnahmekritierien zu verschärfen und in Zukunft zwischen "deutscher", "abendländisch-europäischer" und "nicht-abendländisch-europäischer" Abstammung zu unterscheiden. Wegen dieses Streits verließen viele moderate Burschenschaften den Verband.

Immer wieder tauchen einzelne Burschenschaften wegen ihrer Verbindungen zu Rechtsextremisten in den Verfassungsschutzberichten der Länder auf. Einige bekannte Burschenschafter waren oder sind Mitglied in rechtsextremen Organisationen, beispielsweise der NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel (Burschenschaft Dresdensia-Rugia zu Gießen). Im Jahr 2001 warnte der damalige bayerische Innenminister Günther Beckstein explizit vor rechtsextremen Tendenzen innerhalb der deutschen Burschenschaften. 2014 kündigte der Hamburger Verfassungsschutz an, die Burschenschaft Germania Hamburg verstärkt zu beobachten. Es bestehe der Verdacht, dass von Teilen der Mitglieder "rechtsextremistische Bestrebungen" ausgehen. So lud die Germania mehrfach bekannte Rechtsextremisten zu Veranstaltungen ein, darunter auch einen hochrangingen NPD-Funktionär.




03.02.2014