Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

Glossar

Faschismus



Der Begriff "Faschismus" war ursprünglich die Eigenbezeichnung einer rechtsextremen Bewegung im Italien der 1920er bis -40er Jahre. Später wurde er zum Oberbegriff für nationalistische und anti-liberale Regime, die nach dem Ersten Weltkrieg in ganz Europa entstanden waren. In dieser Tradition werden noch heute viele rechtsextreme Ideologien oder Bewegungen pauschal als "faschistisch" bezeichnet.

Der Begriff ist abgeleitet von "fascio", italienisch für "Bund" oder "Bündel"; das Logo der Faschisten war ein Rutenbündel, das die Stärke und Überlegenheit einer Gemeinschaft gegenüber Einzelnen symbolisieren sollte. Aus den ab 1919 gegründeten Kampfbünden ("Fascio di combattimento") formte Benito Mussolini 1921 die Faschistische Partei Italiens mit ihm als autoritärem Führer. Sie kämpfte mit aggressiver Propaganda und offenem Straßenterror gegen Sozialismus und Kommunismus.

Nach einem martialisch inszenierten "Marsch auf Rom" stürzte Mussolini 1922 die italienische Regierung. In den Folgejahren baute er durch Auflösung der übrigen Parteien, Gleichschaltung der Justiz, Aufhebung von Bürgerrechten und Pressefreiheit sowie politischen Morden eine Einparteiendiktatur auf. In den 1920er und 1930er Jahren entstanden in vielen europäischen Ländern faschistische Bewegungen, etwa in Spanien, Ungarn, Rumänien oder Kroatien.

Der italienische Faschismus verband rechte und eher linke Elemente, einen extremen Nationalismus, einen Großmachtanspruch für den gesamten Mittelmeerraum oder ein korporatistisches Wirtschaftsmodell mit einer radikalen sozialen Umgestaltung der Gesellschaft und der avantgardistischen Kulturbewegung des Futurismus. Ab Mitte der 1930er Jahre verbündete sich Mussolini mit dem deutschen Nationalsozialismus (dem wiederum der italienische Faschismus teilweise als Vorbild galt). Erst im Zuge dieser engeren Zusammenarbeit entwickelte der Faschismus eine antisemitische Ausrichtung. 1940 trat Italien an Hitlers Seite in den Zweiten Weltkrieg ein. Die militärischen Niederlagen führten 1943 zu Mussolinis Sturz.

Zwischen den Diktaturen Mussolinis und Hitlers gab es deutliche Parallelen, etwa die autoritäre Führerfigur. In der Linken und vor allem in der DDR wurde Faschismus als Synonym für den Nationalsozialismus gebraucht (eine solche Gleichsetzung ist aber in der Wissenschaft umstritten). Auch in der Umgangssprache ist oft von "faschistisch" die Rede, wenn eigentlich "rechtsextremistisch" gemeint ist. Analog dazu richtet sich der Antifaschismus (kurz: Antifa) generell gegen rechtsextreme Ideologien und Aktivitäten.



03.02.2014